Nach dieser Bekanntschaft mit der äußeren Erscheinung der Papuas im

allgemeinen und der hiesigen im besonderen, wollen wir uns nach Bongu

zurückwenden, um auch Siedelungen und Häuser kennen zu lernen. Wie

fast alle Papuadörfer in Neu-Guinea, verteilen sich die etwa 30 Häuser

unregelmäßig über einen freien Platz, der unmittelbar vom Urwald

eingeschlossen ist. Bei den Häusern stehen spärliche Kokospalmen,

sowie einige Bananen, Zierpflanzen und Cayennepfeffersträucher (jau).

Gewöhnlich teilen sich die Dörfer in mehrere Häusergruppen, die durch

schmale Pfade durch den Urwald miteinander verbunden sind und eigene

Namen haben. Die Plantagen, auf welche ich später zurückkommen werde,

sind oft in beträchtlicher Entfernung von den Siedelungen angelegt.

Was die Häuser in Bongu selbst anbetrifft, so unterscheiden sie sich

im Baustil von den meisten Papuahäusern dadurch, daß sie auf dem

Erdboden stehen, daher richtiger als Hütten zu bezeichnen sind. Sie

bestehen, wie die Abbildung zeigt, im wesentlichen aus einem seitlich

etwas gerundeten, breiten stumpfwinkeligen Dache, mit gerader Firste,

das bis zum Erdboden herabreicht. An der vorderen Giebelseite befindet

sich die kleine Thür, die zuweilen überdacht und mit einer schmalen

Plattform versehen ist. Da die Häuser hauptsächlich nur zum Aufenthalt

während der Nacht sowie bei schlechtem Wetter dienen, ist die innere

Einrichtung sehr einfach. Ein paar Bänke aus gespaltenem Bambus, Barla

genannt, dienen als Schlafstätten der Männer sowie zur Aufnahme des

wenigen Hausrates (Töpfe, hölzerne Schüsseln), Lebensmitteln u. s. w.

An den Dachbalken hängen gewöhnlich Körbe und Bündel, welche, in

Blätter eingepackt, feinere Sachen (z. B. Federschmuck) enthalten.

Zum besseren Schutz gegen Mäuse, sind oft Horden darüber errichtet,

namentlich auch für Speisen. In der Mitte des Hauses befindet sich

die Feuerstätte, weniger zum Kochen, was meist im Freien geschieht,

als um überhaupt Feuer zu erhalten. Denn sonderbarerweise scheinen

die hiesigen Eingeborenen kein Mittel zu besitzen, um Feuer zu

erzeugen. In den Hütten werden daher stets glimmende Kohlen eines

sehr langsam brennenden Holzes erhalten, so daß in einem Papuadorfe

das Feuer nie ausgeht. Sollte es dennoch geschehen, so holen die

hiesigen Küstenbewohner aus den Bergdörfern Feuer, deren Bewohner

die Kunst, Feuer zu machen, verstehen. Bei dem sorglosen Umgehen mit

Feuer muß man sich nur wundern, daß nicht alle Augenblicke die so

leicht entzündbaren Häuser in Flammen aufgehen, aber merkwürdigerweise

scheinen Brandunglücke im ganzen selten zu sein.

Freund Sa-ul hatte uns am Eingang des Dorfes begrüßt und geleitete uns

mit den übrigen Männern nach der Barla (vergl. Abbild. S. 46), einem

großen, auf vier Pfählen ruhenden Gerüst, ähnlich einem großen Tisch,

das in keinem dieser Dörfer, ja fast vor keinem Hause, fehlt. Die

Barla bildet den beliebten Ruhe- und zugleich Eßplatz der Männer, die

hier, unbehelligt von den zudringlichen Schweinen, ihre Mahlzeiten und

darauf ihr Schläfchen halten. Frauen dürfen die Barla nicht benutzen,

sondern höchstens unter derselben hocken. Wie die meisten Papuadörfer,

besitzt Bongu auch ein Versammlungshaus, hier Buambrambra genannt, das

als Schlafstätte für die unverheirateten Männer, wie als Empfangshaus

fremder Gäste dient. Dieses Gebäude, in der Form der gewöhnlichen

Häuser, aber viel größer und an beiden Giebelseiten offen, schien erst

seit kurzem fertig geworden zu sein. Außer einigen Unterkiefern von

Schweinen, zur Erinnerung an Festlichkeiten, und einigen Eierschalen

(von Megapodien), enthielt es keinerlei Ausputz, aber einige Barum

waren hier untergebracht. So heißen die großen Holztrommeln (vergl.

