Die Geschichtenüberlieferer und die Märchenerzähler berichten
folgendes. In früheren Zeiten hatte ein Padischah in seinem
Privatgarten einen Apfelbaum. Alljährlich brachte er drei Äpfel hervor.
Wenn sie reif waren, kam um Mitternacht ein siebenköpfiger Dev,
pflückte die Äpfel ab und ging weg. Der Padischah bekam nichts von
ihnen zu essen. Der Padischah hatte auch drei Söhne. Eines Tages kommt
der älteste, küßt den Boden und bleibt vor dem Vater stehen. Der
Padischah fragt: „Was wünschst du mein Sohn?“ Er antwortet: „Wenn Euer
Majestät erlauben, werde ich diese Nacht den Apfelbaum bewachen, den
Dev töten und die Äpfel abpflücken.“ Der Padischah sagte: „Sehr schön,
mein Sohn, aber wie willst du den Dev töten? Nachher stößt dir etwas
zu. Wenn du ihn bestrafen kannst, töte ihn.“ Der Prinz nahm einen Pfeil
in die Hand, ging in den Privatgarten und verbarg sich. Um Mitternacht
entstand ein Geräusch und Getobe. Der Himmel war mit schwarzem Nebel
bedeckt. Nach einiger Zeit kam aus dem Nebel ein siebenköpfiger Dev
hervor und ging zum Baum. Als der Prinz ihn sah, verließ ihn die
Besinnung. Er erhob ein Geschrei und lief ins Schloß. Der Dev pflückte
die Äpfel und ging weg. Am nächsten Morgen rief der Padischah den
Prinzen vor sich und fragte: „Mein Sohn, was hast du gemacht? Hast du
den Dev getötet und die Äpfel pflücken und herbringen können?“ Der
Prinz küßte den Boden und antwortete: „Mein Padischah, ich habe nur das
Leben retten können. Das ist ein Dev, daß jeder, der ihn sieht, die
Besinnung verliert.“ Im nächsten Jahre ging der mittlere Prinz zu
seinem Vater und sagte: „Vater, mein älterer Bruder hat den Dev nicht
töten können. Mit Ihrer Erlaubnis werde ich diesmal hingehen und den
Dev töten.“ Der Padischah antwortete: „Dein älterer Bruder hat den Dev
nicht töten können; wie willst du ihn töten?“ Da antwortete er: „Ich
kenne das Mittel.“ Da er sehr bat, wollte ihn sein Vater nicht erzürnen
und gab ihm die Erlaubnis. Der Prinz nahm einen Pfeil in die Hand, ging
in den Garten und verbarg sich. Genau um Mitternacht entstand ein
Geräusch und Getobe, rabenschwarzer Nebel bedeckte die Erde und den
Himmel. Nach einiger Zeit kam aus dem Nebel ein großer Dev und ging zum
Baum. Als der Prinz das Gesicht des Devs sah, fürchtete er sich; seine
Hände und Füße begannen zu zittern und er flüchtete eiligst in das
Schloß. Der Dev pflückte die Äpfel und ging weg. Auch in diesem Jahre
gab es kein Mittel gegen den Dev. Als das dritte Jahr um war, ging
diesmal der jüngste Prinz zu seinem Vater und sagte: „Vater, wenn Sie
erlauben, werde ich diesmal hingehen.“ Der Padischah sagte: „Deine
Brüder konnten ihn nicht töten. Wie willst du ihn töten?“ Da er sehr
bat und flehte, erhielt er die Erlaubnis von seinem Vater, ging in sein
Zimmer, nahm einen vergifteten Pfeil, steckte einen Koran in seinen
Busen und ging aus seinem Zimmer in den Privatgarten. Nachdem er sich
im Gartenhause hingesetzt hatte, öffnete er den Koran und fing an schön
darin zu lesen. Genau um Mitternacht entstand ein Geräusch und Getobe
und die Erde und der Himmel wurden mit schwarzem Nebel bedeckt. Nach
einiger Zeit kam aus dem Nebel ein siebenköpfiger großer Dev. Als er
auf den Baum zuging, spannte der Prinz den Bogen und schoß mit den
Worten: „Mit Gottes Hilfe“ den Pfeil auf den Kopf des Drachen ab. Er
drang an einem Kopfe ein, ging durch alle sieben Köpfe hindurch und kam
wieder heraus. Der Drache erhob ein Gebrüll, daß die ganze Erde und der
Himmel erdröhnte. Sein Blut floß und er machte, daß er davon kam. Der
Prinz pflückte sofort die Äpfel, ging ins Schloß und sagte: „Mein
Padischah, ich habe den Drachen getötet und die Äpfel mitgebracht.“ Da
war der Padischah sehr erfreut und sagte: „Bravo, mein Sohn, du hast
dich sehr tapfer gezeigt.“ Der Prinz küßte die Erde und sagte: „Mein
Herr, wenn Sie erlauben, werde ich dahin gehen, wohin der Drache
gegangen ist, und die Erde von ihm befreien.“ Der Padischah sagte:
„Mein Sohn, gehe nicht hin, es möchte dir ein Leid vom Drachen
geschehen.“ Aber es nutzte nichts. Am nächsten Morgen geht der Prinz
mit den beiden anderen Brüdern der blutigen Spur des Drachens nach.
Nach einigen Tagen finden sie an der Öffnung eines Brunnens viel Blut.
