Der Eisenbahn sind freilich auch Grenzen gezogen, über die hinaus sie

den Fahrplanwünschen der Bevölkerung nicht mehr ohne weiteres zu folgen

vermag. Stellen die Eisenbahnen doch, insbesondere in Deutschland, nicht

nur Verkehrsunternehmungen dar, sie sind vielmehr zugleich die stärksten

Stützen der Staatseinkünfte. Es folgt hieraus der Zwang für die

Eisenbahnverwaltungen, wirtschaftlich zu arbeiten. Wird z. B. der

begründete Wunsch geäußert, zwischen zwei großen Städten, die zwar weit

auseinanderliegen, aber doch rege Beziehungen miteinander unterhalten,

eine neue Verbindung zu schaffen, so muß sorgfältig in Betracht gezogen

werden, ob die entstehenden Kosten noch im Verhältnis zu den erhofften

Vorteilen stehen. Ein neuer Zuglauf Berlin-München etwa macht wegen der

Regelung des Wagenumlaufs auch einen Gegenzug notwendig. Die jährlichen

Ausgaben hierfür bleiben nicht weit unter 400 000 Mark. Das ist eine

Summe, die man nicht ohne durchaus zwingende Gründe opfern kann.

Die in den Fahrplänen ausgedrückten Festsetzungen der Zugumläufe

geschehen nicht ausschließlich im Schoß der Eisenbahnverwaltungen. Es

werden vielmehr hierzu Vertreter aller Kreise gehört, auf deren

Geschäfte der Verkehr Einfluß übt.

Ein erster Entwurf für jeden am 1. Mai und am 1. Oktober zur Einführung

gelangenden Fahrplan wird nach den Betriebserfahrungen und nach den

Beschlüssen der Fahrplanberatungen aufgestellt, die halbjährlich unter

Teilnahme sämtlicher deutschen, in gewöhnlichen Zeiten auch der

wichtigsten anderen europäischen Eisenbahnverwaltungen stattfinden.

Dieser erste Entwurf geht den Vertretern der Landesvolkswirtschaft zu.

In Preußen sind sie im Landeseisenbahnrat vereinigt. Die hier geäußerten

Wünsche werden, soweit sie mit dem Betrieb in Einklang zu bringen sind,

durch Änderung des Fahrplanentwurfs berücksichtigt. Die so entstehende

zweite Aufstellung wird den einzelnen Dienststellen vorgelegt, die nun

weitere Verbesserungsvorschläge machen.

Wenn man bedenkt, daß die einzelnen Zugläufe von einander abhängig sind

und einander beeinflussen wie die einzelnen Teile des menschlichen

Körpers, so wird man verstehen, welch umfangreiche Arbeit jedesmal vor

dem Fahrplanwechsel zu bewältigen ist. Man kann aus dem sorgsam gefügten

Gewölbe nicht ein einzelnes Steinchen herauslösen, ohne daß das Ganze in

Bewegung gerät. Fortwährende grundlegende Änderungen verbietet die

Sicherheit, die zu einem großen Teil auf Gleichförmigkeit beruht.

Dennoch muß ein Fortschreiten stattfinden, und es gilt, hier jedesmal

den richtigen Mittelweg zu finden.

Der Fahrplan für die Personenzüge wird zuerst aufgestellt. Der

Güterzugfahrplan hat sich diesem anzupassen. Die Zeiten, zu denen

Änderungen im Umlauf der Güterzüge am besten vorgenommen werden sollten,

fallen nicht mit den Fahrplanabschnitten für den Personenzug-Umlauf

zusammen. Dennoch sieht man darauf, die Neuordnungen tunlichst

gleichzeitig erfolgen zu lassen, damit sich das Einspielen der Beamten

für den Betrieb mit veränderten Zuglagen möglichst mit einem Schlag

vollziehen kann.

Sind die Fahrpläne ausgearbeitet, dann müssen im Anschluß daran die

Diensteinteilungen für das Beamtenheer, die Zugbildungspläne, die

Umläufe der Wagen und Lokomotiven neu geregelt werden. Es ist ein

gewaltiger Block, unter den jedesmal die umwälzende Hebelstange

geschoben werden muß.

