Bauart Siemens & Halske in Berlin-Siemensstadt

300. _Schienenstromschließer_

Betätigung erfolgt durch das Gewicht der über die Schiene fahrenden

Zugachsen]

Der Wärter muß vielmehr nun eine Taste hinunterdrücken, die sich

über dem Fahrstraßenhebel befindet. Außer der mechanischen

Fahrstraßenverriegelung muß noch die elektrische Fahrstraßenfestlegung

vorgenommen werden, was bei unmittelbarer Benutzung des Signalhebels zur

Weichenverriegelung nicht möglich wäre. Durch die elektrische

Fahrstraßenfestlegung, deren Zweck wir noch kennen lernen werden, wird

der Fahrstraßenhebel in der Verriegelungsstellung festgehalten. Aus dem

Signalhebel hingegen ist hierdurch wiederum eine Sperrung beseitigt. Die

Fahrstraße liegt nunmehr endgültig fest. Es ist dem Wärter unmöglich,

jetzt noch irgend eine Änderung in der Weichenlage vorzunehmen.

Wenn er trotzdem das Signal jetzt immer noch nicht ziehen kann, so hat

das seinen Grund in der örtlichen Lage des Stellwerks. Dieses ist

nämlich vor der Bahnhofshalle aufgebaut, und der Wärter kann nicht

sehen, ob der Zugfahrt nicht etwa irgendein Hindernis innerhalb des

engeren Bahnhofsbezirks entgegensteht. Das kann nur der Fahrdienstleiter

feststellen, der dort beschäftigt ist und die Aufsicht zu führen hat.

Jedes Ein- und Ausfahrsignal ist deshalb unter seine Botmäßigkeit

gebracht. Wenn auch alle Weichen richtig liegen und verriegelt sind, so

bleibt der Signalhebel doch so lange verschlossen, bis der

Fahrdienstleiter die Erlaubnis gegeben hat, ihn zu ziehen.

Die Signale sind unter den Verschluß der Bahnhofsblockung gelegt.

[Abbildung: 301. _Schnitt durch den Schienenstromschließer_

Beim Niederdrücken der Schiene wird aus dem darunter liegenden

Hohlraum Quecksilber in das Steigrohr rechts emporgepreßt, an dessen

hochliegendem Ende es einen elektrischen Kontakt hervorruft]

Der Fahrdienstleiter auf unserem Bahnhof hat sich inzwischen

überzeugt, daß die Zugfahrt erfolgen kann, und er gibt nunmehr dem

Stellwerkswärter draußen seine Zustimmung zum Ziehen des Signals. Diese

Zustimmungserteilung geschieht wiederum durch Niederdrücken einer Taste

an dem Blockapparat im Dienstraum des Fahrdienstleiters und durch

gleichzeitiges mehrmaliges Drehen einer Kurbel, die seitlich angebracht

ist.

Diese Kurbel wird uns bei der Besprechung der weiteren Vorgänge immer

wieder begegnen. Sie ist nichts anderes als der Antrieb einer kleinen

magnetelektrischen Maschine, bei deren Betätigung ein elektrischer Strom

in die angeschlossenen Leitungen fließt. Was diese Maschine aussendet,

ist Wechselstrom, also ein Strom, der seine Fließrichtung innerhalb

jeder Sekunde viele Male umkehrt. Die meisten Blockvorgänge werden durch

Wechselströme hervorgebracht, damit nicht etwa irgendein von außen her

eindringender Stromstoß eine unabsichtliche Auflösung herbeiführen kann.

Hierzu müßte er genau dieselbe Wechselzahl haben wie der richtige Strom,

was nicht anzunehmen ist. Beim Festlegen der Fahrstraße für die Ausfahrt

wurde nur eine Taste gedrückt, die Kurbel aber nicht gedreht, weil hier

ausnahmsweise Gleichstrom benutzt werden muß.

Nach der Zustimmungserteilung durch den Fahrdienstleiter ist der

Signalhebel nunmehr endlich frei. Der Wärter zieht das Ausfahrsignal,

und der Zug wird abgelassen.