Die Öffnung des Brunnens war mit einem großen Stein verschlossen. Wie
sehr sich auch die älteren Brüder bemühten, sie konnten ihn auch nicht
das geringste aufheben. Der jüngste Prinz faßte ihn mit seinem kleinen
Finger, hebt ihn auf und wirft ihn auf einen Berg. Als sie das sehen,
wundern sie sich. Jetzt sagt der jüngste Prinz: „Ich werde in den
Brunnen hinabsteigen und den Drachen töten.“ Der Älteste sagt: „Bruder,
ich bin der Älteste, es kommt dir nicht zu, während ich hier bin.“ Sie
waren damit einverstanden. Schließlich banden sie ihm einen Strick um
die Hüfte und ließen ihn in den Brunnen hinab. Kaum ist der Prinz in
den Brunnen gestiegen, da schreit er: „Ach, ich verbrenne, zieht mich
nach oben!“ Sofort zogen sie ihn nach oben. Dann banden sie dem
Mittleren den Strick um den Leib und ließen ihn hinab. Während er
hinunter steigt, schreit er: „Ach, ich erfriere, zieht mich hinauf!“
Sogleich zogen sie ihn hinauf. Da sagte der jüngste Prinz: „Brüder,
bleibt hier, ich werde in den Brunnen steigen. Auch wenn ich sage:
‚Ach, ich verbrenne‘, laßt den Strick nach, ebenso, wenn ich sage: ‚Ich
erfriere.‘“ Die sagten: „Sehr wohl“, banden ihm den Strick um den Leib
und ließen ihn in den Brunnen. Als der Prinz sagte: „Ach, ich brenne,“
ließen die den Strick nach, als er sagte: „Ach, ich erfriere,“ ließen
sie nach. So kam der Prinz bis auf den Grund des Brunnens. Er löste den
Strick von seinem Leibe, ging geradeaus, kam an ein Zimmer, trat ein
und sah am Stickrahmen ein Mädchen, schön wie der Mond am vierzehnten.
Von dort kommt er in ein anderes Zimmer, tritt ein und sieht, — was
siehst du? — dies Mädchen ist noch schöner als das erste. Es saß
gleichfalls am Stickrahmen. Darauf kommt er in ein anderes Zimmer und
sieht — was siehst du? — ein Mädchen, das schönste Wesen der Welt und
der Zeit. So schön war es. Seine Locken waren nach beiden Seiten
gescheitelt. Es war, als ob die Sonne in dies Zimmer gefallen war und
denjenigen, der es ansah, blendete. Man konnte es nicht aushalten
hinzusehen. Als der Prinz dieses Mädchen sah, verlor er fast die
Besinnung und verliebte sich von ganzem Herzen in dieses Mädchen. Er
redete sie an: „Mädchen, bist du ein Geist oder was sonst?“ Das Mädchen
antwortete: „Ich bin ein Mensch. Aber mein Held, wie bist du hierher
gekommen? Denn hier in diesem Brunnen ist ein großer Dev. Wenn er dich
merkt, gibt er keine Gnade und tötet dich.“ Da antwortete der Prinz:
„Meine Prinzessin, ich bin gerade gekommen, um ihn zu töten. Zeige mir,
welches Zimmer das des Devs ist.“ Das Mädchen zeigte ihm das Zimmer, in
welchem der Dev war. Der Prinz tritt in das Zimmer ein und sieht — was
siehst du? — einen häßlichen Dev, so groß wie ein Minaret. Jeder, der
ihn sieht, verliert die Besinnung. Als der Dev den Prinzen sieht, nimmt
er seine Wurfkeule von tausend Batman in die Hand, brüllt so, daß die
Erde und der Himmel dröhnt, und wirft die Keule auf den Prinzen. Der
Prinz deckte sich. Als der Dev fertig war, sagte der Prinz: „Mit Gott“,
schlug mit dem Schwerte nach dem Kopfe des Verfluchten und schnitt ihm
den Hals ab. Sogleich fiel der Verfluchte auf die Erde und schickte
seine Seele in die Hölle.
Dann geht der Prinz in das Zimmer des Mädchens, nimmt die drei Mädchen
und an Wert schwere, an Last geringe Diamanten, Juwelen, Rubinen,
Hyazinthen und derartige andere viele wertvolle Sachen mit sich und
geht mit ihnen an den Grund des Brunnens. Dort ruft der Prinz seinen
obenstehenden Brüdern zu. Die lassen den Strick herunter. Der Prinz
bindet den Strick dem ersten Mädchen um den Leib und sagte: „Mein
ältester Bruder, dies ist dein Anteil.“ Die zogen auch das Mädchen nach
oben. Dann lassen sie den Strick wieder hinunter. Der Prinz bindet das
andere Mädchen an und sagte: „Da, mittlerer Bruder, das ist dein
Anteil.“ Sie ziehen das Mädchen nach oben und lassen den Strick nach
unten. Das Mädchen, das die Geliebte des Prinzen war, sagte zu ihm:
„Mein Prinz, erst steige du nach oben, danach ich. Denn wenn deine
Brüder mich oben sehen, werden sie neidisch werden, den Stick
abschneiden und dich im Brunnen lassen.“ Der Prinz hörte aber nicht auf
die Worte des Mädchens und sagte: „Nein, zuerst steigst du nach oben,
dann ich.“ Das Mädchen antwortete: „Ich werde dir drei von meinen
Haaren geben. Falls sie den Strick abschneiden, so reibst du sofort die
Haare aneinander und auf dem Grunde des Brunnens erscheint ein weißes
und ein schwarzes Schaf. Wenn du auf das weiße fällst, kommst du nach
oben auf die Erde, wenn du auf das schwarze fällst, gehst du noch
sieben mal so tief unter die Erde.“ Der Prinz nahm die drei Haare vom
Mädchen, steckte sie in seinen Busen, band das Mädchen an den Strick
und sagte: „Meine Brüder, das ist mein Anteil.“
Die ziehen das Mädchen nach oben, sehen, daß es wie der Mond am
Vierzehnten ist, und sagen: „Aber uns hat er die schlechtesten gegeben
und für sich das schönste genommen.“ Da werden sie neidisch auf ihn.