Atl. XIII 1.), welche dickwandigen Trögen ähneln und, mit einem dicken

Knüppel geschlagen, als Signalinstrumente dienen. Ihr dumpfer Ton ist,

namentlich in der Stille der Nacht weit, oft mehrere Meilen (engl.),

hörbar und teilt alle Begebenheiten den Nachbardörfern mit, die an der

Art der Schläge sogleich erkennen, ob es sich um einen Angriff, einen

Todesfall oder eine Festlichkeit handelt. Die Samoa hat später gar

oft das Barum in Thätigkeit gesetzt, wie unsere Ankunft ebenso durch

Rauchsäulen, in der Nacht durch Feuer signalisiert wurde.

[Illustration: Telum Mul.]

An dem soeben erwähnten Buambrambra war übrigens keinerlei

Verzierung in Holzschnitzerei angebracht, aber ich entdeckte bei

meinem Durchstöbern der Hütten zufällig ein hervorragendes Werk des

Kunstfleißes in Holzbildnerei, einen sogenannten Telum oder Tselum. So

heißen hier besondere, meist aus Holz gefertigte Figuren, die in der

Regel einen Menschen darstellen. Ich sah in Bongu übrigens auch kleine,

aus einer erdigen aber festen Masse geschnitzte Telum. Das erwähnte

Holzbildnis verdiente schon wegen seiner Größe Bewunderung, denn es

war an 8 Fuß hoch und aus einem Stück Holz geschnitzt, soweit sich

dieser Ausdruck für die Steinzeit anwenden läßt, die ja keine Messer,

also auch nicht eigentliches Schnitzen kennt. Diese Kolossalfigur, von

der die Abbildung (S. 49) eine getreue Vorstellung giebt, wurde »Telum

Mul« genannt. Sie repräsentierte einen Papua, dessen Kopf allein über

die Hälfte der ganzen Länge einnahm, aber trotz den groben Fehlern in

den Proportionen doch ein Kunstwerk ersten Ranges und eine Leistung,

welche dem Alter der Steinzeit zur höchsten Ehre gereicht. Man staunt,

unter voller Berücksichtigung der primitiven Werkzeuge, nicht nur über

den Fleiß und die Ausdauer, sondern fast noch mehr über den idealen

Zug im Geiste des Papua, welcher selbst vor einer solchen Riesenarbeit

nicht zurückschreckte. Denn ohne Zweifel waren es geistige Interessen,

welche die sonst so lässigen Menschen zur Verkörperung einer Idee

begeisterte, die keinen praktischen Hintergrund hat. Missionäre,

welche in den unschuldigsten bildlichen Darstellungen meist Zeichen

des Heidentums erblicken, würden eine solche wie hier jedenfalls als

einen besonders schrecklichen Götzen deuten, dessen Vernichtung als

Gott wohlgefällig betrachten. Aber ohne Zweifel haben die Telums

nichts mit Religion, wohl aber mit Geschichte der Papuas zu thun, da

sie ähnlich wie unsere Denkmäler berühmte Personen, Ahnen, darstellen

und somit nur für die Wissenschaft von höchster Bedeutung sind. Wer es

verstünde die Geschichte dieser Telums zu ergründen, von denen es in

den Dörfern von Astrolabe-Bai eine ganze Menge giebt, die alle durch

Eigennamen unterschieden werden, würde möglicherweise Aufschluß über

die Herkunft des Volkes oder Stammes geben können. Aber wahrscheinlich

ist die Geschichte vieler Telums bei der jetzt lebenden Bevölkerung

bereits verloren gegangen, denn manche scheinen sehr alt zu sein. Auch

der Telum-Mul hatte wahrscheinlich schon Generationen gesehen und nur

dem festen, den weißen Ameisen widerstehenden Holze seine Erhaltung

zu danken. Die gegenwärtige Generation sorgte übrigens schlecht für

