Nicht eigentlich einen Brief, es sind vielmehr Aufzeichnungen über sein
Leben und Wirken. Kurz und prägnant, ganz wie er selbst. --
Als sechzehnjähriger Junge aus Deutschland ausgewandert, hat er in
Amerika so ziemlich alles versucht, was Arbeit heißt, bis er durch
Zufall nach Chikago verschlagen worden ist.
Mit fünf Cents in der Tasche ist er dort angekommen, heute besitzt er
eine große Fleischkonservenfabrik und beschäftigt bereits über hundert
Personen.
Das ist gewiß etwas! Für mich ist es die erste Staffel auf der Leiter.
-- Ich bin mir bewußt, daß wir, falls ich die Gattin dieses Mannes
werde, auf dieser Staffel nicht stehen bleiben werden. --
Hat mich das Leben um das Schönste betrogen, so soll es mir dafür etwas
anderes geben: Reichtum.
Und dieser Mann ist dazu wie geschaffen, mit ihm muß es sich gut und
sicher wandern lassen. --
Aber noch will ich warten. Ein Jahr wenigstens will ich den
Witwenschleier tragen.
Obgleich -- wenn ich mir gegenüber ehrlich sein will -- es ja doch nur
äußerlich ist. In Wirklichkeit war ich dem Toten doch schon längst
untreu. Denn auch der Gedanke an einen anderen Mann ist
Treulosigkeit. --
* * * * *
Heute, am Tage vor der Ankunft in New York habe ich mich mit Mr. Siegel
ausgesprochen.
Ich bin sehr zufrieden, ich glaube, daß ich diesen Schritt nicht bereuen
werde.
Mr. Siegel ist ein Mann von außergewöhnlicher Regsamkeit, den das Leben
ganz gehörig zwischen die Scheren genommen hat.
Daß er sich nicht hat unterkriegen lassen, ist ein gutes Zeichen. Wir
passen in gewisser Weise sehr gut zusammen, auch ich habe mich nicht
zermalmen lassen.