Hoch aufgerichtet stand er wie ein Streiter Gottes, die Brust
geschwellt, die Augen mit Mannesmut auf seine Frau gerichtet.
Ein ganz klein wenig hielt er sich am Thürpfosten.
Er hatte heut etwas mehr, als die gewöhnliche Bettschwere, mit
heimgebracht -- etwas mächtig Heiteres.
Unmöglich konnte er sich so zur Ruhe legen, denn er kam von seinem
eigenen Triumphzug. Es war ihm vortrefflich ergangen.
Marie und Isolde traten ein, trugen auch, wie die Mutter, Flanellröcke
und Nachtjäckchen.
»Ah! Spießbürger!« rief Doktor Frey. »Ist das 'ne Zucht! So wie die
Alten sungen, zwitschern die Jungen.
Déesse! daß i net lach! In a Nachtjacken un' Flanellhansel! Schamt's
euch net, Bamsen?«
Die Mädchen sahen verdutzt und verlegen auf ihren Vater.
Sie waren trotz ihrer spießbürgerlichen Morgentoilette herrlich anzusehn
in ihrer scheuen Jugendlichkeit, die kleinen rosigen Häupter mit den
köstlichen lockigen Haarschöpfen, die eine dunkel, die andre goldig
leuchtend, und die jungen vollen Glieder, in weicher Schläfrigkeit.
Mit ihnen schien ein süßer Jugendduft ins Zimmer gekommen zu sein, als
wären sie aus einem wundervollen Sommergarten, in dem die Linden,
Reseden, Levkojen und Lilien in voller Blüte stehen, hier eingetreten,
und hätten einen Hauch dieser Wohlgerüche mitgebracht.
Der Anblick seiner prächtigen Mädchen wirkte auf den Vater unbedingt
besänftigend.
»Bamsen!« rief er, er hatte sich jetzt an das Fenster zurückgezogen und
hielt sich ein wenig an's Fensterbrett gestützt.
»Bamsen, ich bring' euch was mit heim. Freut euch, Mädels!«
Noch nie hatten die Mädchen ihre Mutter gesehn wie eben jetzt -- so alt
-- so müde -- so gleichgültig.
Ihr war soeben ihr letztes Privilegium genommen.
Bisher hatte er noch nie gewagt die Mädchen wirklich zu rufen. Ein Blick
von ihr hatte immer in diesem einen Fall genügt, ein »Bst«.
>Ah so die schlafen, die Bamsen.<
Sie hatte die Mädchen vor diesen nächtlichen Eindrücken behüten wollen,
für immer.
Nun war es geschehn.
Und was war denn geschehn? Er erzählte ihnen harmlos von einer schönen
Frau, die am Starnbergersee wohnt, und deren Gast er jetzt drei Tage
gewesen. Einer der Berliner Schriftsteller hatte ihn dort eingeführt.
»Und euch hat sie eingeladen. He? Was? Na, was sagt ihr?