Wie die Natur dem Menschen die Sehnsucht nach der Heimat ins Gemüt

gepflanzt hat, so bewirken die Fahrdienstvorschriften, daß auch jeder

Personenwagen immer wieder dem heimatlichen Bahnhof zustrebt, ihn nach

Beendigung seines Reiseauftrags stets aufs schnellste zu erreichen

sucht. Hier ist der Ort, wo er gewissermaßen liebevoll empfangen wird,

wo man sich seiner annimmt, ihn pflegt, indem man genau nachforscht, ob

er sich unterwegs vielleicht irgendein Leiden zugezogen hat, das geheilt

werden muß, wo man seine Achslager besonders sorgfältig mit neuem

Schmierstoff versieht, ihn vom Reisestaub befreit und sauber putzt.

Zur Erzielung eines glatten Rücklaufs in die Heimat wird möglichst je

ein Wagensatz, der den Stamm darstellt, für einen hin- und rücklaufenden

Zug benutzt. Diese beiden Züge nennt man dann ein Zugpaar. Die Wagen

laufen von der Zugbildungsstelle bis zur Wendestelle und gehen alsdann

möglichst bald wieder auf den umgekehrten Weg. Bei Aufstellung der

Fahrpläne ist auf diesen Stammwagen-Umlauf sorgfältig Rücksicht zu

nehmen. Der Gegenzug zu demjenigen Zug, der die Stammwagengruppe zur

Wendestelle bringt, darf erst zu einer Zeit abgehen, die von der

Ankunftszeit an der Wendestelle so weit abliegt, daß auch im Fall einer

Verspätung des ankommenden Zugs die Wagen für den abgehenden Zug mit

Bestimmtheit zur Stelle sind, und daß Zeit zum Reinigen der Wagen, sowie

zur Instandsetzung und der meist nötigen Umstellung der Gruppe bleibt.

Wenn die Zugfahrt bis zur Wendestelle nicht länger als zehn Stunden

währt, kommt man mit Einem Wagensatz aus. Sonst müssen für denselben Zug

deren mehrere vorhanden sein. Bei kürzeren Fahrzeiten kann ein Wagensatz

mehrere Hin- und Herfahrten innerhalb eines Tags ausführen, oder man

benutzt ihn für zwei bis drei aneinanderschließende Zugläufe. Immer aber

muß er zuletzt wieder im Heimatbahnhof eintreffen.

Für die Kurswagen müssen ähnliche Umlaufspläne aufgestellt werden. Hier

handelt es sich oft um außerordentlich lange Läufe, welche die Wagen

viele Tage lang von der Heimat fernhalten. Man denke nur an die

durchlaufenden Wagen Berlin-Rom oder Berlin-Marseille. Damit auch hier

eine Übersicht in bequemer Weise gewonnen wird, behandelt man jeden

Kurswagen so, als wäre er ein ganzer Wagensatz. Entsprechendes gilt für

die Sonderwagen, welche die Züge entweder nur am Tag oder nur in der

Nacht begleiten: die Speise- und Schlafwagen.

Die Zusammensetzung jedes einzelnen Personenzugs wird den

Zugbildungsstellen beim Wirkungsbeginn jedes neuen Fahrplans

vorgeschrieben. Es geschieht dies durch die Zugbildungspläne.

Jeder von diesen enthält zwei Abschnitte. Der erste, Ordnungsplan

genannt, führt jeden Zug mit seiner Nummer auf und nennt dann die

Wagenklassen, Bremsgattung und Heizungsart, die der Zug führen soll;

hierauf werden die Wagen genau in der Reihenfolge angegeben, wie sie,

von der Lokomotive angefangen, in den Zug einzustellen sind. Mit diesem

Ordnungsplan, den jeder Direktionsbezirk für sich aufstellt, werden alle

Züge während ihres Umlaufs innerhalb des Bezirks verfolgt. Abteilung 2,

Wagenumlaufsplan, enthält, nach Zugbildungsstellen geordnet, Abgangs-

und Ankunftszeiten jedes Wagensatzes, sowie die gleichen Angaben für

dessen Wendestelle. Wie beide Teile des Zugsbildungsplans

zusammenarbeiten, wird aus den folgenden Darlegungen hervorgehen.

