Ginstermann erwiderte: »Sie haben recht, wozu auch immer schwätzen.«

»Ich höre Sie gerne erzählen, aber so bittere Geschichten machen mir keine

Freude. Und von solchen Leuten --«

»Nein, sagen Sie nichts über diese Leute, Sie sollten sie kennen. Später da

dichtete ich ihnen Lieder. Revolutionäre, sehnsüchtige. O, Sie hätten sie

sehen und hören müssen, wenn sie sangen. Eine Seele waren sie, ein Haß,

eine Klage. Es war, um in den Wald zu gehen und zu weinen.«

Er lächelte und fuhr in anderem Tone fort: »Nun habe ich noch eine

Geschichte für Sie gefunden. Das war in Ungarn. Ich schrieb da in einem

kleinen Bureau. Da lernte ich ein Mädchen kennen. Sie hatte so gute Augen,

daß ich es wagte, sie anzusprechen, als es niemand bemerken konnte. Dann

mußte ich fort und sie erlaubte mir an dem und dem Tage an das Gitter ihres

Gartens zu kommen, um ihr Adieu zu sagen. Ich kam. Es war bitter kalt. Sie

hatte noch zwei Schwestern dabei, die ihr so ähnlich sahen, daß man sie für

Abzüge einer gleichen photographischen Platte hätte halten mögen. Sie gab

mir die Hand zum Gitter heraus. Dann ging sie zu den Schwestern zurück. Sie

standen in einer Reihe auf einem Hügel. Und plötzlich zogen sie etwas aus

der Tasche und drei goldene Bälle flogen durch die Luft. Orangen. Sie taten

es mit der gleichen Bewegung und riefen dabei ein und dasselbe ungarische

Wort. Ich verstand es nicht. Ich habe es auch vergessen und nur, wenn ich

sehr heiter bin, so klingt es mir in den Ohren. Dieses ist mein schönstes

Erlebnis.«

Fräulein Schuhmacher lächelte. »Es ist schön, so wie Sie es erlebten,«

sagte sie. »Vielleicht finden Sie noch eines?«

»Nein, nein. Es ist genug. Wieviel habe ich heute nur gesprochen. Ich

sprach in drei Jahren nicht soviel. Tatsache. Und das ist nicht richtig.

Wir sollten stumm gehen und lauschen und sehen, sehen und lauschen, und uns

über das herrliche Dasein freuen.«

»Finden Sie es so herrlich?«

»O ja, sehr.«

Yester und Li: Die Geschichte einer Sehnsucht · 第 22 / 62 题