Er tadelt diejenigen Väter, „die den Kindern nur von +irdischen+
Dingen reden“. „Wenn ein Vater sein Kind ermahnend sagt: hier hat
sich einer durch seine Kunst großen Reichtum erworben, dort ist
einer durch seine Kenntnisse zu den höchsten Staatsämtern gelangt,
von himmlischen Dingen aber niemals redet, so lehrt er sie nichts
anderes, als was die Quelle alles Bösen ist, denn er flößt ihnen die
Habsucht ein und die noch verderblichere Begierde nach eitler Ehre.“
Er eifert ferner gegen solche Väter, die das Schlechte mit +schönen+
Namen, die Tugenden mit +verwerflichen+ Ausdrücken benennen. „Immer
auf der Rennbahn und im Theater leben nennt ihr guten Weltton, das
Trachten nach Reichtum ein unabhängiges Leben suchen, Ehrgeiz
hohen Sinn, Übermut Freimütigkeit. Dagegen nennt ihr Bescheidenheit
Feigheit, das Prunklose knechtisch, die Geduld eine Schwachheit.“
„Solche Väter halte ich für ärger als Kindermörder, denn diese können
nur den Körper von der Seele trennen, jene aber stürzen die Seele in
die Hölle.“
2. Er weist auf die wichtige Stellung der +Mutter+ bei der Erziehung
hin.
„Die Mütter sollen die Kinder nicht nur leiblich pflegen, sondern
auch zur Gerechtigkeit und Gottesfurcht erziehen.“ „Sehet weniger
darauf, daß eure Kinder gut reden, als daß sie +gut leben+
lernen.“
3. Er ermahnt die Eltern, mit der Erziehung und dem Unterrichte
+frühzeitig+ zu beginnen, namentlich mit der Unterweisung in der
Religion.
„Der +Charakter+ des Kindes muß von Jugend auf gebildet werden, denn
auf den +Charakter kommt alles an+.“ „Die Dornen müssen ausgerissen
werden, solange man noch leicht im Acker arbeiten kann.“ „Das zarte
Alter nimmt das, was es hört, leicht in sich auf, wie das weiche
Wachs leicht die Spuren des Siegels festhält.“ „Halte es nicht für
überflüssig,“ ruft er einem Vater zu, „daß dein Sohn früh die Hl.
Schrift kennen lerne. Aus dieser wird er zunächst hören: ‚+Ehre
deinen Vater und deine Mutter+‘; es geschieht also zu deinem Vorteil.
Sage nicht, daß dieses für Mönche gehöre; freilich nicht zu einem
Mönche, aber doch zu einem Christen sollst du ihn machen -- denn
+groß ist die Gewalt der vernunftwidrigen Neigungen+ in diesem Alter.“
4. Den +Beruf+ eines Jugenderziehers sieht er als den +höchsten+ auf
Erden an.
„+Höher+ als jeden Maler, höher als jeden Bildhauer und alle +übrigen
Künstler+ schätze ich den, der die Seelen der Kinder zu bilden
versteht.“
=3. Der hl. Hieronymus= († 420).
Dieser berühmte Übersetzer der Bibel (~Vulgata~) war Vorsteher des
Klosters zu +Bethlehem+. Er widmete sich mit großem Eifer der Erziehung
und dem Unterrichte von Knaben, die ihm von den Eltern anvertraut
waren, und verschmähte es nicht, denselben auch die ersten Anfänge des
Lesens, Rechnens usw. beizubringen. Sein Ruf als tüchtiger Erzieher
drang weit über die Grenzen Palästinas hinaus. Tausende von Eltern
wandten sich an den Mönch zu Bethlehem, um von ihm Ratschläge für die
Erziehung ihrer Kinder zu erhalten. Solchen Anlässen entsprang eine
Reihe wichtiger Schriften, von denen uns zwei erhalten sind: 1. an
die edle Römerin Läta über die Erziehung ihrer Tochter Paula, 2. an
einen Freund (Gaudentius) über die Erziehung seiner Tochter Pacatula.