Bald nachdem die Lokomotive an dem Signalmast vorbeigegangen ist, fällt

der gezogene Arm selbsttätig auf Halt. Dies wird dadurch bewirkt, daß

die Lokomotive durch ihr Gewicht einen Stromschließer betätigt, der in

einiger Entfernung jenseits des Signals unter einer der Schienen

angebracht ist.

Er besteht aus einem eisernen Gefäß, in dem sich Quecksilber befindet.

Ein biegsames Blech überdeckt das Quecksilber, und das Blech wird

hinuntergedrückt, sobald die über dem Stromschließer liegende Schiene

belastet wird. Alsdann steigt das Quecksilber in einem seitlich

angebrachten Rohr zu einem höher liegenden Gefäß auf, wo es zwei

Metallteile leitend miteinander verbindet.

Durch diesen Stromschluß wird eine Magnetvorrichtung betätigt, die am

Signalmast angebracht ist. Ein Anker fällt ab, wodurch die Zugstange des

Signalarms von der Drahtleitung abgekuppelt wird. Infolgedessen muß der

Signalarm durch seine eigene Schwere auf Halt zurückfallen.

Der abgelassene Zug hat nunmehr seine ordnungsgemäße Deckung. Sie

wird an dieser Anfangsstelle selbsttätig durch Befahren des

Schienenstromschließers herbeigeführt, während dies an den Folgestellen

nicht nötig ist. Denn der Signalwärter an der Anfangsstelle könnte ja

vergessen, das Signal hinter dem ausgefahrenen Zug auf Halt zu legen. Da

in dem Bahnhof, ganz unabhängig von der zurückliegenden Strecke, immer

neue Züge gebildet und zur Abfahrt bereit gestellt werden können, wäre

es auf diese Weise möglich, daß ein zweiter Zug auf das noch von der

Abfahrt des vorangegangenen Zugs stehen gebliebene Ausfahrsignal auf die

Strecke ginge. Alsdann könnte es sich ereignen, daß sich zwei Züge in

dem gleichen Blockabschnitt befinden, was ja unbedingt verhindert werden

muß.

Nunmehr werden wir auch die Notwendigkeit der doppelten

Weichenfestlegung verstehen können, nunmehr wird es uns klar werden,

weshalb man zu der mechanischen Weichenverriegelung noch die elektrische

Festlegung gesellt.

[Abbildung: 302. _Elektrische Fahrstraßenfestlegung_

Oben: Weichenhebel frei beweglich; Signal auf Halt. -- Unten:

Weichenhebel verriegelt und Fahrstraße festgelegt. Signal auf Fahrt

Frei

Im oberen Bild ist der zur Fahrstraße gehörige Weichenhebel,

schematisch dargestellt durch den Querschnitt ~E~ seines

Verschluß-Ansatzes, frei beweglich. Das Signal ~K~, welches die

Fahrstraße deckt, muß daher auf Halt liegen. Dies wird erzwungen, weil

das Sperrstück ~D~ in einen Ausschnitt der mit dem Hebel ~B~

verbundenen Stellrolle ~A~ eingreift. Das Sperrstück ~D~ kann die

Stellrolle und damit den Signalzug erst freigeben, wenn der

Fahrstraßenschieber ~C~ so umgelegt ist, daß sein Ausschnitt senkrecht

über ~D~ liegt. Alsdann aber ist Weichenhebel ~E~, wie aus dem unteren

Bild zu erkennen, festgelegt. Die Verriegelung des

Fahrstraßenschiebers muß durch Anheben von ~D~ vorgenommen sein, bevor

der Signalstellhebel ~B~ bewegt werden kann.

Das untere Bild zeigt die Fahrstraßen-Festlegungs-Einrichtung in dem

Zustand, in welchem sie sich bei Durchfahrt eines Zugs befindet. Beim

Rücklegen des Signals auf Halt, das jederzeit möglich sein muß, würde

durch Ausspringen von ~D~ aus dem Fahrstraßenschieber ~C~ dessen

Rückstellung und damit Freigabe der Weiche während der Fahrt des Zugs

über die Fahrstraße möglich sein. Um zu verhindern, daß hierdurch eine

Weiche unter dem fahrenden Zug umgestellt werden kann, wird ~D~ noch

einmal durch die senkrechte Stange ~J~ der elektrischen Festlegung in

seiner oberen Lage gesichert. Die elektrische Fahrstraßenfestlegung,

vollzogen durch Niederdrücken der Taste ~F~, gibt ~D~ erst frei, wenn

der Elektromagnet ~G~ durch Anziehen des Sperrstücks ~H~ der gesenkten

Stange ~J~ die Möglichkeit gibt, wieder nach oben zu gehen. Die

Erregung des Magneten ~G~ erfolgt aber erst, nachdem die letzte Achse

des durchfahrenden Zugs die Fahrstraße verlassen hat.]

