das deutsche Kanonenboot »Hyäne« (Kommandant Kapt.-Lt. Langemack) und
ein Hamburger Dreimastschuner lagen bei unserer Rückkehr vor Anker und
wechselten mit der Samoa die üblichen Grüße durch dreimaliges Senken
der Flaggen.
Das Kriegsschiff verließ uns aber sehr bald wieder, um eine jener
Strafexpeditionen auszuführen, die in der letzten Zeit unsere
Kriegsschiffe in diesen Gebieten so häufig beschäftigten und zu denen
oft längst geschehene Vorfälle die Veranlassung sind. Auch hier war
dies der Fall, denn es galt die Eingeborenen zu züchtigen, welche
im vorhergehenden Jahre in Metelik, an der Südostspitze Neu-Irlands,
den deutschen Schuner »Mioko« überfallen und nach Niedermetzelung der
Mannschaft verbrannten. In Metelik oder Likelike-Bai hatten schon die
berüchtigten Unternehmungen des Marquis des Rays bei den Eingeborenen
die bösesten Erinnerungen an Weiße zurückgelassen und spätere Besuche
von Werbeschiffen, die hier rekrutierten, d. h. Menschen wegführten,
diese Eindrücke nur zu lebhaft wieder aufgefrischt.
Die sogenannten »nackten Wilden« sind eben Menschen wie wir, und
es ist ihnen selbstredend nicht gleichgültig, wenn Familien- und
Stammesangehörige, nicht immer in legaler Weise, entführt werden,
die zu häufig ihre Heimat niemals wiedersehen. Die »Labourtrade«,
Arbeitshandel, hat daher überall, wo sie betrieben wurde, den
nachteiligsten Einfluß ausgeübt und so häufig die Veranlassung zu
jenen Massacres gegeben, welche fast ausnahmslos der Blutgier und
Wildheit der Eingeborenen zugeschrieben werden und für die gewöhnlich
Unschuldige auf beiden Seiten zu büßen haben. Die »Mioko« war eins
dieser unglücklichen Opfer der Vergeltung der Eingeborenen, die
selbstverständlich alle Weiße für identisch halten und an dem ersten
besten, der in ihre Hände fällt, ihre Rache für ihnen durch Weiße
zugefügtes Leid zu kühlen suchen. Da kein Papua ein großer Held ist und
offenen Kampf stets zu vermeiden sucht, so handelt es sich gewöhnlich
um den, mit Hinterlist und Verräterei gepaarten, überlegten Mord. In
Gegenden, wo Werbeschiffe ihr Wesen trieben, heißt es daher doppelt auf
der Hut sein. Denn gar oft ist das freundliche Wesen der Eingeborenen
nur Maske, und in den meisten Fällen gelingt der Handstreich nur
infolge zu großer Sorglosigkeit. So erging es leider auch der »Mioko«.
Das kleine, ca. 50 Tons große Fahrzeug, mit nur fünf Mann an Bord, war
auf der Reise von Sydney nach Mioko durch Windstillen und Strömungen
im St. Georgs-Kanal aufgehalten worden und hatte in Metelikhafen
vorgesprochen, dessen Eingeborene sich sehr freundlich zeigten.
Dabei ist jedenfalls vom Kapitän, der in jenen Gebieten durchaus
Neuling war, die nötige Vorsicht außer acht gelassen worden. Als die
Eingeborenen vollends merkten, daß keine Waffen an Bord waren, welche
das Schiff unbegreiflicherweise erst am Bestimmungsort erhalten sollte,
hatten sie leichtes Spiel. Man kann es ihnen nicht verdenken, wenn
sie eine so günstige Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen ließen.
Daß dabei die Habsucht durch Plünderung des Schiffes mit befriedigt
wurde, ist ebenfalls leicht erklärlich. Deshalb sind die Eingeborenen
noch lange nicht jene notorischen Räuber und Mörder[42], für welche
sie nach einem solchen Vorgange meist erklärt werden, da ja nach der
gewöhnlichen Auffassung Raub und Mord gleichsam in ihrem Blute liegen,
denn dafür sind es ja eben »Wilde«! Ein solches Urteil würde aber kein
gerechtes sein! Ich kann aus meinen eigenen Erfahrungen Fälle anführen,
wo Eingeborene eben so menschlich als wir handelten. So brachte im
Jahre 1881 ein deutsches Schiff einen jungen Franzosen nach Matupi
mit, den es bei Cap Hunter an der Südwestküste Neu-Irlands aufgenommen
hatte. Der Genannte war »Soldat« der Colonie libre des Marquis des Rays
gewesen, mit einem anderen Vaterlandsverteidiger desertiert und hatte
bereits mehrere Wochen unter den Eingeborenen gelebt, bis ihn zufällig
dieses Schiff erlöste.
