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Nun bin ich doch schon zu Hause. Aus den Wochen in New York sind nur
einige Tage geworden. Aber ich bin allein mit Lou, denn Konrad ist in
New York geblieben.
Doktor Curtis hielt es für das beste, und ich muß ihm recht geben. Hätte
ich doch auch nicht gedacht, daß es sich so wunderschön einrichten
ließe. --
Doktor Curtis ist verheiratet, schon seit vierzehn Jahren.
Er hat eine liebe, kleine Frau und ein Töchterchen, das an
Ausgelassenheit meiner Lou nichts nachgibt.
Ich habe ihn in alles eingeweiht, was Konrad betrifft. Und er meint, daß
es auf alle Fälle besser ist, wenn der Junge erst noch einige Zeit für
sich hat. Eine Zeit des Besinnens, der Einkehr.
Er wächst auch leichter in das Fremde hinein, das ihn dort erwartet,
wenn er die Sprache schon einigermaßen beherrscht. --
Ich bin zuweilen voller Hoffnung für die Zukunft, zuweilen bin ich
wieder ganz mutlos. --
Und doch -- war der Abschied von meinem großen Jungen nicht ganz
vielversprechend? Kann ich mehr verlangen? -- --
Ich will arbeiten, dann vergehen die Grillen. Zu lange hat der Herr
gefehlt, ich muß viel nachholen. --
Nach dem Westen will ich erst, wenn Konrad hier ist, es soll mein erstes
Alleinsein mit ihm werden.
Lou muß diesmal in Chikago bleiben, obgleich sie für ihr Leben gern in
den Ranchos herumwirtschaftet; sie muß diesmal verzichten.
Ich muß die Gelegenheit wahrnehmen, um endlich das Vertrauen meines
Jungen zu gewinnen. --
Auch im Betrieb habe ich bereits vorgearbeitet. Den alten Thomas habe
ich ins Vertrauen gezogen. Es schien mir, als ob er im Anfang etwas
verstimmt sei, doch es wird sich geben, er ist ein treuer Diener.
Auch ihm ist am letzten Ende _ein_ Herr lieber als mehrere.
Und was wäre uns schließlich weiter übrig geblieben als eine
Aktiengesellschaft? Denn ganz will ich meine Kräfte nicht aufreiben und
ich möchte auch gern endlich an die Verwirklichung meiner lange gehegten
Pläne gehen. --
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Nun ich allein bin, komme ich erst wieder so recht zu mir selbst und
denke die letzten Monate noch einmal in Ruhe durch.
Der Tod meines Mannes -- es ist, als ob schon eine Ewigkeit seitdem
verflossen wäre.
Zuweilen bin ich über mich selbst verwundert, daß mich das alles nicht
tiefer getroffen hat.
Gewiß, es war mir sehr schmerzlich, es hat sehr wehgetan, ein Stück
meines besseren Ich ist von mir gegangen. Und doch -- ich meine, andere
Frauen empfinden viel tiefer, sind viel untröstlicher. Ich glaube, in
mir ist eine Saite zerbrochen, die nie mehr klingen kann. --
Es ist schade, man wird so hart und liebt die Menschen so wenig. Die
Menschheit im allgemeinen will ich damit sagen -- denn im besonderen
habe ich einige recht innig in mein Herz geschlossen.
Und doch muß ich noch zufrieden sein. Denn besser hart und kalt als
untergehen im Sumpf. --
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Ich habe eine lange Pause in meinen Aufzeichnungen gemacht. Monate sind
seitdem vergangen, nun bin ich mit Konrad im Westen.
Ich freue mich über meinen Entschluß, hier geht das Herz des Jungen so
recht auf. --
Heimweh und Fremdheit sind verschwunden, das Kind hat sich zur Mutter
gefunden.
Wenn wir abends nach stundenlangem Umherstreifen müde und hungrig in
unser Blockhaus kommen, wo uns ein einfaches, aber leckeres Mahl
erwartet, dann sind wir so glücklich, daß wir mit keinem Könige tauschen
möchten.
Am meisten freut sich Konrad über die schöne Büchse, die ich ihm
geschenkt. Er ist schon so geübt und ein so passionierter Jäger, daß ich
manchmal glaube, er würde am liebsten immer hier bleiben. Aber das geht
nicht. Chikago bleibt vorläufig die Hauptsache.
Nur manchmal einige Wochen der Erholung hier im Westen, das will ich ihm
versprechen. --
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Ein Jahr ist Konrad nun schon bei uns, und, Gott sei Dank, er scheint
nicht mehr nach Hause zu denken, wenigstens sagt er nie etwas davon.
Wir kommen sehr gut miteinander aus. Natürlich ist das Verhältnis nicht
so, wie zwischen mir und Lou, das kann ich auch nicht verlangen, aber
ich darf zufrieden sein. -- --
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Heute kam ein Brief vom Großvater mit einer Einlage, einem amtlichen
Schriftstück. Konrad muß Soldat werden. Wer hätte daran gedacht? --
Was nun?