»Na, also.« Sie setzte sich im Lehnstuhl zurecht.
Auf seiner Stirn lagerten Sorgen. »Vielleicht ahnst du's schon, Mama:
Ilse!«
Er hatte die Worte rasch, beinahe heftig herausgestoßen. Seine Stirn
rötete sich.
»Ja, nun sag' ich wieder zuerst, was eigentlich zuletzt kommen sollte
-- das da ist schuld daran,« er wies auf das Bild seiner Tochter, »na,
es ist ja schließlich einerlei; wenn du beides gehört hast, sagst du
vielleicht: ›Er kommt wenigstens mit dem Schlimmsten zuerst heraus!‹
Ja -- Ilse!« Er seufzte. »Ich hab's ihr ja von Anfang an gesagt, daß
sie eine Dummheit begehe. Deutlich bin ich, weiß Gott, gewesen, --
sonst würde ich mir heute die wahnsinnigsten Vorwürfe machen! Aber
dies hätte ich denn doch nicht für möglich gehalten! Ich kann eine
ganze Menge vertragen und jede weibliche Zimperlichkeit ist mir
fürchterlich, aber wenn ein junger Ehemann gleich im ersten Vierteljahr
seine Frau derartig behandelt, weil es ihm gegen den Strich geht, daß
er nicht mit ihr auf den Hofbällen glänzen kann, so hört denn doch die
Weltgeschichte auf! Er hat weder Pietät noch Gefühl, Mama, da können
wir noch etwas erleben! Ein-, höchstens Zweikindersystem! Und Gott
weiß, was sonst noch alles! -- Ich habe mir Wolf Dietrich übrigens
neulich vorgenommen und mir ausgebeten, daß er seine schlechte Laune
nicht immer an Ilse ausläßt. Na ja, vor mir hat er Respekt, schon wegen
der Zulage, denn der alte Bühler gibt dem Luftikus nicht viel, was ich
ihm durchaus nicht verdenke -- also Wolf Dietrich entschuldigte sich
und gelobte Besserung, aber ich gebe nichts darauf. So einen muß unser
Herrgott erst mal feste beim Kragen nehmen und schütteln, daß ihm die
Puste vergeht! Allein diese Gereiztheit mit den Dienstboten um nichts
und wieder nichts, es ist ja unerhört! Sein Bursche möcht' ich nicht
sein! Zum Donnerwetter!« Er schlug mit der Faust aufs Knie. »Verzeih,
Mama! Aber es kribbelt einen in allen zehn Fingern, den Bengel einmal
an die frische Luft zu setzen und gründlich zu verhauen!«
Er seufzte. »Und bei alledem ist Ilse wie ein Lamm, das reizt ihn
natürlich immer mehr. Sie scheint ihn für sehr nervös zu halten und
schont ihn, wo sie kann!«
»Für besonders nervös halte ich ihn durchaus nicht,« sagte die alte
Dame nachdenklich. »Er spielt doch nicht etwa, Karl Heinrich,
oder ....«