Erstes Buch

1.

Das niedrige Bergland, das Westböhmen von Bayern scheidet, ist eine

liebe, warme Erikagegend, die im Sommer schamhaft errötet, wenn sie

sich hüllenlos in ihrer unberührten jungfräulichen Schönheit dem

glücklichen Entdecker nach langem Sträuben endlich preisgeben muß.

Und er entdeckte und liebte diese frische, keusche Art, der hager

aufgeschossene Junge, der jeden Nachmittag, wenn die Mittelschüler,

vom Unterricht erlöst, den sechstausend Insassen von Neuberg die Ohren

voll lärmten, durch die winkeligen Kleinstadtgassen in den lachenden

Sommer hinauslief, immer denselben Weg, den Hügel hinauf und am Kamm

fort auf schmalen Feldrainen, wo der wilde Quendel blühte und die

blauen Glockenblumen, bis er endlich mitten darin war in der roten

Erika. Stundenlang konnte er dann dort oben liegen, versunken in dem

leuchtenden, bienendurchsummten Teppich, und in die helle, silbern

flimmernde Luft blicken. Soweit er schaute, war nichts als der klare

endlose Luftraum, und nur ganz nahe, dicht vor ihm, standen die

verästelten Blütenbüschel rosenrot vor dem blauen Hintergrund.

Die sonnenweite Unendlichkeit des Sommers war um ihn, und er fühlte

sich wie losgelöst von allem, was mit ihm und neben ihm lebte. Und in

seiner Seele erwachten die uralten Fragen nach dem Woher und Warum,

sein achtzehnjähriges Jünglingsgemüt fragte nach dem Zweck dessen, was

nie einen Zweck hatte, suchte Regel und Plan in dem, was planlos und

regellos entstanden war, wollte einheitliche schöpferische Ordnung in

dem Wirrwarr finden, der sich unbewußt gebildet hatte, wie er sich

bilden mußte nach den starren, toten Gesetzen von Urbeginn. Und gegen

den Kindersinn, der blindlings glaubt und mit ganzer Seele etwas

glaubend fassen will, drang der reifende Verstand des Jünglings an, der

Tatsachen und Beweise für den Glauben forderte. Es ist das ein schwerer

Kampf, der meist in stillen Nächten und verschwiegener Einsamkeit

durchgefochten, langsam heilende Wunden und dauernde Narben zurückläßt.

Glücklich, wer in diesen Tagen einen verständnisvollen Vater zur Seite

hat, der ihn unmerklich und dennoch sicher aus dem Wirrsal leitet.

Fritz Hellwig hatte solches Glück nicht. Sein Vater, ein

Volksschullehrer, war schon vor vielen Jahren gestorben, und unter

der ziellosen Leitung einer überzärtlichen Mutter, die den einzigen

Sohn beständig mit dem lauen Badewasser einer weichlichen Liebe

umplätscherte, wuchs er zum verschlossenen Träumer heran. Während

seine Altersgenossen Trapper und Indianer spielten, den Tomahawk

schwangen und an ihren Lagerfeuern gestohlene Erdäpfel brieten, lag er

im Heidekraut oder saß er in einer dämmrigen Zimmerecke und füllte die

Stube mit Traumgestalten, mit Feen, Zwergen und blonden Königstöchtern.

Deswegen litt er auch mehr als sonst einer darunter, als von der

flimmernden Märchenpracht Stück für Stück der trügerische Flitter

abfiel und der nüchternen, trostlos grauen Wirklichkeit Platz machen

mußte. Und als er mit den zunehmenden Jahren nicht mehr im unklaren

über seine Entstehung bleiben konnte und als er aus den unreif-rohen

Zoten der Mitschüler den Sachverhalt zu ahnen begann, kam ihm das wie

eine Entweihung seiner Mutter vor. Er schloß sich noch ängstlicher ab

und haderte mit der Welt und grollte seiner Mutter, weil sie ihm Lügen

vorgesagt, deren Verlust jetzt so weh tat. Aber mit niemandem sprach

er darüber, hatte keinen Vertrauten und war zu stolz und zu scheu, um

einen Menschen in seine Seele blicken zu lassen. Deswegen hielten ihn

viele für eigensinnig oder hochmütig. Die weinerliche Lehrerswitwe

aber, für die es seit dem frühen Tode ihres Mannes im Leben keine

ungetrübte Freude mehr gab, konnte nur zanken oder seufzend den Kopf

in die ausgearbeitete Küchenhand stützen, und ließ im übrigen ihren

dickschädeligen Jungen unbedingt gewähren.