Die pädagogischen Grundsätze, die er in diesen Erziehungsbriefen
niedergelegt, sind durch Jahrhunderte auf Unterricht und Erziehung
von großem Einfluß gewesen. Diejenigen, welche am eifrigsten seine
methodischen und didaktischen Winke befolgten, waren die Fraterherren
(die ersten „Elementarlehrer“ in Deutschland), die sich nach ihm
„Hieronymianer“ nannten. (Vgl. S. 33.) Die bemerkenswertesten Gedanken
aus diesen Briefen sind folgende.
1. „+Lerne+ erst lange vorher, was du nachher lehren willst.“ „Zum
+Lehrer+ ist ein Mann von bewährtem Alter, von erprobten Sitten
und Kenntnissen zu nehmen. Selbst der Ton der ersten Laute und
die erste Beibringung der Regeln wird von einem gebildeten Manne
anders sein als von einem ungebildeten. Ich glaube auch nicht, daß
ein unterrichteter Mann sich schämen wird, bei einem Kinde ein Amt
zu übernehmen, welches der +große Aristoteles bei dem Sohne des
Philippus+ übernahm. Man darf dasjenige Kleine nicht gering achten,
ohne welches das Große und Wichtigste gar nicht möglich ist.“
2. „Samuel wird in einem Tempel auferzogen, Johannes bereitet sich
in der +Einsamkeit+ vor: wie Samuel und Johannes muß eine Seele
unterwiesen werden, die Gottes Tempel und in den Wissenschaften
tüchtig werden soll. +Niemals+ soll das +Kind an öffentlichen
Gastmählern+ teilnehmen, auch nicht im elterlichen Hause. Ohne
vorhergehendes Gebet soll es keine Speise nehmen; ohne dem Herrn
gedankt zu haben, soll es sich nicht vom Tische entfernen.“
3. „Vor allem ist zu vermeiden, daß das Kind gegen das Lernen
+Widerwillen+ fasse. Was das Kind lernen muß, das soll ihm lieb
werden, damit das +Lernen nicht ein Frondienst+, sondern eine
+Ergötzung+, nicht ein Müssen, sondern ein +Wollen+ sei.“
4. „Man gebe dem Kinde +Genossen+, mit denen es +wetteifere+ und
durch deren Belohnung es angestachelt werde. Will es lässig werden,
so darf man es nicht gleich schelten; auch +durch Lob+ muß manchmal
der Geist zur Regsamkeit gebracht werden.“
5. „Dem Kinde gebe man +Buchstaben+ von Buchsbaum, nenne dieselben
mit Namen und setze aus ihnen Wörter zusammen. Bei Einprägung des
Alphabets halte man nicht immer die Ordnung des Alphabets ein,
sondern +mische+ die Buchstaben untereinander, daß das Kind sie nicht
durch die Ordnung des Hersagens, sondern durch den bloßen Anblick
erkennt. Die Wörter, welche durch die Buchstaben gebildet werden,
sollen nicht zufällig und +inhaltlos+, sondern bestimmt und mit Fleiß
ausgewählt sein. Man gewöhne das Kind, die Wörter ohne Verstümmelung
und +deutlich auszusprechen+.“
=4. Der hl. Augustinus= (354–430).
Augustinus wurde als Sohn des Heiden Patricius und der Christin
+Monika+ am 13. November 354 zu Tagaste in Numidien geboren. Die
fromme Mutter ersetzte durch Gebete, Tränen und Ermahnungen bei ihrem
Sohne reichlich, was der Vater vernachlässigte. Nach dem Wunsche des
Vaters sollte Augustinus ein berühmter Gelehrter werden, und es wurden
deshalb keine Kosten gescheut. Auf den hohen Schulen zu Madaura und
Karthago machte er zwar in der Beredsamkeit große Fortschritte. Aber
er blieb auch dem wilden zügellosen Leben nicht fremd, welches unter
den Studierenden dort herrschte. Mit den Verirrungen ihres Sohnes
wuchs indes die Liebe der Mutter. Als sich Augustinus i. J. 384
nach Mailand begab, um dort eine Stelle als Lehrer der Beredsamkeit
anzunehmen, folgte ihm die Mutter mit ihrem zweiten Sohne nach. Hier
wohnte Augustinus als Katechumén den Predigten des hl. +Ambrosius+ bei.
