Bei Anwendung der elektrischen Beleuchtung braucht die Lichtquelle jedes

Abteils nicht mehr aus einem einzigen Körper zu bestehen, sondern die

Lampen können zerstreut angebracht werden, was das Lesen sehr viel

bequemer macht. Als die Mischgasbeleuchtung noch herrschte, hatte man

aus dieser Erkenntnis heraus bei einer großen Reihe von ~D~-Wagen in den

Abteilen erster und zweiter Klasse bereits elektrische Leselampen hinter

den Sitzen angebracht. Seit Einführung des sehr viel kräftiger wirkenden

Gasglühlichts sind diese Zusatzlampen, da sie nicht mehr notwendig

erschienen, wieder beseitigt worden.

Die Einschaltung der elektrischen Beleuchtung kann für jeden Wagen von

einer einzigen Stelle aus bewirkt werden, ohne daß es notwendig wäre,

wie beim Gas, Zündflammen zu unterhalten, die immerhin durch ihre sehr

bedeutende Gesamtzahl einen nicht geringen Gasverbrauch haben. Die

Erfindung der Metallfadenlampe mit ihrem geringen Stromverbrauch hat die

Verbreitung der elektrischen Beleuchtung im Eisenbahnbetrieb bereits

bedeutend gefördert.

Es ist selbstverständlich nicht daran zu denken, den mit Dampf

betriebenen Zügen Elektrizität für die Beleuchtung dadurch zuzuführen,

daß neben den Geleisen feste Leitungen verlegt werden, von denen der

Strom mittels Gleitschuhen abgenommen wird. Ein Leitungsnetz von so

ungeheurer Ausdehnung allein für diesen nebensächlichen Zweck zu

schaffen, wäre viel zu kostspielig.

Selbst die durchgehende Beleuchtung geschlossener Züge von einer

gemeinsamen, mitgeführten Stromquelle aus hat vorläufig keine Hoffnung

auf weitere Verbreitung. Man hat Versuche auf diesem Gebiet gemacht,

indem man auf der Lokomotive einen kleinen, durch besondere Dampfturbine

angetriebenen Erzeuger aufstellte. Es hat sich jedoch herausgestellt,

daß eine weitere Belastung der ohnedies stark angestrengten

Lokomotivmannschaft durch diese neue Anordnung nicht zulässig war.

Insbesondere aber ist, sowohl bei Aufstellung des Erzeugers auf der

Lokomotive wie im Packwagen, was auch bereits oft versucht worden ist,

die Führung zweier Leitungen über den ganzen Zug notwendig. Das Kuppeln,

bei dem heute schon außer der Zusammenfügung der eigentlichen

Zugverbindungsglieder die Herstellung der durchlaufenden Brems- und

Heizleitungen notwendig ist, wird dadurch weiter erschwert, was sich

wegen der notwendigen Schnelligkeit bei der Zugabfertigung als äußerst

störend erwiesen hat. Es wäre ferner notwendig, jeden Wagen, der für

geschlossene Zugbeleuchtung eingerichtet ist, auch mit allen

Vorkehrungen für Gaslicht zu versehen, da die Wagen ja nicht stets im

gleichen Zug bleiben, sondern die Fähigkeit haben müssen, in

verschiedene Züge eingestellt zu werden, wo sie durchaus nicht immer

Vorkehrungen für elektrische Beleuchtung vorfinden. Will man die

doppelte Beleuchtungs-Einrichtung vermeiden, so hört die Freizügigkeit

der Wagen auf, was keineswegs zulässig ist.

[Abbildung:

Gesellschaft für elektrische Zugbeleuchtung in Berlin

229. _Stromquelle für die elektrische Beleuchtung eines Schlafwagens_

Speicher-Batterie, zum Aufladen vorgezogen]

[Abbildung:

Gesellschaft für elektrische Zugbeleuchtung in Berlin

230. _Elektrischer Kaffeekocher im Dienstabteil eines Schlafwagens_]

So wird denn heute bei der elektrischen Beleuchtung der Hauptwert auf

Einrichtungen für Einzelwagen-Beleuchtung gelegt. Am einfachsten sind

die hierfür notwendigen Vorrichtungen, wenn man den Strom

Speicherbatterien entnimmt, die unter dem Wagenkasten bequem aufgestellt

werden können. Die Einzelzellen solcher Batterien werden meist in Kasten

aus Hartgummi untergebracht. Man kann die Batterien, wenn sie entladen

sind, entweder rasch gegen voll aufgeladene auswechseln oder ihre Kraft

an vorgesehenen Ladestellen erneuern. Der erste Vorgang ist sehr

beschwerlich, da die Zellen großes Gewicht haben, bei der zweiten Art

muß der betreffende Wagen eine Zeit lang aus dem Betrieb gezogen

werden. Trotzdem hat sich die Einzelwagen-Beleuchtung durch

Speicherbatterien bereits bei manchen Sonderfahrzeugen bewährt, die

ohnedies nicht ständig zu laufen pflegen, wie bei Bahn-Postwagen und bei

Schlafwagen.

