Zwischen den beiden Mädchen blieb es jetzt still. Draußen ging die
Dämmerung und verhüllte das Land. Und an dem dichtgrünen Schutzzaun
nagte der Wind, vergebens mit seinem leisen, gierigen Stöhnen Einlaß
suchend. -- Über die Menschen kam ein Gefühl der Geborgenheit.
* * * * *
Esther war schon einige Wochen auf Eriksgaard und fühlte sich mehr
und mehr mit der seltsamen Eintönigkeit des Hauses und seiner Bewohner
verwachsen.
Sie gewöhnte sich an Adam Rudes absonderliche Art, durch das Haus zu
irren und zerstreute Worte zu stammeln. -- Sie wurde vertraut mit dem
überreifen, so oft das Unwirkliche streifenden Wesen Elizas.
Und in dieser traumhaften Umgebung versank ihre Kraft fast unmerklich aber
stetig im erschlaffenden Nachgeben.
Seltsame heiße Bilder, die nur ganz entfernt die Wirklichkeit berührten,
kamen zu ihr. Die unterdrückte Sehnsucht nach dem einen geliebten Menschen
lebte sich in ziel- und gestaltlosen mystischen Phantasien aus. --
Und dann gab es eine Nacht, in der sie nach schlaflosem Hindämmern ganz
plötzlich in ihrem Bett kniete -- den Kopf vornübergebeugt und die Hände
verschränkt -- und immer liefen Thränen vor ihr nieder. Und sie warf den
Kopf zurück und senkte ihn wieder und wollte -- beten? -- --
Und immer liefen Thränen vor ihr nieder.
Aber es gab kein Wort und keinen Gott -- nur allertiefste Verlassenheit war
um sie.
Und das Zeitgefühl schwand, und der Körper wurde wesenlos. Es war wie der
Tod im Leben. --
Und dann fand sie sich wieder: mit zurückgeworfenem Kopf und schlaff
herabhängenden Armen -- schon lange thränenlos. Die Glieder waren ihr
ganz kalt und taub geworden und gingen schwer zu bewegen. Und sie fand sich
allmählich wieder ganz zurück in die Wirklichkeit und legte sich ruhig
nieder -- ja ganz ruhig und -- gebrochen.