Sie ziehen den Prinzen hoch. Als er an die Öffnung des Brunnens kommt,
schneiden der ältere und mittlere Bruder den Strick mitten durch, sodaß
der Prinz kopfüber, kopfunter nach unten rollt. Sofort reibt er die
Haare, die ihm das Mädchen gegeben hat, aneinander und unten auf dem
Brunnen erscheint ein weißes und ein schwarzes Schaf. Er fällt auf das
schwarze und sinkt sieben mal so tief unter die Erde.
Da mag er nun bleiben. Wir wenden uns jetzt zu den anderen Brüdern. Die
nehmen die drei Mädchen und gehen ins Schloß. Sie gehen zum Vater und
sagen: „Vater, unseren jüngsten Bruder hat der Dev im Brunnen getötet.
Wir haben dann diese Mädchen mitgenommen und sind hierher gekommen.“
Als der Vater das hörte, seufzte er, weinte blutige Tränen und trauerte
um den Prinzen.
Die wollen wir nun verlassen und uns zum Prinzen wenden. Er war sieben
Lagen tief unter der Erde. Da sieht er auf einmal eine Welt. Nachdem er
etwas gegangen war, kam er in eine Stadt. Am Abend klopfte er an eine
Haustür. Eine alte Frau kam. Er sagte: „Mutter, nimm mich als Gast
auf.“ Sie antwortete: „Ach, mein Sohn, ich habe nicht einmal Platz zum
Lager für mich. Wie soll ich dich da aufnehmen.“ Der Prinz nahm aus
seiner Tasche drei Goldstücke und gab sie der Frau. Sie sagte: „Komm,
mein Sohn, ich werde dir ein Lager suchen“ und nahm den Prinzen hinein.
Sie stiegen nach oben, gingen in ein Zimmer und setzten sich. Da der
Prinz sehr durstig war, bat er die Frau um Wasser. Die Frau ging an den
Schrank. In einem Kruge war jahrealtes, mit fingerlangen Würmern
angefülltes Wasser. Die Frau goß das Wasser in ein Glas und gab es dem
Prinzen. Der Prinz nahm es und sah, — was siehst du? —, daß es Wasser
war, das selbst die Tiere nicht trinken. Er empfindet Ekel, trinkt es
nicht und sagt: „Mutter, was ist das für Wasser? Da sind ja fingerlange
Würmer drin.“ Sie antwortete: „Ach, mein Sohn, wir trinken jeden Tag
dieses Wasser. Denn in dieses Land kommt jedes Jahr einmal ein Drache
und schneidet das Wasser ab. In jedem Jahre wird ihm ein Mädchen
gegeben. Bis er das zerrissen und aufgefressen hat, kommt Wasser in die
Quelle. Dann streiten wir uns alle, zerschlagen uns die Köpfe, und die
ganze Bevölkerung holt sich Wasser. Danach wird das Wasser wieder
abgeschnitten. Mit diesem Wasser müssen wir uns ein Jahr einrichten.
Hier ist große Not an Wasser. Wir leiden sehr an dem Wassermangel. Dies
Jahr ist nun auch zu Ende. Morgen wird man die Tochter des Padischah
dem Drachen geben. Wenn man sie nicht gibt, werden wir alle sterben.“
Als der Prinz das hörte, dachte er etwas nach. Am Morgen ging er aus
dem Hause zur Quelle und sieht eine große Menschenmenge. Ein jeder
wartete mit einem Kruge in der Hand. Jetzt hatten sie die Tochter des
Padischahs in rote Kleider gekleidet und geschmückt. Neben ihr waren
einige Dienerinnen, die sie unter den Armen stützten. Sie brachten das
Mädchen an den Mittelpunkt des Wassers und ließen das Mädchen dort
stehen. Die Dienerinnen gingen wieder weg. Das Mädchen fängt an zu
weinen. Als der Prinz das Mädchen so sieht, seufzte er und sein Herz
blutete. Die Ankunft des Drachen stand nahe bevor. Der Prinz ging zu
dem Mädchen und sagte: „Meine Prinzessin, umarme mich von hinten und
halte dich fest, fürchte dich nicht.“ Der Prinz spannte seinen Bogen,
stellte sich vor das Mädchen und hielt sich still bereit. Nach einiger
Zeit kam von Westen ein siebenköpfiger Drache mit Brausen, wirbelte
Staub und Nebel auf und sprühte Feuer aus Rachen und Nase. Als der
Drache sie beide sieht, sagt er: „Ah, bis jetzt hatte ich nur einen
Anteil, jetzt habe ich zwei Anteile.“ Atemlos von dem halbstündigen
Wege fing er an, sie zu zerren. Der Prinz stand fest auf seinen Füßen.