Auch damals, als er ihr kurz eröffnete, daß er an den Sonntagen nicht

mehr in den Gottesdienst gehen werde. Erst schlug sie zwar die Hände

zusammen und wollte den Grund wissen und was Pater Romanus dazu sagen

werde. Denn sie war sehr fromm und fand den sanftesten Trost in der

frohen Aussicht auf eine Wiedervereinigung mit ihrem seligen Gatten,

indes die leiblichen Reste des unaufhörlich Betrauerten schon längst

in alle Winde verweht waren mit den kühlen weißen Blumenblättern

des Rosenstämmleins, das aus seinem Grabe Nahrung sog zu einem

gedeihlichen Wachstum und fröhlichen Blütentreiben. Daran dachte die

einfache Frau jedoch nicht. Sie glaubte nur den Worten der Sachwalter

Gottes auf Erden und hegte eine grenzenlose Verehrung eben für

jenen Jesuitenpriester Romanus, dem die jungen Seelen der Neuberger

Lateinschüler in Obsorge gegeben waren. Der war von knochiger Länge und

bleicher, fast krankhafter Gesichtsfarbe, aber seine wandlungsfähige

Stimme hatte einen tiefen Orgelklang, wie man ihn von solcher Stärke

in dem kaum gewölbten Brustkasten niemals vermutet hätte, und da er

überdies stets den richtigen Ton zu treffen wußte, ebenso sanft und

süß wie grimmig, hart und leidenschaftlich sein konnte, war es kein

Wunder, daß er als Kanzelredner starken Zulauf hatte. Auch war er zu

christlichem Beistand jederzeit gern erbötig, selbst wenn er nicht

darum angegangen wurde, war dann je nach Bedarf milde, salbungsvoll,

gütig, entrüstet oder ein zorniger Eiferer und hielt für schmerzhafte

Verletzungen und verwickelte Zustände der Seele erbauliche Worte

und heilsame Bibelsprüche bereit wie ein Apotheker seine Salben und

Pflaster, nur daß er seinen Kunden kein Geld, sondern lediglich

die Beichte abverlangte. Doch nahm er diese ins Ohr geflüsterten

Verfehlungen als vollgültiges Zahlungsmittel, und wenn es ihm gelungen

war, einen besonders feisten Sündenbraten aufzugabeln, dann saß er mit

niedergeschlagenen Augen und geneigtem Ohr ohne Regung im Beichtstuhl.

Nur seine Hände bewegten sich, als zählte er Sünde zu Sünde wie ein

Hausherr am Zinstag seine Taler.

Wie so manche Mutter oder Kostfrau der hoffnungsvollen Gymnasiasten

von Neuberg war auch Frau Hellwig eine eifrige Besucherin dieser

Offizin, weshalb sie ihren großen Jungen, der mir nichts, dir nichts

auf die Segnungen der Messe verzichten wollte, auch sofort an den

Religionsprofessor erinnerte. Fritz hatte jedoch auf diese Erinnerung

und auf alle ihre Fragen und Vorstellungen diesmal nur die trotzige

Antwort, er gehe nicht. Denn er scheute sich, die gottesfürchtige Frau

in ihren teuersten Empfindungen zu verletzen mit dem Bekenntnis, daß

er den Glauben verloren habe. Für eine Mutter ihres Schlages konnte es

ja kein größeres Unglück geben als ein gott- und glaubenloses Kind.

Sie ahnte freilich den eigentlichen Beweggrund. Aber viel zu wehleidig,

sich ihn einzugestehen, fand sie sich mit dem spiegelfechterischen

Gedanken ab, daß ihr Trotzkopf von Sohn nur irgendwie gegen den

Religionslehrer aufmucken wollte. So trieb sie’s wie der Vogel Strauß

und war leidlich beruhigt dabei.