Der Signalflügel ist kurz nach Abfahrt des Zugs auf Halt gegangen. Der

zugehörige Signalhebel kann jetzt und könnte auch vorher in jedem

Augenblick auf Halt zurückgelegt werden. Denn der Wärter muß natürlich

stets in der Lage sein, ein bereits gegebenes Fahrtsignal zu widerrufen,

falls ein plötzliches Hindernis auftritt. Er ist also auch imstande,

seinen Signalhebel auf Halt zurückzulegen, während der Zug gerade die

Fahrstraße durchfährt, die Räder also über die Weichenzungen

hinüberrollen. Der auf Fahrt Frei gezogene Signalhebel verriegelt

natürlich auch den Fahrstraßenhebel. Sobald der Signalhebel aber

zurückgelegt ist, wäre der Stellwerkswärter, wenn die elektrische

Festlegung nicht vorhanden wäre, in der Lage, jetzt auch den

Fahrstraßenhebel sogleich zurückzuziehen, die Verriegelung der Weichen

damit aufzuheben und, wenn er grob unaufmerksam ist, nunmehr Weichen

unter dem fahrenden Zug umzulegen. Daß die Folge hiervon eine

Zugzerreißung und Entgleisung vieler Wagen sein müßte, ist

selbstverständlich. Denn es würde ja beispielsweise der Vorderteil des

Zugs in dem geraden Gleis bleiben, während die hinteren Wagen in das

abzweigende Gleis hineingedrückt würden.

Unsere Fahrstraße aber bleibt trotz des bereits auf Halt gefallenen

Signals und unabhängig von der Stellung des zugehörigen Hebels im

Stellwerk festgelegt, da die elektrische Sperre noch nicht aufgelöst

ist. Das geschieht erst, wenn die letzte Achse des Zugs den Bereich der

Weichen verlassen und auf die freie Strecke hinausgelangt ist. Alsdann

wird infolge der Aufhebung einer leitenden Verbindung zwischen einer

isoliert liegenden Schiene und dem übrigen Gleis mittels eines

Zwischenapparats ein Stromstoß in den Blockapparat gesendet, der die

elektrische Fahrstraßenfestlegung aufhebt. Jetzt erst kann der

Fahrstraßenhebel zurückgelegt werden, nun erst sind die Weichen wieder

frei.

Besondere Einrichtungen bewirken, daß die Auflösung der elektrischen

Fahrstraßensperrung nicht etwa schon durch die erste Achse des Zugs

erfolgt, sondern erst wenn die letzte Achse die isolierte Schiene

verlassen hat. Hierdurch ist die vollständige Räumung der Fahrstraße vor

Aufhebung der Festlegung gesichert.

Nachdem wir den Zug glücklich aus dem Bahnhof hinausgeleitet haben,

müssen wir nunmehr beobachten, ob das von ihm auf Halt gelegte

Ausfahrsignal auch wirklich so lange festgelegt bleibt, bis er an dem

nächsten Signal vorübergefahren und dieses hinter ihm auf Halt gelegt

worden ist. Das stellt ja die eigentliche Blocksicherung im engeren Sinn

dar.