Für die Aufstellungen im Zugbildungsplan werden Abkürzungen verwendet,

die vom telegraphischen Verkehr herstammen. Es ist selbstverständlich,

daß trotz aller sorgfältig abgewogenen Zuweisungen unausgesetzt

telegraphische Anweisungen über Wagenläufe an die Zugbildungsstellen zu

geben sind, und daß auch diese oft Anforderungen zu machen haben.

Schwankungen im Verkehr, größere Wagenausfälle oder Stauungen aus

unvorhergesehenen Ursachen treten ja öfter ein und müssen ausgeglichen

werden. Es wäre nun höchst umständlich, jede Wagenart im Telegramm stets

ausführlich zu benennen. Vereinbarte Kürzungen ersparen viel Zeit und

Telegraphierarbeit. Wenn ein Bahnhof z. B. einen ~D~-Wagen haben will,

der Abteile zweiter und dritter Klasse enthalten soll, ferner einen

Abteilwagen mit erster und zweiter Klasse und einen Wagen vierter

Klasse, so braucht er dies nach den Vereinbarungen nicht ausführlich an

die Zuteilungsstelle zu telegraphieren. Er drahtet vielmehr nur: aus den

und den Gründen erwünscht ~BCCü~, ~AB~, ~D~.

Die Lösung dieses Buchstabenrätsels ergibt sich aus folgendem. Bei

Personenwagen werden die vier Klassen mit den Buchstaben ~A~, ~B~, ~C~,

~D~ bezeichnet. Hat der Wagen mehr als drei Achsen, also vier oder

sechs, ist er folglich ein Drehgestellwagen, so wird der letzte

Buchstabe verdoppelt. Packwagen heißen ~P~, vierachsige Packwagen ~PP~.

Bahnpostwagen werden mit ~Post~ bezeichnet; wenn sie die besondere Länge

von 17 Metern haben, tritt noch eine 17 hinzu. ~EK~ sind

Eilgut-Kurswagen.

Weiter sind als Zusätze üblich: ~ü~ für Wagen mit Durchgang und

Übergangsbrücken, die durch Faltenbälge geschützt sind (~D~-Wagen); ~i~

für Wagen mit Durchgang (meist Mitteldurchgang) und offenen

Übergangsbrücken; ~post~ für Wagen mit Postraum.

Danach bedeutet z. B.:

~AB~ einen zwei- oder dreiachsigen Wagen mit Abteilen erster und

zweiter Klasse

~ABB~ einen vier- oder sechsachsigen Wagen mit erster und zweiter

Klasse

~C~ einen zwei- oder dreiachsigen Wagen mit Abteilen dritter Klasse

~CC~ einen vier- oder sechsachsigen Wagen dritter Klasse

~D~ einen Wagen vierter Klasse

~ABCC~ einen vier- oder sechsachsigen Wagen mit Abteilen erster bis

dritter Klasse

~ABCCü~ einen ebensolchen ~D~-Wagen

~CCü~ einen ~D~-Wagen dritter Klasse

~Ppost~ einen Packwagen mit Postraum.

Angaben des Ordnungsplans der Eisenbahndirektion Halle sehen z. B.

folgendermaßen aus:

===+=====+=====+====+===========+=====+==================+====+=======

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9

---+-----+-----+----+-----------+-----+------------------+----+-------

Zug| Wa- |Brem-|Hei-| Anzahl, |Kommt| _Wagenlauf_ |Geht| Nr.

