Araspe. Wenn Sie bei persönlichen Beleidigungen so großmütig sind--

Theophan. Stille! wir wollen es keine Großmut nennen. Es kann

Eigennutz, es kann eine Art von Ehrgeiz sein, sein Vorurteil von den

Gliedern meines Ordens durch mich zuschanden zu machen. Es sei aber,

was es wolle, so weiß ich doch, daß Sie viel zu gütig sind, mir darin

im Wege zu stehen. Adrast würde es ganz gewiß für ein abgekartetes

Spiel halten, wenn er sähe, daß mein Vetter so scharf hinter ihm drein

wäre. Seine Wut würde einzig auf mich fallen, und er würde mich

überall als einen Niederträchtigen ausschreien, der ihm, unter tausend

Versicherungen der Freundschaft, den Dolch ins Herz gestoßen habe.

Ich wollte nicht gerne, daß er die Exempel von hämtückischen Pfaffen,

wie er sie nennt, mit einigem Scheine der Wahrheit auch durch mich

vermehren könnte.

Araspe. Lieber Vetter, das wollte ich noch tausendmal weniger, als

Sie.--

Theophan. Erlauben Sie also, daß ich Ihnen einen Vorschlag tue:--oder

nein; es wird vielmehr eine Bitte sein.

Araspe. Nur ohne Umstände, Vetter. Sie wissen ja doch wohl, daß Sie

mich in Ihrer Hand haben.

Theophan. Sie sollen so gütig sein und mir die Wechsel ausliefern,

und meine Bezahlung dafür annehmen.

Araspe. Und Ihre Bezahlung dafür annehmen? Bei einem Haare hätten

Sie mich böse gemacht. Was reden Sie von Bezahlung? Wenn ich Ihnen

auch nicht gesagt hätte, daß es mir jetzt gar nicht um das Geld zu tun

wäre: so sollten Sie doch wenigstens wissen, daß das, was meine ist,

auch Ihre ist.

Theophan. Ich erkenne meinen Vetter.

Araspe. Und ich erkannte ihn fast nicht.--Mein nächster Blutsfreund,

mein einziger Erbe, sieht mich als einen Fremden an, mit dem er

handeln kann? (Indem er sein Taschenbuch herauszieht.) Hier sind die

Wechsel! Sie sind Ihre! machen Sie damit was Ihnen gefällt.

Theophan. Aber erlauben Sie, liebster Vetter: ich werde nicht so frei

damit schalten dürfen, wenn ich sie nicht auf die gehörige Art an mich

gebracht habe.

Araspe. Welches ist denn die gehörige Art unter uns, wenn es nicht

die ist, daß ich gebe, und Sie nehmen?--Doch damit ich alle Ihre

Skrupel hebe: wohl! Sie sollen einen Revers von sich stellen, daß Sie

die Summe dieser Wechsel nach meinem Tode bei der Erbschaft nicht noch

einmal fodern wollen. (Lächelnd.) Wunderlicher Vetter! sehen Sie

denn nicht, daß ich weiter nichts tue, als auf Abschlag bezahle?--

Der Freigeist · 第 45 / 123 题