10. „Ein Präzeptor soll sich auch bemühen, die +Gemüter+ der Kinder
+kennen+ und prüfen zu lernen.“
11. „Wenn ein Präzeptor unter der Lektion gewahr wird, daß ein Kind
nicht achtgibt, so soll er es +nicht alsbald mit Namen nennen+,
sondern lieber im +allgemeinen+ etwa sagen: .... ‚ich sehe ein Kind,
das nicht gerade sitzet oder schwätzt ...,‘ so wird er gewahr werden,
daß das Kind sich getroffen findet.“
12. „+Schimpfliche+ Namen sind den Kindern durchaus nicht zu geben,
weil sie dadurch mehr erbittert als gebessert werden.“
13. „+Die Schulen sollen sein ~officinae Spiritus Sancti~+ --
Werkstätten des Hl. +Geistes+.“
[2] „Die Muttersprache verstummte unter den Knaben; deutsch zu
sprechen wurde für schimpflich angesehen; Knechte und Mägde
hörte man lateinisch reden, und man konnte meinen, Goldberg sei
in Latium gelegen.“ (Inschrift auf einem Denkmale Trotzendorfs
in der Johanneskirche zu Liegnitz.)
[3] Dennoch empfiehlt Comenius für die Praxis des
Volksschulunterrichts die mehr +mechanische Lehrform+ des
Vorlesens, Nachlesens, Nachsprechens und Abschreibens. So heißt
es in Kap. 29 der ~Didact. magna~: „In den Morgenstunden soll
der Lehrer die Aufgabe für die betreffende Stunde, während
alle zuhören, vorlesen und wieder lesen, und wenn etwas einer
Erklärung bedarf, möglichst deutlich und klar erklären, so daß
alle es fassen müssen. Dann wird er die Schüler selbst der
Reihe nach zum Lesen aufrufen: so daß, während einer laut und
verständlich liest, die übrigen dabei in ihre Bücher sehen und
schweigend folgen. Wenn das bis auf die Mitte der Stunde oder
darüber hinaus fortgesetzt wird, so werden die Befähigteren
ohne Buch dasselbe vorzutragen versuchen, und endlich auch
die weniger Beanlagten. In den Nachmittagsstunden sollen die
betreffenden Pensa durch Wiederholen und Abschreiben befestigt
werden.“ Daß Com. hier im Widerspruche mit Kap. 19 der ~Didact.
magna~ die dialogische Lehrform ausschließt und überhaupt
die Persönlichkeit des Lehrers ganz zurücktreten läßt hinter
dem Lehrbuch, erklärt sich 1. aus dem damaligen Mangel an
methodisch vorgebildeten +Lehrern+, 2. aus einer übertriebenen
Wertschätzung guter +Lehrbücher+. Die Lehrbücher sollen nach
Com.’ Ansicht womöglich so eingerichtet sein, daß sie den
Lehrer ganz ersetzen; sie sollen denn auch in dialogischer Form
abgefaßt sein.