Nr.|gen- | se |zung| Gattung | aus | |über| des

|klas-| | | und | Zug | | in | Ab-

| se | | |Reihenfolge| | |Zug |schnit-

| | | | der Wagen | | | | tes

| | | | | | | | ~II~

===+=====+=====+====+===========+=====+==================+====+=======

~D~| 1/3 |Wsbr | D |1 ~PPü~ | 37 |Berlin-Stuttgart | 37 | 49

38 | | | | | | | |

| | | |1 ~ABCCü~ | 37 |Berlin-Saarbrücken| 37 | 50

| | | |1 ~ABBü~, | 37 |Berlin-Stuttgart | 37 | 49

| | | |1 ~BCCü~ | | | |

| | | |2 ~CCü~, | | | |

| | | |2 ~Schlaf~ | | | |

| | | |1 ~Post~ 17| 37 |desgl. | 37 | --

| | | | --------- | | | |

| | | | 36 Achsen | | | |

| | | | | | | |

~D~| 1/3 |Wsbr | D |1 ~Post~ 17| 38 |Stuttgart-Berlin | 38 | --

37 | | | |1 ~ABCCü~ | 38 |Saarbrücken-Berlin| 38 | 50

| | | |2 ~CCü~, | | | |

| | | |1 ~BCCü~ | | | |

| | | |1 ~ABBü~, | | | |

| | | |2 ~Schlaf~ | | | |

| | | |1 ~PPü~ | 38 |Stuttgart-Berlin | 38 | 49

| | | | --------- | | | |

| | | | 36 Achsen | | | |

Es handelt sich hier um ein Zugpaar mit erster bis dritter Klasse. Die

Wagen haben Westinghouse-Bremse und Dampfheizung. Die Fahrzeuge sind

sämtlich ~D~-Wagen, die in der angegebenen Reihenfolge, von der

Lokomotive an gerechnet, aufgestellt sind. Der Stamm des Zugs läuft von

Berlin nach Stuttgart und zurück. Ein Wagen mit erster, zweiter und

dritter Klasse jedoch läuft zwischen Berlin und Saarbrücken. Die Wagen,

aus denen die Zugbildungsstelle in Berlin den ~D~ 38 bildet, entnimmt

sie dem ankommenden ~D~ 37. Nach Beendigung der Fahrt von ~D~ 38 gehen

die Wagen an den Endstellen wieder in ~D~ 37 über, um von neuem nach

Berlin zu laufen. Man sieht schon aus diesem Beispiel, daß auf den

Zugbildungsstellen viele Verschiebebewegungen auszuführen sind, weniger

freilich als im Güterzugverkehr.

Spalte 9 des Ordnungsplans weist auf den Abschnitt 2 des

Zugbildungsplans, den Wagenumlaufsplan, hin. Hier heißt es unter den

Nummern 49 und 50, die für die Zugbildungsstelle Berlin-Anhalter Bahnhof

aufgestellt sind:

~RrG~ -- Hauptreinigung ~R~ Zwischenreinigung ~r~ Gasfüllung ~G~

===+=====+=====+======+=======+=====+========+============+==========

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9

---+-----+-----+------+-------+-----+--------+------------+----------

Nr.| Um- |Zug- |Wagen-|Ankunft|~RrG~|Abfahrt |Anzahl und | Die

|lauf-|gat- | lauf | | | |Gattung der | Wagen

|tage |tung | | | | | Wagen | stellt

| |und | | | | | |

| |Nr. | | | | | |

===+=====+=====+======+=======+=====+========+============+==========

49 | 1 | |Berlin| | |7^{#54#}|1 ~PPü~, } |Berl. Anh.

| |~D~38| | | | |1 ~ABBü~,} | B.

| 2 | |Stutt-| 9^{58}|~R~ |8^{#23#}|1 ~BCCü~,} | Mitropa

| | |gart | | | |2 ~CCü~ } |

| |~D~37| | | | |(2 ~Schlaf~)|

| | |Berlin| 9^{48}|~R G~| +------------+----------

| | | | | | |1 ~PPü~, } |Berl. Anh.

| | | | | | |1 ~ABBü~,} | B.