Aus dem eigenmächtigen Fernbleiben von den religiösen Übungen

erwuchsen Hellwig übrigens fürs erste keinerlei Verdrießlichkeiten.

Denn Pater Romanus übte in den oberen Klassen keine Überwachung

durch Namenaufruf, sondern fragte lediglich ein paarmal im Jahre

seine Schüler, ob sie auch stets der Sonntagsmesse beiwohnten. Wer

gefehlt habe, solle sich melden. Durch dieses Vorgehen wollte er

dartun, daß keine Spur von Mißtrauen gegen die Wahrheitsliebe seiner

Zöglinge in ihm sei. Doch hatte er eine eigene Überwachung auch gar

nicht nötig, da seine zahlreichen Verehrerinnen eine solche aufs

trefflichste besorgten, indem sie bald klagend bald Hilfe heischend

ihren Beichtiger hinsichtlich des Verhaltens seiner Schüler fortwährend

auf dem laufenden hielten. Das wußten die schlauen Jungen ganz gut und

hüteten sich, ohne triftigen Entschuldigungsgrund eine vorgeschriebene

Andachtsübung zu versäumen. Auf Hellwig, dessen Mutter mindestens

einmal im Monat beichten ging, hatte Pater Romanus schon längst ein

scharfes Auge, weil hier wieder einmal ein Schäflein vom rechten Weg

abirren wollte. Aber er hielt die Zeit seines Einschreitens noch nicht

für gekommen.

Die übrigen Professoren, außer einem, hatten den stillen Jüngling gern,

der stets aufmerksam und in sich gekehrt dasaß, keinen Sittenpunkt

in ihren Katalogen aufwies und mit zähem Fleiß seinen Platz unter

den mittelmäßigen Schülern behauptete. Sie schätzten seine gründliche

Arbeit, und sogar dem Klassenersten Otto Pichler wurde er manchmal als

Muster hingestellt.

Der war das gerade Gegenteil von Hellwig, lachte sich, ein kecker

Draufgänger, in alle Herzen hinein, stieg unverfroren den Backfischen

nach und rauchte heimlich seine Pfeife. Er lernte leicht und mühelos,

war ein ebenso guter Turner wie Rechner, Schlittschuhläufer wie

Lateiner und hielt sich, über alle Tiefen wegtänzelnd, mit prächtigem

Leichtsinn immer an der Oberfläche des Lebens. Seine Mitschüler

räumten ihm wie selbstverständlich eine führende Stellung ein, für

die kleineren Studenten war er ein bewunderter Halbgott und in dem

unschuldigen Tagebuch mancher Fünfzehnjährigen prangte sein Name

als der des endlich gefundenen Ideals. Seine frischroten Wangen

und der anziehende Gegensatz, in dem die lustigen Blauaugen zu den

dunkelbraunen Locken standen, konnten hier unmöglich ihre Wirkung

verfehlen.

Nur Fritz kümmerte sich nicht um ihn, wie er sich überhaupt um

niemanden scherte. Aber gerade dieses verschlossene Wesen reizte den

sieggewohnten Pichler, auf dessen Freundschaft viele stolz waren, und

in mannigfacher Weise suchte er, sich ihm zu nähern.

Da sah er eines Tages -- eine sehr langweilige Unterrichtsstunde war

eben zu Ende --, wie Hellwig das Lesebuch, das er in seiner Freude

über die Erlösung ungestüm zugeklappt hatte, hastig wieder öffnete

und trübselig einen schmierigen Fleck auf den bedruckten Blättern

betrachtete. Neugierig blickte Otto ebenfalls hin und erkannte deutlich

die Überreste einer Fliege, die sich auf irgendeine Weise in das

Buch verirrt und durch das Zuschlagen den Tod gefunden hatte. Fritz

aber zog mit dem Bleistift einen Kreis um die schmutzige Stelle und

schrieb darunter: ‚Zur Erinnerung! Hier habe ich ohne Absicht ein Leben

vernichtet.‘

Pichler war mit seinem Spott sonst gleich bei der Hand. Aber während er

diesem Treiben zusah, kam ihm zugleich mit einer an Rührung streifenden

Gemütsbewegung heftiger als je der Wunsch, Fritz zum Freund zu gewinnen.

