Die Geschichtenüberlieferer und die Märchenerzähler berichten
folgendes. In alten Zeiten hatte ein gerechter Padischah eine Tochter.
Diese Prinzessin lebte immer mit ihrer Lehrerin in Liebe zusammen.
Eines Tages verfiel die Lehrerin in Nachdenken. Die Prinzessin sagte:
„Frau Lehrerin, woran denkst du?“ Sie sagte: „Ich habe einen Kummer.“
„Aber, Frau Lehrerin, was ist ein Kummer für ein Ding. Kaufe mir doch
einen.“ Da antwortete sie: „Jawohl, meine Prinzessin.“ Sie läßt sich
von der Prinzessin fünf bis sechs Goldstücke geben, geht auf den Markt,
kauft einen Kummervogel in einem Käfig und bringt ihn der Prinzessin
mit den Worten: „Da, meine Prinzessin, das ist der Kummervogel.“
Die Prinzessin vergnügte sich Tag und Nacht mit dem Vogel. Nach einigen
Tagen geht sie mit den Sklavinnen in ihren Garten an den Teich und
hängt den Vogel an einem Baume auf. Der Vogel fängt an zu sprechen und
sagt: „Meine Prinzessin, laß mich ein wenig frei. Ich möchte mit den
Vögeln die Umgebung ansehen, dann komme ich wieder.“ Die Prinzessin
hielt das für richtig und läßt ihn frei. Der fliegt zu den anderen
Vögeln. Während das Mädchen sich am Teich ergeht, kommt der Kummervogel
nach zwei Stunden wieder, ergreift die Prinzessin und fliegt in die
Luft. Nach einigen Stunden läßt er sie auf einem hohen Berge nieder und
sagt: „Da hast du nun den Kummer gesehen? Hiernach werde ich dir noch
mehr derartigen Kummer bereiten.“ Damit fliegt er in die Luft.
Wir kommen nun zur Prinzessin. Sie war hungrig und hilflos auf den
Bergen. Nach längerem Wandern findet sie einen Hirten. Sie sagt zu dem
Hirten: „Gib mir deine Kleider. Ich werde dir die meinigen geben.“
Sogleich zieht der Hirte seine Kleider aus und gibt sie der Prinzessin.
Die Prinzessin zieht sie an und geht weiter. Schließlich kommt sie an
ein Kaffeehaus. Sie tritt ein und sagt: „Vater, willst du mich als
Lehrling annehmen?“ Der Kaffeewirt sagt: „Ich suche gerade solchen
Lehrling“, und behält sie bei sich. Eines Tages sagt der Kaffeewirt zu
ihr: „Heute Abend werde ich nach Hause gehen. Du kannst im Kaffeehaus
schlafen und aufpassen, daß niemand etwas stiehlt.“ Mit diesen
Ermahnungen geht er weg.
Am Abend schließt das Mädchen das Kaffeehaus, legt sich in eine Ecke
und schläft ein. Um Mitternacht kommt der Vogel und zerschlägt alles
was an Nargileh und Tassen vorhanden ist. Dann kommt er zu ihr, weckt
sie auf. Das Mädchen wacht auf und sieht, daß alles kurz und klein
geschlagen ist. Der Vogel sagt: „Hast du nun den Kummer gesehen?
Hiernach werde ich dir noch weiteren Kummer bereiten.“ Damit fliegt er
weg. Am Morgen dachte das Mädchen: „Was soll ich jetzt meinem Meister
sagen?“ Währenddessen kommt der Wirt, sieht, — was soll er sehen — alle
Dinge sind kurz und klein geschlagen, verprügelt das Mädchen
ordentlich, nimmt es bei dem Kragen und wirft es aus dem Kaffeehaus.