ihn, denn er war in einer fast verfallenen Hütte untergebracht, in

welcher sich nur noch wenig altes Gerümpel befand, darunter ein paar

alte Blechgefäße und Fäßchen, die noch von Maclay herrührten. Unter

dem Gerümpel befand sich übrigens noch ein sehr interessanter, an 12

Fuß langer Balken mit kunstvollem Schnitzwerk, der am Boden lag und so

mit Schmutz und Staub bedeckt war, daß ich ihn in dem ohnehin dunklen

Räume erst nach geraumer Zeit entdeckte. Jedenfalls diente der Telum

nicht als »Götze« der öffentlichen Verehrung, und der Umstand, daß die

Bevölkerung ihn so sehr vernachlässigte, deutete das geringe Interesse

überhaupt an. Meine Bemühungen, diesen Schatz für das Berliner Museum

zu erstehen, scheiterten an der Uneinigkeit der Männer. Denn ohne

Zweifel war der Telum Mul Gemeindeeigentum nicht nur von Bongu, sondern

die Männer von Korendu und Gumbu hatten ebenfalls mitzubeschließen.

Wir werden für die Folge mehr solcher wunderbaren Erzeugnisse

des Kunstfleißes der Papua kennen lernen, die meist auf Ahnen

zurückzuführen sind und höchstens mit einem gewissen »Tabu«, aber

nichts mit Religion zu thun haben. Dies gilt auch in Bezug auf die

Beschneidung, welche bei der Bevölkerung von Astrolabe-Bai herrscht und

selbstredend keinerlei Beziehungen zum Rituale des Judentums hat, da

sich diese Sitte ja auch anderwärts bei Naturvölkern findet.

Die Bewohner von Bongu, wie Astrolabe-Bai überhaupt, lebten übrigens

bei unserem Dortsein noch völlig im Alter der Steinzeit, denn das

von Maclay zuerst hierhergebrachte Eisen hatte in keiner Weise

Veränderungen hervorgerufen. Im ganzen war auch blutwenig von

Gerätschaften zu sehen, welche der russische Reisende hier zurückließ.

Einige alte Stemm- und Hobeleisen, Blechgefäße, russische Uniformknöpfe

sowie wenig Glasperlen blieb alles, was wir bemerkten, obwohl uns die

Eingeborenen auf jedes Stück mit dem Ausruf »Maclay« aufmerksam machten.

[Illustration: Papuaschweine.]

Auch eine Nangeli (Frau) oder Kringa (Mädchen) »Maclay«, wurde uns

gezeigt, ein kleines, pockennarbiges Frauenzimmer von ca. 16 Jahren,

bei welchem Maclay jedenfalls Pate gestanden, d. h. ihr als Kind

den Namen gegeben hatte, eine Gunst, um welche die Eingeborenen den

Reisenden öfters ersuchten. Was unsere Aufmerksamkeit übrigens am

meisten erregte, war etwas, das wir hier am allerwenigsten erwartet

haben würden, nämlich etwas Lebendes in Gestalt von Rindvieh! Ein Bulle

und eine Kuh der indischen Zeburasse glotzten uns erstaunt über den

fremden Besuch eine Weile an und nahmen dann Reißaus. Miklucho-Maclay

hatte diese Tiere im Jahre 1883 an Bord des russischen Kriegsschiffes

»Skobeleff« hierhergebracht und den Eingeborenen geschenkt. Auf der

Reise nach Sydney begriffen, traf er dieses Kriegsschiff zufällig in

Batavia und ließ sich trotz der späten Stunde beim Kommandanten, einem

Admiral, melden. Derselbe war auch gleich bereit, einen Abstecher

nach Neu-Guinea zu machen, und brachte seinen gelehrten Landsmann,

noch in den Admiralitätsinseln und Palau vorsprechend, nach Luçon,

von wo das Kriegsschiff die Reise nach dem Amur fortsetzte. Die bei

dieser Gelegenheit eingeführten Ziegen waren spurlos verschwunden;

das Rindvieh aber für die Eingeborenen ein rechtes Danaergeschenk.

