Und Otto antwortete tonlos: „Ich war unwohl.“

„Herr Professor, das ist ...“ brauste Fritz auf und schwieg sofort

wieder, als er die klägliche Figur des andern gewahrte.

„Wollten Sie etwas sagen, Hellwig?“ wandte sich Pater Romanus nun

wieder an ihn. Da schüttelte er stumm den Kopf. Wozu den Angeber machen?

Und plötzlich kam ihm zu Bewußtsein, daß sich alle Blicke der Klasse

in seiner Person wie in einem Brennpunkt vereinigten. Unerträglich,

wie ein unkeusches Betasten des Körpers, war ihm das. Und mit

einemmal konnte er es nicht über sich bringen, den Beweggrund seines

Fernbleibens anzugeben. Er hatte das Gefühl, als würde er durch ein

solches Geständnis seine Seele nackt zur Schau stellen.

„Nun, Hellwig, haben Sie sich eines Bessern besonnen? Wollen Sie mir

Ihr sonderbares Benehmen aufklären?“

Die sanfte Stimme des Jesuiten rann wie ein süßes Honigbächlein durch

die Stille.

Fritz schwieg, sah ihn an und zuckte nicht mit der Wimper.

„Kind, nehmen Sie doch Vernunft an! Woher nur auf einmal? ... Denken

Sie doch auch an Ihre liebe Mutter!“

Keine Antwort.

„Wollen Sie also den Grund Ihres Benehmens wirklich nicht angeben?“

„Nein!“

Kurz, hart, messerscharf, daß Pater Romanus zurückprallte. Aber er

faßte sich rasch.

„Sie scheinen mir vom rechten Weg abgekommen zu sein,“ sagte er und

strich mit der schmalen Hand über die Augen. „Besuchen Sie mich doch

einmal in meiner Wohnung. Dort können Sie mir alles ungestört sagen.

Das von heute bleibt unterdessen, als wenn es nicht vorgekommen wäre.“

Mit einem leichten Kopfnicken gab er den beiden Schülern die Erlaubnis

zum Niedersitzen und begann mit dem Unterricht.

Kaum war dieser zu Ende, drängten sich die Mitschüler an Hellwig heran,

sagten, daß er ganz recht gehabt habe, wenn’s auch vielleicht einen

Karzer absetzen könne, und wollten wissen, ob er zu Pater Romanus

hingehen werde. Er gab ihnen keine Auskunft, hastete, hochnasig wie

immer, davon.

In seinem Herzen schien etwas in Unordnung geraten zu sein, zuckte,

stach und schmerzte.

Pichler! Ach ja so, das! -- Wie fremd ihm auf einmal der Name vorkam.

Als hätte er ihn viele Jahre nicht gehört.

Plötzlich schritt Otto neben ihm her. Er hatte brennend rote Backen und

war ganz kleinlaut.

„Fritz, -- bist du bös?“ fragte er mit einem verlegenen Lächeln.

Der Volksbeglücker · 第 12 / 35 题