»Warum nicht?«
Seine kurze soldatische Art hatte, so sehr sie ihn liebte, von jeher
etwas Einschüchterndes für sie gehabt. Flammende Röte stieg ihr in die
Stirn. Wieder senkte sie den Blick.
Er aber vermutete Unüberlegtheit, Übereilung, verletzte Eitelkeit oder
irgendeine andere weibliche Schwäche hinter ihrer Tat.
»Ich weiß, daß du es nicht leicht mit deinem Mann hast,« sagte er,
»aber du bist genügend gewarnt worden, liebes Kind! So traurig
sich deine Ehe auch gestaltet hat, -- vorläufig wenigstens gilt es
darum: ›Wer A gesagt hat, muß auch B sagen,‹ -- es sei denn, daß
ganz bestimmte schwerwiegende Gründe dich veranlaßten, sein Haus zu
verlassen, nachdem du gestern aus freien Stücken zu ihm zurückgekehrt
bist. Ich muß dich daher bitten, dich deutlicher zu erklären!«
Er lehnte sich im Stuhl zurück, die blauen Augen blickten sie
durchdringend an. »Was ist der Grund deines Fortgehens?«
Ein Zittern durchrann die Gestalt der Gräfin. Sie öffnete die Lippen
und schloß sie wieder. Ein Ausdruck namenlosen Schmerzes lag auf den
schönen Zügen.
Dann schlug sie beide Hände vors Gesicht und stöhnte in tiefster
seelischer Qual: »Ehebruch!« -- -- --
Still war's im Zimmer. Regungslos saß Ilse Bühler da, das Gesicht in
den Händen vergraben, stumm tränenlos verzweifelt.
Die Brauen zusammengezogen, starrte Herr von Kambach vor sich nieder.
Dann fiel sein Blick auf die gebrochene Gestalt seiner Tochter.
Schwerfällig stand er auf und beugte sich über sie. Seine Hand strich
liebkosend über ihre Wange, wieder, immer wieder.
Ohne sich zu regen, hielt sie ihm still.
Ratlos stand er da. Fast schämte er sich, daß er kein Wort des Trostes
für das Kind hatte, -- was sollte er sagen? Und leise streichelte er
die weiche Wange.
Er merkte nicht, daß es klopfte, daß eine gebeugte Gestalt am
Krückstock eintrat. Erst ein leises Hüsteln ließ ihn aufsehen. Vor ihm
stand seine Mutter.