Bekanntlich sind Wildschweine und Kängurus die größten Vierfüßler,

welche Neu-Guinea aufweist, und diese machen schon die Umzäunung der

Plantagen notwendig, den Eingeborenen also Mühe und Last genug. Aber

diese Zäune erweisen sich Rindern gegenüber natürlich als unzureichend,

und so haben die Tiere nur die Arbeitslast der Eingeborenen Bongus

vermehrt, ohne ihnen irgend welchen Nutzen zu bringen. Denn was sollen

Vegetarianer mit Haustieren anfangen, deren Pflege sie nicht verstehen

und deren Verwertung ihren Bedürfnissen nicht entspricht! Menschen,

die in erster Linie und fast ausschließend von dem Ertrage ihrer

Plantagen leben, also Ackerbauer sind, können sich nicht mit einemmale

zu einem Hirtenvolke aufschwingen. Die einzigen Haustiere, welche von

den Eingeborenen hier, wie überhaupt, gehalten resp. gezüchtet werden,

sind Schweine und Hunde. Die ersteren, in der Bongusprache »Bul-bul«

genannt, sind Abkömmlinge der Wildschweine, von welchen Neu-Guinea zwei

eigentümliche Arten besitzt: Sus papuensis und Sus niger. Erstere Art

(unten linke Figur) kennen wir nur nach der ungenügenden Darstellung

Lessons. Sie ist rostbräunlich gefärbt, an der Unterkinnlade, Brust,

Bauch, Innenseite der Beine und Fesseln weißfahl, an Schnauze und ums

Auge schwärzlich; die Jungen sind ähnlich wie Frischlinge unseres

Wildschweines braun und rostgelb längsgestreift. Die zweite von

mir (Proc. Zool. Soc. London 1886 S. 217) beschriebene Art (oben

rechte Figur) zeichnet sich, auch in der Jugend, durch die einfarbig

schwärzliche Färbung aus. Beide Arten werden im Alter gewaltige

Tiere mit mächtigen Hauern, die bei den Papuas als Schmuck sehr

geschätzt sind. Die beigegebene Abbildung wurde nach den lebenden

Exemplaren gezeichnet, welche ich für den Zoologischen Garten in Berlin

mitbrachte, bisher die ersten, welche Europa erreichten, und stellen

Tiere in noch jugendlichem Alter dar. Ferkel sind nebst jungen Hunden

die erklärten Lieblinge der papuanischen Damenwelt, und ich sah nicht

selten Frauen außer ihrem Kinde noch ein kleines Schweinchen säugen.

Die Tierchen werden daher auch bewundernswert zahm, folgen, sofern

sie nicht im Tragbeutel mitgeschleppt werden, ihren Pflegerinnen auf

Tritt und Schritt, und eine Papuafrau würde sich von ihrem Lieblinge

ebensowenig trennen, als eine Dame von ihrem Schoßhündchen.

[Illustration: Papuahund.]

Die Abstammung des Papuahundes bleibt auf einer Insel, wo kein einziges

Raubtier vorkommt, ein Rätsel, dessen Lösung innigst mit der Herkunft

des hier lebenden Menschen zusammenhängt, eine Frage, welche eine

viel größere Bedeutsamkeit hat, als es vielen scheinen dürfte. Auf

Grund des Vorhandenseins von Hunden als Haustier hat die Annahme

Berechtigung, daß die Papuas überhaupt ein eingewandertes Volk sind.

