Der neuen Welt zu.
Den ersten Tag auf See.
Der Abschied von den lieben Alten war schrecklich! Die Großmutter weinte
zum Erbarmen. Und ich? Ich weiß nicht, es tat mir ja auch sehr leid,
aber trotzdem -- ich komme mir beinahe schlecht vor -- ich freute mich!
Freute mich auf die große, unbekannte Welt und auf all das Schöne, das
sie mir vielleicht bringt.
Ich bin jung, und ein klein wenig von all den Herrlichkeiten der Welt
ist das Leben mir doch auch schuldig.........?!
Das Wetter ist sehr schön, nur gegen Abend wurde es etwas bewegter.
Hoffentlich behalten wir es so, daß ich nicht seekrank werde. Die
Großeltern haben mich dem Kapitän sehr empfohlen, und er will gut auf
mich aufpassen.
Er ist ein reizender Mensch und auch noch gar nicht so alt. Ich habe
früher immer gedacht, die Kapitäne wären alle alt und grau. --
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Den 29. Mai.
Ich habe kein Auge zugetan die ganze Nacht. Das Bett war entsetzlich
hart. Ich bin nicht gewöhnt, nur auf der Matratze zu liegen. Und die
Wolldecken zum Zudecken sind auch nicht besonders hübsch.
Ich bin mit einer Dame zusammen im Zimmer, einer Amerikanerin. Das
heißt, eigentlich ist sie aus Wien, aber sie ist schon sehr lange in
Amerika. Sie fährt jedes Jahr zweimal nach Europa. Ich glaube, sie ist
sehr reich. Sie hat die ganzen Hände voll feiner Ringe. Mit mir ist sie
sehr freundlich und gibt mir allerlei gute Ratschläge.
Hübsch ist sie nicht, aber sehr fein; sie hat so feine Nachthemden, wie
ich noch gar keine gesehen habe. -- --
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Donnerstag, den 30.
Heute ist schlechtes Wetter, tüchtig Wind und Regen. Gegen Abend wurde
es sogar sehr stürmisch -- nach unsrer Ansicht.
Zum Mittagessen lag schon alles krank. An unserem Tisch waren nur ganz
wenige erschienen, und während des Essens verschwanden auch die noch zum
Teil sehr rasch. Es war mir auch ein wenig sonderbar, ich hab' aber doch
gut gegessen, nur keinen Fisch, der Geruch war mir zu widerlich.
Ich bin gestern abend erst um elf Uhr zu Bett gegangen, habe dann aber
ganz fein geschlafen.
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Den 1. Juni.
Heute war das Wetter wieder schön; den ganzen Tag sehr ruhig, und
trotzdem sind noch Einige seekrank. Mir schmeckt jetzt wieder alles.
Heute nachmittag zwischen vier und fünf Uhr fuhr auch ein Dampfer an uns
vorbei, nach Hause zu. Mir war ein klein wenig sonderbar zumute, ob es
wohl Heimweh ist? Ich habe recht nette Gesellschaft gefunden. Meine
Zimmergenossin -- Frau Fröhlich heißt sie -- hat einen Neffen mit an
Bord; gleich am ersten Tage hat sie ihn mir vorgestellt. Er sieht sehr
gut aus, und ich glaube, er mag mich auch gern, denn er ist immer um
mich herum.
Ich glaube, wenn ich nicht so furchtbar viel durchgemacht hätte mit den
Männern -- ich meine mit Rudolph -- so könnte ich ihn vielleicht
liebhaben, aber so! Nein! Ich werde niemals wieder einen Mann lieben. --
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Mr. Smith -- so heißt der Neffe -- gibt sich sehr viel Mühe mit mir. Er
will mich Englisch lehren. Die paar Brocken, die ich bei Fräulein
Fischer gelernt habe, die helfen mir gar nichts.
An Deck haben wir immer viel Spaß. Wenn wir in den Stühlen liegen, kommt
zuweilen der Kapitän und fragt, ob wir auch gut zugedeckt seien oder ob
er den vierten Offizier schicken solle, damit er den Damen die Füße
schön einwickele. Dann gibt es immer großes Gelächter. -- -- -- --
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Den 2., abends.
Endlich haben wir das lange prophezeite schlechte Wetter. Heut' gegen
Abend waren wir auf der Brücke; es sah wunderschön aus, wenn das Wasser
vorn über Deck kam und sogar bis zu uns heraufspritzte. Herr Smith ist
sehr aufmerksam, stets ist er in meiner Nähe. Heute früh saß er im Stuhl
neben mir -- seine Tante war im Damenzimmer, da sie sich nicht besonders
wohl fühlte. Er hat mir so viel dummes Zeug vorgeschwatzt. Er sagt, ich
sei sehr schön -- ob das wohl wahr ist? -- Er ist der einzige Erbe
seiner Tante, die sehr reich ist, und kann seiner Frau jeden Wunsch
erfüllen. Und wenn er eine so schöne Frau hätte, wie ich, so würde er
sie in Samt und Seide kleiden, das muß fein sein. -- Und Geld braucht
sie gar nicht zu haben, er hat nicht nötig, darauf zu sehen.
Wenn ich dagegen an Rudolph denke! Jetzt könnte ich mich schon rächen.
Wenn ich Mr. Smith heiratete, so könnte ich schon nächstes Jahr wieder
zu Besuch nach Hause reisen, und dann könnte ich Rudolph zeigen, daß ich
auch ohne Geld einen reichen und hübschen Mann bekommen habe. -- Denn
hübsch ist Herr Smith, hübscher als Rudolph. Aber ich liebe ihn nicht,
kann ihn also auch nicht heiraten. Das habe ich ihm auch gesagt.