| | | | | | |1 ~BCCü~,} | Mitropa

| | | | | | |2 ~CCü~ } |

| | | | | | |(2 ~Schlaf~)|

| | | | | | | |

50 | 1 | |Berlin| | |7^{#54#}|(1 ~ABCCü~) | ~D.~ Lud-

| |~D~38| | | | | |wigshafen

| 2 | |Lud- |10^{34}| |8^{28} +------------+----------

| | |wigs- | | | |(1 ~ABCCü~) | ~D.~ Lud-

| | |hafen | | | | |wigshafen

| |~D~36| | | | | |

| 3 | |Saar- |10^{05}|~R G~|5^{05} | |

| | |brü- | | | | |

| | |cken | | | | |

| |~D~37| | | | | |

| | |Berlin| 9^{48}|~R G~| | |

Hier kann man unter Nr. 49 zunächst den Lauf des Zugstamms verfolgen. Er

fährt um 7 Uhr 54 Min. abends aus Berlin mit ~D~ 38 ab und trifft um 9

Uhr 58 Min. morgens in Stuttgart ein. Dort wird er -- nach dem

Wagenumlaufsplan für die Zugbildungsstelle Stuttgart -- umgereiht, fährt

um 8 Uhr 23 Min. abends wieder aus Stuttgart fort, und zwar mit ~D~ 37,

kommt 9 Uhr 48 Min. morgens in Berlin an. In Stuttgart und in Berlin

findet je eine Hauptreinigung statt, Gasfüllung jedoch nur auf dem

Heimatbahnhof in Berlin. Da die Wagengruppe zwei Umlaufstage hat, so muß

sie auf der Zugbildungsstelle zweimal vorhanden sein, was durch

Doppelaufzählung der Wagen ausgedrückt wird. Die Kürzung Mitropa sagt,

daß die Schlafwagen von der Mitteleuropäischen Schlafwagen- und

Speisewagen-Aktien-Gesellschaft gestellt werden.

Der Lauf des Kurswagens Berlin-Saarbrücken, den die pfälzische

Eisenbahndirektion Ludwigshafen stellt, ist aus Nr. 50 des

Wagenumlaufsplans zu ersehen. Die darin enthaltenen Angaben erklären

sich aus dem vorher Gesagten.

Es sei noch der Ordnungsplan eines Personenzugs angeführt, aus dem man

ersehen kann, wie vielfältig der Lauf der einzelnen Wagen sein kann, aus

denen ein geschlossener Zug gebildet ist:

===+=====+=====+====+=============+=====+===============+====+=======+

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |

---+-----+-----+----+-------------+-----+---------------+----+-------+

Zug| Wa- |Brem-|Hei-| Anzahl, |Kommt| Wagenlauf |Geht| Nr. |

Nr.|gen- | se |zung| Gattung und | aus | |über| des |

|klas-| | | Reihenfolge | Zug | | in | Ab- |

| se | | | der Wagen | | |Zug |schnit-|

| | | | | | | | tes |

| | | | | | | | ~II~ |

===+=====+=====+====+=============+=====+===============+====+=======+

841| 2/4 |Wsbr | D | | 889 |Frankfurt (M.)-| 859| -- |

| bis | | |1 ~Postbeiw.~| |Leipzig Hbf. | | |

|Witt.| | | 1 ~Post~ | 889 |Frankfurt (M.)-| 808| -- |

| 1/4 | | | 1 ~PP~ | |Berlin | | |

| ab | | |1 ~D~, 1 ~C~ | 842 |Cassel-Berlin | 842| 78 |

|Witt.| | | 1 ~AB~ | 806 |Wittenberg- | 806| 100 |

| | | |2 ~D~, 1 ~B~,| |Berlin | | |

| | | | 2 ~C~ | 802 |desgl. | 802| 88 |

| | | |1 ~D~, 1 ~C~ | 810 |Cassel-Berlin | 842| 78 |

| | | |1 ~Postbeiw.~| 842 |Eisenach-Berlin| 842| 79 |

| | | | 1 ~D~ | -- |Halle-Berlin | --| -- |

| | | | 1 ~CC~, | 806 |Jüterbog-Berlin| 806| 100 |

| | | | 1 ~BCC~ | 186 |Naumburg-Halle | 186| 264 |

| | | |4 ~C~, 5 ~D~ |Vrz. |Corbetha-Halle |Vrz.| 266 |

| | | |1 ~Postbeiw.~| 202 | | 802| |

| | | | |6095 |Corbetha-Halle |6091| -- |

Besonders übersichtlich sind die bildlichen Pläne, welche die

bayerischen Staatseisenbahnen für das pfälzische Netz verwenden. Hiervon

gleichfalls ein Beispiel:

+-------------+ \

| ~PP~ | |

| Straßburg- | |

|Frankf. a. M.| |

| ~Mz~ | |

+-------------+ |

| ~CC~ | |

| Straßburg- | |

|Frankf. a. M.| |

| ~Mz~ | |

+-------------+ |

| ~CC~ | |

| Straßburg- | |

|Frankf. a. M.| |

| ~Mz~ | |

+-------------+ |- aus ~D~ 105

| ~ABB~ | |

| Straßburg- | |

|Frankf. a. M.| |

| ~Mz~ | |

+-------------+ |

| ~CC~ | |

| Straßburg- | |

|Frankf. a. M.| |

| ~Mz~ | |

+-------------+ |

| ~CC~ | |

| Straßburg- | |

|Frankf. a. M.| |

| ~Mz~ | /

+-------------+

| ~CC~ |

| Neustadt- | aus ~E~ 90

| L’hafen | für ~E~ 172

| ~Mz~ |

+-------------+

| ~C~ |

| Neustadt- | für 208

| L’hafen |

| ~Nd~ |

+-------------+

| |

| |

| +--+

| | |

+-------------+--+

Ferner gibt es in jedem Direktionsbezirk eine „Nachweisung der Personen-

und Gepäckwagen“. Sie enthält den Steckbrief jedes einzelnen Wagens

unter der an ihm mit großen Ziffern angebrachten Nummer. Bei

Anforderungen kann die Zuteilungsstelle aus der Nachweisung sogleich

ersehen, welche Wagen für den betreffenden Zweck brauchbar sind. Aus den

Zuteilungen und aus dem Zugbildungsplan ist zu entnehmen, wo jeder Wagen

im Augenblick weilt und zu erreichen ist. Hier einige Beispiele aus der

Wagennachweisung:

======+=========+=============+====+======+=======+

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |

------+---------+-------------+----+------+-------+

Nr. |Gattungs-|Heimatstation|Ach-| Rad- | Eigen-|

des |zeichen | |sen-|stand |gewicht|

Wagens| | |zahl| | |

| | | | ~m~ | ~t~ |

======+=========+=============+====+======+=======+

03140 | ~ABBü~ | Berlin Ahb. | 4 | 15,65| 42,0 |

02151 | ~CCü~ |Leipzig Hbf. | 4 | 15,50| 41,6 |

497 | ~ABi~ |Leipzig Hbf. | 3 |#8,50#| 20,9 |

975 | ~BC~ | Cottbus | 3 |#7,50#| 19,8 |

2216 | ~D~ | Cottbus | 3 |#7,50#| 17,4 |

======+=======================+=======================+=======+

1 | 7 | 8 | 9 |

------+-----------------------+-----------------------+-------+

Nr. | Anzahl |Abteile|

des | der Abteile | der Plätze | mit |

Wagens+-----+-----+-----+-----+-----+-----+-----+-----+ Abort |

| 1. | 2. | 3. | 4. | 1. | 2. | 3. | 4. | |

| Klasse | Klasse | |

======+=======================+=======================+=======+

03140 | 2 | 5 | -- | -- | 8 | 30 | -- | -- | #7# |

02151 | -- | -- | 8 | -- | -- | -- | 64 | -- | #8# |

497 |1-1/2| 3 | -- | -- | 6 | 18 | -- | -- |#4-1/2#|

975 | -- | 2 | 4 | -- | -- | 12 | 32 | -- | 6 |

2216 | -- | -- | -- |3 (2)| -- | -- | -- | 60 | 3 |

======+========+==========+======+======+=====+

1 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |

------+--------+----------+------+------+-----+

Nr. | Bremse | Heizung | Be- |Liefe-|Werk-|

des | | |leuch-|rungs-|statt|

Wagens| | | tung | jahr | |

======+========+==========+======+======+=====+

03140 |Ksbr, Br|N u. H Dhz| Gg | 11 | Tf |

02151 |Wsbr, Br|N u. H Dhz| Gg | 07 | De |

497 |Wsbr, Br|N u. H Dhz| Gg | 97 | De |

975 |Ksbr, Br|N u. H Dhz| Gg | 07 | Cs |

2216 |Ksbr, Br|N Dhz | Gg | 12 | Cs |

Hierzu ist zu bemerken:

Der erste Wagen ist ein ~D~-Wagen mit vier Achsen, deren äußerster

Abstand, hier Radstand genannt, 15,65 Meter beträgt. Das Eigengewicht

ist 42 Tonnen, gleich 42 000 Kilogramm. Die Unterstreichung der

Zahl in Spalte 9 bedeutet, daß die Aborte mit Wascheinrichtung

versehen sind. Der Wagen hat, nach den Angaben in den Spalten 10

bis 12, Knorr-Schnellbremse und Handbremse, Niederdruck- und

Hochdruck-Dampfheizung, Gasglühlichtbeleuchtung. Hergestellt ist er in

der Werkstatt Tempelhof. Wsbr. bedeutet Westinghouse-Schnellbremse, die

Unterstreichung des Radstands (Achsstands) in Spalte 5 sagt, daß der

Wagen mit Vereins-Lenkachsen ausgerüstet ist. De ist die Werkstätte

Delitzsch, Cs bedeutet Werkstätte Cottbus.

Ähnliche Nachweisungen, wie sie für die Wagen vorhanden sind, gibt es

auch für die Laufschilder, welche an diesen befestigt werden. Es ist

möglich, den Verbleib jedes einzelnen Schilds im Bereich aller deutschen

Bahnen genau zu verfolgen.

Das vorhin angeführte Bildungsbeispiel für die Züge ~D~ 37 und ~D~ 38

hat bereits erkennen lassen, daß in einem und demselben Zug Wagen

durcheinanderlaufen können, die verschiedenen Verwaltungen gehören. Das

setzt natürlich eine Verständigung zwischen den einzelnen

Wageneigentümern voraus. Alljährlich zweimal, im Frühjahr für den

Sommerdienst, im Spätsommer für den Winterdienst, finden

Wagenbeistellungs-Beratungen statt. In ihnen setzen die hierzu

abgeordneten Vertreter der deutschen Verwaltungen fest, wo durchlaufende

Züge oder, bei geringerem Verkehr, durchlaufende Wagen geführt werden

sollen. In Friedenszeiten beteiligen sich auch außerdeutsche

Bahnverwaltungen an diesen Beratungen, und ihr Ergebnis ist dann

jedesmal der europäische Wagenbeistellungs-Plan, auf Grund dessen die

großen zwischenstaatlichen Zugläufe bestimmt werden, der aber auch die

durchgehenden Zugläufe im Reich in sich schließt.

Jedes Kilometer, das ein Wagen im Bereich einer fremden Verwaltung

durchfährt, wird dieser auf Rechnung gestellt. Jeder Wageneigentümer

rechnet nach bestimmten Zeiten aus, wieviel Kilometer seine Fahrzeuge

nach dem Wagenbeistellungs-Plan für die übrigen Verwaltungen geleistet

haben. Alle diese Aufstellungen werden dann einer Vermittlungsstelle,

nämlich dem Eisenbahnzentralamt in Berlin, übersandt, und dieses sucht

nun nach Möglichkeit einen Naturausgleich zu schaffen. Dies will sagen,

daß die Schuld, die eine Verwaltung der anderen gegenüber angesammelt

hat, nicht in bar, sondern wieder in Wagenachs-Kilometern ausgeglichen

wird und das unter Anwendung einer Gesamtaufrechnung. Ist z. B. die

Verwaltung ~A~ der Verwaltung ~B~ Wagenachs-Kilometer schuldig, während

sie gegenüber der Verwaltung ~C~ einen Überschuß hat, so wird das durch

Verrechnung zwischen ~B~ und ~C~ ausgeglichen. Selbstverständlich kommt

es kaum jemals vor, daß die Zahlen sich zu Null ergänzen; die

Ausgleichstelle sorgt jedoch dafür, daß keine Rechnung allzuhoch

anschwillt.