Aus Furcht vor Strafe waren die Übelthäter von Metelik verzogen und
zwar nach Lombom oder der kleinen Wallis-Insel bei Port Praslin, und
dahin ging nun die Expedition der »Hyäne«. An Bord befand sich bereits
ein Eingeborener, welcher der Teilnahme an dem Massacre der »Mioko«
bezichtigt war, wohl verwahrt in Eisen. Der arme Schächer konnte einem
wirklich leid thun, denn wurde er auch an Bord gut behandelt, so
machten sich doch häufig Schiffsleute den Spaß, ihm durch Pantomimen
des Hängens oder Erschießens sein mutmaßliches Schicksal vorauszusagen.
Es war kein Wunder, wenn ihm aus Furcht Appetit wie Schlaf verging.
Dabei behauptete er durchaus unschuldig zu sein und gar nicht in
Lombom, sondern in Lamassa oder Coconut-Island, ca. 10 Meilen weiter
nördlich, zu Haus zu gehören und bat flehentlich, ihn nach dort zu
bringen, wo sich seine Behauptung durch seine Familie von selbst als
richtig erweisen werde. Aber man hatte »einen Löffel« von der Mioko bei
ihm gefunden, und dann -- fürchtete er sich so! Kein Wunder! War der
Mann doch sehr unfreiwillig in die Handschellen geraten und zwar durch
die Verräterei eines schwarzen Bruders, eines Salomon-Eingeborenen, der
für ein deutsches Haus an der Küste von Blanche-Bai Kopra einkaufte.
Dieser Brave hatte den Arglosen zu einem freundschaftlichen Besuche bei
sich eingeladen, ihn statt dessen aber gefesselt nach Mioko gebracht,
Beweis, daß auch Europäer zuweilen jene Mittel billigen, welche sie
bei den Eingeborenen so sehr verabscheuen. Aber das ist Südseeleben!
Während sonst kaum auf das Zeugnis eines Schwarzen Wert gelegt
wird, wurde es in diesem Falle als vollgültig angenommen, denn der
Salomonsmann war ja wohl der einzige Belastungszeuge. Die Expedition
der »Hyäne« verlief übrigens in der gewöhnlichen Weise. Trotz aller
Vorsicht waren die Vögel in Lombom ausgeflogen! Pulver und Blei konnten
also diesmal gespart werden, denn Streichhölzer genügten um die Häuser
anzuzünden, die, im Verein mit vernichteten Kanus und Plantagen, den
Eingeborenen in üblicher Weise zur Warnung dienen sollten, obwohl damit
der beabsichtigte Zweck ernstlicher Schädigung nur sehr unvollkommen
erreicht wird. Für Muschelgeld lassen sich leicht Kanus wieder
anschaffen, und der Aufbau solcher Häuser, als wie die hiesigen, macht
auch nicht sonderliche Mühe. In der That fand ich einige Zeit später
die Bewohner des devastierten Dorfes ganz gemütlich an einer anderen
Stelle wieder angesiedelt.
Die »Hyäne« kam viel schneller, als erwartet wurde, wieder zurück und
zwar ohne Coconut-Island besucht zu haben, was jener arme Gefangene
gewiß am meisten zu beklagen hatte. Denn dadurch unterblieb die
ihm versprochene Untersuchung in seiner Heimat und er wurde später
mit einem Arbeiter-Transportschiff nach Samoa geschickt. Dort ist
er wahrscheinlich auch nicht aufgehangen worden, sondern verrichtet
vermutlich noch heut Zwangsarbeit in Plantagen, wenn ihn nicht
inzwischen das Heimweh, wie so manchen Kanaker hingerafft hat. Die
Lamassaner werden aber dort vorsprechende Weiße wahrscheinlich
nicht sonderlich höflich aufnehmen und dem Andenken des entführten
Löffelmannes bei Gelegenheit ein Opfer bringen; denn das ist der
Fluch der bösen That, der sich namentlich in der Südsee so anhaltend
fortspinnt.
Ein besonderes Ereignis hatte übrigens die »Hyäne« so plötzlich
zurückbeordert und zwar das unerwartete Eintreffen eines großen
Kriegsschiffes, das wir zu unserem Erstaunen plötzlich, im Kanal
Matupihafen zudampfend, erblickten. Durch die bald darauf ankommende
»Hyäne« erfuhren wir, daß das Schiff S. M. gedeckte Korvette
»Elisabeth« sei und begaben uns sogleich an Bord der »Hyäne« nach
Matupi, um den Kommandanten Kapitän z. S. Schering zu begrüßen.
