Araspe. Hier wird kein Desto eher gelten. Adrast, dieser Mann, der
sich, auf eine ebenso abgeschmackte als ruchlose Art von andern
Menschen zu unterscheiden sucht, verdient, daß man ihn auch wieder von
andern Menschen unterscheide. Er muß die Vorrechte nicht genießen,
die ein ehrlicher Mann seinen elenden Nächsten sonst gern genießen
läßt. Einem spöttischen Freigeiste, welcher uns lieber das Edelste,
was wir besitzen, rauben und uns alle Hoffnung eines künftigen
glückseligern Lebens zunichte machen möchte, vergilt man noch lange
nicht Gleiches mit Gleichem, wenn man ihm das gegenwärtige Leben ein
wenig sauer macht.--Ich weiß, es ist der letzte Stoß, den ich dem
Adrast versetze; er wird seinen Kredit nicht wieder herstellen können.
Ja, ich wollte mich freuen, wenn ich sogar seine Heirat dadurch
rückgängig machen könnte. Wenn mir es nur um mein Geld zu tun wäre:
so sehen Sie wohl, daß ich diese Heirat lieber würde befördern helfen,
weil er doch wohl dadurch wieder etwas in die Hände bekommen wird.
Aber nein; und sollte ich bei dem Konkurse, welcher entstehen muß,
auch ganz und gar ledig ausgehen: so will ich ihn dennoch auf das
Äußerste bringen. Ja, wenn ich alles wohl erwäge, so glaube ich, ihm
durch diese Grausamkeit noch eine Wohltat zu erweisen. Schlechtere
Umstände werden ihn vielleicht zu ernsthaften Überlegungen bringen,
die er in seinem Wohlstande zu machen, nicht wert gehalten hat; und
vielleicht ändert sich, wie es fast immer zu geschehen pflegt, sein
Charakter mit seinem Glücke.
Theophan. Ich habe Sie ausreden lassen. Ich glaube, Sie werden so
billig sein, und mich nunmehr auch hören.
Araspe. Das werde ich.--Aber eingebildet hätte ich mir es nicht, daß
ich an meinem frommen Vetter einen Verteidiger des Adrasts finden
sollte.
Theophan. Ich bin es weniger, als es scheinet; und es kommen hier so
viel Umstände zusammen, daß ich weiter fast nichts als meine eigne
Sache führen werde. Adrast, wie ich fest überzeugt bin, ist von
derjenigen Art Freigeister, die wohl etwas Besseres zu sein verdienten.
Es ist auch sehr begreiflich, daß man in der Jugend so etwas
gleichsam wider Willen werden kann. Man ist es aber alsdann nur so
lange, bis der Verstand zu einer gewissen Reife gelangt ist, und sich
das aufwallende Geblüte abgekühlt hat. Auf diesem kritischen Punkte
steht jetzt Adrast; aber noch mit wankendem Fuße. Ein kleiner Wind,
ein Hauch kann ihn wieder herabstürzen. Das Unglück, das Sie ihm
drohen, würde ihn betäuben; er würde sich einer wütenden Verzweiflung
überlassen, und Ursache zu haben glauben, sich um die Religion nicht
zu bekümmern, deren strenge Anhänger sich kein Bedenken gemacht hätten,
ihn zugrunde zu richten.