Wenn ein Personenzug auf dem für seinen Lauf festgesetzten Endbahnhof

angekommen, der letzte Fahrgast ausgestiegen ist und die Wagen in die

abgelegenen Gefilde des Abstellbahnhofs geschafft sind, dann nimmt der

Zug alsbald ein ganz anderes Gesicht an. Er ist nicht mehr ein vornehmer

Herr, der mit steifer Gelassenheit Gäste empfängt, sondern gleicht mehr

einem Burschen, der nach langer Reise heimkehrt und nichts anderes im

Sinn hat, als sich zunächst einmal ordentlich zu säubern.

Zunächst drückt der Zug seine Absicht, längere Zeit an seinem Abstellort

zu verweilen, dadurch aus, daß er sogleich die Lokomotive fortschickt,

die ihn vielleicht hundert Kilometer weit bis hierher gezogen hat. An

ihre Stelle tritt eine gemütliche Verschiebe-Lokomotive, die ihn in den

Reinigungsschuppen bringt. Dort drinnen wird er bereits von einer

dienstbereiten Schar erwartet. Sie stürzt sich auf ihn, und nun werden

die Wagendächer abgefegt, die Wasserablaufrinnen gesäubert, mit nassen

Tüchern und Besen werden die Außenwände von Ruß und Schmutz befreit, die

Lager, Untergestelle und Einsteigtritte vom Staub und Sand gesäubert, im

Winter werden die Eiskrusten weggeschlagen. Darauf sind aus jedem Abteil

die darin liegengebliebenen Gegenstände aufzulesen, das Papier in

bereitgestellte Körbe zu werfen. Alsdann wird nach Entfernung der

Fußdecken ausgefegt, die Polster werden geklopft oder durch Staubsauger

gereinigt. Die Heizkörper sind abzustauben, die Aschenbecher zu

reinigen, die Spucknäpfe sauber auszuwaschen. Die Fenstervorhänge und

die Stoffblenden an den Lampen sind auszubürsten, die Lüftungsschieber

von Flugasche zu befreien.

Nachdem die ganz groben Arbeiten erledigt sind, geht es an das Putzen

der Fenster, der Spiegel und der blanken Teile. Sobald das letzte

Stäubchen entfernt ist, kommt wieder eine Verschiebe-Lokomotive heran,

zieht den Zug in ein Ausziehgleis und ordnet durch zahlreiche Bewegungen

die Wagen so, daß sie für die nächste Fahrt die richtige Reihenfolge

nach der Vorschrift des Zugsbildungsplans haben. Darauf wird der Zug in

ein Gleis für fertige Züge geschoben, wo die Achsbehälter mit neuem

Schmierstoff versehen, der Gasvorrat ergänzt wird. Im Winter findet auch

ein Vorheizen aus ortsfesten Dampfanlagen statt. Die Wasserbehälter in

den Aborten mit Wascheinrichtungen werden gefüllt, die hierzu

vorgesehenen Behälter mit Handtüchern und Seife neu ausgestattet.

Aufsichtsbeamte sehen die Laufwerke noch einmal gründlich daraufhin

nach, ob an ihnen irgendein betriebsgefährlicher Schaden wahrzunehmen

ist.

Manchmal treffen auf einem Abstellbahnhof auch Wagen ein, deren

Säuberung so rasch nicht vorgenommen werden kann. In gewöhnlichen Zeiten

rollen die deutschen Personenwagen ja vielfach über die Landesgrenzen,

und dort kommen sie öfter in die Gefahr, mit Ungeziefer behaftet zu

werden. Wird ein Wagen entdeckt, dem ein solches Mißgeschick widerfahren

ist, so darf er nicht wieder in Betrieb genommen werden, bevor die

unliebsamen Gäste mit Sicherheit getötet und entfernt sind.