Der Öffentlichkeit werden die Fahrpläne durch ausgehängte Tafeln und

durch die Kursbücher bekannt gegeben. Nach der Verkehrsordnung sind

während der letzten Geltungsstunden des alten Fahrplans die neuen Pläne

auf sämtlichen Bahnhöfen anzuheften. Um die Übersicht zu erleichtern,

werden in Deutschland die Wandfahrpläne der eigenen Verwaltung, d. h.

der, welcher der einzelne Bahnhof untersteht, stets auf gelbem, die

anderen auf weißem Papier gedruckt.

Die Zusammenstellungen auf großen Tafeln sind zu unhandlich, um die

Reisenden ständig zu begleiten. Deshalb sind die Fahrpläne in Buchform

geschaffen worden. Mit Recht darf gesagt werden, daß das deutsche

Reichskursbuch als die beste und übersichtlichste aller

Fahrplanaufstellungen in Buchform gelten kann. Es ist hervorgegangen aus

dem „Eisenbahn-, Post- und Dampfschiff-Kursbuch“, das im Jahre 1850 vom

Kursbüro des Reichspostamts zum erstenmal herausgegeben wurde. Seit 1878

führt es den Namen Reichskursbuch und wird noch immer von der gleichen

Behörde bearbeitet.

Unzählige haben seit dieser Zeit aus dem gelben Band sich Rats erholt.

Er bleibt auf keine Frage die Antwort schuldig, gibt stets

zuverlässigste und eindeutige Auskunft. Die Fülle des Stoffs, die in dem

Reichskursbuch vereinigt ist, hat freilich die Wirkung, daß der Ungeübte

nicht ohne weiteres darin zu lesen vermag. Findet man auf diesen

Blättern doch nicht nur sämtliche Zugläufe innerhalb des Deutschen

Reichs angegeben, das Buch teilt auch die Dampfschiff-Fahrten auf

deutschen Gewässern, die Reiseverbindungen auf Landwegen mit und gibt

Auskunft über den Verkehr auf den wichtigsten Eisenbahnstrecken in den

übrigen europäischen Ländern. Ferner sind die Dampfschifflinien des

Weltverkehrs lückenlos darin enthalten. Neben den einfachen

Fahrplanaufstellungen sind weitere Abschnitte eingerichtet, aus denen

besonders wichtige Reiseverbindungen ohne weiteres entnommen werden

können; so die sehr beliebten Zusammenstellungen unter den Nummern 716

und 755, welche die Zugläufe zwischen den wichtigsten deutschen Städten

und von Berlin nach allen bedeutenderen Orten enthalten.

Der Hauptteil des Reichskursbuchs ist in Streckenabschnitte unterteilt.

Mit vollkommenster Genauigkeit kann man aus diesen ersehen, welche

Zugfahrten während des Tags zwischen dem Anfangs- und dem Endbahnhof

jeder Strecke stattfinden. Die Absicht, vollkommen gründlich und

ausführlich zu sein, hat diese Einteilung verursacht. Sie macht jedoch

demjenigen Schwierigkeiten, der den Gang eines Zugs auf einer langen,

durchgehenden Fernstrecke kennen zu lernen wünscht. Wer z. B. den Lauf

unseres Schnellzugs Berlin-München genau verfolgen will, muß unter den

Nummern 93, 193, 195~a~ und 295 nachsehen. Das erfordert große

Aufmerksamkeit und eine gewisse Geübtheit in der Beobachtung all der

kleinen Hinweise, die von einer Fahrplannummer zur anderen

hinüberleiten, oder gründliches Anschauen der beigegebenen Karte.

Andererseits findet jemand, der von Berlin nach Bitterfeld reisen

will, sämtliche zwischen diesen beiden Bahnhöfen laufenden Züge

nebeneinander aufgezählt, obgleich sie drei verschiedenen

Fernstrecken, Berlin-Frankfurt a. M., Berlin-Oberhof-Kissingen und

Berlin-Halle-Nürnberg, zugehören.