Der Drache zog so, daß er sie, selbst wenn sie ein Berg gewesen wären,
in seinem Maule hätte davon tragen können. Aber wie sehr er auch zog,
es glückte ihm nicht. Da kam der Drache näher und fing an, keuchend zu
ziehen. Da setzte der Prinz seine Füße fest in den Boden, spähte nach
dem Maule des Drachen und schoß seinen Pfeil mit den Worten: „Im Namen
Gottes“ ab. Dieser Pfeil flog wie eine Flintenkugel, drang in das Maul
des Drachen ein und kam aus dem Nacken wieder heraus. Der Drache schrie
gräßlich, erhob sich dreimal und warf sich in die Luft. Die Erde an der
Stelle, wo er fiel, ließ er wie auf der Tenne geworfelt in die Luft
steigen. Aus dem Maule und der Nase des Drachen floß so viel Blut, daß
die Eigenschaft des Wassers nicht zu erkennen war. Kurz, der Drache
warf sich immer wieder auf die Erde und starb. Das Mädchen tauchte ihre
fünf Finger in das Blut und drückte leise ihre Hand, als wollte sie ihn
streicheln, auf den Rücken des Prinzen mit den Worten: „Bravo, mein
Held!“ Dann trennte sie sich von ihm und ging ins Schloß.
Als der Padischah das Mädchen sah, tadelte er sie und sagte: „Meine
Tochter, warum bist du weggelaufen? Wenn man es merkt, wird man kommen
und mich töten“, und sagte seiner Tochter alle Worte, die ihm in den
Mund kamen. Das Mädchen antwortete: „Mein Herr, Ihre Sklavin ist nicht
weggelaufen. Dort war ein junger Mann, der tötete den Drachen und
rettete mich. Dann kam ich wieder hierher. Wenn du es nicht glaubst,
gehe auf den Berg und sieh dir den Leichnam des Drachen an.“
Sofort ging der Padischah an die Stelle, wo der Drache lag, und sah, —
was siehst du? — daß es ein so häßlicher großer Drache ist, daß jeder,
der ihn sieht, besinnungslos wird. Niemand ging nahe an ihn heran und
alle schauten ihn aus der Ferne an. Da ging der Padischah wieder ins
Schloß und sagte zum Mädchen: „Wenn du den Jüngling sähest, würdest du
ihn wieder erkennen?“ Das Mädchen antwortete: „Er trägt mein Zeichen
auf dem Rücken. Ich erkenne ihn sofort wieder, wenn ich ihn sehe.“ Da
wurden Ausrufer ausgeschickt und dem ganzen Lande bekannt gegeben, daß
alle Leute vom ersten bis zum siebenzigsten Lebensjahre, männlich und
weiblich, Kind und Kegel vor dem Schloß vorbeiziehen sollten.
Wir kommen zum Prinzen. Als er den Drachen getötet hatte, ging er in
das Haus der Frau von vorher und setzte sich hin. Da sagte die Frau:
„Mein Sohn, heute hat der Padischah befohlen, daß vom ersten bis zum
siebenzigsten Lebensjahre alles am Schlosse vorbeiziehen soll. Was
sitzt du hier, zieh auch am Schlosse vorbei.“
Der Prinz verließ das Haus und machte sich auf den Weg, da sieht er,
daß der Zug zu Ende ist. Während er jetzt vorüber geht, sieht ihn das
Mädchen vom Fenster und wirft, als sie ihn erkennt, ein Tuch auf ihn.
Die Posten sehen dies, fassen den Prinzen leise an und führen ihn in
das Schloß zu dem Padischah.
Als der Padischah den Jüngling sieht, sagt er: „Mein Sohn, hast du den
Drachen getötet?“ Da antwortete er: „Ja, mein Padischah, Ihr Sklave hat
den Drachen getötet.“ Er sieht auch das Zeichen auf dem Rücken des
jungen Mannes, sodaß kein Zweifel war. Da sagte er: „Mein Sohn, bitte
von mir, was du willst.“ Der Prinz antwortete: „Ich bitte nur um Ihre
Gesundheit.“ Als er ihn weiter drängte, sagte er wieder: „Ich bitte nur
Ihre Gesundheit.“ Da sagte der Padischah: „Mein Sohn, was hast du für
Nutzen von meiner Gesundheit. Bitte von mir, was du willst.“ Da sagte
der Bursche: „Mein Padischah, gib mir drei Tage Bedenkzeit, dann will
ich es mir überlegen und dir dann Antwort geben.“ Danach stand er auf
und ging in das Haus der alten Frau.
