199 Jang (njang) di Pertuan: "Er, der herrscht". Wenn ich mich
nicht irre, ist auf ganz Sumatra nur ein Häuptling, der diesen
Titel trägt. Tuankus (myn-heer, mon-seigneur) giebt es viele. Beide
Benennungen sind malayisch--die letzte Silbe des Wortes Tuanku kommt
mir gar javanisch vor--und da der Jang di Pertuan ganz speziell der
vornehmste Häuptling in den Battahlanden ist, so scheint diese Würde
ursprünglich durch malayische Unterjocher eingeführt zu sein. Die
Wurzel der Benennungen von autochthonen Würden und Titeln müssen stets
in der ältesten Sprache des Landes gesucht werden. Sie sind nur von
verhältnismässig jüngerem Ursprung als die unwillkürlichen Laute, die
durch äussere Ursachen Lunge und Kehle entfahren, als die vielerlei
Benennungen für "Wasser", als die Andeutung von Terrainbesonderheiten
oder Naturerscheinungen, und als die allgemeine Klangnachbildung.
201 Padries: wir nannten so die Atjinesen, die damals kurz vorher
die Battahlande zum Islam bekehrt hatten. Das Wort muss wohl Pedirees
bedeuten, nach Pedir, einem der kleinen Staaten von Atjin. Auch das
Wort 'Atjin' ist eine durch Sprachgebrauch allgemein angenommene
Entartung. Aus 'Atjeh' machten wir 'Atjehnese' oder 'Atjinese',
wodurch das Grundwort selbst in 'Atjin' sich veränderte. Litterarischer
Purismus ist hier nicht angebracht.
Die Beweise für den im Text berührten Fanatismus laufen übrigens ins
Unglaubliche. Gleichwohl muss man zugeben, dass die Einführung des
Islam--der zugleich Vermehrung des Salzgebrauchs zur Folge hatte--dem
Menschenfressen grossen Abbruch gethan hat. Dass diese Gewohnheit
in der Gegend von Penjabungan--dem Zentrum unserer Herrschaft in den
Battahlanden--noch zur Zeit bestanden haben soll, als Ida Pfeifer diese
Gegenden besuchte (1844? 1845?), halte ich für eine Lüge. Sie knüpft
an das Erlebnis, das sie in dieser Sache gehabt zu haben behauptet,
eine Anekdote, die den Stempel der Unwahrheit an der Stirn trägt. Man
habe sie geschont, erzählt sie, wegen der Spasshaftigkeit ihrer
Bemerkung: sie sei "eine bejahrte Frau und deshalb zu zäh". Als sie,
einige Jahre nach mir, mit Battahleuten in Berührung kam, war die
Anthropophagie in diesen Gegenden ausgerottet, und zwar durch den
Einfluss derselben Völker, die wir jetzt im Namen der Civilisation
bekriegen. Wann und wo hat Niederland je mit seiner Religion und mit
seinen Waffen wie in diesem Fall sozusagen im Umsehen einen ganzen
Volksstamm von Kannibalen zu ruhigen Menschen gemacht?
204 sewah: die Waffe der Bewohner Sumatras, wie auf Java der kris. Der
sewah ist ein krummer Dolch mit sehr kleinem Griff, die Schneide an
der Binnenseite der Krümmung. Die ursprüngliche Absicht bei dieser
Formgebung wird wohl gewesen sein, dass der Griff vollkommen in der
Hand verborgen werden kann, während der sehr stumpfe Rücken gegen
den Puls anliegt und so die Waffe durch den Arm verdeckt wird. Der
Angefallene merkt also nicht eher, dass sein Gegner bewaffnet ist,
als bis dieser--nach einer eigenartigen, behenden Bewegung von Puls und
Arm in drei Tempis--ihn trifft. Ganz abgesehen von dieser Geeignetheit
als Mordwerkzeug ist der sewah das symbolische Merkmal der Freiheit
und Männlichkeit. Wer ein malayisches Haupt gefangen nimmt--wie es
unter den auf S. 205 beschriebenen Umständen meine verdriessliche
Aufgabe war--fordert ihm seinen sewah ab.
Eine andere Waffe auf Sumatra, die anderswo wohl nicht bekannt ist,
heisst krambièh und dient ausschliesslich als Mordwaffe. Sie ist
kleiner und noch viel krummer als der sewah. Der Griff besteht aus
nicht viel mehr als einer ringförmigen Öffnung, in die der Mörder
seinen Daumen steckt, während die Klinge ganz in oder hinter der Hand
verborgen bleibt.
226 tikar: kleine Matte. Die Benutzung von fein geflochtenen Matten
auf den Bettmatratzen ist in Indien ziemlich allgemein, und wird,
weil sie kühl bleiben, für gesund gehalten. Die Herstellung dieser
Matten und anderen Flechtwerks bildet eine nicht unwichtige Industrie,
in der sich vor allem die Makassaren auszeichnen.