Mein Haar wächst wieder! Ich fühle mich mit jedem Tage wohler. -- -- --

* * * * *

Ich bin glücklich! Gerade, wenn man keinen Ausweg sieht, kommt manchmal

von einer Seite, an die man am wenigsten gedacht, die rettende Hand. --

Ich gehe nach _Amerika_!

Mit vier Worten ist es gesagt, und birgt doch so viel in sich.

Aber nur ruhig und vernünftig!

Also: Die Großmutter hat ihre einzige Schwester drüben. Lange schon.

Geschrieben haben die Schwestern sich zuweilen, aber sehr lebhaft ist

der Briefwechsel gerade nicht gewesen in den letzten Jahren.

Die Großmutter hat nun auch mein Unglück nach drüben berichtet, und da

hat die Großtante geschrieben, ich solle nach drüben kommen. Sie habe

sich schon immer ein Töchterchen gewünscht. Nach einigen Jahren, wenn

ich Sehnsucht nach den Großeltern habe, könnte ich ja auch einmal wieder

zu ihnen fahren.

Ich freute mich sehr, ich lachte und weinte in einem Atem. Da war die

Großmutter sehr traurig, aber dann sagte sie, auch sie sähe ein, daß es

das beste für mich sei, und ich solle in Zukunft so leben, daß ich

täglich und stündlich bestrebt sei, das auszulöschen, was ich unbewußt

gesündigt. Das sei die beste Sühne. -- --

Nun weiß ich nicht recht, wie mir ist. Ich freue mich und bin doch auch

wieder traurig. Aber die Freude überwiegt. --

Ich werde sehr fleißig sein in Amerika, damit ich bald reich werde, dann

komme ich wieder, aber Rudolph Schönewald heirate ich dann auch nicht.

Ich hasse ihn! --

Großmutter kauft mir jetzt allerlei schöne Sachen, Wäsche und Kleider.

Schon am 28. Mai soll ich fahren. Ein Brief an die Großtante ist schon

fort, und ein Platz auf dem Dampfer ist auch bestellt. Die Großeltern

fahren beide mit nach Bremen.

Ich habe sehr viel zu tun jetzt, da werde ich lange nicht einschreiben

können.

Seelenverkäufer: Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin · 第 31 / 209 题