Der Ungeübte empfindet ferner eine sehr gute Eigenschaft des

Reichskursbuchs oft als störend, nämlich die unermüdliche Aufzählung

aller Anschlüsse innerhalb der durchgehenden Fahrpläne. Es ist nicht

jedem gegeben, die kleinen Breitenverschiebungen, durch welche die

Anschlüsse als Einschiebsel gekennzeichnet sind, zu erkennen, er wird

leicht stutzig und verwirrt, wenn er den Zuglauf, den er verfolgt,

fortwährend unterbrochen und denselben Bahnhofsnamen mehrfach

wiederkehrend findet. Der gewandte Kursbuchleser allerdings sieht in

diesen Unterbrechungen einen ganz besonderen Vorzug, weil hier eine

unübertreffliche Verkettung und Hinüberleitung von einem der Fahrpläne

zum anderen gegeben ist.

Die Tatsache, daß die heutige Kursbuchanordnung vortrefflich ist, wenn

es sich darum handelt, möglichst rasch sämtliche Fahrverbindungen

zwischen bestimmten Bahnhöfen derselben Linie zu ermitteln, daß es aber

recht unhandlich wirkt, wenn man sich über eine durchgehende Fernstrecke

unterrichten will, haben den Wunsch auftauchen lassen, das Kursbuch in

zwei Teile, in einen für den Nahverkehr und einen für den großen

Fernverkehr, zu teilen. Wer von Berlin nach München reisen will, dem ist

es gleichgültig, ob zwischen Hof und Nürnberg zu gewissen Stunden

Personenzüge mit äußerst langer Fahrtdauer verkehren. Beim Aufsuchen des

schnellsten Zugs zwischen Hannover und Aachen wirkt die Aufzählung aller

um Dortmund verkehrenden Züge nur störend. Bei Aufstellung des

Fernkursbuchs könnte man von der Streckenaufteilung absehen und alle

großen Verbindungen geschlossen und übersichtlich darstellen. Das

Lloyd-Kursbuch hat hierin bereits den Weg gewiesen.

Der Wunsch nach Neuordnung innerhalb des Reichskursbuchs kann jedoch den

Wert der Vollständigkeit und straffen Gliederung, die es bereits heute

besitzt, in keiner Weise herabmindern. Es wird gewiß viele geben, für

die, gleich dem Verfasser, das beste Vergnügen an einer Reise die

Ermittelung des geeigneten Zugs im Reichskursbuch ist.

Die Fahrplanangaben in Form von Zahlen, wie man sie auf den Tafeln an

den Wänden der Bahnhöfe und in den Kursbüchern findet, geben dem

Betriebsmann keine genügende Übersicht. Er kann aus ihnen wohl die Lage

jedes einzelnen Zugs erkennen, aber nicht in jedem Augenblick die

Stellungen sämtlicher Züge ersehen, die auf einer Strecke

gleichgerichtet oder einander entgegengesetzt laufen. Dies ist jedoch

aus sehr vielen Gründen wünschenswert, ja unerläßlich.

Ein vortreffliches Mittel, eine unmittelbare Übersicht über alle

Zugläufe auf einer Strecke zu erhalten, sie gewissermaßen sämtlich

gleichzeitig vor dem Auge vorüberrollen zu sehen, gewähren die

bildlichen Fahrpläne.

Auf ihnen ist jeder Zuglauf als eine Linie dargestellt. Diese Linie wird

in ein Rechteck eingezeichnet, auf dessen senkrechten Seiten die

Zeitabschnitte, auf dessen wagerechten Seiten die Streckenabschnitte

aufgetragen sind. Unser Schnellzug Berlin-München wird in diesem

Rechteck eine schräge Linie bilden müssen, indem er um 8 Uhr 23 morgens

seinen Anfang nimmt und um 6 Uhr 40 abends endet, sein Lauf also als

Verbindungslinie zwischen diesen beiden Zeitpunkten quer durch das

Rechteck hindurchgehen muß. Wenn nun an der oberen wagerechten Seite des

Rechtecks sämtliche Bahnhöfe und Blockstellen in Abständen angetragen

sind, die ihren wirklichen Abständen entsprechen, so lassen die

Schnittpunkte dieser senkrechten Linien mit der Zugschaulinie ohne

weiteres den Zeitpunkt ablesen, zu welchem der Zug an jedem einzelnen

dieser Bahnhöfe oder an jeder der Blockstellen vorüberfährt (siehe Bild

354). Trägt man in der gleichen Weise sämtliche Züge einer Strecke in

das Rechteck ein, so ergeben sich alle Begegnungen, Kreuzungen usw. aus

den Schnittpunkten der einzelnen Linien. Es ist ohne weiteres

einzusehen, daß die Linienzüge für die eine Richtung von oben rechts

nach unten links, die anderen von oben links nach unten rechts laufen

müssen. Die einzelnen Zuggattungen werden durch verschiedenartige

Ausbildung der Schaulinien, wie starke, schwache oder gestrichelte

Linien, gekennzeichnet.

