37. DER HOLZHAUER, DER ZUR UNZEIT TANZTE

In Kerdifan ging ein Holzhauer einst ins Gebirge, um Holz zu fällen.

Als er auf dem Berge an einen schönen Platz gekommen war, sah er dort

fünf bis zehn Mann sitzen, und vor ihnen stand ein Krug, aus dem sie

Speisen und Wein, soviel sie wollten, nahmen und nach Herzenslust sich

satt aßen.

Als der Holzhauer dies sah, trat er zu ihnen und mischte sich ins

Gespräch. Da ihnen seine Gesellschaft sehr gefiel, sagte einer von

ihnen zu ihm: „Sage uns, wenn du irgendeinen Wunsch hast. Wir werden

ihn erfüllen.“ Sie waren nämlich Gelehrte aus dem Feengeschlecht. Der

Holzhauer wünschte sich den Krug. Sie antworteten: „Du kannst ihn

bekommen, aber es ist schwer, ihn zu behüten. Es wäre schade um dich,

denn, wenn er zerbrochen ist, läßt er sich nicht wieder machen, und du

hast nichts mehr von ihm zu erwarten und wirst auch alles verlieren,

was du durch ihn erworben hast. Wünsche ihn dir lieber nicht und

fordere etwas, das dir nützlicher ist.“

Der dumme Holzhauer hörte aber nicht auf ihren Rat, sondern sagte: „Ich

wünsche doch den Krug. Ich werde ihn schon, soweit es möglich,

beschützen und ihn wie meinen Kopf halten.“ So gaben sie ihm den Krug.

Der Holzhauer wurde in kurzer Zeit sehr reich. Eines Tages hatte er

seine Freunde zu einer Gesellschaft eingeladen. Als die Eingeladenen

diesen wunderbaren Zauberkrug sahen, waren sie sehr erstaunt. Der

Holzhauer stand im Übermaß seiner Freude auf, setzte den Krug sich auf

den Kopf und fing vor Freuden an zu tanzen, indem er sagte: „O du

Kapital meines Wohlstandes, du Glanz meines Lebens.“ Während des Tanzes

glitt er aus, fiel aufs Gesicht, der Krug fiel ihm vom Kopfe und

zerbrach in tausend Scherben. Sogleich schwand sein großer Reichtum und

Wohlstand dahin, und er wurde wieder so arm wie vorher. Alles, was er

bis zu diesem Tage an Geld gesammelt hatte, verschwand.

Türkische Märchen · 第 59 / 91 题