Über das »Woher?« will ich hier indes weiter keine Betrachtungen

aufstellen. Der Papuahund, in Bongu »Ssa« genannt, gehört übrigens

jener eigentümlichen Rasse an, wie sie sich allenthalben in Neu-Guinea

findet, und die sich am meisten mit einem kleinen Dingo vergleichen

läßt. Er ist glatthaarig, von kleiner unansehnlicher Statur, hat einen

fuchsähnlichen Kopf, aber mit stumpfer Schnauze und aufrechtstehenden,

spitzgerundeten Ohren. Der Schwanz ist stark nach links gedreht,

wird aber beim Anblick eines Fremden aus Furchtsamkeit meist hängend

getragen. Die Färbung variiert außerordentlich, und schon hieraus

spricht die lange Domestikation am deutlichsten. Im allgemeinen

herrscht eine rostfahle Färbung vor, mit weißer Schnauze, Stirnmitte,

Kehle, Bauch und Schwanzspitze, aber es giebt auch dunkelbraune

Exemplare, solche mit weißem Kopfe und schwarzgefleckte, kurzum

nicht zwei Exemplare sind völlig gleich. Die Abbildung ist nach

einem jungen Exemplare gezeichnet. Eine besondere Eigentümlichkeit

des Papuahundes ist, daß er nicht bellt, sondern nur heult, aber ich

hörte die Hunde in Astrolabe-Bai nicht jene regelmäßigen Heulkonzerte

aufführen, bei dem sich alle Hunde vereinigen, und welche nicht gerade

zu den Annehmlichkeiten von Port Moresby gehören. Der Papuahund ist

übrigens von scheuem, feigen Wesen, sehr diebisch und schon wegen

seiner geringen Größe nicht zur Jagd geeignet, wie er kein guter

Wächter ist. Gewöhnlich pflegen sich bei Annäherung von Fremden die

Hunde des Dorfes lautlos wegzuschleichen. »Wie der Hund, so der Herr«

gilt auch für Neu-Guinea, insofern als beide keine Jäger, wohl aber

Vegetarianer sind. Wie sein Herr nährt sich der Papuahund vorzugsweise

von Pflanzenstoffen, frißt z. B. mit Vorliebe Kokosnuß, und sein bei

den Papuas so sehr beliebtes Fleisch mag infolge dessen wohl nicht

übel schmecken. Man hält den Hund eben des Essens wegen. Hunde und

Schweine werden übrigens nur bei Festen aufgetischt, welche die Papua

sehr lieben und mit großer Beharrlichkeit, oft mehrere Tage lang,

feiern. Da wird gar manchem Borstentiere der Garaus gemacht und die

Festteilnehmer bringen oft von weither ihren Anteil zu dem Picknick

herbeigeschleppt. Wie die Abbildung zeigt, wird dabei mit den Schweinen

nicht gerade glimpflich und im Sinne unserer Tierschutzvereine

verfahren, aber jedenfalls ist die Befestigung mit Lianen praktisch.

Ländlich, sittlich! Transportieren doch, was weit empörender ist, die

Neu-Irländer oder jetzigen Neu-Mecklenburger ihre Kriegsgefangenen, wie

Schulle auf Nusa mit eigenen Augen sah, in derselben brutalen Weise und

zu der gleichen Bestimmung des Aufessens!

Wie die Abstammung und Herkunft des Hundes, so ist die des Haushuhnes

eine noch ungelöste Frage, die nur wie jene erklärt werden kann. Hühner

sind an dieser Küste, wie in Neu-Guinea überhaupt, nicht Haustiere

im Sinne der unseren, werden auch nicht des Fleisches und der Eier,

sondern hauptsächlich, übrigens immer in sehr beschränkter Anzahl, der

Federn wegen gehalten. Hahnenfedern, namentlich weiße, sind nämlich

ein beliebter Kopfputz der Malassi oder jungen Leute. In manchen

Dörfern sah ich an Geflügel nur ein paar weiße Hähne (Kakaru). In der

Färbung neigen sie häufig zu Albinismus, während die meist im Walde

versteckt lebenden Hennen (Tutu) mehr dem wilden Bankivahuhn ähneln.

Ich will hier noch bemerken, daß das Halten von Vögeln bei den hiesigen

Papuas, wie an der ganzen Nordostküste, nur ausnahmsweise vorkommt.

Es überraschte mich dies, weil an der Südostküste zahme Papageien

(Eclectus) und Kakadus, schon der Federn wegen, fast in jedem Dorfe

gehalten werden.

[Illustration: Aufbruch zum Feste.]

