1. In Fulda, der Gründung des hl. Bonifacius, unterrichtete schon
sein Schüler Sturmi junge sächsische Geiseln und bereitete sie zum
Christentum vor. Die Schule erlebte aber ihre höchste Blüte unter
+Rhabanus Maurus+, dem „ersten deutschen Schulmanne und Gelehrten“. Er
war 775 in Mainz von angesehenen Eltern geboren. Der Vater (Ruothart)
war Kriegsmann gewesen, die Mutter (Adelgunde) war eine fromme Frau,
welche die Erziehung des vielversprechenden Knaben hauptsächlich
leitete. Neun Jahre alt kam er als ~puer oblatus~ ins Kloster Fulda.
Wie wohl sich Rhabanus im Kloster fühlte, beweisen seine Verse:
„Zwar aus menschlicher Schwäche nicht stets den Gesetzen gehorsam,
Liebt’ ich mein Zellchen doch stets, freundlicher Raum war es mir.“
Seine wissenschaftlichen Bestrebungen fanden in der ansehnlichen
Bibliothek des Klosters reiche Unterstützung. Nachdem er 801 Diakon
geworden war, wurde er auf die berühmteste Schule des fränkischen
Reichs, nach +Tours+ geschickt. Er weilte nur ein Jahr bei dem großen
+Meister Alkuin+, aber dies genügte, um zwischen beiden die innigste
Freundschaft anzubahnen. Alkuin gab dem jungen Freunde den Beinamen
Maurus, um anzudeuten, daß ihm Rhabanus das sei, was einst dem hl.
Benediktus sein Lieblingsschüler Maurus gewesen.
2. Nach der Rückkehr von Tours (802) übernahm Rhabanus die +Leitung
der Fuldaer+ Klosterschule. Er meldete dies dem Freunde in Tours, und
dieser schrieb ihm zurück:
„Ermahne die Kleinen, welche um dich sind, zur +Keuschheit+ des
Körpers, zum reuigen +Bekenntnis+ ihrer Sünden, zur +Ausdauer+ im
Lernen und zum +verständigen+ Umgange. Lehre sie die Unmäßigkeit und
die Eitelkeit der Welt fliehen. In ihrer Jugend sollen sie lernen,
damit sie im Alter lehren können. Trage Sorge, daß sie an +dir ein
Muster+ haben, und ermahne sie in heiligen Worten.“
Rhabanus galt als sehr gewissenhafter Lehrer, der sein unablässiges
Streben den Fortschritten seiner Schüler widmete, und als ein
vortrefflicher Erzieher, der in hohem Maße die Geschicklichkeit besaß,
einen jeden nach seinem Alter und seiner Individualität zu behandeln.
Darin aber zeigt sich des Rhabanus echt +deutsche Natur+, daß er auf
die Pflege der +Muttersprache+ besonders Gewicht legte und zu dem Ende
ein lateinisch-deutsches Wörterbuch der Bibel verfaßte. Auch schmückte
er als Abt durch Bauten und Kunstwerke das Kloster, um den Kunstsinn
der Mönche und Schüler zu pflegen und jedem Talente Gelegenheit zur
Ausbildung zu geben. Es muß etwas Schönes gewesen sein um das rege
geistige Leben in Fulda, um die freudige Arbeitslast, die sich auf den
Gesichtern der Lehrenden und Lernenden abspiegelte („~Laeti tirones,
laetiores magistri, laetissimus rector~“). Der Ruf von der Blüte der
Schule drang bald in die Ferne und zog viele Schüler herbei. Manche
von letzteren, zu tüchtigen Lehrern vorbereitet, trugen Glauben und
Wissen weiter an andere Schulen. Unter diesen sind zu nennen +Walafried
Strabo+ und +Otfried von Weißenburg+.
3. Im Jahre 822 zum +Abt+ des Klosters erwählt, wandte Rhabanus sich
nicht von der Jugendbildung ab, sondern nahm noch unmittelbar am
Unterrichte Anteil und hielt auf gute Zucht und Ordnung. Daher blieb
die Schule zu Fulda auch weiterhin die Leuchte für ganz Deutschland.
Im Jahre 847 wurde Rhabanus +Erzbischof+ von Mainz. Als solcher hat er
4 große Kirchenversammlungen abgehalten. Auf der ersten (zu Mainz 847)
wurde der Beschluß erneuert, daß die +deutsche Sprache+ eine größere
Verwendung beim +Gottesdienst+ erhalten solle. Mit besonderem Eifer
widmete er sich der Verkündigung des göttlichen Wortes, wobei er das
Volk über mancherlei Wissenswertes zu belehren suchte, so sehr war ihm
das eigentliche +Unterrichten zur zweiten Natur+ geworden. Er starb am
4. Februar 856 zu Winkel im Rheingau.