Muß ich es Werner sagen? Hat er ein Anrecht an das Leben, das so weit
zurückliegt? So weit!
Und doch ist es noch kein Jahr her, seit ich von den Großeltern fort
bin. -- Mir scheinen es Ewigkeiten.
Ich bin in einem furchtbaren Zwiespalt.
Ist es meine Pflicht, es meinem Manne zu sagen oder darf ich schweigen?
Wird er nicht an mir zweifeln, wenn ich es sage? Wird er nicht denken,
daß der Ort, an dem er mich getroffen, dann gar nicht so unrecht für
mich gewesen sei?
Hätte ich doch einen einzigen Menschen, mit dem ich sprechen könnte! --
Ich glaube nicht, daß ich den Mut habe, es ihm zu sagen; ich fürchte
seine Liebe und Achtung -- jawohl seine Achtung, so paradox es auch
klingen mag -- zu verlieren. --
Denn trotz alledem und alledem, Werner achtet mich. Er weiß, ich war
unschuldig dort hingekommen; und er achtet mich deshalb, weil ich mit
allen Mitteln versucht habe, herauszukommen. --
Erführe er meinen ersten, dummen, kindischen Streich -- wer weiß, ob
dann nicht dieses Gefühl, das mich so sehr erhebt, für immer verloren
wäre.