Sie verstehen?«

»^A la bonheur!^« sagte Henry Mengersen. »O, liebe Mistreß Wendland.«

>Sonderbar, Frauen kennen einander nie<, denkt er, >haben nicht das

geringste Urteil, wenn es sich um eine ihres Geschlechts handelt<.

»Also Fräulein Isolde ist so außerordentlich herb?« fragt er belustigt.

»Und rein, wie eine junge Quelle,« sagt Mrs. Wendland.

»Wir können über das alles reden; Sie werden sich in Isolde nicht

verlieben. Sie ist arm, Sie wissen und aus einem anständigen Haus. Sie

werden Sie so wenig heiraten, wie ich den Baron.

Was soll ich mit dem fremden Mann in mein Haus?

Und so ist mit Isolde, was sollen Sie mit das kleine Mädchen? Sie wär

auf alle Fälle schade vor Sie.

Was werden Sie einmal Ihrer Frau geben?

Vom ganzen Souper haben Sie nur noch den Dessert.

Bei Ihnen möchte ich nicht oft soupieren, Henry.

Und ob der Dessert gut geraten ist?

Doch bei einem Halb-Deutschen -- sehr fraglich.

Ich hab etwas von Ihr Dessert gekostet -- damals war es ganz gut -- aber

kein Meisterwerk; aber auch von Ihr Dessert haben seitdem viele

gegessen.«

So sprach Mrs. Wendland zu Henry Mengersen, der einmal wie berauscht von

ihr gewesen war, in einer Zeit, in der sie sich beide geliebt hatten.

Ja, sie war souverain.

Und das mochte es sein, was ihn noch immer an sie kettete?

Sie war so überraschend.

Ein für ihn bequemerer Übergang von Liebe zu Freundschaft ließ sich

nicht denken.

Sie hatte ihn geleitet, wie mit Feenhänden.

Ja, er mußte es sich selbst sagen: dieser Übergang gehörte zu seinen

angenehmsten Erfahrungen. Er wünschte allen Frauen, daß sie dies so

vorzüglich verstehen möchten. Und heute sagte er irgend etwas Derartiges

zu Mrs. Wendland und führte ihre gepflegte zarte Hand an seine Lippen.

Sie lächelte gedankenvoll.

»Ja, es war Ihnen sehr bequem, Henry, und deshalb lassen Sie es gelten.

Aber daß ich eine große Künstlerin bin, verstehen Sie nicht. Dazu sind

Sie zu philiströs. An eurer Kunst hängt ein großes Stück Philistertum.

Es muß alles gezahlt werden mit Gold und Diplomen und so weiter. -- --

Doch, lassen wir das!«

»Ewig schade, daß Sie ein Weib geworden sind, Mary!«

Henry Mengersen schnippte die Asche von seiner Cigarette mit dem kleinen

Finger über die Balustrade.

»Du weißt wohl nicht, mein Freund, wie grob du bist?« entgegnete sie

liebenswürdig. »Jeder Geist an einem Weib ist Verschwendung! Es ist was

ich sage: Ihr habt die deutschen Frauen zu Kühen gemacht. Eine Kuh

bekommt ihr Junges ohne Geist und ist dazu ein sehr nützliches Tier.

Halbtier: Roman · 第 20 / 54 题