Bei Schlafwagen sind die Vorzüge der elektrischen Beleuchtung besonders

groß. Es wird dadurch die Gefahr beseitigt, welche durch Ausströmen

selbst sehr geringer Gasmengen in den engen Abteilen entstehen kann.

Ferner verschwindet jeglicher Geruch, und es wird das Anbringen

beweglicher Lampen möglich, das gerade hier sehr erwünscht ist.

Gewöhnlich schließt man noch einen elektrischen Kocher im Dienstabteil

an, auf dem der Wärter Morgenkaffee für die Reisenden bereiten kann.

Bei reiner Speicherbeleuchtung würde aber der freie Umlauf gewöhnlicher

Abteilwagen allzu sehr eingeschränkt werden, da sie ja von Zeit zu Zeit

außer Betrieb gestellt werden müßten, und vor allem, weil sie von

Ladestellen abhängig würden. Aus diesem Grund versieht man jeden solcher

Wagen, der mit elektrischer Beleuchtung ausgerüstet ist, mit einem

eigenen Stromerzeuger; dessen Antrieb erfolgt durch eine Wagenachse. Da

diese aber weder gleichmäßig noch ständig in Bewegung ist, so leuchtet

ohne weiteres ein, daß besondere Vorkehrungen zur Herbeiführung eines

gleichmäßig brennenden Lichts getroffen werden müssen.

Die elektrische Einzelwagen-Beleuchtung mit Stromerzeuger hat denn auch

zum Bau höchst sinnreicher und mannigfaltiger Vorrichtungen geführt, die

insbesondere deshalb höchst bewundernswert erscheinen, weil sie

gestatten, die Schaltungen und Regelungen verschiedenster Art, die hier

notwendig sind, mittels verhältnismäßig sehr einfacher, selbsttätiger

Vorrichtungen zu bewirken.

Der Strom wird von den Erzeugern nicht immer unmittelbar den Lampen

zugeführt, sondern es werden durch die Maschine stets ein oder zwei

Speicherbatterien aufgeladen, welche die Speisung der Lampen während des

größten Teils der Fahrt übernehmen. In Deutschland sind insbesondere

zwei Bauarten für diese Beleuchtungsart in reger Anwendung: die der

Gesellschaft für elektrische Zugbeleuchtung und die Bauart Pintsch-Grob.

Die Gesellschaft für elektrische Zugbeleuchtung verwendet nur Eine

Speicherbatterie. Zum Aufladen dient eine Rosenberg-Maschine, die an der

Stirnseite eines Drehgestells aufgehängt und durch Riemen mit einer

Wagenachse verbunden ist. Sie liefert trotz der wechselnden

Geschwindigkeiten der Wagenachsen, und obgleich diese ja in kehrenden

Richtungen laufen, stets Strom gleicher Spannung und gleicher Richtung,

wie es für Gesundhaltung der Batteriezellen notwendig ist. Wenn die

Batterie genügend stark aufgeladen ist, schaltet sie sich selbsttätig

ab. Solch ein Abschalten ist aber auch dann notwendig, wenn bei noch

nicht vollständig aufgeladener Batterie der Zug stehen bleibt. Denn in

solchem Fall würde ja Strom aus der Batterie in die Maschine fließen,

was unbedingt vermieden werden muß. Ein besonderer Apparat verhindert,

gleichfalls selbsttätig, diesen Vorgang.

Würde man die Lampen in den Abteilen ohne weiteres von der Batterie aus

speisen lassen, während die Maschine diese fortwährend nachladet, so

würden die Reisenden ein starkes Schwanken der Lichtstärke wahrnehmen.

Eine Regelung ist also auch hier notwendig. Sie geschieht durch

Vorschalten von Eisendrahtwiderständen bei jeder Lampe. Eisen hat die

Eigenschaft, seinen Widerstand sehr stark zu erhöhen, wenn es in der

Nähe der Rotglut weiter erhitzt wird. Man sorgt daher dafür, daß die

Eisendrahtwiderstände bei der gewünschten Lichtstärke jeder Lampe so

heiß werden, daß sie fast zu glühen beginnen. Steigt jetzt die Spannung

in der Zuleitung an, so verzehren die Eisendrahtwiderstände den

Überschuß, und das Licht bleibt unverändert. Die Widerstände werden in

lampenähnlichen Glasgefäßen untergebracht, die mit Wasserstoff gefüllt

sind.