Dieselben machten auf sein Gemüt einen tiefen Eindruck. Der persönliche
Verkehr mit dem gelehrten und heiligen Erzbischof vollendete seine
Bekehrung. Am Ostersamstag d. J. 387 wurde er, 33 Jahre alt, getauft.
Auf der Rückreise in die Heimat ereilte die Mutter in der Hafenstadt
Ostia am 4. Mai 387 der Tod. „Begrabet diesen Leib,“ sprach sie
sterbend zu den bekümmerten Söhnen, „wo immer ihr sein möget; die
Sorge um ihn darf euch nicht beunruhigen. Aber um eines bitte ich
euch, daß ihr, wo immer ihr sein möget, am Altare des Herrn meiner
gedenket.“ Nachdem der Leib der Heiligen in Ostia zur Erde bestattet,
begab sich Augustinus auf kurze Zeit nach Rom und kehrte dann nach
Karthago und auf sein Landgütchen bei Tagaste zurück. Im Jahre 391 zum
Priester geweiht, wurde er bereits 395 zum Bischof von Hippo erwählt
und verwaltete sein Amt 35 Jahre lang mit beispiellosem Eifer und
großartigem Erfolge. Doch mußte er es noch erleben, daß die Vandalen
unter Geiserich Afrika verwüsteten und Hippo belagerten. Er starb im
dritten Monat dieser Belagerung, am 28. August 430, im 77. Lebensjahre.
Von seinen zahlreichen Schriften, welche sich durch ungewöhnliche
Tiefe und Gelehrsamkeit auszeichnen und ihm den Namen des größten
+Gottesgelehrten aller Zeiten+ verschafft haben, sind zwei für die
Pädagogik besonders wichtig.
1. „+Von der katechetischen Unterweisung der Unwissenden in
der Religion.+“ Durch dieses Buch, welches eine Anleitung für
den Diakon Deogratias in Karthago zur Erteilung des ersten
Katechumenen-Unterrichts enthält, ist Augustinus der Gründer der
katholischen Pädagogik geworden. Die bemerkenswertesten Gedanken aus
demselben sind folgende.
„In der Erziehung muß +Liebe+ mit +Furcht+ und Furcht mit Liebe
gepaart sein.“
„Der Erzieher soll sich eine +heitere Stimmung+ zu bewahren suchen,
nur ‚einen fröhlichen Geber hat Gott lieb‘.“
„Er soll die +Eigenart der Schüler+ kennen lernen und darauf achten,
ob dieselben aufrichtig und gut beanlagt sind.“
„Der +Unterricht in der Religion+ soll sich auf der +Bibl. Geschichte
aufbauen+. Er soll auch auf die Bedürfnisse der Zeit und des Ortes
Rücksicht nehmen. Auf allen Stufen muß er ein zusammenhangendes
Ganzes bilden.“
„Mit dem bloßen Auswendiglernen soll der Katechet sich nicht
begnügen, sondern es soll fleißig +erklärt+, dann der +Begriff
gewonnen+, die +öftere Wiederholung+ nicht verabsäumt werden.“
Um sich „vom Verständnisse zu überzeugen und Gelegenheit zu
gewinnen, das falsch Erfaßte zu berichtigen“, empfiehlt +Augustinus
nachdrücklich die Frage+.
Endlich soll der Katechet alle zweckmäßigen Mittel anwenden, um den
Lernenden den +Unterricht+ ebensowohl +angenehm+ als recht nützlich
zu machen, damit sie denselben +gern+ und +fleißig+ besuchen.
2. Sehr belehrend und erbauend sind ferner seine „+Bekenntnisse+“, als
Erbauungsbuch in fast sämtliche Sprachen Europas übersetzt. Er gibt
darin einen Abriß seines Lebens von seiner Kindheit an bis um d. J.
400, gedenkt hierbei aber nicht bloß der äußeren Ereignisse, sondern
schildert insbesondere den Zustand seines Innern, die +Kämpfe und
Anstrengungen+, durch die er bemüht war, sich der Sünde zu entreißen
und einem christlichen Leben zuzuwenden.