Wir hörten frohe Botschaft: die deutschen Besitzungen im Archipel
von Neu-Britannien sollten unter den Schutz des Reiches gestellt
werden, welcher feierliche Akt am 3. November in Matupi unter den
entsprechenden Ceremonien vor sich ging. Es war ein schönes Schauspiel,
als 250 Mann in bewundernswerter Eile und Ordnung landeten und in dem
weiten Hofe des Hernsheim'schen Etablissements Aufstellung nahmen.
Kapitän Schering verlas dann auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers
die kurze Proklamation, die Truppen präsentierten und unter den
Klängen des »Heil dir im Siegerkranz«, dem Donner der Geschütze und
einem dreimaligen Hoch auf Seine Majestät ging die Reichsflagge der
deutschen Kriegsmarine in die Höhe! Am folgenden Tage wiederholte
sich dieselbe Feierlichkeit in dem Etablissement der Handels- und
Plantagen-Gesellschaft auf Mioko, wohin diesmal auch die verschiedenen
Häuptlinge der Herzog York-Inseln eingeladen waren, denen die
Bedeutung der Handlung klar gemacht wurde. »Bye and bye you kill
white man, man of war kill you« (wenn du einen Weißen tötest, tötet
dich das Kriegsschiff), ein Argument, das die Eingeborenen sehr wohl
verstanden, wenn es ihnen auch weniger begreiflich scheinen mochte, daß
sie sich fortan der eigenen Gerichtsbarkeit Weißen gegenüber gänzlich
enthalten sollten. Jedenfalls hatten sie darüber ihre eigenen Ansichten
und zwar auf Grund unliebsamer Erfahrungen, die ihnen lehrten, daß der
schwarze Mann wohl selten Recht erhält, und konnten sich nicht gleich
zu dem Glauben aufschwingen, daß dies nun mit einem Schlage anders,
besser werden sollte. Natürlich versprachen sie alles, wie das Kanaker
stets thun, und der Frieden schien für ewige Zeit besiegelt. Freilich
mit der Handvoll Eingeborenen der Herzog-York-Insel hat es keine Not,
denen ist die blutige Sühne für die Ermordung Kleinschmidts noch in
gutem Gedächtnis. Aber in Neu-Britannien und Neu-Irland, da liegen
die Verhältnisse ganz anders, und es wird wohl noch lange dauern, ehe
die Eingeborenen sich jener Botmäßigkeit bewußt sind, welche für gute
Unterthanen selbstverständlich ist. In der That wurde nicht lange nach
dem Aufhissen der Kriegsflagge an der Nordküste der Gazelle-Halbinsel
ein Eingeborener, der für ein deutsches Haus handelte, umgebracht,
seine Vorräte geplündert. Die Kriegsmarine bekam dadurch wieder
zu strafen, was durch die bekannten Vorgänge des Kanonenbootes
»Albatross«, unter dem Kommando des energischen Graf von Baudissin,
gründlich besorgt wurde. Aber seitdem hat sich wohl kein weißer
Händler mehr in den verrufenen Gebieten von Kabakadai und Kabaira
niedergelassen, wo der mächtige Häuptling Toberinge (Tuberingai)
herrscht; denn wegen ein oder zwei Koprahändler kann doch nicht immer
ein Kriegsschiff zur Stelle sein.
Mit dem Aufhissen der deutschen Kriegsflagge war übrigens der
Grundstein zu unseren jetzigen Südsee-Kolonien gelegt und ein Akt
vollzogen worden, der die lebhafteste Freude hervorrief, in der Heimat
gewiß mehr als im Kreise gewisser Kolonisten.
Das neue deutsche Besitztum gefiel Kommandant Schering, wie den Herren
der Elisabeth überhaupt, unendlich viel besser als dasjenige, welches
sie kaum drei Monate früher (am 7. August) erworben hatten, und von
wo das Kriegsschiff mit kurzem Aufenthalt in Kapstadt und Sydney
direkt herkam: Angra Pequeña! »Lüderitzland«! die vielbesprochene und
besungene erste deutsche Kolonie, welche den neuesten Berichten zufolge
hoffentlich bald durch ihren »Goldreichtum« thatsächlich den so oft
getäuschten Erwartungen entspricht. Die ersten Besucher konnten davon
freilich keine Ahnung haben und Dr. Nachtigals Ausruf beim Betreten des
gelobten Landes: »Oh! meine Sahara!« war jedenfalls berechtigt.