Das Mädchen geht weinend und kommt zu einem Schneiderladen. Da in
diesen Tagen das Beiramfest war, hatte man aus dem Schloß Kleider
bestellt. Die Schneider nähten und schnitten ununterbrochen zu. Das
Mädchen geht zu den Meistern und sagt: „Meister, wollt ihr mich als
Lehrling annehmen?“ Die sagten: „Sehr wohl!“ Es ging in den Laden und
setzte sich. Nach einigen Tagen geht ihr Meister nach Hause und das
Mädchen bleibt im Laden. Um Mitternacht kommt der Vogel wieder und
zerreißt alles, was an Kleidern im Laden ist. Dann weckt er das Mädchen
auf. Als das Mädchen aufwacht, sieht es, daß alles, was an Kleidern
vorhanden ist, zerrissen ist. Der Vogel sagt: „Meine Prinzessin, hast
du nun den Kummer gesehen? Hiernach werde ich dir noch manchen Kummer
machen.“ Dann fliegt er weg. Am Morgen kommt der Meister und sieht, daß
alle aus dem Schloß bestellten Kleider und die noch nicht
zugeschnittenen Stoffe zerrissen sind. Als er das sieht, schlägt er mit
dem Kopf auf die Steine, und sagt: „Ach, nach so vieler Arbeit! Und
soviele Tuchballen sind auch zerrissen.“ Dann verliert er die
Besinnung, fällt ohnmächtig auf den Boden. Nach einiger Zeit kommt er
wieder zu sich, geht zornig auf den Lehrling und fragt: „Wer hat das
zerschnitten?“ Das Mädchen gibt keine Antwort. Er sagt sich: „Geld hat
er nicht, damit ich es nehmen könnte. Soll ich ihm das Leben nehmen?“
Dann verprügelt er es ordentlich und jagt es aus dem Laden.
Während das Mädchen weinend dahin geht, kommt es an den Laden eines
Kronleuchterhändlers und fragt: „Meister, willst du mich als Lehrling
annehmen?“ Der sagt: „Mach, daß du fortkommst, du grindiger Bursche.
Was soll ich mit dir anfangen! Ich habe nicht genug, um für mich zu
sorgen.“ Schließlich läßt er sich erweichen und nimmt ihn als Lehrling
an. Eines Tages will sein Meister auf Hochzeit gehen und überläßt den
Laden dem grindigen Jungen und ermahnt ihn: „Paß ordentlich auf, daß
nichts zerbrochen wird.“ Dann geht er weg. Als es Abend wird, schließt
der grindige Junge den Laden und schläft in einer Ecke ein. Um
Mitternacht kommt der Vogel und zerschlägt alles, was an Kronleuchtern
vorhanden ist, und weckt den grindigen Jungen auf. Als der aufsteht,
sieht er, daß alles, was an Kronleuchtern im Laden vorhanden ist,
zerbrochen ist. Der Vogel sagt: „Meine Prinzessin, hast du den Kummer
gesehen? Von der Art werde ich dir noch manchen Kummer bereiten.“ Dann
fliegt er fort. Am Morgen öffnet der grindige Junge den Laden. Dann
kommt sein Meister und sieht — was siehst du? —, alles was an Leuchtern
im Laden vorhanden ist, ist zerbrochen. Vor Zorn war er nahe daran,
sich aufzuhängen. Dann nimmt er einen Stock, verprügelt ordentlich den
grindigen Jungen und wirft ihn aus dem Laden.
Das Mädchen denkt weinend: „In welchen Laden ich auch bis jetzt
gekommen bin, soviel Schaden habe ich von dem Vogel gehabt und soviel
Prügel habe ich bekommen. Jetzt will ich mich aufmachen und in die
Berge gehen.“ Als sie einige Zeit herumgegangen ist, bleibt sie hungrig
und durstig auf den Bergen und sieht, daß wilde und reißende Tiere in
Menge dort sind. Dann steigt sie auf einen Baum und bleibt dort in der
Nacht. Am Morgen als es dämmert, kommt der Sohn des Padischah dieses
Landes der gerade auf Jagd gegangen war, und sieht den grindigen Jungen
auf dem Baume. Er hält ihn für einen Vogel, zielt und schießt den Pfeil
ab. Der Pfeil bleibt im Baum haften. Als er an den Baum kommt, sieht
er, daß es ein Mensch ist. Der Prinz fürchtet sich und sagt: „Bist du
ein Geist oder was sonst?“ Der grindige Junge sagt: „Ich bin kein
Geist, ich bin ein Mensch.“ Schließlich nahm der Prinz ihn herab und
brachte ihn ins Schloß. Nachdem er den grindigen Jungen im Bade hatte
ausziehen und waschen lassen, ließ er ihm Frauenkleider anziehen.