An diesem Nachmittage folgte er ihm daher heimlich und fand ihn in der

Erikaeinsamkeit. Mit einer sonderbaren Frage weckte er den Träumer aus

seiner Versunkenheit.

„Hellwig, tut dir nicht auch die schöne Erika leid?“ fragte er.

Der Angeredete schrak zusammen, sprang auf und blickte den als Spötter

bekannten Pichler unsicher an.

„Ist es denn nicht auch Unrecht, Pflanzen zu zerquetschen?“ fuhr dieser

fort.

Eine jähe Röte färbte Hellwigs Wangen. Ganz verlegen stand er da und

fürchtete das Ausgelachtwerden. Als Pichler jedoch ernst blieb und ihm

mit einem herzlichen Blick die Hand entgegenstreckte, schlug er zögernd

ein.

Auf solche Weise erreichte der braunlockige Schwerenöter seine

Absicht und kam in ein engeres Verhältnis zu Fritz. Es hatte

sogar den Anschein, als könnte sich dieses zu einer regelrechten

Jugendfreundschaft entwickeln. So gut schienen die Auffassungen

der beiden zusammenzustimmen. Im letzten Grunde hatte indes

Otto selbständige Ansichten überhaupt nicht. Um sich zu solchen

durchzuringen, war er viel zu bequem und viel zu seicht. Sein

ungemein geschmeidiger Geist ermöglichte es ihm jedoch, sich überall

zurechtzufinden und fremde Meinungen skrupellos zu den seinen zu

machen, insofern dieselben für ihn neu oder überraschend und geeignet

waren, ihren Verfechter in ein auffallendes Licht zu rücken.

Für Hellwigs Entschluß, den Religionsübungen fern zu bleiben, war

er sogleich Feuer und Flamme. Als dieser ihm zu bedenken gab, daß

er selbstverständlich auch alle Folgen tragen und sich insbesondere

bei der nächsten Umfrage des Paters Romanus freiwillig melden müßte,

stutzte er zwar einen Augenblick, fand aber dann diesen Gedanken

großartig und schwor, daß er durch dick und dünn mithalten werde.

Aber Freunde müßten sie werden, denn Arm in Arm mit Hellwig fordere

er sein Jahrhundert in die Schranken. Bei diesen Worten warf er sich

leidenschaftlich an die Brust des Kameraden, und sie gelobten einander

mit Handschlag, nie zu lügen.