Bei der Bauart Pintsch-Grob kommen zwei Speicherbatterien zur Anwendung.

Hier wird der Lampenstrom den Batterien nur solange entnommen, wie die

Zuggeschwindigkeit unter einem bestimmten Maß bleibt. Alsdann legt die

Fliehkraft zweier sich drehender Gewichte die Leitung so um, daß die

Maschine unmittelbar an die Lampen geschaltet, und gleichzeitig eine der

beiden Batterien wieder aufgeladen wird. Bei jedem Stillstand des Zugs

wird an die Stelle der bis dahin aufgeladenen Batterie selbsttätig die

andere gesetzt, so daß beide ständig genügende Ladung besitzen.

[Abbildung:

Bauart Pintsch-Grob

231. _Stromerzeuger für elektrische Einzelwagen-Beleuchtung_

Die Maschine ist an der Stirnseite eines Drehgestells aufgehängt und

wird mittels Riemens von der nächsten Achse angetrieben]

Die Fortschritte, welche im Lauf der Jahrzehnte im Bau der Personenwagen

gemacht worden sind, werden am besten durch die Zunahme der sogenannten

toten Last gekennzeichnet. Man bezeichnet damit die Zahl der Kilogramme,

die sich ergibt, wenn man das Gesamtgewicht eines Wagens durch die

Anzahl der vorhandenen Plätze teilt. In den älteren zweiachsigen Wagen

der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen beträgt das tote Gewicht für

jeden Platz etwa 500 Kilogramm, in den dreiachsigen Wagen schon 800

Kilogramm, in den vierachsigen ~D~-Wagen sind mehr als 1100 Kilo für

jeden Platz mitzuschleppen, bei den sechsachsigen Schlafwagen steigt die

tote Last gar auf über 1400 Kilogramm. Wenn man bedenkt, daß ein

erwachsener Mensch im Durchschnitt 70 Kilogramm wiegt, so geht hieraus

deutlich hervor, welche Verschwendung getrieben wird, um ein möglichst

angenehmes Fahren zu erzielen.

Die Ausstattung der rollenden Häuser ist eben allmählich sehr stark

verbessert worden, und jede Verbesserung bringt eine Erhöhung des

Gewichts mit sich. In dieser Entwicklung sind wir bei uns durchaus noch

nicht an der Grenze angelangt. Überschreitet doch die tote Last in den

besonders großartigen Saalwagen der amerikanischen Pennsylvania-Bahn,

die dem gewöhnlichen Tagesverkehr dienen, 1700 Kilogramm für den Platz.

[Abbildung:

Erbaut von Gebr. Gastell in Mainz-Mombach

232. _Güterwagen aus dem Jahre 1847_]

16. Die Lastträger

Nicht immer rollen Züge über die Strecke, aus deren hellen Fenstern

Menschenaugen neugierig in die Landschaft hinausblicken. Nicht jedesmal,

wenn die Schienen unter der Last eines darüberbrausenden Zugs erdröhnen,

zieht eine feurige, kühn dahinbrausende Lokomotive eine gleichmäßig

gebaute Reihe wohlgeformter rollender Häuser hinter sich.

Die Geleise haben nicht nur die Aufgabe, Menschen rasch von einem

Erdenwinkel zum anderen zu befördern, sie werden in weit stärkerem Maß

noch zum Austausch der Güter benutzt, die zur Aufrechterhaltung des

menschlichen Lebens und der menschlichen Tätigkeit dienen.

[Abbildung:

Erbaut von der Maschinenfabrik Eßlingen

233. _Geflügelwagen_

einer italienischen Bahn. Die Einstiege ermöglichen ein Füttern und

Tränken der Tiere während der Reise]