Sofort wird er ein Liebchen wie der Mond am vierzehnten, das in der
Welt nicht seinesgleichen hatte. Es erinnerte einen an die schönen
Jünglinge im Paradiese.
Als der Prinz sie so sieht, verliebt er sich gleich in sie und wird wie
berauscht. Als er nach ein bis zwei Stunden wieder vernünftig ist, ging
er zu seinem Vater und sagte: „Vater, neulich war ich auf die Jagd
gegangen, und während ich jagte, sah ich in einem Baume ein Mädchen und
brachte es hierher. Die ist nun mein Schicksal. Ich will nur sie
heiraten.“ Der Padischah sagte: „Was ist das für eine Sache? Die will
ich mir einmal ansehen.“ Sofort rief er sie, und als er sie sah, hielt
er sie für passend für seinen Sohn.
Er verheiratete das Mädchen mit dem Prinzen und machte vierzig Tage und
vierzig Nächte Hochzeitsfeierlichkeiten. Am einundvierzigsten Tage in
der Nacht auf den Freitag betrat der Prinz das Brautgemach. Infolge
dieser Nacht wurde die Prinzessin schwanger und nach neun Monaten und
zehn Tagen gebar sie dem Prinzen eine Tochter.
Das Kind mag nun in der Wiege heranwachsen. Als eines Nachts der Prinz
und die Prinzessin schlafen, kommt um Mitternacht der Vogel, nimmt die
Tochter der Prinzessin, beschmiert den Mund der Prinzessin mit Blut,
weckt sie auf und sagt: „Dein Kind nehme ich mit; da hast du deinen
Kummer. Hiernach werde ich dir noch ähnlichen Kummer bereiten.“ Darauf
fliegt er weg.
Am Morgen sieht der Prinz, daß das Kind nicht da ist und daß der Mund
der Prinzessin blutig ist. Als er das sieht, wendet er sich, geht zu
seinem Vater und setzt ihm die Sache auseinander. Der sagt: „Mein Sohn,
woher hast du das Mädchen geholt?“ Er antwortete: „Von den Bergen.“ Der
Padischah fährt fort: „Das Mädchen ist ein wildes Mädchen, es frißt
sicherlich Menschen.“
Wir wollen uns kurz fassen. Die Sache geht so weiter. Nach einiger Zeit
bringt die Prinzessin eine zweite Tochter zur Welt. Wie das erste Mal
kommt der Vogel, nimmt das Kind, beschmiert den Mund der Prinzessin mit
Blut und geht wieder weg. Das Mädchen wacht auf, schlägt sich und wirft
sich auf den Boden. Am Morgen wacht der Prinz auf und sieht, daß das
Kind wieder nicht da ist und daß der Mund der Prinzessin blutig ist.
Sofort benachrichtigt er den Padischah. Der Padischah befiehlt, ihr
sofort den Kopf abzuschlagen. Da der Prinz das Mädchen sehr liebt, geht
er zu seinem Vater und bittet ihn für sie, und der schenkt sie diesmal
noch dem Prinzen.
Im Laufe der Zeit nach einigen Monaten wird sie wieder schwanger, und
nach neun Monaten zehn Tagen bringt die Prinzessin einen Knaben zur
Welt. Der Prinz fängt an zu überlegen: „Wenn sie diesmal das Kind
verzehren sollte, wird der Vater sie ohne weiteres töten.“ Während
dieser Überlegung kommt ihm in den Sinn: „Ich will diese Nacht nicht
schlafen und sie heimlich beobachten.“ Die Prinzessin mag nun schlafen,
der Prinz nimmt eine Nadel in die Hand, hält die Spitze der Nadel an
das Kinn und faßt das andere Ende mit der Hand. Wenn der Schlaf über
ihn kommt, drückt er auf die Nadel, sticht sich ins Kinn und wacht auf.