Aus der mehr oder weniger starken Neigung der Linien geht die

Zuggeschwindigkeit hervor. Vergleicht man z. B. auf Bild 354 die

Neigungen der Schaulinien für den ~D~-Zug 37 ab Jüterbog 8 Uhr 38, den

Personenzug 805 ab Jüterbog 9 Uhr 37 und den Nahgüterzug 7807 ab

Jüterbog 8 Uhr 48 miteinander, so sieht man, daß die Schaulinie für den

Lauf des letztgenannten am stärksten geneigt ist, die des ~D~-Zugs sich

am meisten der Wagerechten nähert. Zum Durchlaufen der gleichen

Entfernung braucht demzufolge der ~D~-Zug am wenigsten, der Nahgüterzug

die meiste Zeit. Zugleich sind aus den Schaulinien die Aufenthalte

abzulesen. ~D~ 37 läuft in glatter Linie von Jüterbog bis zum Anhalter

Bahnhof in Berlin durch. Er ermäßigt seine Geschwindigkeit nur kurz vor

der Einfahrt in den Kopfbahnhof, was durch Abfall der Linienrichtung im

rechten Abschnitt deutlich zu erkennen ist. Der Personenzug 805 aber

hält in Luckenwalde, ferner in Trebbin, Ludwigsfelde und Teltow. Das ist

durch Absätze in den Linien dargestellt. Die Länge der Aufenthalte geht

aus den angeschriebenen Minutenzahlen hervor. Sehr deutlich sind die

häufigen langen Aufenthalte des Nahgüterzugs 7807 zu erkennen.

Wie vorzüglich die Lage der Züge zueinander aus dem bildlichen Fahrplan

zu erkennen ist, sei an folgendem Beispiel erläutert. Der Eilgüterzug

6093 kommt um 8 Uhr 14 in Scharfenbrück an, um 8 Uhr 21 ist der rascher

fahrende ~D~-Zug dort fällig. Würde man den Eilgüterzug nun nach einem

Aufenthalt von etwa fünf Minuten in Scharfenbrück wieder auf die Strecke

lassen, so würde seine Schaulinie alsbald von der des ~D~-Zugs auf

freier Strecke gekreuzt werden, d. h. der ~D~-Zug würde den Eilgüterzug

einholen. Um dies zu verhindern, muß der Eilgüterzug sich im Bahnhof

Scharfenbrück vom ~D~-Zug überholen lassen, was denn auch durch

Einrichtung eines zehn Minuten langen Aufenthalts von 8 Uhr 14 bis 8 Uhr

24 geschieht.

Die bildlichen Fahrpläne gewähren die einzige Möglichkeit, die

Einwirkung der Veränderung eines Zuglaufs auf alle anderen zu erkennen.

Soll ein Sonderzug eingelegt werden, so muß man dessen Schaulinie so

anordnen, daß sie keine andere gleicher Richtung auf offener Strecke

schneidet. Bei eingeleisigen Strecken ist rasch zu sehen, wohin die

Kreuzungen am besten zu legen sind. Neuaufstellungen von Fahrplänen sind

ohne die bildlichen Darstellungen ganz unmöglich.

Auf den bildlichen Fahrplänen sind zugleich die Steigungsverhältnisse

der Strecke, sämtliche Krümmungshalbmesser, die Gleislagen auf den

Bahnhöfen, die Drehscheiben, Lokomotivschuppen usw. angegeben, so daß

ohne weiteres auch erkannt werden kann, wo und in welcher Weise

Zusammenführungen, Neubildungen, Aufstellungen zur Überholung und

Kreuzungen vorgenommen werden können. Man hat auf dem bildlichen

Fahrplan ständig die ganze Strecke wie aus der Vogelschau gesehen vor

sich.

