Eine Art Gartenzimmer in der Villa der Familie Sonntag. Rechts
führt die Tür zum Flur, von der man die Haustür deutlich sehen
kann. Links ein breites Fenster, das den Garten spiegelt. Viele
Schlingpflanzen und andere Blumen schmücken das Zimmer. Nahe dem
Fenster steht ein lila Ledersofa, worauf Frau Sonntag und Eduard
sitzen. Frau Sonntag hält zerstreut ein offenes Buch auf der
Rückseite im Schoß. Marta ist im Begriff, den Flor von Heinrichs
Bild abzunehmen. Die Familienmitglieder sind in Schwarz
gekleidet, auch die Dienstboten.
Frau Sonntag, Eduard, Marta, Carl Pius, Dr. von Simon, Auguste, Berta.
MARTA: Immer wieder hängt ihn Auguste um das Bild.
Fr. SONNTAG: Warum nimmst Du ihn ab?
MARTA: Eduard will es ja.
EDUARD: (liebevoll) Ich möchte, liebe Mutter, daß man ihm Lebendigeres
brächte.
MARTA: (zu Eduard) Wie gefällt Dir dieses junge Grün?
EDUARD: (Nickt dankbar).
Fr. SONNTAG (melancholisch) Ich traure, daß er gelebt hat. (Marta
schmückt das Bild, setzt sich dann ans Fenster und stickt auf einem
Rahmen in Seide Kamillen. Ihre Bewegungen sind unruhig, wartend.)
EDUARD: Daß Du nur einen Augenblick an seiner Ehrenhaftigkeit zweifeln
kannst!
MARTA: Dr. v. Simon sagt aber auch, ein Unschuldiger gehe nicht dem
Leben durch.
EDUARD: Der Inspektor hat sich kein Urteil über unsern Bruder zu
erlauben, vor allen Dingen aber vor seines Herrn Schwester nicht.