Esther war plötzlich verstimmt.
Weshalb hatte sie diese kleine dumme Höflichkeitslüge gesagt?
Da kam ein fremder großer Junge in Lackschuhen, mit dem redete sie
allerhand alberne intime Sachen, und zuletzt glaubte sie noch eine kleine
Zurückweisung mit einer Höflichkeitslüge umkleiden zu müssen.
Sie packte die Malgeräte zusammen, trug sie hinauf in ihr Zimmer und
stellte die Leinwand zum Trocknen auf. Dann sah sie mit mancherlei kleinen,
zerstreuten Gedanken hinaus in den Abendhimmel, wo die große rote Sonne
sich feierlich dem Horizont zuneigte. -- -- -- --
Am Abendbrottisch dozierte Arne. -- Er besaß einen nach jeder Richtung hin
unfehlbaren Geschmack.
Unter anderm gab es da ein Buch von Peter Nansen -- »Gottesfriede«. --
Esther hatte es schon vor einigen Jahren gelesen, Arne durch Zufall erst
jetzt.
»Ich bereue die Zeit, in der ich dieses Buch nicht kannte,« erklärte
Arne.
»Es ist das Hohelied vom Weibe. Es ist das holdeste und keuscheste Buch,
das ich kenne. Wer dafür kein Verständnis hat, mit dem ist von vornherein
nicht zu reden!«
Esther lächelte. »Dann müssen Sie mit mir gewiß nicht drüber sprechen
-- mich hat es unwahr berührt.«