Seither unternahmen sie gemeinsame Spaziergänge oder kamen bei

schlechtem Wetter in Hellwigs Zimmer zusammen. Dieses war zugleich

die gute Stube der Lehrerswitwe, die darin ihre besten Möbelstücke

aufgestellt hatte: einen Glaskasten, angefüllt mit goldbemalten

Porzellantassen, Tellern, Zinnkrügen und einem Kruzifix unter gläserner

Glocke, eine vielfächerige Kommode, einen eirunden Salontisch sowie

sechs Polsterstühle, die unter ihren weißen Leinenschutzhüllen aussahen

wie kopflose Damen in Frisiermänteln. In diesem Durcheinander, das

jedoch von den reinlichen Fenstervorhängen, den geflickten Tischläufern

und den gehäkelten Deckchen bis hinab zum Fußboden peinlich sauber

gehalten war, konnten die beiden Jünglinge ungestört ihre Meinungen

austauschen. Denn Frau Hellwig hielt sich gewöhnlich in der Küche

auf, wo sie auch schlief, und erschien nur im Zimmer, um eine Kanne

Kaffee nebst einem Scheiterhaufen von Butterbroten oder Kuchenstücken

hereinzubringen. Dann blieb sie ein Weilchen, lächelte gutmütig zu

Ottos Witzen und lobte ihn, daß er ihrem Traumhans von Jungen den

Hang zum Alleinsein ausgetrieben habe. Dafür erwies sie sich auch

dankbar, und seit sie erfahren hatte, daß Otto der Sohn eines mit acht

Kindern gesegneten Dorfküsters und arm wie eine Maus in dessen Kirche

sei, konnte sie’s nicht unterlassen, ihm beim Weggehen jedesmal etwas

zuzustecken, Kuchen, Äpfel oder ein Stück vom Sonntagsbraten, obwohl

sie’s wirklich nicht zum Hinauswerfen hatte. Sie mußte im Gegenteil

trotz einem Kalkulator rechnen und einteilen, um ihrem Sohne nebst

einer anständigen Lebensführung das Studieren zu ermöglichen. Aber sie

war glücklich, wenn sie jemanden bemuttern konnte, und sagte Pichlern

auch, er solle ihr nur seine schmutzige Wäsche bringen, sie werde sie

ihm rein machen, bügeln und flicken, das gehe mit der ihres Jungen in

einem hin.

„Deine Alte ist wirklich ideal!“ versicherte Otto des öftern,

während sie vor den dampfenden Tassen saßen und die Abtragung des

Scheiterhaufens in Angriff nahmen. Dann kamen sie wieder ins Reden

und ereiferten sich mit glühenden Köpfen und vollen Backen über

Philosophie, Religion und Volkserziehung, während sie die Hände

unablässig nach den gefüllten Tellern streckten, bis der letzte Bissen

vertilgt war. --

Da geschah es, daß Pater Romanus in der obersten Klasse wieder einmal

die bereits seit längerer Zeit erwartete Frage stellte: Ob jemand in

den letzten Monaten die Messe versäumt habe?

Wie der Krampus aus der Schachtel schnellte Fritz von seinem Sitze

auf, stand kerzengerade und schaute dem Professor freimütig ins Auge.

Zögernd erhob sich auch Pichler. Aber er ließ schuldbewußt den Kopf

hängen.

„So, so, der Beste und der Fleißigste aus der Klasse!“ lächelte der

Pater und forschte leutselig nach dem Grund.

„Ich bin freiwillig weggeblieben!“ sagte Hellwig mit fester Stimme.

Seine Augen glänzten wie Stahl, die Nasenflügel bebten.

„Und wie oft, mein liebes Kind?“ fragte der Priester sehr sanft.

„Seit zwei Monaten jeden Sonntag. Ich hab’ es nicht gezählt!“

„Aber Hellwig, was soll das heißen? Wie können Sie das rechtfertigen?“

„Ich habe keine Entschuldigung, Herr Professor. Ich bin nur so nicht

hingegangen!“

„Kind!“ Beschwörend streckte Romanus die Arme aus, als wollte er die

Worte nicht an sich heran kommen lassen.

Mäuschenstill war es in der Klasse. Die Oktavaner in den Bänken hielten

den Atem an und starrten mit ängstlicher Bewunderung auf den stillen,

sonst so wenig beachteten Kameraden und wunderten sich, wie der

Duckmäuser gegen den gefürchteten Lehrer aufzutreten wagte.

Pater Romanus hatte das auch nicht erwartet. Er wußte nicht recht, wie

er sich dazu verhalten sollte. Um Zeit zur Überlegung zu gewinnen,

richtete er seine Augen langsam auf Otto, betrachtete ernst und prüfend

dessen gesenktes Haupt und fragte schärfer:

„Und was ist mit Ihnen, Pichler?“

„Ich ...,“ stammelte der und stockte gleich.

„Wie oft haben _Sie_ gefehlt?“

Otto warf einen scheuen Blick auf die gefurchte Stirn des Lehrers und

sah schnell wieder zu Boden. Sein ganzer Mut hatte ihn verlassen.

„Einmal ...,“ stotterte er zerknirscht.

„Otto!“ raunte ihm Hellwig verwundert zu.

Aber die eindringliche Stimme des Priesters forschte weiter: „Und

warum, liebes Kind?“

Der Volksbeglücker · 第 11 / 35 题