Während er dort wohnte, langweilte er sich eines Tages, nahm seinen
Pfeil und Bogen und ging auf den Berg. Da es Sommer war, wurde er sehr
müde, legte sich in den Schatten eines Baumes und schlief ein. Auf dem
Baume waren nun gerade die Jungen des Smaragd-Ankavogels. In jedem
Jahre kam zu ihnen eine große Schlange, fraß sie auf und ging weg. Die
Ankunft der Schlange fiel gerade auf diesen Tag. Als der Prinz schlief,
kam eine große Schlange. Während sie den Baum hinaufklettert,
erschrecken sich die Jungen, als sie sie sehen, und fangen an zu
schreien. Der Prinz wacht auf und springt auf, als er das Schreien der
Vögel hört. Da sieht er — was siehst du? — eine lange schwarze Schlange
die Cypresse hinaufklettern. Als der Prinz die Schlange sieht, nimmt er
den Pfeil von der Hüfte, sagt: „Mit Gottes Hilfe!“, schießt den Pfeil
ab und nagelt die Schlange in ihrer Mitte an den Baum, so daß die
beiden Enden der Schlange, der Kopf nach unten, herunter hängen. Der
Prinz schläft wieder ein. Nach einiger Zeit entsteht ein Geräusch und
vom Himmel her erscheint der Smaragd-Ankavogel. Als er den Prinzen
sieht, denkt er: „Ach, der hat meine Jungen getötet.“ Während er aus
der Luft mit einem Flügelschlag wie eine Flintenkugel auf ihn
herabschießt, sagen die Jungen: „Mutter, Mutter, dieser schlafende
Jüngling hat uns gerettet. Sieh dir einmal die Cypresse an.“ Als der
Vogel das hört, steigt er leise herab und sieht eine große Schlange an
den Baum festgenagelt. Als er das sieht, freut er sich, geht zum
Prinzen, hat nicht das Herz ihn aufzuwecken, öffnet seinen einen Flügel
und deckt ihn über den Prinzen, damit er nicht von der Sonne verbrannt
wird. Nach einiger Zeit wacht der Prinz auf und sieht, daß über ihm ein
Zeltdach ist. Als der Vogel sieht, daß er aufgewacht ist, zieht er
leise seinen Flügel ein und sagt: „Mein Held, fordere von mir, was du
willst.“ Als er ihn dreimal aufgefordert hatte, sagte der Prinz: „Ich
bitte, daß du mich wieder auf die Erde zurückbringst.“ Der Vogel sagte:
„Mein Held, das ist ein bißchen schwer. Aber du hast meine Jungen von
ihrem Feinde gerettet. Dir zuliebe will ich mich opfern. Aber ich
verlange von dir vierzig Schafe und vierzig Schläuche Wein. Die mußt
du mir bringen, und wenn ich unterwegs ‚Gak‘ sage, mußt du mir das
Fleisch, und wenn ich ‚Guk‘ sage, den Wein geben. So werde ich dich
wieder auf die Erde bringen.“
Der Prinz geht zum Padischah und sagt: „Mein Herr, ich bitte von Ihnen
vierzig Schafe und vierzig Schläuche Wein.“ Der Padischah befiehlt
vierzig Schafe und vierzig Schläuche Wein zu bringen. Nachdem er an der
Stelle, wo der Vogel ist, angekommen ist, legt er die vierzig Schafe
auf den einen Flügel und die Weinschläuche auf den anderen. Er selbst
setzt sich in die Mitte.
Als der Vogel dies auf sich genommen hat, fliegt er in die Luft. Nach
Anordnung des Vogels gab er ihm, wenn er Gak sagte, Fleisch, und wenn
er Guk sagte, Wein. Auf der Reise war eines Tages das Fleisch zu Ende
und als der Vogel Gak sagte, war nichts mehr da. Als er wieder Gak
sagte, war nichts da. Als er noch einmal Gak sagte, schneidet der Prinz
seine Wade ab und gibt sie dem Vogel. Der Vogel sieht, daß es
Menschenfleisch ist, frißt es nicht und behält es im Maule. Dann kommen
sie an die Öffnung des Brunnens. Der Vogel sagt: „Da, mein Prinz, nun
habe ich dich wieder auf die Erde gebracht. Nun geh du weiter, Gott
möge dir Heil geben.“ Der Prinz sagte: „Geh du zuerst, dann werde ich
gehen.“ Der Vogel nimmt das Fleisch, das er im Schnabel hatte, heraus,
drückt es an die Wade und sie wird besser als vorher.
Nachdem der Prinz: „Gott befohlen“ gesagt hatte, macht er sich auf den
Weg, kommt in sein Land und geht zu einem Schlächterladen. Er kauft
sich eine Haut und zieht sie sich über den Kopf. [16] Unterwegs trifft
er einen Hirten und sagt zu ihm: „Ach, Hirte, gib mir deine Kleider,
ich werde dir meine geben.“ Der Hirte gibt seine und nimmt die des
Prinzen. Der Prinz geht zum Privatgarten seines Vaters und sagt zum
Obergärtner: „Ach, Obergärtner, willst du mich als Lehrling annehmen?“
Wie sehr der Gärtner auch sagt: „Es ist unmöglich“, nimmt er ihn
schließlich wohl oder übel als Lehrling. Nach einigen Tagen pflückt der
Obergärtner einen Strauß Rosen und sagt, als er weggehen will: „Mein
Sohn, ich gehe jetzt aus. Passe ordentlich auf den Garten auf.“ Der
Prinz reibt die Haare, die ihm das Mädchen gegeben hatte, aneinander
und ein Mohr erscheint und sagt: „Befehle, mein Prinz“. Der Prinz sagt:
„Ich verlange von dir einen Falben und rote Kleider und eine
Waffenausrüstung.“ Er antwortet: „Mein Herr hat nur zu befehlen“, geht
weg, bringt alle die Sachen, die der Prinz verlangt hatte und gibt sie
dem Prinzen. Der Prinz steigt aufs Pferd und zerbricht dann alles, was
an Bäumen und Blumen im Garten vorhanden ist. Darauf gibt er das Pferd
und die Kleider dem Mohren wieder und bleibt ruhig an seiner Stelle.
