3. DER SCHÖNE KAFFEESCHENK

Die Geschichtenüberlieferer und Märchenerzähler berichten folgendes. In

alten Zeiten lebte ein erwachsener Jüngling in sehr ärmlichen

Verhältnissen. Eines Tages verkleidete er sich und machte sich auf die

Reise. Nach langem Reisen kam er in ein Land. Er kam an ein altes

Kaffeehaus und fragte den Wirt: „Meister, würdest du mich als Lehrling

annehmen?“ Der Wirt sagte: „Ach, mein Sohn, meine Kaffeeschenke ist

alt. Am Tage kommen ein paar Kunden. Fünf bis zehn Para nehme ich ein,

davon kaufe ich das Brot für den Abend und gebe es für meinen Unterhalt

aus.“ Der Jüngling sagte: „Vater, ich verlange von dir nichts. Ich will

nur meinen Kopf hier ein wenig einstecken und verweilen.“ Dagegen sagte

der Kaffeewirt nicht: „Es ist unmöglich“, sondern: „Sehr schön, mein

Sohn, was Gott schenkt, nimmt man hin.“ Darauf küßte der Jüngling dem

Meister die Hand, trat ein und verblieb im Kaffeehaus. Als es Abend

wurde, sagte sein Meister: „Mein Sohn, ich gehe jetzt nach Hause,

schließe du das Kaffeehaus ordentlich zu und schlafe darin.“ Sein

Meister ging nach Hause weg.

Wir wenden uns nun zu dem Jüngling. Dieser verschloß ordentlich das

Kaffeehaus, legte sich auf die Bank und schlief ein. Ungefähr um vier

oder fünf krachte die Türe des Kaffeehauses, öffnete sich, und ein

Derwisch trat ein und grüßte. Der schlafende Jüngling wachte auf und

erwiderte höflich den Gruß des Derwisches. Jetzt sagte der Derwisch:

„Steh auf, junger Mann, koche mir einen Kaffee umsonst.“ Der Jüngling

stand auch auf und kochte dem Derwisch einen Kaffee umsonst und reichte

ihm den. Der Derwisch trank den Kaffee und ging, ohne ein Wort zu

sagen, hinaus. Der Jüngling sagte: „Hoffentlich ist es eine gute

Vorbedeutung“, schloß die Türe der Kaffeeschenke, setzte sich wieder

auf die Bank und blieb die Nacht dort. Als es Morgen wurde, sagte er

nichts dem Meister davon. Als es wieder Abend wurde, schlief er wieder

wie das erstemal ein. Genau um vier oder fünf ungefähr krachte wieder

die Türe und öffnete sich. Da kamen zwei Derwische herein, grüßten und

sagten: „Koche uns zwei Kaffee umsonst.“ Der Jüngling stand auf, kochte

ihnen zwei Kaffee umsonst und gab sie ihnen. Sie tranken den Kaffee und

gingen weg. Er schloß wieder die Türe des Kaffeehauses und verblieb die

Nacht auf der Bank. Als es Morgen wurde und der Meister kam, sagte er

ihm nichts von den Geschehnissen. Als es Abend wurde, schloß er wieder

das Kaffeehaus und stellte alles, was an Dingen vorhanden war, hinter

die Tür, legte sich auf seine Bank und schlief ein. Genau gegen vier

oder fünf erhob sich ein sehr starker Lärm, die Tür krachte und öffnete

sich, und herein traten drei Derwische. Nachdem sie gegrüßt hatten,

sagten sie: „Steh auf, junger Mann, und koche uns drei Kaffee umsonst.“

Der arme Jüngling stand auf, kochte den Kaffee und gab ihnen den. Sie

tranken ihren Kaffee und standen auf. Der eine sagte: „In der

Kaffeeschenke, in der sich dieser junge Mann befindet, soll nie in der

Kaffeebüchse an Kaffee und Zucker Mangel sein; sie sollen immer bis an

den Rand voll sein.“ Der zweite sagte: „In die Kaffeeschenke, in der

sich dieser junge Mann befindet, sollen Kunden wie Ameisen kommen.“ Der

dritte sagte: „Dieser junge Mann soll alle Löcher zum Sprechen bringen

können.“ Schließlich gingen alle drei Derwische auf einmal davon.

