9. DIE GESCHICHTE VON DEM VATER SPINDELHÄNDLER

Die Geschichtenüberlieferer und Märchenerzähler berichten folgendes. In

früheren Zeiten lebten in einem Hause drei Schwestern. Eines Tages geht

unvermutet auf der Straße ein Spindelhändler mit seinem Korbe auf dem

Rücken vor dem Hause der drei Schwestern vorbei und ruft: „Spindeln zum

spinnen.“ Die Mädchen rufen: „Was verlangst du, Vater? Pack doch aus.

Hast du gute Spindeln?“ Der Alte legt die Spindeln, die er in seinem

Korbe hatte, auf die Erde. Die Mädchen sehen sich die Spindeln an,

keine gefiel ihnen. Sie fragen: „Vater, hast du noch andere?“ Er sagte:

„Fräulein, zu Hause habe ich welche. Komm mit mir und suche dir die

schönsten aus.“ Sie sagten: „Sehr schön.“ Das älteste Mädchen steht auf

und macht sich mit dem Alten auf den Weg. Nach einiger Zeit kommen sie

auf die Höhe eines Berges. Nachdem sie noch etwas weiter gegangen sind,

kommen sie in eine Höhle. Sie treten ein und das Mädchen blickt sich

nach den beiden Seiten um und sieht, daß die zwei Wände mit

Menschenleichnamen bedeckt sind, die in der Mitte aufgeschnitten und an

die Wand gehängt sind.

Als das Mädchen diese sah, verlor es die Besinnung. Nach einiger Zeit

geht sie mit dem Alten weiter. Sie treten in ein Zimmer. Als es Abend

wird, sagt der Alte: „Mädchen, koche etwas von dem dort aufgehängten

Fleisch, wir wollen essen.“ Das arme Mädchen steht auf, nimmt einen von

den aufgehängten Leichnamen, kocht ihn, legt ihn dem Alten vor. Der

fängt an zu essen und sagt zu dem Mädchen: „Warum ißt du nicht?“ Das

Mädchen antwortet: „Ich liebe kein Fleisch.“

„Ja, was willst du denn essen? Willst du meinen Finger essen?“

Das Mädchen denkt, daß er sich nicht den Finger abschneiden wird, und

sagte: „Ja, ich werde ihn essen.“

Sofort schnitt sich der Alte seinen Finger ab, wirft ihn dem Mädchen

hin und sagte: „Da, iß!“

Das Mädchen, das sehr erstaunt war, fürchtete sich und warf bei

Gelegenheit den Finger unter den Tisch.

Türkische Märchen · 第 12 / 91 题