Hoffentlich fragt er mich nie nach meiner Vergangenheit. Sagen würde ich
ihm doch nichts, aber es ist gut, wenn ich nicht zu lügen brauche. --
* * * * *
Wir haben soeben einen recht heftigen Gewittersturm gehabt.
Niemand dachte mehr an schlechtes Wetter so kurz vor der Ankunft, und
alles freute sich schon auf morgen, da kam noch einmal ganz unerwartet
die Seekrankheit. Beim Diner waren fast alle Plätze leer, sogar die
Herren konnten nicht widerstehen. --
Ich bin nachher noch auf Deck gewesen, es war wunderbar klare, schöne
Luft, nachdem es ausgetobt.
Mr. Siegel suchte mich auf und hat allerlei mit mir besprochen.
Ich soll, wenn ich jetzt nach Deutschland komme, meine überflüssigen
Sachen verkaufen und als Passagier mit der »Nirwana« zurückkommen. --
Das erstere werde ich tun, das letztere nicht, wozu?
Ich fahre als Stewardeß und mustere in New York ab, wozu unnütz Geld
ausgeben?
Vorläufig habe ich sowieso nicht allzu viel, und es widerstrebt mir,
etwas von ihm anzunehmen, bevor ich sein Weib bin.
Auf der Rückreise können sie mich an Bord ganz gut entbehren, wir haben
nach draußen zu jetzt doch wenig Passagiere. --
Aber meinen süßen, kleinen Pit muß ich mitnehmen. Ob er wohl seekrank
wird?
* * * * *
Gestern bin ich noch einmal an Werners Grab gewesen. Ich habe Abschied
genommen auf lange Zeit, vielleicht für immer.
Es war, trotz aller schlimmen Erfahrungen, ein seliges Stück meiner
Jugend, das da oben auf dem stillen Friedhof auf der Höhe ruht. Die
schmerzlichen Tränen, die ich geweint, bringen es mir nicht zurück.
Und doch, wie wandelbar ist der Mensch!
Wer mir vor elf Monaten gesagt hätte, daß ich einmal wieder so ruhig
über alles denken würde, ich hätte ihn für roh und gefühllos gehalten.
Und nun? Ja, ja, es ist schon so, das Leben ist brutal. --
* * * * *
Zum letzten Male zu Hause.