II. Das Judentum.

=1. Einfluß der Religion.= Der Glaube an den einen und wahren Gott

zeigte das einzig richtige Ziel und Ende der Erziehung. Die Erziehung

im Judentum ist wesentlich eine Erziehung zum Gehorsam gegen Gott,

den Schöpfer und Herrn. Die Bürger des israelitischen Gottesstaates

waren noch in besonderer Weise ihrem Oberhaupte (Jehova) hörig und

verpflichtet. Die Kinder galten den jüdischen Eltern als Geschenke

Gottes. Die Erstgeborenen mußten durch ein besonderes Opfer von Jehova

erkauft werden. Die Eltern hatten durch göttliches Gesetz (4. Gebot)

Anspruch auf die Verehrung, Liebe und den Gehorsam ihrer Kinder.

Schande und Tod traf diejenigen, welche ihre Eltern nicht ehrten. Der

Hausvater war das Haupt und der Priester der Familie. Die Mutter stand

dem Vater stets ebenbürtig zur Seite.

=2. Unterrichtsgegenstände.= Erziehung und Unterricht war Sache der

Familie. Strenge Kinderzucht wurde in den hl. Büchern zur Pflicht

gemacht. „Wer die Rute spart, hasset seinen Sohn.“ (Spr. 13, 24.)

Die Kinder erhielten zu Hause besonders Unterricht in der Religion.

Auch im Lesen und Schreiben dürfte schon früh Unterweisung gegeben

sein. Lesebücher hatten die Israeliten an den fünf Büchern Moses’,

den Psalmen usw. Die Kunst zu schreiben war ihnen in Ägypten bekannt

geworden. Körperliche Übungen wurden bei den Juden nicht besonders

gepflegt. Gesang und Musik dagegen fanden vorzügliche Pflege und reiche

Verwendung beim Gottesdienste. Mädchen ebensogut als Knaben erhielten

eine musikalische Ausbildung.

=3. Schulen.= +Öffentliche+ Unterrichtsanstalten waren:

~a~) Die +Prophetenschulen+. Sie unterrichteten im Gesetz, in der

Musik und Schreibkunst. Sie bildeten begeisterte Lehrer des Volkes

und hl. Schriftsteller.

~b~) Die +Musikschule+ unter David.

~c~) Die +Pharisäerschule+. Diese war eine höhere theologische Schule

in Jerusalem (200 v. Chr.). Unter Hillel hatte sie 1000 Zöglinge.

Gamaliel (Enkel Hillels) war Lehrer an derselben, und der Apostel

+Paulus+ ist ihr berühmtester Schüler.

=4. Der Alte Bund selbst Erziehungsanstalt.= Jehova ist der eigentliche

Erzieher des israelitischen Volkes. Er gab Gesetze, Lehre und

Belehrung. Er belohnte den Gehorsam und bestrafte die Übertretung. Das

+lehrhafte Gepräge+ zeichnet die jüdische Religion vor allen Religionen

des Altertums aus. Vom 12. Jahre an hieß jeder Israelit „Sohn des

Gesetzes“, weil er zur Haltung des Gesetzes und zur Teilnahme an den

drei großen Jahresfesten verpflichtet war. Der Apostel Paulus nennt den

Alten Bund einen Pädagogen, der für +Christus+ erziehen sollte.

Die christliche Zeit.

Erster Abschnitt.

Von Christus bis auf Karl den Großen.

Grundzüge der Geschichte der Pädagogik · 第 45 / 110 题