Die Erfolge der Samoa in Astrolabe-Bai machten die Anwesenheit der
deutschen Kriegsschiffe zu demselben Zwecke als in Neu-Britannien
und Neu-Irland auch in Neu-Guinea nötig, und auf Wunsch des
Kommandanten begleitete Kapitän Dallmann dieselben als Lotse für
Friedrich-Wilhelms-Hafen. Unter der Behandlung von Dr. Frerichs von
der »Hyäne« hatten sich unsere Kranken soweit erholt, um wieder Dienst
zu thun, und so konnten wir in der ersten Hälfte des November die
zweite Reise nach Neu-Guinea antreten, um hier verabredetermaßen mit
den Kriegsschiffen wieder zusammenzutreffen. Mir selbst war, schon
des Fiebers wegen, am meisten daran gelegen, wieder in See zu kommen,
weil ich aus Erfahrung wußte, daß Luftveränderung das beste Mittel
ist, wenn auch Seeluft nicht allemal gegen das Fieber hilft, welches
mir diesmal bös zugesetzt hatte. In meinen phantastischen Träumen
spielte die zuletzt befahrene Küste Neu-Britanniens die Hauptrolle.
Ich sah stets neue Kaps voraus, welche sich in Inseln auflösten und
so rasch aufeinander folgten, daß ich nicht mehr im stande war alle
aufzuzeichnen, und dies beängstigte mich außerordentlich. Ja! ja! das
Fieber vermag gar wunderliche Bilder hervorzuzaubern, und ich freute
mich, daß ich sie los war und die Küste diesmal in Wirklichkeit vor
Augen hatte. Sie blieb, häufig durch Wolken und Regenböen verschleiert,
mit ihren eintönigen Bergrücken und anscheinenden Kaps fast drei Tage
lang in Sicht, denn die Samoa machte infolge von Gegenströmungen und
Böen nur langsam Fortgang.
[Illustration: Kartenskizze vom HUON GOLF.]
In der Frühe des vierten Tages kam Neu-Guinea, wie immer, beim Annähern
von Land, in wechselnden Bildern, zum Vorschein. Zuerst zeigte sich
eine mäßig hohe, blaue Bergkette, über eine dichte weiße Wolkenschicht
vorragend, welche unmittelbar auf der Wasserfläche zu lagern schien,
aus welcher nach und nach Inseln auftauchten. Letztere verflossen
allmählich ineinander und erwiesen sich als der eigentliche, flache,
dichtbewaldete Küstensaum, vor dem aber später thatsächlich kleine
Inseln sichtbar wurden. Welche mochten es wohl sein? war eine Frage,
die uns zunächst am lebhaftesten beschäftigte. Daß wir uns in Huon-Golf
befanden wußten wir freilich, aber hier erstrecken sich eine ganze
Reihe solcher kleinen Inseln längs der Küste und ohne Ortsbestimmung
ließ sich die Frage eben nicht ausmachen. Glücklicherweise brachte
der Mittag klaren Himmel und nach den Beobachtungen erwiesen sich die
vor uns liegenden Inseln als die Luard-Gruppe von Moresby. Ich ging
sogleich mit Hinrich Sechstroh, dem ersten Offizier der Samoa, welcher
während der Abwesenheit von Kapitän Dallmann den Dampfer führte, im
Walboot ab, um eine Untersuchung vorzunehmen. Die acht Inseln sind
alle klein, dichtbewaldet und haben zum Teile eine Sohle felsigen
Steilufers, welches aus einem ganz anderen Gestein als dem bisher
gesehenen besteht. Es ist eine Art Konglomerat oder Breccie, aber die
Korallformation ebenfalls vertreten. So lag der Strand der kleinen
Insel, auf welcher wir landeten, voll von Koralltrümmern, Rollstücken
von Madreporen u. s. w. Ein halb im Sande verwehtes Kanu, sowie eine
Kokospalme, mit leider verkrüppelten Nüssen, deuteten an, daß früher
Menschen hier verkehrt hatten; sonst bemerkten wir keine Spur von ihnen.