Schließlich fällt ihm die Nadel aus der Hand auf den Boden und er
schläft ein. Da kommt zwischen vier und fünf Uhr der Vogel, nimmt das
Kind, beschmiert den Mund der Prinzessin mit Blut, weckt sie auf und
sagt: „Da, dein Kind nehme ich mit. Da hast du deinen Kummer. Hernach
werde ich dir noch anderen Kummer bereiten.“ Mit diesen Worten fliegt
er weg. Die Prinzessin kann es nicht mehr aushalten und weint bis zum
Morgen. Als der Prinz aufwacht und sieht, — was siehst du? — daß das
Kind nicht da ist und der Mund und die Nase der Prinzessin blutig ist,
benachrichtigt er den Vater. Der Henker wird befohlen. Der Henker
bindet dem Mädchen die Hände auf den Rücken und führt sie auf einen
großen Platz, um sie zu enthaupten. Das Mädchen war von einzigartiger
Schönheit und der Henker konnte es nicht übers Herz bringen, sie zu
töten und sagte: „Vorwärts, geh, meine Prinzessin, komme nicht wieder
ins Schloß, geh, wohin du willst. Gott möge dir Heil geben!“ und
entläßt sie. Die Prinzessin geht weinend in die Berge. Da kommt der
Vogel, packt die Prinzessin und fliegt davon. Nach einiger Zeit läßt er
sie in dem Garten eines Schlosses aus Edelsteinen, wie es das Auge noch
nicht gesehen hat, und das sich nicht beschreiben läßt, nieder. Wer es
ansah, wurde geblendet. Als sie auf den Marmorsteinen angekommen sind,
schüttelt sich der Vogel einmal und wird ein Jüngling, schön wie der
Mond am vierzehnten. Die Prinzessin sieht hin und wundert sich. Als sie
die Treppe hinaufsteigen, waren dort eine Sklavin und drei liebliche
Kinder von sieben bis acht Jahren. Sie kommen herunter und gehen der
Prinzessin entgegen. Ihr Blut kommt in Wallung und die Augen füllen
sich mit Tränen. Dann gehen sie mit dem Jüngling nach oben. Da kommt
ein Platz aus Edelsteinen, ein Zimmer mit gestickten Vorhängen. Sie
heben den Vorhang, treten ein, setzen sich und wenden ihre Augen nicht
von der Prinzessin. Jetzt sagt der Jüngling: „Meine Prinzessin, soviel
Qualen habe ich dir zugefügt. Deine Kinder habe ich dir entführt, dann
hat man dich hinrichten wollen. Du hast alles ertragen und mich nicht
verraten und hast ausgeharrt. Jetzt habe ich dir auf Gottes Befehl ein
großes Schloß bauen lassen. Das ist nur für dich. Mit deinen Kindern
bin ich davongegangen und habe sie mit Milch groß gezogen. Diese drei
Kinder vor dir sind die Deinigen und ich bin von jetzt ab dein Sklave.“
Da umarmte die Prinzessin die Kinder, küßte sie auf beide Augen und
drückte sie an die Brust, und die Kinder umarmten die Mutter und
weinten Blut statt Tränen. Die waren nun bei einander und die Welt
gehörte ihnen. Tag und Nacht trennten sie sich nicht.