Der Jüngling schloß wieder wie das erstemal die Türe des Kaffeehauses,

legte sich auf die Bank und schlief ein. Als es Morgen wurde, stand er

auf, öffnete das Kaffeehaus und sieht, daß vor dem Kaffeehaus die

Kunden wie Ameisen gedrängt stehen. Er sagte: „Es ist tatsächlich

geschehen, was die Derwische in der Nacht sagten“, und dankte Gott.

Danach ging er an den Herd und als er nach dem Kaffee und Zucker sieht,

um den Kunden Kaffee zu kochen, ist die Büchse bis zum Rande voll. Er

sagte: „Die Derwische waren doch nicht so ohne.“ Dann verfiel er in

Nachdenken. Doch kochte er andauernd Kaffee und setzte ihn den Gästen

vor. Schließlich kommt sein Meister und sieht, — na, was siehst du? [8]

— der Platz vor dem Kaffeehaus und drinnen ist voller Menschen. Er sagt

zu sich: „Das ist ja ein reines Wunder“, steckt den Finger in den

Mund[7] und bleibt stehen. Er denkt: „Jeden Tag kommt sonst nur der

eine oder der andere Kunde. Dahinter muß etwas stecken.“ Er geht umher

und findet keinen Platz zum Sitzen. Dann fragt er den Jüngling: „Hast

du Kaffee und Zucker in dem Kasten?“ Der Jüngling antwortete: „Ja,

Meister, ich habe welchen gekauft. Setze dich nur hin und vergnüge

dich.“ Da setzte sich sein Meister irgendwohin.

Der junge Mann kochte andauernd Kaffee. Als es schließlich Abend wurde,

ging sein Meister an die Schublade, öffnet sie und sieht, — na, was

siehst du? — die Schublade ist bis zum Rande voller Geld. Als der

Meister das sieht, wäre er beinahe ohnmächtig geworden. Dann sagte er:

„Bravo, mein Junge, dein Fuß war glückbringend!“ und küßte den jungen

Mann auf die Augen. Dann steckt er das Geld in den Beutel und trug es

nach Hause.

Der junge Mann verblieb einige Monate im Kaffeehause und an jedem Tage

kamen viele Kunden. Sie wurden nun so reich, daß sie keinen Platz

finden konnten, wo sie das Geld hinlegen konnten. Schließlich sagte der

junge Mann eines Tages zu seinem Meister: „Meister, ich möchte in meine

Heimat reisen, gib mir die Erlaubnis.“ Der Meister wollte sich zwar

nicht von ihm trennen, notgedrungen sagte er aber wohl oder übel: „Sehr

schön, mein Sohn, Allah möge dir Heil geben, geh!“ Dann küßte der junge

Mann seinem Meister die Hand, und der Meister gab ihm ein paar Kleider,

wie es in der Welt nicht Ähnliches gibt, ganz mit Goldstickerei und mit

Juwelen. Er zog sie an und machte sich auf den Weg.

Eines Tages kam er in ein anderes Land; dort mietete er sich ein

Kaffeehaus und fing an zu arbeiten. Wieder kamen wie vorher so viel

Kunden, daß sie sich nicht zählen ließen. Kurz, dieser schöne

Kaffeeschenk wurde in dieser Stadt bekannt.

Als eines Tages einer von den Reichen der dortigen Gegend davon hörte,

konnte er es nicht mehr aushalten, stand auf und ging sofort in das

Kaffeehaus, wo der schöne Kaffeeschenk war. Er setzte sich dort hin und

verblieb dort, konnte aber sein Auge nicht von dem jungen Manne wenden.

Er war so schön, als wenn er aus Wachs geformt wäre. — Der Reiche riß

vor Erstaunen seinen Mund auf.