Zur besseren Übersicht für die Beamten ist in den bildlichen Fahrplänen

jeder Zug mit einer Nummer bezeichnet, und diese Nummern sind auch in

die Zahlenfahrpläne übergegangen. Man nimmt gewöhnlich für die Züge

Einer Richtung gerade Nummern, für die der anderen Richtung ungerade

Nummern. Die Schnell- und Eilzüge erhalten die niedrigsten Ziffern

zugeteilt, Personenzüge die mittleren, Güterzüge sehr hohe Nummern. Man

kann also schon aus der Zugnummer auf die Zuggattung schließen.

Die bereits mehrfach erwähnten Fahrplanbücher, welche der

Zugbegleitmannschaft übergeben werden, sind wiederum nach anderen

Gesichtspunkten hergestellt. Hier ist es ja nicht mehr notwendig, den

Zusammenhang der Zugläufe zu betrachten, sondern es handelt sich um

möglichst klare Darstellung des einzelnen Zuglaufs, den die Mannschaft

zu leiten oder zu begleiten hat. Man findet in dem dienstlichen

Fahrplanbuch also einen besonderen Fahrplan für jeden einzelnen Zug und

hierzu noch eine Reihe anderer für die Mannschaft sehr wichtiger

Angaben.

In dem auf Seite 460 wiedergegebenen Plan ist die Teilfahrt des

Schnellzugs Berlin-Schneidemühl-Thorn-Allenstein auf der Strecke

zwischen Schneidemühl und Thorn dargestellt. Mit Grundgeschwindigkeit

wird diejenige Fahrgeschwindigkeit bezeichnet, die der Zug in der

wagerechten, geraden Strecke zu bester Ausnutzung der Lokomotivkraft

einhalten soll. Die Grundgeschwindigkeit ermäßigt sich vor Bahnhöfen, in

denen gehalten werden muß, und beim Anfahren des Zugs, beim Befahren von

stärkeren Steigungen, schärferen Krümmungen usw. Spalte 1 gibt die

Entfernungen zwischen den einzelnen Streckenpunkten in Kilometern an.

Spalte 2 zählt nicht nur die Bahnhöfe, sondern auch alle

dazwischenliegenden Zugmeldestellen auf. In Spalte 3 sind die

gewöhnlichen Fahrzeiten zwischen den durch Querstriche hervorgehobenen

Bahnhöfen angegeben, auf denen Aufenthalt stattfindet. Spalte 6 enthält

die Abfahrzeiten für sämtliche Bahnhöfe und Zugmeldestellen, also auch

für diejenigen, an denen der Zug keinen Aufenthalt hat. Spalte 7 wird

bei einer zweigeleisigen Strecke, wie der hier vorliegenden, nicht

ausgefüllt, da die Kreuzungen ja hier nur in Form von Zugbegegnungen

stattfinden, wobei die Züge einen Einfluß aufeinander nicht üben. Für

eingeleisige Strecken dagegen ist Spalte 7 sehr wichtig. Nach Spalte 8

hat unser ~D~-Zug drei Güterzüge, gekennzeichnet durch ihre hohen

Nummern, und einen Personenzug zu überholen.

Bei Verspätungen sind die Angaben der Spalten 10~a~ und 10~b~ wichtig.

Sie geben nämlich die kürzesten Fahrzeiten für den Zug in Rücksicht auf

seine jedesmalige Achsenzahl an. Wenn für gewöhnlich zur Fahrt zwischen

Schneidemühl und Nakel nach Spalte 3 52 Minuten gebraucht werden sollen,

so darf diese Zeit bei Verspätung und wenn der Zug nicht mehr als 44

Achsen hat, auf 41 Minuten hinuntergesetzt werden. Rascher darf unter

keinen Umständen gefahren werden. Wie sich die verkürzte Fahrzeit auf

die einzelnen Streckenabschnitte verteilt, sagen die angegebenen

Minutenziffern.