[Abbildung:

Bauart Siemens & Halske in Berlin-Siemensstadt

303. _Blockvorrichtung in einer Blockstelle_

Für elektrisch angetriebene Signale]

Wir sahen, wie durch das Befahren des Schienenstromschließers der Flügel

des Ausfahrsignals an der Blockstelle ~A~ auf Halt ging. Um das Signal

für die nächste Ausfahrt wieder ziehen zu können, mußte der Wärter den

zugehörigen Hebel im Stellwerk gleichfalls auf Halt zurücklegen. Sobald

er dies aber getan hat, ist in den Hebel, der infolge seiner großen

Bedeutung schon so viele Überwachungen erdulden mußte, eine ganz

besondere, bisher von uns noch nicht beobachtete Sperre eingesprungen,

die mechanische Festhaltung. Jetzt kann der Hebel, auch wenn alle vorher

erwähnten Maßnahmen, nämlich richtige Legung der Weichen in der

Fahrstraße, mechanische Fahrstraßen-Verriegelung, elektrische

Fahrstraßen-Festlegung und Freigabe vom Bahnhofsblock her vorgenommen

sind, dennoch nicht wieder auf Fahrt Frei gestellt werden. Die

mechanische Festhaltung tritt dem hindernd entgegen.

Diese rein örtliche Sperrung aber kann der Stellwerkswärter leicht

beseitigen. Doch nur, wenn er eine andere an ihre Stelle setzt, die er

selbst niemals, wohl aber der Wärter in der Blockstelle ~B~, auflösen

kann. Nach Zurücklegung des Signalhebels vollzieht der Wärter in ~A~ die

Handlung des Blockens. Er drückt eine bestimmte Taste nieder und dreht

die Stromkurbel. Das runde Fensterchen im Blockapparat, das sich unter

der Taste befindet und bisher weiß zeigte, wird nun rot. Die mechanische

Festlegung des Signalhebels ist beseitigt, an ihre Stelle ist eine

Riegelstange getreten, die den Signalhebel gleichfalls festhält. Sie

springt erst aus, wenn die Stelle ~B~ einen Strom durch die Leitung

schickt.

Durch das Blocken hat der Wärter in ~A~ nicht nur sein eigenes Blockfeld

in Rot verwandelt, sondern auch das gleiche bei einem Blockfeld in ~B~

getan.

Die an solchen Blockstellen aufgestellten Apparate haben häufig die

Form, welche auf Bild 303 wiedergegeben ist. Die Signalstellung erfolgt

hier nicht durch Hebel mit Drahtzug, sondern durch Drehen der kleinen

Kontaktknöpfe, die man aus dem Kasten unter dem Firmenschild hervorragen

sieht. Wir werden über die elektrische Stellerei noch zu sprechen haben.

Für unsere jetzige Betrachtung ist es gleichgültig, ob die Signale

mechanisch oder elektrisch gezogen werden; das erste ist bei einfachen

Blockstellen häufiger.

Die Blockstelle ~B~ besitzt für jede Fahrtrichtung zwei Blockfelder,

nämlich für eine jede ein Anfangs- und ein Endfeld. Jedes Blockfeld ist

mit einem runden Fensterchen versehen. Dadurch, daß der Wärter in ~A~

blockte, hat er hinter dem am weitesten rechts befindlichen Fensterchen

des Apparats auf unserem Bild eine rote Scheibe erscheinen lassen. Damit

ist der Zug nach ~B~ vorgemeldet, ~B~ ist in dem Endfeld der Strecke

~AB~ vorgeblockt.

Der Wärter in ~B~ zieht nunmehr, wenn sonst kein Grund dagegen spricht,

sein Signal auf Fahrt Frei.

Das Signal in ~A~ liegt noch immer fest. Dessen Entblockung kann der

Wärter in ~B~ nur vornehmen, wenn er die über dem erwähnten Blockfeld

befindliche Taste niederdrückt und die Kurbel dreht. Würde er das jetzt

schon versuchen -- oder gar, bevor er noch das Signal gezogen hatte,

versucht haben -- so würde er finden, daß die Taste festgehalten ist.

Sie kann nicht hinuntergedrückt, ein Entblocken von ~A~ also nicht

vorgenommen werden. Ein senkrecht nach oben gehender Teil der

Tastenvorrichtung wird nämlich in dem Kästchen, das man über der Taste

angebracht sieht, durch eine Sperre festgehalten. Erst wenn diese Sperre

ausgelöst ist, kann der Wärter in ~B~ die Taste niederdrücken und ~A~

entblocken. Bis jetzt ist das noch nicht geschehen.