Der junge Mann kochte einen ganz besonders leckeren Kaffee und setzte

ihm den vor. Dieser Reiche streckte seine Hand aus und trank ihn. Als

er den Genuß ganz ausgekostet hatte, sagte dieser Reiche zu dem schönen

Kaffeeschenk: „Schöner Kaffeeschenk, ich habe eine Tochter. Nach Allahs

Bestimmung werde ich sie dir geben. Wirst du sie nehmen?“ Der schöne

Kaffeeschenk sagte: „Mein Herr, da Sie Ihre Tochter für mich passend

ansehen, warum sollte ich sie nicht nehmen?“ Schließlich führte dieser

Reiche den schönen Kaffeeschenk in sein Haus, rief die Gemeinde

zusammen und verheiratete seine Tochter mit dem Kaffeeschenk. Es wurde

Scherbet getrunken und an jeden verteilt. Den schönen Kaffeeschenk

geleitete man in dieser Nacht ins Brautgemach. Der schöne Kaffeeschenk

ging zu dem Mädchen und sagte: „Loch, wer hat dich durchstochen?“ Das

Loch schrie: „Mich hat mein Vetter durchstochen.“

Am Morgen schied er sich von diesem Mädchen und ging in sein

Kaffeehaus. Als sie das sahen, wunderten sie sich: „Was ist das für

eine Sache, an einem Tage heiraten und am nächsten scheiden?“ Alle

waren verwundert und bedenklich.

Wir wollen die Geschichte nicht in die Länge ziehen. Der schöne

Kaffeeschenk nahm die Tochter eines anderen reichen Mannes. Als es

Morgen wurde, entließ er sie wieder. Am folgenden Tage nahm er

anderswoher ein Mädchen, auch die entließ er.

Als dieser schöne Kaffeeschenk eines Tages am Meeresgestade ging,

begegnete er einem Hirten, bei ihm war seine Tochter. Er redete ihn an:

„He, Hirte, ist dies deine Tochter?“ Der Hirte antwortete: „Ja, mein

Herr.“ Als er sagte: „Ach, Hirte, mein lieber Hirte, dies Mädchen werde

ich nach Gottes Anordnung und nach dem hehren Brauch des Propheten

heiraten“, antwortete der Hirte: „Ach, mein Herr, ist denn ein

Hirtenmädchen Ihrer würdig?“ Da sagte der schöne Kaffeeschenk: „Ich

halte dies Mädchen meiner für würdig.“ Schließlich nahm er den Hirten

und dies Mädchen mit in sein Haus. Dann rief er die Gemeinde zusammen

und heiratete das Mädchen.

Als es Nacht wurde, ging er zum Mädchen und rief: „Loch, wer hat dich

durchstochen?“ Das Loch fing an zu sagen: „Ich bin arm, keiner hat sich

zu mir herabgelassen. Ich bin so, wie ich von der Mutter geboren bin.

Bis jetzt hat noch niemand Hand daran gelegt.“

Als der schöne Kaffeeschenk dies hörte, freute er sich und sagte: „Da

habe ich endlich die Frau gefunden, die ich suchte.“ Dann näherte er

sich dem Mädchen und wohnte ihr bei.

Als es Morgen wurde, stand er auf, ging ins Bad, wusch sich, kaufte

Sahne und ging wieder ins Haus, wo das Mädchen war, verweilte bei dem

Mädchen und sie liebten sich.