[Abbildung: 354. _Bildlicher Fahrplan_

Anzeiger der Zugläufe für Dienstzwecke]

=~D~ 25. Schnellzug. Berlin-Schneidemühl-Thorn-Allenstein=

Grundgeschwindigkeit: von Schneidemühl bis Bromberg 80 ~km~, von

Bromberg bis Thorn 70 ~km~

=====+====================+=====+==========+====+==========+=====+

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |

-----+--------------------+-----+----------+----+----------+-----+

Ent- | _Stationen und |Fahr-| Ankunft |Auf-| Abfahrt |Kreu-|

fer- | Blockstellen_ |zeit | |ent-| |zung |

nung | | | |halt| | mit |

| | | | | | Zug |

Kilo-| | M. | U. M. | M. | U. M. | |

meter| | | | | | |

=====+====================+=====+==========+====+==========+=====+

| | | | | | |

|=Schneidemühl= +-----+=7^{#08#}=| #6#|=7^{#14#}=| --- |

6,6 | | | | | | |

|Selgenau Blockst. | | . . | . .| =^{#22#}=| . . |

3,7 | | | | | | |

|Erpel (Pos.) | | ___ | ---| =^{#25#}=| --- |

5,2 | | | | | | |

|Bergtal Blockst. | | . . | . .| =^{#29#}=| . . |

4,7 | | | | | | |

|Friedheim | | ___ | ---| =^{#33#}=| --- |

7,1 | | | | | | |

|Weißenhöhe | | . . | . .| =^{#39#}=| . . |

5,9 | | | | | | |

|Freymark | 52 | --- | ---| =^{#43#}=| --- |

5,8 | | | | | | |

|Netzthal | | . . | . .| =^{#48#}=| . . |

5,3 | | | | | | |

|Hedwig Blockst. | | --- | ---| =^{#52#}=| --- |

4,1 | | | | | | |

|Walden | | . . | . .| =^{#55#}=| . . |

3,6 | | | | | | |

|Elsenort | | --- | ---| =^{#58#}=| --- |

3,6 | | | | | | |

|Lubasch Blockst. | | . . | . .|=8^{#01#}=| . . |

4,7 | | | | | | |

|=Nakel= +-----+=8^{#06#}=| 1 | =^{#07#}=| --- |

6,6 | | | | | | |

|Slesin | | . . | ---| =^{#14#}=| . . |

7,1 | | | | | | |

|Strelau | | --- | . .| =^{#19#}=| --- |

7,5 | | 23 | | | | |

|Fang Übst. | | . . | ---| =^{#25#}=| . . |

3,0 | | | | | | |

|Jägerhof Blockst. | | --- | . .| =^{#27#}=| --- |

2,6 | | | | | | |

|=Bromberg= +-----+=8^{#30#}=| 3 | =^{#33#}=| . . |

3,2 | | | | | | |

|Bleichfelde Blockst.| | --- | . .| =^{#38#}=| --- |

3,5 | | | | | | |

|Karlsdorf b. Bbg. | | . . | ---| =^{#40#}=| . . |

3,4 | | 22 | | | | |

|Brahnau | | --- | . .| =^{#44#}=| --- |

4,5 | | | | | | |

|Steindorf Blockst. | | . . | ---| =^{#49#}=| . . |

5,5 | | | | | | |

|Schulitz +-----+=8^{#55#}=| 1 | =^{#56#}=| --- |

7,3 | | | | | | |

|Weichselthal | | . . | ---|=9^{#06#}=| . . |

5,3 | | | | | | |

|Wodek Blockst. | | --- | . .| =^{#11#}=| --- |

6,8 | | 32 | | | | |

|Schirpitz (Kr. Th.) | | . . | ---| =^{#17#}=| . . |

7,9 | | | | | | |

|Schlüsselmühle | | --- | . .| =^{#23#}=| --- |

2,6 | | | | ---| | |

|=Thorn Hbf.= | |=9^{#28#}=| 10 |=9^{#38#}=| . . |

-----+ +-----+ +----+ | |

136,8| | 129 | | 5 | | |

Briefbeutel durch Zugpersonal

===================+=====+=====+=========+=========+===========+======

2 | 8 | 9 | 10~a~ | 10~b~ | 11 | 12

-------------------+-----+-----+---------+---------+-----------+------

_Stationen und |Überholung | Kürzeste | Es sind |Tonnen

