Er sagte aber: »Ich danke dir.«

* * * * *

Eliza kam am letzten Abend zu ihr. Sie schlüpfte zu Esther ins Bett,

weinte viel und ließ sich gerne trösten. Sie wollte immer neue

Liebkosungen von Esther haben und spielte stundenlang eine kleine, sanfte

Komödie des Schmerzes. Es war so schön, wenn Esther sie küßte und ihr

gute Worte sagte! --

So kam es, daß sie erst im letzten Augenblick die Trennung wirklich

begriff. Und nun stand sie, mit ihren seltsamen Augen, die alles Traurige

verstanden, starr vor sich hinblickend in stummer Erschütterung.

Es wird erst kommen, wenn ich fort bin, dachte Esther, und ihr Herz

zog sich bei dem Gedanken zusammen, daß sie nun nicht mehr dieses

Kind schützen und trösten dürfe -- daß diese Seele mit der frühen

Todesahnung dem Leben preisgegeben war. --

Neben ihr im Wagen saß Arne. Er hatte darum gebeten, sie nach der Bahn

fahren zu dürfen. -- Adam Rude hatte sich eingeschlossen und durch Arne

einen Brief geschickt, den Esther erst unterwegs lesen sollte. »Es steht

alles drin,« mußte Arne ausrichten.

Arne hatte den hellen Kopf die ganze Zeit gesenkt, und Esther wunderte

sich plötzlich, warum es ihr früher nie aufgefallen sei, daß seine

Traurigkeit etwas so Unreifes, Knabenhaftes hatte -- es war jene

Traurigkeit, für die ringsum die ganze Erde ein Garten des Trostes bleibt.

Und sie wünschte ihm, schon wie aus der Ferne, ein künftiges Glück, als

sie sich mit einem einfachen »Lebewohl« trennten. Sie saß schon im Zug

und sah noch einmal zum Fenster hinaus, da wollte er noch etwas sagen

-- aber die Thränen nahmen seine Stimme. »Leicht getrocknete

Jugendthränen,« dachte Esther. Und plötzlich sah sie ihn wieder, wie er

mit seiner warmen, strahlenden Jugend zu ihr gekommen war -- zu ihr, die

nur Schmerz und Schweigen kannte. Und ihr Herz füllte sich mit einem Dank,

der ohne Bitterkeit war. --

Neben ihr saß als einzige Reisegefährtin eine Pflegeschwester. Sie las

erst aus einem kleinen, schwarzen Gebetbuch, wobei sie die Lippen bewegte

und andächtig vor sich hinsah.

Die Hochzeit der Esther Franzenius: Roman · 第 31 / 93 题