Und Leibinger, kühn gemacht, schrie: „Verleumdung!“

Kolben aber sprach unbeirrt fort, mit seinem leicht ironischen Lächeln,

mit seiner großen Ruhe und sehr sarkastisch:

„O gewiß gehört das her! Es war kein Zufall, daß ich ins Kohlengebiet

gereist bin, gleich nachdem Herr Leibinger von dort zurück war. Ganz

und gar kein Zufall war das. Und da hab’ ich so manches gehört, mein

lieber Fritz. Das, was ich eben von ihm behauptet habe, hat Herr

Leibinger den Leuten nämlich über dich gesagt, wenn auch vielleicht

nicht mit so feinen Worten. Du, Fritz, seist der Streber, der

Mandatsjäger, der unverläßliche Mitläufer, der alles zu seinem Vorteil

nützt und so weiter. Und als Beweis soll dienen: Du werdest gegen den

Streik sein, denn du spielst mit den Grubenbesitzern unter einer Decke.

Jemand hat mir sogar anvertraut, im Rausch natürlich, du seist von

ihnen bestochen.“

Fritz stand da, hatte die Fäuste geballt und starrte mit weiten Augen

den Sprecher an.

„Ist -- das -- wahr?“

„Ich hörte es so!“

„Ich verwahre mich gegen eine solche Infamie!“ rief Leibinger. Der

Doktor beachtete ihn nicht.

„Wenn ich nach dem Ursprung dieser Gerüchte fragte,“ fuhr er trocken

fort, „hat’s immer geheißen, die Gegenpartei behauptet es. Aber einer,

der mir sehr zugetan ist und für dessen Verläßlichkeit ich jede

Bürgschaft übernehme, hat es im Interesse der Partei bitter beklagt,

daß -- Herr Leibinger solche Sachen in Umlauf setze.“

„Nennen Sie den Namen!“ rief Leibinger. Und Mark unterstützte ihn

mächtig: „Namen nennen! Namen nennen!“

„Sparen Sie sich den Atem, meine Herrn!“ erwiderte Kolben und spielte

mit seiner Uhrkette. „Den Namen geb’ ich Ihnen nicht preis!“

„Aha!“ frohlockte Leibinger. „Dergleichen kennt man! Alles ist

erstunken und erlogen!“

Kolben lehnte sich faul zurück: „Ich pflege zwar sonst nicht zu lügen,

aber wenn Herr Leibinger es sagt ...“

Fritz aber trat mit schweren Schritten hart vor diesen hin, der

aufgesprungen war und sich vergebens mühte, den unschuldig Gekränkten

zu spielen. Mit seinem hellen Blick schaute ihm Hellwig ins Gesicht

und sprach leise, mit erzwungener Ruhe: „Also -- deswegen! Damit du --

deine eigenen Ziele -- erreichst, sollen Zehntausende -- sollen sie

tage- -- vielleicht wochen- und monatelang -- hungern. Höre, Leibinger,

ich bin“ -- er tat einen tiefen Atemzug und seine Stimme war spröd wie

splitterndes Glas -- „ich bin nicht gewohnt, -- mit Lumpen dieselbe

Luft zu atmen!“

Leibinger lachte schrill auf und schrie: „Ich bin hier genau so

viel wie du! Übrigens -- mit Beleidigungen wirst du dich nicht

rechtfertigen! Eher bestärkst du unsere Gegner in dem Verdacht, daß

doch was Wahres an der Geschichte ist!“

Anheim hielt sich für verpflichtet, einzuschreiten.

„Hellwig, das geht zu weit!“ mahnte er. Und Mark sekundierte: „Wir sind

keine Lausbuben!“

Der Obmann fuhr fort: „Auf eine Anschuldigung, die sehr

unwahrscheinlich klingt, -- ich sage nichts gegen Herrn Doktor Kolben,

er kann falsch berichtet worden sein, -- auf eine vage Anschuldigung

hin willst du den Stab über einen verdienten Genossen brechen?

~Audiatur et altera pars!~ Sei gerecht!“

Der Volksbeglücker · 第 27 / 35 题