Der Jubel und Atem des Werdens. --

Ja -- und auch sie will ihren großen Frühling haben!

Und mit ausgebreiteten Armen kniet sie leidenschaftlich, trotzig,

verzweifelt.

Mit dem jungen Laubatem, der zur offnen Thür hereinquoll, kam die heiße,

seelenüberquellende Sehnsucht nach einem Kinde über sie mit

Frühlingsgewalt.

Sie sehnte sich nach Leben von ihrem Leben, nach dem süßen Körper von

ihrem Körper -- nach dem Ende der großen Einsamkeit, nach dem Wesen von

ihrem Wesen, nach der Verkörperung einer großen Liebe, nach einer so

all-einigen Liebe, so eng aneinandergedrängt, so trostreich -- so

zwei-eins wie Mutter und Kind sind.

Und da war es ihr, als wenn sie sich ganz in Frühlingsthränen auflöste;

hingestreckt auf den Teppich, das Gesicht in die Hände vergraben, weinte

sie. Und sie wußte von sich nichts mehr, als daß sie weinte -- weinte --

weinte, wie bewußtlos weinte.

Das war ein warmer Regen sondergleichen, der von der Seele barmherzig

alles fortspülen und forttauen wollte, ein so junger, mächtiger Regen,

der alles verschleiert.

Da war es ihr -- o Wunder, als legten sich zwei trostreiche Arme um

ihren bebenden Körper.

Wie denn? Was denn?

Herr Gott! Wer auf der Welt! Wen hatte sie? Wer kam da? Wer war da? --

-- Ohne Schritte?

Ein Entsetzen durchrann sie.

Ein Schrei stockte ihr in der Kehle.

Ein Schwindeln des Bewußtseins. -- Schwindel.

Noch lag sie wie gelähmt, ohne sich regen zu können, das Gesicht in die

Hände vergraben. Da fühlte sie sich berührt, so wild, so

leidenschaftlich, so brutal, und jetzt riß es sie in die Höhe.

»Isolde!« Eine, erregte Stimme -- die sie schon einmal gehört hatte --

schon einmal.

Stumm, mit fliegendem Atem, außer sich rang sie mit Henry Mengersen,

Auge in Auge, Körper an Körper -- wie ineinander verschmelzend.

Waren das Henry Mengersens kühle Augen? diese gierigen Raubtierblicke?

War er irre?

»Isolde, armes, schönes Ding!« keuchte er. »Ich weiß, nach was dich

verlangt.

Ein hysterischer, kleiner Anfall -- was? Sind wir so weit?

Das ist kein Leben, wie du es führst, so ein Rassetier wie du bist.

Damals -- ließ ich dich gehn. -- Verzeih! Welch ein Narr ich war!

Herr Gott, was bist du gegen diese Hühner um mich her?

Du Dämon, du kühler, brennender!

Du verstehst dich darauf, Feuer zu schüren, du, mit deinem göttlichen

Körper!«

Er hielt sie an sich gedrückt -- brutal, heftig, wie ein Opfer.

»Und du liebst mich noch! -- Du wirst mich lieben. Du wirst alles

genießen, alle Zärtlichkeit der Welt.

Was für ein Leben führst du denn, das dich so auf die Erde wirft, wie

eine Bacchantin und gekreuzigt stehen läßt, wie eine Märtyrerin du

dummes Schätzchen!«

Er drang auf sie ein, unwiderstehlich durch Entsetzen ihre Kräfte

lähmend.

»Weißt du auch, was dein Haß bedeutet -- weißt du's? Du? Du -- du? Du

Märtyrerin, sehnsuchtsvolle, du hast geschmachtet! Geschmachtet!

Geschmachtet -- und dich selbst betrogen. Du haßt mich, weil ich dich

gehen ließ damals, weil ich auf deine Künste nicht hereinfiel -- tolles

Geschöpf.«

Mit einem wilden Ruck hatte Isolde sich ihm entwunden, war auf etwas

losgestürzt. »Wie einen Hund!« schrie sie.

Halbtier: Roman · 第 50 / 54 题