Sie alle mögen mit den Kindern im Schlosse wohnen und sich lieben. Wir
wenden uns nun zu dem Prinzen. Er mag nun traurig entweder darüber
sein, daß die Kinder tot sind oder daß seine Gemahlin, die er so sehr
geliebt hatte, vom Henker hingerichtet ist. Tag und Nacht seufzte er
vor Sehnsucht und weinte. Er hatte einen alten Opiumraucher, der kam
jeden Tag zum Prinzen und unterhielt ihn mit Geschichtenerzählen. Dem
Opiumraucher war eines Tages sein Opium ausgegangen, hatte vom Prinzen
eine halbe Stunde Urlaub bekommen und war auf den Markt gegangen. Auf
einmal sieht er ein großes Schloß. Er sagt sich: „Wann ist dieses
Schloß gebaut? Ich komme hier jeden Tag vorbei, niemals war es da. Ist
es Traum oder Phantasie?“ Er denkt bei sich: „Ich will doch einmal dies
Schloß besichtigen“ und geht zum Schlosse. Während die Prinzessin in
dem Schlosse und der Jüngling im Schlosse sitzen und sich vergnügen,
sehen sie von Ferne den Opiumraucher. Der Jüngling sagt: „Meine
Prinzessin, da kommt der Opiumraucher des Prinzen. Mit dem wollen wir
unsern Spaß treiben.“ Die Prinzessin sagt: „Nach Belieben.“ Der
Opiumraucher kommt. Als er um das Schloß wendet, wirft der Jüngling aus
dem Fenster eine verzauberte Rose hinab. Der Opiumraucher nimmt die
fallende Rose auf, riecht daran und sagt: „Ach, wie schön riecht deine
Rose! Wie schön mußt du erst selber riechen.“ Dies wiederholt er immer
und kehrt um. Unterwegs spricht er immer so zu sich. Die Leute, die ihn
sehen, folgen ihm und sagen: „Ist der Mensch verrückt?“ Fünfzig bis
sechzig Leute sammeln sich um ihn und sehen ihn an.
Wir wenden uns zu dem Prinzen. Er sieht, daß zwei Stunden vorüber sind
und der Opiumraucher immer noch nicht kommt. Er langweilt sich und
befiehlt seinem Hausmeister: „Geh, wo du den Opiumraucher findest,
bringe ihn hierher.“ Der Hausmeister geht nach dem Opiumraucher aus.
Auf einmal sieht er auf dem Platze eine Menschenmenge. Indem er sagt:
„Was ist das wohl?“ geht er hin. Er sieht — was siehst du? — unsern
Opiumraucher. Sofort geht er zu ihm und sagt: „Der Prinz verlangt nach
dir.“ Der Opiumraucher sagt: „Ach, wie schön riecht deine Rose. Wie
schön mußt du erst selber riechen.“
Zum Hausmeister sagt er: „Wenn sie aus diesem Schloß Rosen werfen, hüte
dich, nimm sie nicht.“ Der sagt: „Ich will doch hingehen und sie einmal
sehen.“ Als sie zum Schlosse kommen, sieht der Jüngling sie und sagt
zur Prinzessin: „Der Hausmeister des Prinzen kommt, soll ich ihn
empfangen?“ Die Prinzessin sagt: „Nach Belieben, mein Herr.“ Der
Jüngling läßt sofort die Türen des Schlosses aufmachen und der
Hausmeister tritt durch die Türen ein. Sofort kommen Sklavinnen, gehen
ihm entgegen und führen ihn nach oben. Der Jüngling sagt: „Er soll
seine Kleider ausziehen und so kommen.“ Der Hausmeister geht in ein
anderes Zimmer und zieht sich aus. Als er die Hand an seine Mütze
bringt und an ihr zieht, geht die Mütze nicht ab. Wie sehr er sich auch
müht, er kann sie nicht abbekommen. Die Sklavinnen gehen zu ihrem
Herrn. Als sie sagen: „Der Hausmeister kann seine Mütze nicht
herunterbekommen,“ sagte er: „Was ist das für ein Mensch, der seine
Mütze nicht herunterbekommen kann!“ und treibt ihn hinaus. Sofort als
der Hausmeister unter der Tür des Schlosses sich bückt, um seine
Stiefel anzuziehen, fällt ihm seine Mütze vom Kopf auf die Erde. Der
Hausmeister nimmt die Mütze und sagt: „Drinnen wolltest du nicht
abgehen, was gehst du draußen gleich ab?“, wirft die Mütze auf den
Boden und geht zu dem Opiumraucher. Als der Opiumraucher ihn sieht,
wundern sie sich beide sehr.
Wir wollen uns nun zu dem Prinzen wenden. Er hatte den Hausmeister nach
dem Opiumraucher ausgeschickt. Auch der war nicht wieder gekommen.
