Doktor Frey seufzte tief auf und rieb sich die Nase.
»So kommt einer nach Hause!«
Mama maß ihn wieder mit demselben sachkundigen Blick.
Frau Doktor Frey hatte sich angewöhnt, auf das, was ihr Mann zwischen
zwei und drei und vier Uhr nachts aussprach, nicht besonders zu achten.
Sie goß jetzt den Kaffee über. Es duftete anregend und appetitlich.
»So komm, trink jetzt,« sagte sie, stellte Kännchen, Tasse und
Zuckerdose auf ein Tablette und ging ihrem Gatten damit voraus.
Ihre Handlungsweise war die einer Person, die ihrer Natur und der
Erfahrung nach durchaus so handeln muß, wie sie handelt.
Es gab da keinen Ausweg mehr. Aber Doktor Frey mochte heute
außerordentlich aufgebracht und unangenehm berührt sein.
Er schlug die Küchenthür Mama vor der Nase zu, daß es durchs Haus
dröhnte.
Sie beachtete es nicht, öffnete, als wäre nichts geschehen, die Thüre
wieder, trat gleich hinter ihm drein ins Arbeitszimmer und goß ihm den
Kaffee ein.
»Trink nun,« sagte sie noch einmal.
»Weißt du, laß dich wenden!« schrie er, »an dem Muster hätt' ich mich
endlich satt gesehn!«
Von zwei bis vier Uhr nachts aber war sie undurchdringlich,
unbezwinglich, unverletzbar, zu seinem allergrößten Ärger.
Er wußte sich nichts Schlimmeres, denn in dieser Stunde war sie ihm
über. Was hatte er ihr in den letzten Jahren in diesen späten Stunden
nicht alles angethan! -- nicht alles gesagt -- und hatte doch die Fessel
nicht abschütteln können.
Wie eine Zwangsjacke empfand er sie, eine elende verächtliche Jacke --
aber er konnte sich doch nicht bewegen, wie er wollte.
Sie hatte sich selbst so ganz verloren, daß sie an sich nichts mehr zu
schützen und zu wahren fand. Es war da nichts Heiliges mehr. Und darin
lag ihre Kraft und ihre Macht.
Nur auf eins hielt sie. Die Mädchen durften zu dieser Stunde dem Vater
nicht vor die Augen kommen.
Aber heute war er auf die Bamsen ganz versessen.
»Sapperlot,« rief er mit einem Mal mächtig, »wenn der Vater acht Täg'
net daheim war, wer hat das Recht ihm seine Bamsen vorzuenthalten?«