Unser Zug kommt nunmehr heran und fährt an dem Blocksignal von ~B~

vorüber. Dessen Arm legt er nicht mehr selbsttätig auf Halt. Das ist

nicht notwendig, weil ja ohnedies von ~A~ vorläufig kein Zug

nachzufolgen vermag. Der Wärter in ~B~ kann nicht vergessen, sein Signal

auf Halt zurückzulegen, weil sonst niemals mehr ein Zug von ~A~ her

nachkommen könnte.

Hinter dem Signal bei ~B~ befährt der Zug jedoch gleichfalls einen

Schienenstromschließer. Dieser wirkt hier bei der einfachen Blockstelle

auf die Tastensperre ein, die sich in dem Kästchen über der Taste

befindet. Die Sperre wird durch den eintretenden Stromstoß aufgelöst.

Die Taste aber kann trotzdem noch nicht niedergedrückt werden, weil

nämlich eine ihrer nach unten reichenden Stangen von dem noch auf Fahrt

Frei liegenden Signalhebel, gleichgültig ob er der mechanischen oder

elektrischen Betätigung dient, aufgehalten wird. Erst wenn das Signal

auf Halt zurückgelegt ist, kann die Taste niedergedrückt werden. Das

Entblocken von ~A~ kann also keinesfalls früher erfolgen, als bis der

Zug wieder ein auf Halt liegendes Signal hinter sich als Deckung hat.

[Abbildung: 304. _Blockfeld_

Oben Drucktaste, unten Riegelstange]

Will der Wärter in ~B~ den Wärter in ~A~ instand setzen, wieder einen

Zug abgehen zu lassen, so muß er sein eigenes Signal nunmehr

festblocken. Er drückt die Taste nieder und dreht die Kurbel. Hierdurch

bewirkt er dreierlei. Er legt seinen eigenen Signal-Hebel unter

elektrischen Verschluß, er löst die Blocksperre in ~A~ auf, so daß

dessen Signal nun wieder frei wird, und er blockt nach ~C~ vor. In ~C~

wird das Endfeld rot, in ~A~ wird das nun wieder freie Anfangsfeld weiß,

das Endfeld in ~B~, also das rechte Fensterchen, wird gleichfalls weiß,

zum Zeichen, daß kein Zug von ~A~ unterwegs ist, aber das zweite

Fensterchen, das Anfangsfeld für die Richtung nach ~C~, wird rot, zum

Zeichen, daß sich ein Zug zwischen ~B~ und ~C~ bewegt, dieser

Blockabschnitt also gesperrt ist.

Nachdem der Wärter in ~C~ das angekommene Vorblockungszeichen

wahrgenommen hat, zieht auch er sein Signal, und es spielen sich bei ihm

die gleichen Vorgänge ab, die eben bei ~B~ geschildert wurden. Sobald

der Zug an seinem Signal vorbeigefahren, die Tastensperre aufgelöst und

das Signal auf Halt gelegt ist, nimmt der Wärter in ~C~ die

Blockhandlung vor, wodurch er wieder sein eigenes Signal festlegt und

~B~ entblockt, sodaß dessen Anfangsfeld für die Strecke nach ~C~ wieder

weiß wird; er meldet ferner gleichzeitig den Zug nach ~D~ vor.

Auf diese Weise wird der Zug in seinem Lauf ständig von der

Blockeinrichtung überwacht. Gleich Herolden laufen die Blockströme vor

ihm her, und wie eine sorgsame Leibwache decken sie ihm den Rücken. Die

Abhängigkeiten der Signale voneinander sind dabei bis in die letzte

Möglichkeit hinein gesichert. Solange der Wärter nicht zehnmal

geheiligte Verschlüsse an seinem Apparat zerstört, ist er nicht

imstande, die fest gespannte Kette der Sicherungen zu durchbrechen.

