Wir können nie mehr in der Freude zu Hause sein.«

Und wieder war es still zwischen ihnen, bis auf das heimliche, bebende

Leben über den Gräbern. Ein leichter Wind rührte die Blätter des

Nußbaums. Das war wie ein Aufseufzen der Toten, die Rede begehrten.

Doch zwischen den Lebenden blieb das Schweigen. Nur war es Esther

plötzlich, als würde sie weit fortgetragen -- weit, durch ein

stürmisches, sonniges Land. Felsen sah sie ragen und rote, heiße Blumen

an Abhängen blühen. Und das wilde Lied des Lebens klang um sie. --

Sie sah auf und in ein bleiches, vor Erregung verzerrtes Gesicht.

»Esther! Esther! Sie wissen, was ich sagen will -- Esther, deine Seele

will ich -- --«

Sie sah ihn starr und wie ganz aus der Ferne an. »Meine Seele?« sagte

sie, und langsam gingen Thränen aus ihren Augen. Sie vergaß in diesem

Augenblick den Menschen neben sich.

Doch der sprach weiter: »Esther, ich glaubte zu wissen -- ja, Sie haben es

mir gezeigt, daß ich Ihnen nicht gleichgültig bin -- Esther -- --«

Sie sah plötzlich wieder sein gequältes Gesicht über sich -- und da

legte sie ganz leise den Arm um seinen Hals und sagte: »Ja, ich habe dich

lieb.«

Und sie küßten einen leisen, zitternden Kuß.

Und keines von ihnen wiederholte die Zärtlichkeit. Schweigend gingen sie

nebeneinander zurück über die Heide, die purpurn schillerte vor lauter

Sonnenlicht.

Die Hochzeit der Esther Franzenius: Roman · 第 20 / 93 题