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Es ist alles nicht so schlimm. Der Junge hat zum Glück sein
Einjährigenzeugnis, braucht also nur ein Jahr zu dienen.
Er läßt sich nun noch vorläufig zwei Jahre zurückstellen und fährt dann
im August oder September hinüber, damit er im Oktober eintreten kann. Er
ist jetzt neunzehn Jahre, also auch noch jung genug, wenn er mit
zweiundzwanzig Jahren wieder zurückkommt.
Es ist gut, daß er als Einjähriger dienen kann; im anderen Falle hätten
wir doch wohl vorgezogen, nicht auf die Zuschrift zu antworten. Besser
ist es natürlich so, dann ist ihm wenigstens später der Aufenthalt in
Deutschland zu jeder Zeit gestattet.
Lou macht die Sache am meisten Spaß.
Es ist ihr ganz was Neues, daß ihr Bruder Soldat sein soll, und sie will
ihn durchaus besuchen während seiner Dienstzeit.
Dieser Wunsch soll ihr erfüllt werden. Nach Ablauf seines Dienstjahres
werden wir uns unseren Jungen wieder holen.
Schon lange habe ich Sehnsucht nach dem stillen Plätzchen unter den
dunkeln Tannen. Nur die Arbeit hält mich zurück. --
* * * * *
Zwei Jahre später.
Nun ist Konrad schon seit Wochen fort, und wir merken beide so recht,
wie sehr wir ihn lieben, wie sehr er uns fehlt.
Sogar der alte Thomas stöhnt zuweilen und sagt: »Wenn doch der junge
Herr erst wieder hier wäre! He is the smartest young chap, I ever saw.«
-- Das will gewiß viel sagen. --
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Den 10. Juli.
Wir sind schon auf der Reise, wir können es gar nicht mehr erwarten, wir
müssen unsern Jungen besuchen.
Lou zumal ließ keine Ruhe mehr.
»I should like to see the boy in this funny uniform« ist ihr ständiger
Ausspruch.
Er dient in Hannover, und ich freue mich, die Stadt bei dieser
Gelegenheit kennen zu lernen. --
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Meine Lou ist eine erwachsene junge Dame geworden, und ich habe es
beinahe nicht bemerkt.
Es wird mir schwer, mich darein zu finden, für mich ist sie noch immer
das Kind, mein kleiner Liebling, mein Wildfang. --
Aber was hilft es mir? Sie ist neunzehn Jahre, und ich denke mit
Schrecken daran, daß eines Tages ein Mann kommt und sie mir fortnimmt.
Elternlos! Man zieht die Kinder für andere groß, um im Alter einsamer zu
sein als je zuvor. --
Ich werde in Cherbourg den Dampfer verlassen und mich einige Wochen in
Paris aufhalten. Wir müssen neue Kleider haben, damit mein Junge mit
seiner Schwester Staat machen kann. Und für Lou will ich eine gewandte
Zofe engagieren, die auch mir etwas behilflich sein kann. Meine alte
Hannah wird zu steif, ich konnte sie diesmal gar nicht mitnehmen. Ich
muß die alte, treue Seele sowieso etwas entlasten. Wenn wir nach
Hannover kommen, muß Lou als vollendete Dame auftreten, und diese
Französinnen verstehen ihr Geschäft. -- --
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Das Wiedersehen zwischen Konrad und uns beiden war sehr herzlich.
Gott sei Dank, der Junge hat mich doch lieb!
Kein Gedanke daran, daß er wieder in Deutschland bleiben möchte, wie ich
oft im stillen befürchtet.