Die unübertrefflich großartige Einrichtung der Blocksicherung ist im

Jahre 1870 von dem deutschen Ingenieur Carl _Frischen_ erfunden und von

der Firma Siemens & Halske, in deren Diensten Frischen stand, seither in

hervorragendster Weise aus- und durchgebildet worden. Die

Blockeinrichtungen von Siemens & Halske sind auf fast sämtlichen

deutschen Eisenbahnen zu finden und auch weit im Ausland verbreitet. Als

die deutschen Truppen im Jahre 1914 in Belgien eingedrungen waren, fiel

ihnen die Wiederherstellung der zerstörten Eisenbahnsicherungs-Anlagen

besonders leicht, weil diese fast sämtlich Erzeugnisse der genannten

Firma waren.

Besonders umfangreich sind die Blocksicherungen naturgemäß bei

eingeleisigen Bahnen. Gilt es doch hier, nicht nur die Folge von

hintereinanderfahrenden Zügen nach Blockabschnitten einzuteilen, es

müssen ganz besonders auch Fahrten von Zügen gegeneinander

ausgeschlossen werden. Dies gelingt gleichfalls vollständig; kein

Blockwärter ist imstande, einen Zug in einen Blockabschnitt einzulassen,

wenn sich in diesem ein anderer in der Gegenrichtung bewegt.

Es ist gewiß bereits eine stolze Fülle von Sicherheitsvorkehrungen, die

wir bis jetzt im Bereich der Signale beobachten konnten. Dabei haben wir

aber die Weichen noch nicht näher ins Auge gefaßt, deren

Bewegungsvorrichtungen ja in engster Berührung mit den Signalzügen

stehen. Sie beeinflussen aufs lebhafteste die Stellungen der schützenden

Arme und werden umgekehrt wieder von diesen beherrscht.

Die Bauformen der Weichen sind bereits auf den Seiten 183-187

beschrieben worden. Mit der gründlichen Durcharbeitung derjenigen Teile

aber, die wirklich von den Fahrzeugrädern befahren werden, ist es bei

weitem nicht getan, sobald die Fahrtsicherungen mit in Betracht gezogen

werden.

Eine Weichenspitze ist ein gefährliches Ding. Während sonst das zu

befahrende Gleis kraftvoll befestigt ist, muß hier ein leicht

bewegliches Stück eingelegt werden. Sogleich tritt die Forderung auf,

leichte Beweglichkeit mit unverrückbarer Festigkeit zu vereinigen.

Die Weichenzungen werden, gleichgültig ob sie durch einen Hebel in

unmittelbarer Nähe oder von einem weiter entfernten Stellwerk aus bewegt

werden, stets mit kräftigem Druck gegen die Mutterschiene gepreßt. Aber

hiermit ist man durchaus noch nicht zufrieden. Man verlangt, daß die

anliegende Zunge nicht etwa durch bloße Erschütterung von ihrer

Anlagestelle abgedrängt werden kann. Es muß außer dem Anpressen der

Zungen noch ein richtiges Anschließen an die Backenschiene stattfinden.

Eine sehr weit verbreitete Vorkehrung zur Herbeiführung dieser Sicherung

ist das Hakenschloß. Wir finden es in verschiedenen Lagen auf Bild 305

dargestellt. Auf dem Teilbild 1 liegt die rechte Zunge an der

Backenschiene. Man sieht, daß von der Stellstange aus ein Haken abgeht,

der sich außen fest um ein Verschlußstück legt. Die Weichenzunge ist

hierdurch gegen Verrückung verschlossen. Das gleiche muß bei umgekehrter

Lage der Weiche möglich sein.

Teilbild 2 zeigt, wie die Stellstange, wenn die Weiche umgelegt werden

soll, zuerst den Haken vom Verschlußstück abzieht, dann erst (Teilbild

3) die Weichenzungen in Bewegung setzt und darauf, sobald die

tatsächliche Umlegung stattgefunden hat, die andere Zunge durch Schieben

des linken Hakens über das zugehörige Verschlußstück verschließt

(Teilbild 4).

[Abbildung: 305. _Spitzenverschluß für Weichen: Hakenweichenschloß_

1. Weiche in Grundstellung verschlossen. 2. Verriegelung gelöst,

Weiche wird verschoben. 3. Weiche umgelegt. 4. Weiche in umgelegter

Stellung verschlossen.]