Darauf kommt sein Meister und sieht, — was soll er sehen? — im Garten
ist nichts geblieben und der grindige Junge sitzt in einer Ecke und
weint. Als sein Meister sich auf ihn stürzen will, rufen die Mädchen,
die aus dem Fenster sehen, dem Obergärtner zu: „Schlage nicht den
Jungen, denn von draußen ist ein Mann auf einem Falben gekommen und hat
den Garten verwüstet. Es ist nicht die Schuld des Jungen.“ Da muß der
Gärtner wohl oder übel den Garten in Ordnung bringen. Nach Verlauf
einiger Tage, pflückt er wieder einen Rosenstrauß. Als er weggeht,
ermahnt er den Jungen dringend, ordentlich auf den Garten acht zu geben
und geht weg. Der grindige Junge verwüstet wieder wie das vorige Mal
den ganzen Garten und setzt sich irgendwo still hin. Als die
Prinzessinnen diesen Jungen sehen, wissen sie, daß der Prinz wieder auf
der Erde ist, danken Gott und fassen sich in Geduld.
Als der Obergärtner kommt, sieht er, daß die Verwüstung noch größer als
das vorige Mal ist. Während er sich auf den Jungen stürzen will, um ihn
zu schlagen, rufen die Prinzessinnen ihm zu und ermahnen ihn, den
Jungen nicht zu schlagen. Nach einigen Tagen nimmt der Obergärtner
wieder einen Strauß Rosen und ermahnt den Jungen gehörig und geht weg.
Der Junge verwüstet wieder wie das vorige Mal den ganzen Garten, sodaß
kein Zweig im Garten bleibt. Der Obergärtner kommt wieder und sieht,
daß im Garten nichts ist. Sofort ruft er den Jungen und jagt ihn aus
dem Garten. Der Junge macht, daß er davon kommt, geht zu einem
Goldarbeiterladen und sagt: „Ach, Meister, nimm mich als Lehrling an.“
Der Goldschmied sagt: „Mach, daß du davon kommst, grindiger Junge, was
sollte ich mit dir anfangen.“ Der Junge sagt: „Ach, Meister, laß mich
wenigstens Kohlen auf dein Kohlenbecken legen.“ Da er so fleht, nahm
der Meister ihn als Lehrling an und ließ ihn dort wohnen.
Als vorher die Mädchen ins Schloß gekommen waren, war die Zeit für die
Hochzeit angesetzt, aber sie waren damit nicht einverstanden und
sagten: „Wir haben alle vierzig Tage Trauer.“ Deswegen war die Hochzeit
verschoben. Als sie merkten, daß der Prinz wieder auf der Erde war,
wurde wieder der Befehl zur Hochzeit gegeben, aber da die Mädchen noch
nicht ganz sicher waren, ob der Prinz gekommen wäre, sagte die eine:
„Ich verlange einen goldenen Stickrahmen und eine goldene Nadel, die
von selber sticken kann.“ Die andere sagte: „Ich verlange eine goldene
Platte, auf der ein goldenes Huhn und vierzig Küchlein goldene Gerste
fressen und umherlaufen.“ Die dritte sagte: „Ich verlange eine goldene
Platte, auf der ein goldener Jagdhund und ein goldener Hase ist, der
erstere muß den anderen verfolgen.“
Der Padischah rief die Goldarbeiter und befahl ihnen dies anzufertigen.
Die Goldarbeiter dachten nach und verlangten vierzig Tage Bedenkzeit.
Der Padischah gab ihnen auf ihr Verlangen vierzig Tage Zeit und sagte:
„Wenn ihr am einundvierzigsten Tage die Sachen nicht bringt, töte ich
euch“ und entläßt sie in ihre Läden.
In ihren Läden angekommen, mögen sie nun einen Rat abhalten. Wir kommen
jetzt zu dem grindigen Jungen. Er fragte: „Meister, warum denkst du
nach und bist so besorgt?“ Der Meister sagte: „Ach, geh, grindiger
Junge, wenn ich nicht nachdenken soll, wer soll denn nachdenken?“ Er
bat: „Ach, Meister, lieber Meister, worüber denkst du nach, sage mir es
doch.“ Der Meister antwortete: „Frage mich nicht mehr, unsere Sache
steht bei Gott. Nämlich die Söhne des Padischahs haben drei Mädchen
mitgebracht. Eine jede verlangt etwas. Wie wir das machen sollen, weiß
ich nicht.“ Der grindige Junge fragte: „Ach, Meister, was ist es? Sage
es doch mal.“ Da sagte er: „Ach was, die eine verlangt einen goldenen
Stickrahmen und die andere einen goldenen Hasen und die dritte eine
goldene Henne. Alle sollen lebendig sein. Wie ist das möglich?“ Darauf
antwortete er: „Aber Meister, ich glaubte, es handele sich um etwas
Unmögliches. Darum habe ich gefragt. Wegen solcher Sache sei doch nicht
bekümmert. Gib mir einen Zentner Haselnüsse und einen Zentner Rosinen
und vierzig Okka Lichte, dann werde ich dir in vierzig Tagen das, was
du verlangst, machen.“ Sein Meister sagte sich: „Das Herz des Jungen
verlangt Haselnüsse und Rosinen. Ich würde meinen Kopf und meine Augen
für ihn hingeben.“ Dann kaufte er die Sachen und gibt sie ihm.