Blockstellen_ | | Fahrzeit | von 100 |hat zu

| des |durch| 45-52 | bis 44 |Wagenachsen|beför-

|Zuges| Zug | Achsen | Achsen |zu bremsen |dern

| | | M. | M. | M. | M. | |

| | | | | | | |

===================+=====+=====+====+====+====+====+===========+======

| | | +----+ +----+ 88 (60) |~S~ 3

=Schneidemühl= | --- | --- | | | | | (100) |-----

| | | 7,0| | 6,7| | |~S~ 5

Selgenau Blockst. | . . | . . | | | | | |

| | | 3,1| | 2,7| | |

Erpel (Pos.) | --- | --- | | | | | „ |

| | | 3,6| | 3,1| | |

Bergtal Blockst. | . . | . . | | | | | „ |

| | | 3,2| | 2,8| | |

Friedheim | --- | --- | | | | | „ |

| | | 4,9| | 4,3| | |

Weißenhöhe | . . | . . | | | | | „ |

| | | 4,1|46,4| 3,5|41,0| |

Freymark | --- | --- | | | | | „ |

| | | 4,1| | 3,5| | |

Netzthal | . . | . . | | | | | „ |

| | | 3,8| | 3,3| | |

Hedwig Blockst. | --- | --- | | | | | „ |

| | | 3,0| | 2,5| | |

Walden | 7591| . . | | | | | „ |

| | | 2,7| | 2,1| | |

Elsenort | --- | --- | | | | | „ |

| | | 2,7| | 2,3| | |

Lubasch Blockst. | . . | . . | | | | | „ |

| | | 4,5+----+ 4,1+----+ |

=Nakel= | 6753| --- | | | | | „ (65) |

| | | 6,6| | 6,0| | (100) |

Slesin | . . | . . | | | | | „ |

| | | 4,8| | 4,1| | |

Strelau | --- | --- | | | | | „ |

| | | 5,2|21,5| 4,6|19,2| |

Fang Übst. | . . | . . | | | | | „ |

| | | 2,1| | 1,9| | |

Jägerhof Blockst. | --- | --- | | | | | „ |

| | | 2,8+----+ 2,6+----+ |

=Bromberg= { 253| . . | | | | | „ (65) |272

{ 6763| | 4,4| | 3,9| | (100) |---

Bleichf. Blockst. | --- | --- | | | | | „ |326

| | | 2,4| | 2,1| | |

Karlsdorf b. Bbg. | . . | . . | | | | | „ |

| | | 2,4|16,8| 2,4|15,6| |

Brahnau | --- | --- | | | | | „ (90) |

| | | 3,2| | 2,8| | (100) |

Steindorf Blockst. | . . | . . | | | | | „ |

| | | 4,4+----+ 4,4+----+ |

Schulitz | --- | --- | | | | | „ |

| | | 7,7| | 7,5| | |

Weichselthal | . . | . . | | | | | „ (85) |

| | | 3,7| | 3,2| | (100) |

Wodek Blockst. | --- | --- | | | | | „ |

| | | 4,7|24,5| 4,1|22,4| |

Schirpitz (Kr. Th.)| . . | . . | | | | | „ |

| | | 5,0| | 4,4| | |

Schlüsselmühle | --- | --- | | | | | „ |

| | | 3,4+----+ 3,2+----+ |

=Thorn Hbf.= | . . | . . | | | | | „ |360

| | | | | | | (40) |---

| | | | | | | |432

Spalte 11 gibt Auskunft darüber, wieviele von je hundert Wagenachsen auf

der betreffenden Strecke jedesmal bremsbar sein müssen. Hieraus läßt

sich die erforderliche Bremsachszahl für jeden Zug entsprechend seiner

Gesamtachszahl leicht berechnen. Die eingeklammerten Zahlen nennen die

Geschwindigkeiten, die für die Berechnung der Bremsachszahl maßgeblich

gewesen sind.

Spalte 12 endlich gibt die Gattungszeichen für die Lokomotiven an, mit

denen der Zug befördert werden soll und darf. Die darunter stehenden

Zahlen nennen die Tonnenzahl, die jeder Lokomotive im Höchstfall

angehängt werden darf.

Der ~D~-Zug hat keine Bahnpost, die Zugmannschaft nimmt aber

geschlossene Briefbeutel zur Beförderung mit.

