FÜNFTER AKT

Eine Art Gartenzimmer in der Villa der Familie Sonntag. Rechts

führt die Tür zum Flur, von der man die Haustür deutlich sehen

kann. Links ein breites Fenster, das den Garten spiegelt. Viele

Schlingpflanzen und andere Blumen schmücken das Zimmer. Nahe dem

Fenster steht ein lila Ledersofa, worauf Frau Sonntag und Eduard

sitzen. Frau Sonntag hält zerstreut ein offenes Buch auf der

Rückseite im Schoß. Marta ist im Begriff, den Flor von Heinrichs

Bild abzunehmen. Die Familienmitglieder sind in Schwarz

gekleidet, auch die Dienstboten.

Frau Sonntag, Eduard, Marta, Carl Pius, Dr. von Simon, Auguste, Berta.

MARTA: Immer wieder hängt ihn Auguste um das Bild.

Fr. SONNTAG: Warum nimmst Du ihn ab?

MARTA: Eduard will es ja.

EDUARD: (liebevoll) Ich möchte, liebe Mutter, daß man ihm Lebendigeres

brächte.

MARTA: (zu Eduard) Wie gefällt Dir dieses junge Grün?

EDUARD: (Nickt dankbar).

Fr. SONNTAG (melancholisch) Ich traure, daß er gelebt hat. (Marta

schmückt das Bild, setzt sich dann ans Fenster und stickt auf einem

Rahmen in Seide Kamillen. Ihre Bewegungen sind unruhig, wartend.)

EDUARD: Daß Du nur einen Augenblick an seiner Ehrenhaftigkeit zweifeln

kannst!

MARTA: Dr. v. Simon sagt aber auch, ein Unschuldiger gehe nicht dem

Leben durch.

EDUARD: Der Inspektor hat sich kein Urteil über unsern Bruder zu

erlauben, vor allen Dingen aber vor seines Herrn Schwester nicht.

Die Wupper: Schauspiel in 5 Aufzügen · 第 60 / 73 题