Aber eine andere unerwartete Erscheinung überraschte uns: Hunderte
fliegender Hunde erhoben sich aus dem Gelaube der Bäume und unsere
Schüsse scheuchten weitere Scharen derselben auf. Mit Ausnahme einer
Lokalität auf der Karolineninsel Kuschai hatte ich in der That nie
soviele fliegende Hunde beisammen gesehen. Sie schienen hier einen
gesicherten Platz für die Tagesruhe gefunden zu haben, von wo aus
sie bei Einbruch der Dunkelheit ihre Streifzüge unternehmen, um
die Plantagen zu plündern, für die sie eine wahre Plage werden. In
manchem Baume hingen mehr als zwanzig dieser Tiere, in der üblichen
Weise mit dem Kopfe nach unten und mit den Hinterfüßen an einem Aste
festgeklammert, so daß sie bei der Dunkelheit der dichten Belaubung
nicht immer leicht zu sehen waren. Die Jagd hat also gewisse
Schwierigkeiten, umsomehr als die fliegenden Hunde ein sehr zähes
Leben haben und angeschossen meist in den Zweigen hängen bleiben.
Zur Freude unserer Schwarzen wurde aber bald eine Anzahl erlegt,
denn fliegende Hunde sind bei diesen sehr beliebt und sollen auch,
nach der Versicherung englischer Marineoffiziere, in der That sehr
gut schmecken. Da sich die Tiere nur von Vegetabilien, am liebsten
Brotfrucht und Bananen nähren, ist dies sehr erklärlich. Aber trotzdem
konnte ich mich niemals entschließen, das Fleisch zu kosten, weil
die Tiere einen so widerwärtigen iltisartigen Geruch haben, der
selbst den präparierten Häuten noch anhaftet, durch Einlegen in Essig
aber ganz verschwinden soll. Die Art ähnelt übrigens dem »Anganau«
Neu-Britanniens (Pteropus melanopogon) am meisten und erreicht eine
Flügelspannung von mehr als 4½ Fuß, ist also mit eins der gewaltigsten
Flugsäugetiere.
Die Untersuchung der Inseln hatte übrigens keinen Ankerplatz ergeben,
und einen solchen, oder besser einen Hafen, zu finden, war unsere erste
Aufgabe. Freilich weist Moresbys Karte, dessen treffliche Aufnahmen
damals die einzige Quelle für das Gebiet von Huon-Golf und der
Nachbarschaft bildeten, nicht einmal einen solchen auf. Aber deswegen
brauchte die Suche noch nicht aufgegeben zu werden, denn Moresby konnte
in diesem Teile nur oberflächliche, mehr fliegende Aufnahmen machen und
mußte manches übersehen.
Es wurde beschlossen, zunächst bis zum Mitrafels längs der Küste
von Herkules-Bai zu gehen, die sich sehr gebirgig zeigte. Neue, am
vorhergehenden Tage nicht gesehene Gebirge traten hervor, von denen
sich nach und nach drei Ketten unterscheiden ließen, deren innerste
und höchste an 6000 Fuß erreichen mochte, sich aber bald mit Wolken
bedeckte. Schon in einer Entfernung von mehr als zehn Meilen von der
Küste hatte uns wiederholt trübgefärbtes, ganz wie Riff aussehendes
Wasser, zum Stoppen und Loten veranlaßt, wobei sich indes zeigte, daß
dasselbe nur von Süßwasser herrühren konnte. Dafür sprachen auch die
häufigen, in der Nacht übrigens nicht ungefährlichen, Treibholzstämme,
welche sich mehrten, je mehr wir uns der Küste näherten. Daß also ein
Fluß und zwar ein größerer irgendwo in der Nähe münden mußte, daran war
kein Zweifel. Wirklich fanden wir ihn bald darauf ca. 5 Meilen Südost
von den Luard-Inseln, leider aber durch eine Barre gesperrt, über
die es mächtig brandete. Als wir uns bei einer späteren Gelegenheit
dieser Flußmündung bis auf eine halbe Seemeile näherten, ließ sich
selbst hier noch kein Grund zum Ankern finden, so daß die Barre
jedenfalls außerordentlich steil in die Tiefe abfällt. Die Breite
des Flusses mochte 100 bis 150 Schritt betragen; seine Ufer waren,
wie die Abbildung zeigt, von dichtem Urwald eingerahmt, die Strömung
sehr ansehnlich. Innerhalb der Barre schien das Wasser ganz ruhig,
aber durch Treibholzstämme unklar, so daß der Fluß wohl nur für Boote
praktikabel sein dürfte. Er wurde Herkulesfluß genannt, nach der Bai,
welche Kapitän Moresby nicht nach dem mythologischen Helden, sondern
nach Sir Herkules Robinson, S. C. M. G., so benannte.
[Illustration: Herkulesfluß.]