Er nickte.
»Sie sind der einzige, dem ich dies Geheimnis anzuvertrauen das Recht
habe,« fuhr sie fort, »aber es hat eine Klausel. Vielleicht ist sie
schon morgen hinfällig!«
Wieder sah sie hinaus, als müsse der Himmel ihr die Antwort sagen.
Dann redeten sie von der Bundesarbeit. Neben viel Anfeindung war
ein frischer fröhlicher Fortgang der großen Sache zu verzeichnen.
Mit Freuden empfand es die Greisin; der rechte Mann war gefunden,
einer, der nicht rechts noch links schaute und sich nicht um die
unvermeidlichen Nörgler und Spötter kümmerte. Wie die Verkörperung des
schönen Geibelschen Wortes kam er ihr vor:
›Wer da fährt nach großem Ziel,
Muß am Steuer ruhig sitzen,
Unbekümmert, ob am Kiel
Lob und Tadel hoch aufspritzen!‹
Sein Werdegang war ein Wunder. Denn von ungefähr war's nicht, daß Gott
der Herr dem Irrlehrer seine Damaskusstunde schenkte und ihn zum Zeugen
der Wahrheit berief! Wie Sonnenglanz lag's auf dem Lebenswege, der
durch soviel Dunkel geführt. -- --
Im Fluge verging die kurze Stunde. Erstaunt blickte Exzellenz von
Kambach auf, als Jutta zum Essen erschien.
Nach dem Kaffee, der gleich nach Tisch eingenommen wurde, brachen die
Verlobten auf, um dem Kambacher Geistlichen, Wendlers Nachfolger, der
sie trauen sollte, einen Besuch zu machen.
Frau von Kambach warnte zwar vor dem Wetter, aber Jutta erklärte,
morgen sei keine Zeit, und Sturm seien sie beide gewohnt. Dann setzte
sie alles zum Nachmittagstee für die alte Dame zurecht.
Wendler sah auf die Uhr. »Vor halb sieben werden wir kaum zurück sein
können! Ist das nicht zu spät, Jutta?«
Fräulein Eichel blickte fragend auf die Hausfrau.