Auf unseren Ausflügen lernten wir auch die Plantagen der Eingeborenen

kennen, die, wie erwähnt und wie dies fast überall in Neu-Guinea und

Melanesien überhaupt der Fall ist, weit von den Dörfern, meist an

Berghängen oder mitten im Urwalde angelegt sind. Die Urbarmachung

eines oft mehrere Hektaren großen Stück Landes ist für Menschen,

die noch in der Steinperiode leben, gewiß eine höchst mühevolle und

gewaltige Arbeit, nicht minder die Einzäunung desselben. Soviel das

Feuer auch hilft, einen Urwald kann es nicht vernichten, und so

bleibt noch viel Arbeit für die Steinäxte der Männer übrig, welche

die kleineren Bäume umhauen, von den großen, zum Teil von Feuer

gefällten, die Äste abhacken, so daß nur die Stämme übrig bleiben,

die dem Klima nicht allzulange Widerstand leisten. Wie bei der groben

Arbeit des Umhauens und eigentlichen Urbarmachens, so vereinigen

sich sämtliche Dorfbewohner beim Bau der Einzäunung. Sie wird in dem

hiesigen Distrikte aus etwa mannshohen Stäben des wilden Zuckerrohres

gefertigt, die durch ihr späteres teilweises Ausschlagen der Wurzeln

dem Ganzen besondere Festigkeit verleihen. Thore oder Thüren sind aus

Rücksicht auf das Eindringen der wilden Schweine nicht freigelassen,

aber gewisse Vorrichtungen zum leichteren Überklettern angebracht. Das

von der Einfriedigung umschlossene Land ist nach Größe der Familien

verteilt, deren weibliche Glieder die Bearbeitung zu besorgen haben.

Das eigentliche Umgraben, wozu man sich nur eines spitzen Stockes, Udja

(Udscha) bedient, geschieht durch die Männer, die feinere Bearbeitung

des Bodens durch die Weiber, die dazu eine Art schmaler Schaufeln

(Udja-sab) benutzen. Ich fand in den Plantagen dieselbe musterhafte

Wirtschaft, wie ich sie schon von der Südküste Neu-Guineas und aus

Neu-Britannien kannte. Das Erdreich sah, sorgfältig aufgelockert,

wie gesiebt aus. Die Ranken des Jams wanden sich an regelmäßig

eingesteckten Stangen, zwischen denen andere Pflanzen wuchsen, wie in

einem Hopfenfelde empor. Es war jetzt gerade die Zeit der Jamsreife,

da der Landbau der Papuas eine Reihe von Feldfrüchten in abwechselnder

Aufeinanderfolge zeitigt. Das Hauptnahrungsmittel bildet übrigens der

am meisten beliebte Taro, »Bau« (Collocasia), von März bis August,

demnächst Jams, »Ajan« (Diascorea), von August bis November. Außerdem

werden noch süße Kartoffeln, »Degargol« (Convulvulus), Zuckerrohr,

»Den«, Bananen, »Moga«, eine Art kleiner Bohnen, »Mogar« und Tabak

»Kas« kultiviert. Ein ebenfalls nur infolge von Kultur vorhandener

Nutzbaum ist die Kokospalme, die in ganz Astrolabe-Bai spärlich

vorhanden, besonders in diesem Teile rar ist und manchen Dörfern

z. B. Gumbu ganz fehlt. Kokosnüsse, »Munki« sowie Sago »Bom« haben

daher für dieses Gebiet nur untergeordnete Bedeutung, während sie in

anderen mit zu den Hauptnährmitteln gehören. Damit sind ungefähr alle

Kulturpflanzen der Papuas in ganz Neu-Guinea, wie Melanesien überhaupt,

genannt, und ich werde hierüber, wie über Bodenbearbeitung selbst wenig

mehr zu sagen haben, da sich dieselbe im wesentlichen überall gleich

bleibt.

Man ersieht aus dem Vorhergehenden, daß die so oft gepriesenen Tropen

nicht dem Garten Edens zu vergleichen sind, in welchem der Mensch ohne

alle Mühe und Sorge herrlich und in Freuden lebt, sondern daß er sich

überall im Kampfe ums Dasein bemühen und quälen muß. Selbst diejenigen

vereinzelten Menschenstämme, welche, wie z. B. die Australier, gar

keinen Anbau kennen, und lediglich auf die Erzeugnisse der Natur

angewiesen sind, müssen sich ihren Lebensunterhalt mühselig erwerben

und werden, wie schon ihr Äußeres zeigt, nicht fett dabei.

Für die Papuas liegt übrigens schon in der Bodenbearbeitung ein

charakteristischer Zug der ganzen Rasse, durch welche sie die höhere

Stufe ihrer Gesittung so vorteilhaft bekundet, und die weder durch

Nacktheit noch Kannibalismus gewisser Stämme abgeschwächt werden

kann. Letztere beiden Übel sind ja nur in unseren Augen solche, in

Wirklichkeit aber durch Usus überkommene Gewohnheiten unabhängig von

Gesittung wie Moral.

