Araspe. Das ist etwas; aber--

Theophan. Nein, für einen Mann von Ihrer Denkungsart, liebster Vetter,

muß dieses nicht nur etwas, sondern sehr viel sein. Sie haben die

Sache von dieser Seite noch nicht betrachtet; Sie haben den Adrast nur

als einen verlornen Mann angesehen, an dem man zum Überflusse noch

eine desperate Kur wagen müsse. Aus diesem Grunde ist die Heftigkeit,

mit der Sie wider ihn sprachen, zu entschuldigen. Lernen Sie ihn aber

durch mich nunmehr unparteiischer beurteilen. Er ist in seinen Reden

jetzt weit eingezogener, als man mir ihn sonst beschrieben hat. Wenn

er streitet, so spottet er nicht mehr, sondern gibt sich alle Mühe,

Gründe vorzubringen. Er fängt an, auf die Beweise, die man ihm

entgegensetzt, zu antworten, und ich habe es ganz deutlich gemerkt,

daß er sich schämt, wenn er nur halb darauf antworten kann. Freilich

sucht er diese Scham noch dann und wann unter das Verächtliche eines

Schimpfworts zu verstecken; aber nur Geduld! es ist schon viel, daß

er diese Schimpfworte niemals mehr auf die heiligen Sachen, die man

gegen ihn verteidiget, sondern bloß auf die Verteidiger fallen läßt.

Seine Verachtung der Religion löset sich allmählich in die Verachtung

derer auf, die sie lehren.

Araspe. Ist das wahr, Theophan?

Theophan. Sie werden Gelegenheit haben, sich selbst davon zu

überzeugen.--Sie werden zwar hören, daß diese seine Verachtung der

Geistlichen mich jetzt am meisten trifft; allein ich bitte Sie im

voraus, nicht empfindlicher darüber zu werden, als ich selbst bin.

Ich habe es mir fest vorgenommen, ihn nicht mit gleicher Münze zu

bezahlen; sondern ihm vielmehr seine Freundschaft abzuzwingen, es mag

auch kosten, was es will.

Der Freigeist · 第 44 / 123 题