66 sarong: das auf Java allgemein getragene Gewand. Siehe genaueres
über die Indische Kleidung unter sarong in den Erläuterungen zu
Kap. XVII.
66 sirie, pinang, gambier: die Bestandteile, die zusammen mit Tabak und
Kalk den für den Javanen unentbehrlichen Betel-Kautabak bilden. Auch
die Frauen sind fast ohne Ausnahme dem Betelgenuss ergeben. Der
braune Saft des Tabaks, noch etwas mehr rot gefärbt durch die gambier,
färbt aller Lippen und Zähne. Schön steht dies gerade nicht, doch für
sehr mundsäubernd wird das Betelkauen gehalten. Der Genuss von sirie
mit seinen Zuthaten ist so verbreitet, dass der europäische Begriff
"Trinkgeld" durch das Wort wang sirih, d. h. Siriegeld, ausgedrückt
wird.--Die sirie ist das Blatt eines Rankengewächses, das nicht viel
stärker ist als unsere Erbse und dem Pfefferbaum so ähnlich ist,
dass der Uneingeweihte diese beiden Gewächse schwer unterscheidet. Es
ist verwunderlich, dass man die sirie so wenig in der Zahnheilkunde
anwendet, da sie doch eine säubernde, zusammenziehende Wirkung übt und
der Geschmack nicht unangenehm ist. Die gambier hat, wie es scheint,
eine Bedeutung erlangt in der Arzneibereitungslehre, von der pinang
oder areka weiss ich nichts Sicheres hieraufbezüglich anzugeben. Die
pinang oder areka ist eine Nuss, ähnlich einer Muskatnuss. Doch der
Baum, auf dem sie wächst, ist eine Palmenart.
66 slamat: Gruss, und in diesem Fall das sehr eigenartige
Kompliment--Zusammenfaltung--das in dem Text beschrieben wird. Frage:
besteht ein Zusammenhang zwischen dem malayischen slamat, selamat
und dem Wörtchen Sela, das so oft in den Psalmen vorkommt? Man
weiss, dass nach den Riten des Orients gottesdienstliche Übungen
bestehen aus Gebeten und Gesängen, mehrfach unterbrochen durch
vielerlei Geberden und Komplimente im ursprünglichen Sinne des
thatsächlichen Zusammenklappens, des Sich-Zusammenfaltens. So
etwas geschah vielleicht auch beim Vortragen der Psalmen, und diese
Vermutung wird verstärkt durch die Beachtung der vermutlich näheren
Bedeutung des Wortes slamat oder selamat. In Zusammenhang gebracht
mit Slam oder Islam--durch Buchstabenversetzung verwandt mit mosl,
muzl = Muselmann--würde vielleicht als ursprünglicher Sinn sich
herausstellen: der feierliche, ceremonielle oder rituelle Gruss, und
das würde vollkommen der Bedeutung entsprechen, die das Wort Sela in
den Psalmen füglich gehabt haben kann. Doch will ich einer anderen
Belehrung gern zugänglich sein.
68 kidang: eine Art Hirsch mittlerer Grösse. Viel kleiner, nicht
grösser wie ein mittelmässiger Hund, sind die kandjiels, Hirschchen,
die sich durch ausserordentliche Behendigkeit und durch Lieblichkeit
auszeichnen. Man behauptet, dass sie im Zustande der Gefangenschaft
nicht am Leben erhalten werden können. Der kidang jedoch scheint,
ebenso wie die meisten Arten unserer Hirsche, sich leicht anzupassen.
71 tudung: die in Form einer grossen, runden Schüssel geflochtene
Kopfbedeckung der Javanen; der Tudung schützt sowohl vor Sonne wie
vor Regen, vor dem der Inländer eine lächerliche Furcht hat. Man hat
in Europa schon Gartenhüte gehabt, die den Tudungs ähnlich sind.
76 Melattiblume: die melatti ist ein kleines weisses Blümchen mit
starkem Jasmingeruch; es spielt, wie bei uns die Rose, eine grosse
Rolle in Balladen, Sagen und Legenden.
76 kondeh: das auf dem Hinterhaupt zu einem Wulst vereinigte Haar, das
jedoch niemals durch ein besonderes Band zusammengehalten wird, sondern
stets durch eine Schlinge vom Haar selbst seinen Halt gewinnt. Der
Kondeh ist auch niemals 'chignon', sondern stets echtes Haar.