Selbstredend benutzen, wie alle Papuas und Menschen überhaupt, auch

diejenigen von Astrolabe-Bai einige Pflanzen, welche die Natur selbst

bietet, als Nahrung. So verschiedene Früchte, Nüsse, ja selbst

Knospen und Blätter gewisser Gewächse. Sie spielen indes, wie der in

Astrolabe-Bai überhaupt nur spärlich vorkommende Brotfruchtbaum, Boli,

eine untergeordnete Rolle.

Um Wiederholungen zu vermeiden, will ich gleich an dieser Stelle

zweier Genußmittel gedenken, die mit wenig Ausnahmen über ganz

Melanesien verbreitet und eng mit dem Leben des Papua verbunden sind,

nämlich: Tabak und Betelnuß! Der erstere ist entweder, wie Hund und

Haushuhn, bei der Einwanderung der Papuas mitgebracht worden oder eine

einheimische Pflanze, war aber in jedem Falle vor der Ankunft von

Weißen den Eingeborenen schon bekannt. Wie Maclay in Konstantinhafen

bereits Tabak vorfand, so ging es uns später an Plätzen, die wir

zuerst berührten. Die früher von mir von der Südküste mitgebrachten

Herbarproben zeigten die Identität der von den Papuas kultivierten

Pflanze mit dem gewöhnlichen Bauerntabak (Nicotiana tabacum), mit

dem sie in Aussehen wie Blüte durchaus übereinstimmt. In allen von

mir besuchten Gebieten an der Nord- und Südostküste Neu-Guineas,

fand ich Tabakbau, deren Erträge selbst einem Teil des Tauschhandels

der Eingeborenen untereinander bilden. Auch die armen Bergdörfer im

Innern von Port Moresby besaßen ihre sorgfältig eingezäunten Gärtchen

mit Tabakspflanzen, während an der Küste selbst diese Kultur durch

eingeführten Tabak im Verschwinden begriffen oder wie in Port Moresby

so gut als verschwunden ist. Hier hat der bekannte Twist, (Niggerhead)

oder amerikanische Stangentabak, das gangbarste und unentbehrliche

Tauschmittel[19] im Verkehr mit allen Südseestämmen überhaupt,

bereits Wert und lebhafte Nachfrage. Die Eingeborenen der Südostküste

besitzen auch ein eigenes Rauchgerät, den »Baubau«, auf den wir noch

zurückkommen werden, welches die sonst überall beliebte und begehrte

Thonpfeife nicht zu verdrängen vermochte. Die Eingeborenen an der

ganzen Nordostküste kennen kein Rauchgerät und wiesen aus diesem Grunde

auch unsere Thonpfeifen zurück. Sie wickeln aus den unfermentierten,

etwas getrockneten Blättern eine rohe Zigarre oder Zigarette, der ein

grünes Baumblatt als Decker dient. Diese Zigarren glimmen selbstredend

sehr schlecht, und es bedarf immer glühender Kohlen, um sie in Brand

zu halten. Aber die Papuas sind keine Raucher in unserem Sinne; ein

paar volle Züge genügen, und die Zigarre wandert von Mund zu Mund. Wir

konnten uns mit dieser Sitte unserer neuen Freunde in Konstantinhafen

natürlich nicht befreunden, die in oft ergötzlicherweise dem einen

oder anderen von uns die brennende Zigarre aus dem Munde nahmen, um

sich an ein paar Zügen zu erlaben. Wir vertrösteten die Leutchen

daher immer auf die Stummel, die bald ein gesuchter Artikel und den

Eingeborenen lieber als der harte Stangentabak waren, obwohl sie diesen

bereits durch Maclay kannten. Wie in Port Moresby »Kuku lassi?« (keinen

Tabak haben?) die stehende Redensart, gleichsam Begrüßungsformel bei

Begegnung mit Eingeborenen ist, so hier »kas! kas!« (Tabak, Tabak!).

Aber die Leute waren lange nicht so bettelhaft und zudringlich als in

dem von Civilisation schon zu sehr übertünchten Port Moresby.

Samoafahrten · 第 3 / 32 段