Es möge noch ein Fahrplan für einen Güterzug folgen, der nicht täglich

gefahren werden muß, aber auf Anforderung jederzeit eingelegt werden

kann:

=6750. Bedarfs-Güterzug. Thorn-Bromberg=

Grundgeschwindigkeit 30 ~km~

=====+=====================+=====+===========+====+===========+=====+

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |

-----+--------------------+-----+-----------+----+-----------+-----+

Ent-| _Stationen und |Fahr-| Ankunft |Auf-| Abfahrt |Kreu-|

fer-| Blockstellen_ |zeit | |ent-| |zung |

nung| | | |halt| | mit |

| | | | | | Zug |

Kilo-| | M. | U. M. | M. | U. M. | |

meter| | | | | | |

=====+====================+=====+===========+====+===========+=====+

|-Thorn Gbf.- | | --- | ---| -8^{#50#}-| --- |

1,3 | | | | | | |

|Schlüsselmühle +-----+ . . | . .| -^{#55#}-| . . |

7,6 | | | | | | |

|Schirpitz (Kr. Th.) | | --- | ---| -9^{#12#}-| --- |

6,8 | | | | | | |

|Wodek Blockst. | 62 | . . | . .| -^{#26#}-| . . |

5,3 | | | | | | |

|Weichselthal | | --- | ---| -^{#36#}-| --- |

7,3 | | | | | | |

|Schulitz +-----+ -9^{#52#}-| 8 |-10^{#00#}-| . . |

5,5 | | | | | | |

|Steindorf Blockst. | | --- | ---| -^{#13#}-| --- |

4,5 | | | | | | |

|Brahnau | | . . | . .| -^{#22#}-| . . |

3,4 | | | | | | |

|Karlsdorf b. Bbg. | | --- | ---| -^{#30#}-| --- |

3,5 | | | | | | |

|Bleichfelde Blockst.| 48 | . . | . .| -^{#37#}-| . . |

3,2 | | | | | | |

|-Bromberg- | | --- | ---| -^{#45#}-| --- |

1,2 | | | | | | |

|-Bromberg Gbf.- | |-10^{#48#}-| . .| . . | . . |

-----+ +-----+ +----+ | |

49,6 | | 110 | | 8 | | |

=====================+=====+=====+=========+===========+=====+=====

2 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13

---------------------+-----+-----+---------+-----------+-----+-----

_Stationen und | Überholung|Kürzeste | Es sind | Tonnen

Blockstellen_ | |Fahrzeit | von 100 | hat zu

| des |durch| |Wagenachsen| befördern

|Zuges| Zug | | zu bremsen|

| | | M. | M. | | |

=====================+=====+=====+=========+===========+=====+=====

-Thorn Gbf.- | --- | --- | | |7(30) |~G~ 4|~G~ 7

| | | 4,6| | | |

Schlüsselmühle | . . | . . | +----+ „ | |

| | |15,0| | | |

Schirpitz (Kr. Th.) | --- | --- | | | „ | |

| | |13,0|50,8| | |

Wodek Blockst. | . . | . . | | | „ | |

| | |10,0| | | |

Weichselthal | --- | --- | | | „ | |

| | |15,6| | | |

Schulitz | . . | . . | +----+ „ | |

| | |11,0| | | |

Steindorf Blockst. | --- | --- | | | „ | |

| | | 9,0| | | |

Brahnau | . . | . . | | | „ | |

| | | 6,8| | | |

Karlsdorf b. Bbg. | --- | --- | |44,6| „ | |

| | | 7,0| | | |

Bleichfelde Blockst.| . . | . . | | | „ | |

| | | 6,4| | | |

-Bromberg- | --- | --- | | | „ | 859 | 1093

| | | 3,4| | | |

-Bromberg Gbf.- | . . | . . | +----+ „ | |

| | | | | | |

| | | | | | |

Aus den Angaben des Fahrplanbuchs ist alles zu entnehmen, was für den

Zuglauf wichtig ist. Jeder dieser Einzelzug-Fahrpläne ist eine

kurzgefaßte, übersichtliche und erschöpfende Beschreibung. Viele

preußische Verwaltungen teilen in den Fahrplanbüchern auch die Stellen

mit, an denen die Zugmannschaften alkoholfreie Getränke in möglichster

Nähe der Zugankunftsstellen erhalten können.

Die Welt auf Schienen Eine Darstellung der Einrichtungen und des Betriebs auf den Eisenbahnen des Fernverkehrs, Nebst einer Geschichte der Eisenbahn · 第 52 / 60 段