Der Junge geht in sein Zimmer, läßt keinen zu sich herein, bleibt dort
vierzig Tage, ißt die Haselnüsse und Rosinen, verbrennt die Lichte und
lebt vergnügt. In der Nacht auf den vierzigsten Tag reibt er wieder die
Haare an einander. Ein Mohr kommt und sagt: „Befiehl, mein Prinz. Was
wünschst du?“ Der Prinz sagte: „Ich verlange den in dem Laden
befindlichen Stickrahmen, den goldenen Hasen und den goldenen Jagdhund
und die goldene Henne.“ Auf diesen Befehl hin geht der Mohr, holt die
Dinge und gibt sie dem Prinzen. Der Prinz nimmt die Sachen und verwahrt
sie im Schranke. Am Morgen kommt sein Meister und sagt: „Was hast du
gemacht, grindiger Junge?“ Der grindige Junge sagt: „Was fragst du
mich, öffne den Schrank und sieh zu.“ Sogleich öffnet der Meister den
Schrank und sieht, daß alles vorhanden ist. Da sagt er: „Ach, mein
Sohn“ und fällt ihm um den Hals. Schließlich nimmt er alles und bringt
es in das Schloß und liefert es ab. Als die Mädchen das sehen, glauben
sie, daß der Prinz wieder auf die Erde gekommen ist, und danken Gott.
Wir wenden uns nun zu dem grindigen Jungen. Als sein Meister in den
Laden kommt, sagt er: „Meister, gib mir Urlaub, ich möchte gehen.“
Obgleich der Meister damit nicht einverstanden war und obgleich er noch
so sehr bat, so gab er ihm doch den Urlaub, da er keinen Ausweg fand.
Der grindige Junge geht von dort zu einem Schneiderladen und sagt zu
dem Schneider: „Meister, willst du mich als Lehrling annehmen?“ Der
Schneidermeister sagt: „Ich brauche keinen Lehrling. Mach, daß du
fortkommst.“ Da er ihn jedoch nicht forttreiben kann, nimmt er ihn,
weil er sich nicht anders zu helfen weiß, als Lehrling an.
Wir wenden uns nun zu den Mädchen. Sie senden dem Padischah Nachricht:
„Wir wünschen ein Kleid, das nicht mit der Schere geschnitten und nicht
mit der Nadel genäht ist und in einer Haselnußschale sein soll.“ Der
Padischah ruft die Schneider und sagt: „Ich verlange von euch ein
Kleid, das nicht mit der Schere geschnitten und nicht mit der Nadel
genäht ist und in einer Haselnußschale sein soll.“ Die Schneider
überlegten und erbaten eine Frist von vierzig Tagen. Der Padischah
sagte: „Ich gebe euch eine Frist von vierzig Tagen. Wenn es nicht am
einundvierzigsten Tage kommt, schneide ich euch den Hals ab.“ Damit
entläßt er sie. Sie gingen in ihre Läden und berieten sich. Da sagte
der Junge: „Ach, Meister, lieber Meister, worüber denkst du nach?“ Der
antwortete: „Grindiger Junge, mach, daß du fortkommst, belästige mich
nicht.“ Das Reden nützte ihm aber nichts, der Junge bat, es ihm zu
sagen. Da kein Ausweg war, sagte er: „Der Padischah hat uns ins Schloß
gerufen und verlangt von uns ein Kleid, das mit keiner Schere
geschnitten und mit keiner Nadel genäht werden soll und in eine
Haselnußschale hineingehen soll. Wenn wir es nicht machen, wird er uns
alle töten.“ Der grindige Junge sagte: „Ist das eine Sache, über die du
nachdenkst? Gib mir vierzig Zentner Haselnüsse und vierzig Zentner
Rosinen und vierzig Okka Lichte, so werde ich es dir am
einundvierzigsten Tage machen und bringen.“ Der Meister sagte: „Das
Herz des Jungen verlangt Haselnüsse und Rosinen. Ich würde mein Auge
und meinen Kopf ihm geben.“ Dann kauft er sie und gibt sie ihm. Der
Junge nahm sie, trat in das Zimmer, blieb dort und aß die Haselnüsse
und Rosinen. In der Nacht auf den einundvierzigsten Tag rieb er die
Haare an einander. Der Mohr kam und sagte: „Mein Prinz möge befehlen.
Was wünschst du?“ Der Prinz sagte: „Ich verlange die Kleider in der
Haselnußschale im Laden.“ Sofort holt der Mohr sie. Der Prinz nimmt sie
und verbirgt sie im Schranke. Am Morgen kommt sein Meister und sagte:
„Grindiger Junge, was hast du gemacht? Na, ich bin neugierig.“ Der
grindige Junge sagte: „Was fragst du mich, sieh in den Schrank.“ Der
Meister sieht in dem Schrank, was nicht seinesgleichen in der Welt hat.