Im ersten Abschnitt dieses Buchs ist bereits darauf hingewiesen worden,

daß mehr als 64 vom Hundert der Einnahmen bei den deutschen Eisenbahnen

aus dem Güterverkehr stammen. Dieser überragt also den Personenverkehr

ganz bedeutend. Auf den großen Durchgangsstrecken insbesondere sieht

man viel häufiger, als das blendende Schauspiel des mit fast

unglaubwürdiger Geschwindigkeit vorüberstürmenden Schnellzugs sich

zeigt, eine unabsehbar lange Wagenkette langsam und keuchend

herankommen. Die Fahrzeuge sind nicht gleichmäßig geformt. Die

Dachkanten solcher Züge erinnern nicht mehr, wie bei den für

Menschenbeförderung bestimmten, an die glatte Linie, in der etwa die

Kimm, die Trefflinie von Himmel und Wasser, das Gesichtsfeld auf dem

Meer abschneidet, sie ähneln jetzt dem arg zerrissenen Rücken eines

Gebirges, das in der Ferne zu den Wolken ragt. Jäh steigt die Dachlinie

aufwärts und abwärts. Hochgetürmte Wagen wechseln mit niedrigen

Fahrzeugen ab, Eckiges folgt auf Wohlgerundetes; hier ist festgestopftes

Heu mit einer mächtigen Leinwanddecke umhüllt, dort hebt eine

landwirtschaftliche Maschine ihren eigentümlich geformten, nackten Arm

in die Höhe. Der finsteren Schwärze des Kohlenwagens folgt das brennende

Rot geschichteter Ziegelsteine, hinter der wuchtigen Schwere eines roh

gegossenen Maschinenrahmens, der allein einen ganzen Wagen einnimmt,

rollt ein heiteres Völkchen eng geschichteter Rüben.

Im Gegensatz zu der flinken Munterkeit der Personenzüge fährt der

Güterzug ernst und streng über den trostlos grauen Bahndamm. Kein

freundliches Lämpchen wirft des Nachts seinen Schein hinaus, schweigend

und schwerfällig zieht er mit klirrenden Kupplungen seinen Weg. Sobald

er einen Schnellzug in seinem Rücken weiß, geht er ihm scheu und

ängstlich aus dem Weg. Die hellen, wohlgepflegten Bahnsteige sind für

den Lastenschlepper nicht vorhanden; als wäre er ihm feindlich gesinnt,

lenkt der Stellwerkswärter den Zug vor jedem Bahnhof durch

Abzweigstellung der Weichen hinüber in das krause Gestrüpp der

Verschiebegeleise. Was den Güterwagen entsteigt, wird nicht mit

Blumensträußen und freundlichen Grüßen empfangen, sondern von harten

Händen rauh herausgerissen und mühsam in Schuppen oder auf Fuhrwerke

gewälzt.

Während die Schnellzüge hundert Kilometer in der Stunde durchfahren, die

Personenzüge 60 bis 70, müssen sich die Güter mit einer stündlichen

Fahrgeschwindigkeit von nur 30 bis 40 Kilometern begnügen.

Dafür aber ist der Wagenpark, der ihnen für ihre Reisen zur Verfügung

steht, von überraschendster Mannigfaltigkeit. Man unterscheidet drei

Hauptarten von _Güterwagen_: bedeckte, offene und für besondere Zwecke

bestimmte. Aber innerhalb jeder dieser Gattungen gibt es die

zahlreichsten Einzelformen. Rollen doch im Güterverkehr nicht nur Wagen,

die den Eisenbahngesellschaften gehören, sondern auch solche, die von

anderen Besitzern erbaut und in Betrieb gegeben werden. Sie zeigen,

ihren sehr verschiedenartigen Bestimmungen und Fähigkeiten entsprechend,

alle erdenklichen Bildungen. Freilich werden von den Bahngesellschaften

Privatwagen nur unter besonderen Bedingungen zugelassen; sie müssen ganz

genauen Vorschriften unterliegen, denn wir wissen ja heute sehr genau,

daß der „freie Wettbewerb auf der Schiene“ ein Unding ist.

Der allgemeinen Benutzung sind ferner die Bahndienstwagen entzogen, die

von den Bahngesellschaften selbst für den inneren Betrieb erbaut und

verwendet werden.

Während sämtliche Personenwagen mit Bremsen versehen sein müssen, gibt

es unter den Güterwagen einen sehr großen Teil, der gar keine

Hemmvorrichtungen besitzt. Die Bremswagen wieder zerfallen in solche mit

durchgehender Bremse und andere, die nur mit einzeln zu betätigender

Hemmeinrichtung versehen sind. Die bremslosen Wagen besitzen häufig

Leitungen, die ihre Einstellung in Züge mit durchgehender Bremse

gestatten, ohne daß durch sie die von der Lokomotive bis zum Zugschluß

laufende Druckluftleitung unterbrochen wird.

