Oft schrecke ich Nachts aus unruhigem Schlummer auf, dann ist mir, als
hörte ich ruhige, schwere Atemzüge neben mir -- ich fasse hinüber, aber
da ist nichts, ich bin allein -- immer allein. --
* * * * *
Letzte Nacht hatte ich einen entsetzlichen Traum.
Mir träumte, ich stand allein auf einem weiten, endlos weiten Platz und
wußte nicht, wohin ich mich wenden sollte.
Da kam ein Mann in einem langen, schwarzen Mantel, den großen Hut tief
in die Stirn gedrückt, so daß ich nichts von dem Gesicht sehen konnte,
und faßte mich bei der Hand.
Er führte mich über Felder und Auen weit, weit, und dann zuletzt in ein
großes, palastartiges Haus, viele, viele Treppen empor.
Als wir schon sehr hoch gestiegen waren, öffnete mein Führer eine Tür,
ließ mich los und sagte mit dumpfer Stimme: »Gehe diesen Weg, und du
wirst rein wie eine Lilie sein.«
Ich hob den Fuß und wollte vorwärts schreiten, doch mit einem entsetzten
Schrei fuhr ich zurück. Vor mir breitete sich endlos, unabsehbar das
Meer.
Durch den Schrei war ich erwacht, entsetzt starrte ich ins Dunkel. Ich
fürchtete mich so, daß ich nicht einmal wagte, mir Licht anzuzünden. --
Was bedeutete dieser unheimliche Traum?
Was wollte dieser unheimliche Mensch?
Und dieses große Wasser? Soll ich sterben? Soll ich im Wasser sterben?
Aber ich will nicht! Jetzt nicht! Dann hätte mich das Wasser vor sieben
Monaten verschlingen sollen!
Ach Werner, mein Liebster, ich sehne mich nach dir, wärest du bei mir,
du würdest mich trösten.
Die Sehnsucht, das Verlangen nach dir brennt mir wie Feuer in den Adern.
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* * * * *
Schon wieder einmal bin ich allein.
Selige Tage waren es, als Werner hier war, ach, wie ist er gut! So gut,
daß ich fast beschämt bin.