»Ich möchte Sie doch auf diese Möglichkeit aufmerksam machen,«
entgegnete der andere ernst.
»Würden Erlaucht seiner Werbung zustimmen?«
Der Graf zuckte die Achseln. »Ich komme nicht in Frage. Sibylle steht
unter der Vormundschaft ihrer Mutter und wird in absehbarer Zeit
mündig.«
Ein Wagen rollte über den Fahrdamm.
»Das sind Brelows,« sagte der Hausherr. »Verzeihung, Erlaucht!« Er
wandte sich zur Tür, seinen Gästen entgegenzugehen.
Der alte Herr hielt ihn zurück. »Nicht wahr, es ist alles beim alten
zwischen uns?«
Der Oberstallmeister blickte in das schöne ehrwürdige Gesicht.
»Erlaucht!« Sie sahen sich fest ins Auge.
»Solange die Bühlers und Kambachs noch eine märkische Ackerkrume
besitzen, soll's wahr bleiben: Hie gut Brandenburg allewege!«
Der Erblandmarschall umfaßte die Rechte des Gutsnachbarn mit kräftigem
Druck. »Ich weiß es, wir stehen zusammen!«
Der andere richtete sich hoch auf, als gälte es, seinem König den
Fahneneid zu leisten. »Gott walt's!« antwortete er mit fester Stimme.
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Auf dem Altan ward's lebendig. Mädchenlachen klang herauf,
Willkommensrufe.
Die beiden Männer hörten es nicht.
So oft die Geschichte im Vorüberschreiten den Schleier von einer
leuchtenden Vergangenheit hebt, wird in deutschen Herzen die Sehnsucht
nach nationalem Reichtum, nach persönlichen Trägern großer Ideale wach.
Ein Fragen nach den Zeichen der Zeit hebt an, der Alltag ist vergessen
-- --
Endlich brach der Kambacher das Schweigen. »Könnt' ich dem Jungen
begreiflich machen, daß Gott, König und Vaterland mehr als wesenlose
Begriffe, daß sie im höchsten Sinne Wirklichkeit, daß sie Leben und
Wahrheit sind! Könnt' ich ihn mit einem Wort -- Geschichte lehren!
Denn sonst wird er im ganzen Leben kein Mann! Aber es wird mir nicht
gelingen!«
»Vielleicht gelingt es einer Frau,« erwiderte Job Wilhelm von Bühler,
als spräche er zu sich selber, und sein Blick flog über den Altan zu
einer stolzen Mädchengestalt im weißen Sommerkleide, welche soeben Graf
Brelow begrüßte. ›Der gelingt's,‹ fügte er in Gedanken hinzu, ›aber sie
ist zu schade für ihn.‹
»Guten Tag, Sibylle,« rief eine helle Stimme, »wie ich mich freue!«
Und eine goldhaarige Frau, Mitte Dreißig, umarmte das junge Mädchen.
»Wahrhaftig, Sie sind noch schöner geworden!« fügte sie halblaut hinzu.
Sibylle wurde dunkelrot. »Helfen Sie mir, Graf Brelow,« sagte sie
lachend. »Ihre Frau ist ja schlimmer, als die Drachenburger Ulanen!«
Und sie wollte ins Haus schlüpfen. Aber sie kam nicht weit.
»Tag, Billy!« Ein blutjunger Gardedragoner stand vor ihr.
»Donnerwetter, Cousinchen, hast du dich seit meinem letzten Besuch in
Bühl verändert!«
»Glaub' nicht, daß du jünger geworden bist,« gab sie schlagfertig
zurück und reichte ihm weitergehend die Hand.
»Aber schöner!«