I. Christus und die Apostel.

1. Die christliche Erziehung ist nicht für ein einzelnes Volk, sondern

für +die ganze Menschheit+ bestimmt. („Machet alle Völker zu meinen

Schülern.“ Matth. 28, 19.) Auch die bisherigen Unterschiede des Standes

oder des Geschlechtes hörten in der christlichen Erziehung auf. („Ihr

seid +alle+ Kinder Gottes durch den Glauben an Jesum Christum.“ Gal. 3,

26.) So ist erst aus dem Christentum die +Allgemeinheit der Erziehung,

die Volksschule+, hervorgewachsen.

2. Der Neue Bund hat die Frage nach +Ziel+ und +Zweck+ der Erziehung

des Menschen endgültig gelöst. Die christliche Pädagogik hat die

erhabene Aufgabe, allen Unmündigen Handbietung zu leisten, damit sie

später als Mündige aus freiem Willen und mit freudigem Geiste nach

Ähnlichkeit und Gemeinschaft mit Christus streben.

3. Das Christentum bietet uns +Lehre+, +Gesetz+ und +Gnadenmittel+. Es

belehrt uns über die Natur des Kindes und seine Berechtigung für das

Gottesreich. („Lasset die Kleinen zu mir kommen“ usw.) Das Gesetz des

Neuen Bundes ist das vollkommenste Sittengesetz der Liebe zu Gott und

dem Nächsten. Durch die Gnadenmittel wird dem Bösen ein übernatürliches

Gegengewicht geboten.

4. Der Heiland selbst ist das +höchste Muster+ für +Schüler+ und

+Lehrer+. Er war ein folgsames Kind, ein aufmerksamer Schüler.

Seine unvergleichliche Lehrweise, seine unerschöpfliche Geduld und

Gelassenheit zeigen das +höchste Lehrgeschick+. („Lernet von mir, denn

ich bin sanftmütig.“) In heiliger Entrüstung sehen wir den göttlichen

Pädagogen mit einer Geißel aus Stricken die Käufer und Verkäufer zum

Tempel hinauspeitschen. Er warnt insbesondere vor dem Ärgernisgeben.

(„Wer eines von den Kleinen ... ärgert“ usw.) Die Apostel hatten

durch ihre Unterrichts- und Erziehungsarbeit das Antlitz der Erde zu

erneuern. Sie lehrten +mündlich+ (auf den Straßen, in dem Tempel,

den Synagogen und Häusern), +tatsächlich+ (durch ihr Beispiel) und

+brieflich+ (durch Schriften). Der größte Lehrer unter ihnen war der

hl. +Paulus+, der „Weltapostel“.

Den +Eltern+ legt das Christentum die Erziehung der Kinder als +heilige

Pflicht+ auf. („Ihr Väter, erziehet eure Kinder in der Lehre und

Zucht des Herrn.“) Als Beispiel eines treuen christlichen Vaters und

Erziehers ist +Leonidas+, der Vater des +Origenes+, zu nennen.

Grundzüge der Geschichte der Pädagogik · 第 46 / 110 题