Ein paar Tage früher oder später, es sei nur mein eigener Schaden. --

»Willst du also vernünftig sein und mit dem Herrn recht freundlich

sprechen?«

»Nein! Lieber spring ich aus dem Fenster!« rief ich außer mir.

»Wie du willst! Dann spring aus dem Fenster!« rief sie, faßte mich am

Arm und schob mich in ein Zimmer.

»Hier bleibst du, bis du Vernunft angenommen hast,« rief sie mir nach

und schloß die Tür zu.

Im Zimmer war es dunkel, ich konnte nicht die Hand vor den Augen sehen.

Ich tastete umher, ich suchte an der Wand entlang, vorsichtig schritt

ich weiter. Ein Bett war da. Gott sei Dank.

Ich zog das feine Kleid aus und legte mich nieder. Ich sann und sann,

was konnte ich tun? Hier im fremden Land, in der großen fremden Stadt,

ohne Geld, ohne Freunde! Und doch! Wenn ich nur hinaus könnte, jemand

würde sich schon meiner annehmen.

Zuletzt kamen die Tränen, ich weinte so heiß und schmerzlich, daß ich

gar nicht wieder aufhören konnte.

Sie müssen mein verzweifeltes Weinen gehört haben, aber kein Mensch

kümmerte sich um mich; die sind alle hart wie Stein. --

Zuletzt bin ich wohl vor Ermattung eingeschlafen.

Als ich erwachte, war es noch immer dunkel um mich. Ich wußte gar nicht

mehr, war es Tag oder Nacht. Wie lange war ich schon hier? War es ein

Tag oder waren es mehrere?

Mich quälte schon wieder der Hunger. War ich denn immer hungrig? Bei all

meinem Elend und bei all dem Kummer -- die Natur verlangte ihr Recht.

In Geschichten hatte ich so oft gelesen, wenn sie traurig waren oder

Kummer hatten, dann nahmen sie tagelang keine Nahrung zu sich. Ich hatte

immer Hunger.

Ich konnte nicht mehr schlafen, vorsichtig erhob ich mich und tastete

nach der Tür, sie war noch immer verschlossen. Ich klopfte, niemand kam.

Ich klopfte stärker, alles umsonst.

Ich ging wieder ins Bett und wartete. Ich meinte, Stunden gelegen zu

haben, und nichts ließ sich hören.

Ich konnte es zuletzt gar nicht mehr aushalten und stand wieder auf. Ich

hatte Kopfschmerz und war ganz zittrig auf den Beinen, so elend war ich.

Was hatte man mit mir vor? Wollte man mich hier verhungern lassen?

Ich schlug mit den Fäusten gegen die Tür und schrie aus Leibeskräften.

Niemand kam.

Jetzt kam die Furcht langsam gekrochen! Was wollte man mit mir machen?

Oder hatten sie mich vergessen?

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 51 / 209 题