Die mögen nun hierbleiben, wir kommen jetzt zu den Reichen. Die hatten

einen nahen Nachbarn. Eines Tages versammelten sie sich und er sagte:

„An dem und dem Orte ist ein schöner Kaffeeschenk. Der nahm meine

Tochter und am Morgen verließ er sie. Gestern hat er ein Hirtenmädchen

genommen. Das heißt, daß ihm meine Tochter nicht gefallen hat. Kommt,

wollen alle einmütig daraus einen ehrenrührigen Prozeß machen und ihn

bestrafen lassen.“

Dies Wort gefiel allen. Darauf schicken sie Nachricht an den schönen

Kaffeeschenk. Schließlich sagte er: „Wenn Allah will, ist es so gut“,

verließ sein Haus und kam zu ihnen, setzte sich und verweilte. Sie

sagten zu ihm: „He, schöner Kaffeeschenk, nach Allahs Anordnung hast du

unsere Töchter geheiratet und am Morgen wieder verlassen. Was ist der

Grund? Schließlich hast du ein Hirtenmädchen genommen und bei der

bleibst du. Schämst du dich nicht? Gehört sich so etwas für dich? Was

hatten unsere Töchter für einen Fehler? Jetzt wollen wir dir einen

ehrenrührigen Prozeß machen. Laß dir das gesagt sein!“

Da antwortete der schöne Kaffeeschenk: „Meine Herren, jetzt ruft eure

Töchter, wir wollen die Sache erklären, damit, wenn die Schuld an mir

liegt, der schöne Kaffeeschenk verderben möge.“ Sie sagten: „Sehr

schön, mein Sohn, wollen sie rufen, sie mögen kommen.“ Dann sandten sie

Nachricht in ihre Häuser und die genannten Mädchen bestiegen ihre

Droschken und kamen in die Versammlung.

Eins von den Zimmern wurde abgesondert und der schöne Kaffeeschenk trat

mit einem Mädchen ein. Er ging zu dem Mädchen und rief: „Loch, wer hat

dich durchstochen?“ Das Loch sagte: „Mein Vetter hat mich

durchstochen.“ Sie horchten hinter der Tür. Der schöne Kaffeeschenk

sagte zu ihnen: „Nun, habt ihr es gehört, meine Herren?“ Sie standen da

und bissen sich auf den Finger.

Darauf ging das Mädchen aus dem Zimmer und sagte zu ihren Genossinnen:

„Ach, Schwestern, steckt in eure Löcher einen Lappen.“ Das taten sie

und eine andere ging in das Zimmer. Der schöne Kaffeeschenk ging zu dem

Mädchen und rief: „Loch, wer hat dich durchstochen?“ Von dem Loch kam

keine Antwort. Er sagte zu dem anderen Loch: „Warum kommt keine Stimme

heraus?“

„Ach, mein Herr, wie soll es sprechen, sie hat es verstopft.“

Darauf ging das Mädchen hinaus und sagte zu ihrer Gefährtin: „Fräulein,

verstopfe deine beiden Löcher, denn deine Sache steht schlecht.“

Die glaubte ihr und verstopfte beide Löcher. Dann kam sie herein und

setzte sich. Der schöne Kaffeeschenk ging zu ihr und sagte: „Loch, wer

hat dich durchstochen?“ Vom Loch kam keine Antwort. Er sagte zum andern

Loch: „Warum kommt keine Stimme heraus?“ Auch dort keine Antwort. Dann

ging er an das Ohr des Mädchens und rief: „Loch, warum antworten nicht

die unteren Löcher?“ Das Loch antwortete: „Ach, mein Herr, wie sollten

sie antworten, sie sind beide verstopft.“ Da sagte der schöne

Kaffeeschenk: „Nun, meine Herren, habt ihr eure Töchter gehört, wie sie

es eingestanden haben? Ihr hättet sie auch nicht genommen, wie sollte

ich sie nehmen?“ Die waren still und sagten keinen Ton.

Dann sagte er wieder: „Nun, meine Herren, ich will auch eure Löcher zum

Sprechen bringen, damit kein Zweifel sei.“ Sie sagten: „Ach, mein Sohn,

bringe nicht unsere Löcher zum Sprechen, da, nimm diese Goldstücke, geh

und lebe ruhig, wo du bist.“

Da stand der schöne Kaffeeschenk auf, ging in sein Haus. Vierzig Tage

und vierzig Nächte dauerte das Hochzeitsfest. Sie erlangten, was sie

wollten.

Türkische Märchen · 第 6 / 91 题