Sofort trägt er sie ins Schloß und gibt sie dem Padischah. Der
Padischah nimmt sie und befiehlt die Hochzeit herzurichten.
Damals pflegten die Bräutigams, wenn eine Hochzeit hergerichtet wurde,
auf einem offenen Platz mit dem Bogen zu schießen. Deswegen ging der
älteste Prinz am ersten Tage auf den Platz und alles, was an Leuten
vorhanden war, kam zum Zuschauen. Der Schneider sagte: „Vorwärts, mein
Sohn, heute wollen wir uns zusammen das Polospiel vom ältesten Sohne
des Padischah ansehen.“ Der grindige Junge sagt: „Ach, Meister, gehen
Sie nur hin, mein Kopf ist grindig. Wenn meinem Kopf in dem Gedränge
etwas passiert, was soll ich dann machen?“ Er bleibt im Laden. Nachdem
der Meister weggegangen ist, reibt er die Haare an einander. Der Mohr
erscheint und sagte: „Mein Prinz möge befehlen.“ Er sagt: „Ich verlange
von dir einen Falben, einen Satz sauberer Pfeile und schwarze Kleider.“
Sofort bringt der Mohr ihm alles. Der Junge zieht die Kleider an,
besteigt das Pferd und geht auf den Schießplatz. Er sieht, daß der
Prinz Polo spielt. Der grindige Junge betritt den Platz, verfolgt den
Prinzen und schlägt ihm bei Gelegenheit auf den Arm und verwundet ihn.
Als der Prinz auf die Erde gefallen ist, verschwindet der Junge vom
Platz, geht schnell in den Laden, gibt Pferd und Bogen dem Mohren und
bleibt im Laden. Da kommt sein Meister und sagt: „Mein Sohn, es ist
gut, daß du nicht mitgegangen bist.“ Er fragt: „Ach, was ist
geschehen?“ Er antwortet: „Ein Jüngling auf einem Falben kam und schlug
den Prinzen, aber er ist nicht gestorben.“ Der Junge sagt: „Meister, es
ist gut, daß ich nicht hingegangen bin. Wenn meinem Kopfe etwas
geschehen wäre, was hätte ich anfangen sollen?“
Am zweiten Tage steigt der mittlere Prinz auf das Pferd und geht auf
den Platz. Der Meister geht wieder hin. Der Jüngling bleibt im Laden
und reibt wieder die Haare an einander. Als der Mohr kommt, sagt er:
„Ich verlange einen Pfeil und ein gelbes Pferd.“ Sofort bringt ihm der
Mohr alles. Der Junge besteigt das Pferd und geht auf den Platz. Da
sieht er, daß sein mittlerer Bruder Polo spielt. Bei Gelegenheit trifft
er ihn mit dem Pfeil in den Schenkel, sodaß er vom Pferde fällt. Dann
geht der Junge wieder in den Laden, gibt dem Mohren Pfeil und Pferd und
bleibt ruhig an seinem Platze. Dann kommt sein Meister und sagt: „Es
ist gut, daß du nicht mitgegangen bist.“ Er fragt: „Ach, Meister, was
ist denn heute geschehen?“ Der Meister antwortet: „Ein Reiter auf einem
gelben Pferde kam, hat den mittleren Sohn des Padischah am Schenkel
getroffen und auf die Erde geworfen.“ Der grindige Junge dankte Gott
dafür, daß er nicht hingegangen war. Am nächsten Tage zieht der Sohn
des Vezirs auf den Platz, um zu spielen. Der Meister läßt wieder den
grindigen Jungen im Laden und geht hin. Der grindige Junge reibt wieder
die Haare an einander. Als der Mohr kommt, sagt er: „Ich verlange von
dir einen Pfeil und einen Schimmel.“ Sofort bringt der Mohr alles. Der
Junge nimmt den Pfeil, besteigt das Pferd und geht auf den Platz. Da
sieht er, daß der Sohn des Vezirs Polo spielt. Er schießt bei
Gelegenheit einen Pfeil ab, der ins Herz eindringt, aus dem Rücken
wieder herauskommt und ihn tötet. Er selbst fängt an auf dem Platze
herumzureiten. Sofort ergreift man den Jüngling und führt ihn vor den
Padischah. Der Padischah befiehlt, ihn zu töten. Da sagt der Prinz:
„Ach, mein mächtiger Padischah, meine Brüder haben mich im Brunnen
gelassen, willst du mich auch töten?“ Darauf sagte der Padischah: „Ach,
bist du es, mein Sohn?“, fiel ihm um den Hals, weinte und sagte: „Ach
mein Sohn, was willst du, soll ich deine Brüder töten?“ Der Prinz
antwortete: „Ich bin mit dem zufrieden, was Gott bestimmt hat, aber gib
jedem einen Palast und dem ältesten Bruder das älteste Mädchen, dem
mittleren das mittlere und die jüngste verheirate mit mir.“ Sofort
wurden die zwei Brüder aus dem Schloß, jeder in einen besonderen Palast
gebracht und das jüngste Mädchen mit dem Prinzen verheiratet. Vierzig
Tage und vierzig Nächte dauerten die Hochzeitsfeierlichkeiten. Am
einundvierzigten Tage in der Nacht auf den Freitag betrat er das
Hochzeitsgemach. Sie erlangten und gewährten, was sie wünschten. Damit
ist auch diese Geschichte aus und somit Schluß.