[Abbildung:

Erbaut von der Julius Pintsch-A.-G. in Berlin

268. _Entseuchungs-Vorrichtung für Eisenbahnwagen_

Ein Schlafwagen fährt in das eiserne Rohr ein. Der Abschlußdeckel ist

seitlich ausgefahren]

[Abbildung: 269. _Blick in das Entseuchungsrohr_]

Eine solche Wagenreinigung war nun früher nicht anders möglich, als daß

zunächst einmal sämtliche Polsterteile und auch die Wandbekleidungen

abgenommen wurden. Hierdurch entstanden viel Zeitverlust und Kosten, und

es war stets die Gefahr vorhanden, daß die reinigende Werkstatt

gleichfalls vom Ungeziefer befallen wurde. Die Firma Julius Pintsch hat

eine in den letzten Jahren viel verwendete Vorrichtung geschaffen, die

das Abtöten der Tiere bewirkt, ohne daß besondere Maßnahmen am Wagen

selbst notwendig sind. Es wird zu diesem Zweck auf dem Abstellbahnhof

eine gewaltige Röhre aufgebaut, die aus einzelnen gußeisernen Ringen

von etwa fünf Metern Durchmesser besteht. Die hintere Öffnung wird fest

abgeschlossen, die vordere erhält eine aufschiebbare Tür, die an den

Rohrkörper luftdicht angepreßt werden kann. Der zu reinigende Wagen wird

hineingeschoben, die Tür geschlossen, und alsdann wird der ganze Raum

durch ein innen angebrachtes, mit Dampf beschicktes Röhrennetz bis auf

50 Grad erwärmt. Eine Luftpumpe führt darauf eine sehr starke

Luftverdünnung in dem Rohr herbei, und hierdurch wird das sichere

Abtöten der Insekten bewirkt. Falls man annimmt, daß der Wagen auch noch

Krankheitsstoffe enthält, so wird der Raum nunmehr mit Formalin-Dämpfen

erfüllt, die ein Entseuchen mit Sicherheit bewirken, da bei der

vorhandenen Luftverdünnung das Formalin in die kleinsten Öffnungen

eindringt.

Die Lokomotive ist indessen geradenwegs zur Kohlenlagerstelle gefahren.

Hier wird der Vorrat auf dem Tender mittels Handkörben oder unter

Benutzung eines Krans ergänzt. Zu gleicher Zeit wird Wasser nachgefüllt.

Nun begibt sich die Lokomotive zur Feuerreinigungsstelle. Zwischen den

beiden Schienen ist hier eine tiefe, ummauerte Grube vorgesehen, in die

Stufen hinabführen. Ein Schuppenfeuermann steigt, mit seltsamen

Werkzeugen beladen, auf die Lokomotive. Seine Aufgabe ist es, die

Schlackenschicht, welche sich während der langen Fahrt auf dem Rost

gebildet hat, zu entfernen, die Feuerung wieder in guten Zustand zu

bringen. Der Mann reißt die Feuertür auf und fährt zunächst mit einer

Krücke hinein, die einen viele Meter langen Stiel hat. Er kann mit ihrer

Hilfe auch die hintersten Teile des Rosts unter dem Feuerschirm

erreichen. Hackend und kratzend lockert er die Schlacke auf, so daß sie

nicht mehr an den Eisenteilen festbackt, sondern leicht entfernt werden

kann. Zu diesem Zweck fährt er nach Entfernung der Krücke mit einer

ebenso lang gestielten Schaufel hinein und bringt eine Last Höllenglut

nach der anderen heraus, um sie nebenan auf den Sand zu werfen; bei ganz

großen Maschinen, wo das Ausschlacken in dieser Art zu schwer sein

würde, kann mit einer großen Zange in die Feuerung hineingegangen

werden, um mehrere der nur lose eingelegten Roststäbe in der Mitte

herauszuziehen. Da vorher schon der Aschkasten entfernt worden ist,

fällt die Schlacke nunmehr durch den Rost hindurch in die Grube.

Nachdem er die Feuerung so in Ordnung gebracht hat, liegt es dem

Feuermann noch ob, die Rauchkammer zu leeren und zu säubern. Er öffnet

mit Hilfe des großen, vor der Brust der Lokomotive angebrachten Handrads

die vordere Drehtür und schaufelt die auf dem Boden der Rauchkammer

angesammelte Lösche hinaus.

Die Welt auf Schienen Eine Darstellung der Einrichtungen und des Betriebs auf den Eisenbahnen des Fernverkehrs, Nebst einer Geschichte der Eisenbahn · 第 38 / 60 段