Durch eine solche oder ähnliche Vorrichtungen wird die Weiche für das

Befahren gegen die Spitze festgelegt. Es muß aber auch noch für die

Fahrten durch die Weichen vom Herzstück her besondere Vorsorge getroffen

werden.

Bei Betrachtung der Bilder 137 und 138 (Seite 183) ist deutlich zu

erkennen, daß die Weiche auch für das Befahren von hinten her

notwendigerweise nur für einen Strang richtig liegen kann, entweder für

den geraden oder für den krummen Strang. Trotzdem darf eine

Entgleisungsgefahr nicht entstehen, wenn einmal ein Fahrzeug aus

demjenigen Strang in die Weiche einfahren will, für den sie nicht

gestellt ist. Wir haben bereits gehört, daß aus diesem Grund die in

ihrer Bauart so einfache Schleppweiche (Seite 83) bei uns nicht

verwendet werden darf, weil sie ein Befahren vom falschen Strang her

unmöglich macht.

Durch solche Erwägungen kommt man bei unseren heutigen Weichen zu der

Forderung ihrer leichten „Auffahrbarkeit“. Fährt bei der Weiche auf Bild

137 ein Fahrzeug von der Herzstückseite her auf dem abzweigenden Strang

ein, so müßte es, wenn die anliegende Zungenspitze unverrückbar

verriegelt bliebe, die Zungen zerstören, indem auf der einen Seite der

Radkranz sich zwischen Backenschiene und Zunge klemmen, auf der anderen

die spurverengende, abliegende Zunge wegdrücken würde. Da nun derartige

falsche Einfahrten auf großen Verschiebebahnhöfen mit ihren zahlreichen

Weichen nicht allzu selten vorkommen, würde man, falls die Dinge so

lägen, fortwährend neue Weichen einzulegen haben, von der Gefährdung der

Fahrzeuge ganz abgesehen.

[Abbildung:

Bauart Jüdel & Co.

306. _Weichenhebel in Grundstellung_

Obere Verschlußstücke stoßen an]

[Abbildung: 307. _Weichenhebel umgelegt_

Untere Verschlußstücke stoßen an]

[Abbildung: 308. _Weiche aufgefahren!_

Sämtliche Verschlußstücke stoßen an. Stellrolle am Weichenhebel

verdreht; Warnscheibe sichtbar]

[Abbildung:

Bauart Siemens & Halske

309. _Weichen- und Signal-Drahtzüge_]

In Wirklichkeit spielt sich der Vorgang des falschen Durchfahrens von

hinten her so ab, daß die abliegende Zunge, die zuerst vom Radkranz

berührt wird, sich ohne größeren Widerstand hinüberdrängen läßt. Der

Haken des Hakenschlosses geht vom Verschlußstück bei der anliegenden

Zunge ab, genau als wenn die Weiche umgelegt würde. Es findet eine

richtige Umstellung der ganzen Weichenanlage statt, so daß, nachdem die

erste Achse des falsch eingelaufenen Fahrzeugs die ganze Weiche

durchfahren hat, diese auf die andere Seite hinübergeworfen und auch in

dieser Lage verriegelt ist. Was vorher abliegende Zunge war, ist jetzt

anliegende Zunge geworden und umgekehrt.

[Abbildung:

Bauart Siemens & Halske

310. _Umlenkung von Drahtzügen_

an einem großen Stellwerk]

Da die Stellstange der Weiche, die hierbei den ganzen ihr zur Verfügung

stehenden Weg zurückgelegt hat, ja mit dem Weichenantrieb untrennbar

vereinigt, und dieser wieder durch den Drahtzug mit der

Weichenstell-Vorrichtung im Stellwerk fest verbunden ist, so muß, da der

Draht bei einer solchen Bewegung natürlich nicht reißen darf,

gleichzeitig auch eine Bewegung der Stellvorrichtung im Stellwerk

stattfinden. Das ist in der Tat der Fall.

[Abbildung:

Bauart Jüdel & Co.

311. _Spannvorrichtung_

in einem Weichen-Drahtzug]

Die Welt auf Schienen Eine Darstellung der Einrichtungen und des Betriebs auf den Eisenbahnen des Fernverkehrs, Nebst einer Geschichte der Eisenbahn · 第 45 / 60 段