Danach schickt er den Schatzmeister Aga hinter ihnen her. Kurz, als der
Schatzmeister Aga sie so sieht, wundert er sich, geht zu ihnen und
sagt: „Was ist euch geschehen?“ Der Opiumraucher sagt: „Wenn man aus
diesem Schlosse eine Rose wirft, nimm sie nicht und rieche nicht
daran.“ Der Hausmeister sagt: „Wenn du auch in dieses Schloß gehst, tue
es nur, indem du vorher deine Mütze abnimmst.“ Der Schatzmeister Aga
geht ins Schloß. Der Jüngling sagt: „Meine Prinzessin, der
Schatzmeister Aga des Prinzen kommt. Auch dem will ich einen Streich
spielen.“ Sie antwortet: „Nach Belieben.“ Als der Schatzmeister das
Schloß betritt, sagt der Jüngling: „Auch den zieht aus. Er soll sein
Nachtgewand anziehen und so kommen.“ Sie ziehen ihm die Kleider aus,
aber seine Hose geht nicht aus. Wie sehr er auch Gewalt anwendet, er
kann sie nicht ausbekommen. Sogleich berichten die Sklavinnen dies. Der
Jüngling sagt: „Was ist das für ein Mensch, der seine Hosen nicht
ausziehen kann.“ Darauf treibt man auch den Schatzmeister Aga aus dem
Schlosse. Als er einen Schritt durch das Tor gemacht hat, fallen seine
Hosen von selber herunter. Da sagt er zu den Hosen: „Drinnen konntet
ihr nicht ausgehen, wozu könnt ihr es draußen?“ und schlägt sie auf den
Boden. Dann geht er zu den beiden anderen. Der Prinz ist zornig und
sagt zu sich: „Was ist das wohl mit denen?“ Er geht aus dem Schloß,
trifft sie und fragt sie: „Was ist denn euch geschehen?“ Der
Opiumraucher antwortet: „Wenn man aus dem Schlosse eine Rose wirft,
nimm sie nicht und rieche nicht daran.“ Der Hausmeister sagt: „Geh erst
hinein, nachdem du die Mütze abgenommen hast.“ Der Schatzmeister Aga
sagt: „Geh erst hinein, nachdem du die Hosen ausgezogen hast.“ Als sie
das sagten, wird der Prinz verwirrt, sagt: „Was soll das bedeuten?“ und
geht ins Schloß. Als er eintritt, gehen die Prinzessin, der Jüngling,
die drei Kinder und alle Sklavinnen ihm mit Ehrfurcht und Höflichkeit
entgegen. Sie führen ihn nach oben, setzten sich in einem Zimmer nieder
und begrüßen ihn. Das älteste der Kinder hat in der Hand einen Schemel,
das mittelste ein Handtuch, das kleinste einen Servierteller mit einem
Teller und darinnen Birnen und daneben einen Löffel. Das älteste stellt
den Schemel hin, das mittelste legt dem Prinzen das Handtuch vor, das
jüngste stellt den Servierteller hin. Der Prinz verwundert sich und
sagt zu den Kindern: „Ißt man Birnen mit Löffeln?“ Als die Kinder
antworteten: „Ißt ein Mensch Menschen?“ schweigt der Prinz und denkt
nach. Da sagten sie: „Hier, wir sind deine Kinder, das ist unsere
Mutter.“ Der Jüngling tritt hinzu und sagt: „Prinz, mögen deine Augen
leuchtend sein. Das ist die Prinzessin, das da sind deine Kinder.“
Da kommen die Kinder, hängen sich ihrem Vater an den Hals und die
Prinzessin umarmt ihren Gatten, und sie freuen sich aus vollem Herzen.
Der Jüngling sagt: „Prinz, ich bin ihr Sklave. Die Prinzessin hatte
mich für Geld gekauft, und ich war ein Gefangener. Meine Mutter hatte
mich so verflucht. Das war meine Lage. Wenn Sie mir gütigst die
Erlaubnis geben, werde ich in meine Heimat gehen und meinen Vater und
meine Mutter wieder sehen, da sie Sehnsucht nach mir haben.“ Er erhielt
die Erlaubnis und ging weg. Die machten von neuem Hochzeit. Vierzig
Tage und vierzig Nächte dauerten die Festlichkeiten. Sie erreichten,
was ihr Wunsch war. Gott möge auch uns unsern Wunsch erreichen lassen.
Amen, o Helfer.