[Abbildung:

Erbaut von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg

234. _Kesselwagen_

zum Befördern von Trinkwasser auf der deutsch-ostafrikanischen

Mittellandbahn Daressalaam-Morogoro-Tabora]

[Abbildung:

Erbaut von Gebr. Gastell in Mainz-Mombach

235. _Topfwagen für Säurebeförderung_]

Das wichtigste Merkmal eines jeden Güterwagens ist das für ihn

zugelassene Ladegewicht. Es besteht auf allen deutschen Bahnen daher die

Vorschrift, daß es durch deutliche Aufschriften auf beiden Langseiten

angegeben sein muß. Güterwagen mit zulässigem Ladegewicht unter 15 000

Kilogramm werden heute in Deutschland kaum noch gebaut. Bei den offenen

Wagen werden solche mit 20 000 Kilogramm Ladefähigkeit, insbesondere für

Kohlenbeförderung, immer beliebter. Plattformwagen für Lasten von 30 000

und 35 000 Kilogramm sind keine Seltenheit mehr. Bei der Bestimmung der

Achszahl für Güterwagen mit so hohen Ladegewichten muß natürlich darauf

Rücksicht genommen werden, daß der höchste zulässige Achsdruck niemals

überschritten wird. Zwar herrscht heute im Güterwagenpark der Zweiachser

noch vor; sehr häufig ist aber bereits in Rücksicht auf die

Einstellbarkeit in die rascher fahrenden Personenzüge der Dreiachser,

und auch Wagen mit zwei zweiachsigen Drehgestellen sind keineswegs mehr

auffallende Erscheinungen. Für die Beweglichkeit der Achsen im Gleis

gilt dasselbe, was bereits in dem Abschnitt über die Personenwagen

gesagt wurde.

Die Bauart der Güterwagen ist sehr viel einfacher als die von Fahrzeugen

für Personenbeförderung. Die Wände werden bei den bedeckten Wagen zum

größten Teil aus Winkel- oder ähnlichen Formeisen zusammengenietet und

mit schmalen, wagerecht liegenden Brettern verschalt, die hinter dem

Eisengerüst angebracht sind. Damit Luft auch bei geschlossenen Türen in

den Wagen gelangen kann, werden zwei bis vier schmale Öffnungen dicht

unter dem Dach angebracht, die durch Klappen verschlossen werden können.

Es ist bekannt, daß die bedeckten Güterwagen im Krieg eine wichtige

Rolle bei der Beförderung von Mannschaften und Pferden spielen. Ihre

Beladungsfähigkeit für diese Fälle ist schon im Frieden durch

Aufschriften gekennzeichnet, z. B. 48 Mann oder 6 Pferde. Vorrichtungen

zum Aufstellen einfacher Holzbänke und zum Anhängen von Gepäck sind

stets vorhanden, desgleichen auch, wie in sämtlichen Abteilen der

Personenwagen, ein eiserner Stutzen zum Anbringen einer Laterne.

Im Frieden dienen die bedeckten Wagen zur Beförderung von Tieren und von

solchen Gütern, die vor Witterungseinflüssen geschützt werden müssen.

Sie sind verschließbar, so daß Entwendungen während der Beförderung ohne

gewaltsamen Eingriff nicht stattfinden können. Die Fahrzeuge geben auch

Gelegenheit, Waren unter festem Zollverschluß über die Landesgrenzen

hinauszuführen.

Unter den bedeckten Wagen gibt es ein Geschlecht der Riesen. Es sind die

allgemein mit dem Namen Hohlglaswagen bezeichneten Fahrzeuge, die zur

Beförderung besonders sperriger Güter dienen. Beim Verladen von

Glasgefäßen gleicher Form, die nicht ineinander gestellt werden können,

ist es bei gewöhnlichen Ausmaßen der Wagen nicht möglich, ihre

Tragfähigkeit auszunutzen. Das gleiche gilt für die Beförderung von

Papierhülsen, Spielwaren, Strohhüllen und ähnlichem. Aus diesem Grund

werden Wagen, die solchen Zwecken dienen, möglichst breit und möglichst

hoch gemacht. Im Krieg haben sich die Hohlglaswagen an der Front und in

der Etappe besonderer Vorliebe zu erfreuen gehabt. Überall, wo

Truppenteile längere Zeit in Eisenbahnwagen wohnen mußten, was sehr

häufig vorkam, suchte jede Abteilung, sich nach Möglichkeit großräumige

Wagen zu sichern, weil der Aufenthalt in diesen selbstverständlich sehr

viel bequemer ist.

Vorzüglich ausgestattet sind bedeckte Wagen, die zur Beförderung von

Renn- und edlen Reitpferden dienen. Sie haben stark gepolsterte Wände.

Durch Aufstellen von gleichfalls gepolsterten Scheidewänden können zwei

bis drei Einzelställe hergerichtet werden, die mit Futtertrögen

ausgerüstet sind. Derartige Wagen enthalten gewöhnlich auch ein gut

eingerichtetes Abteil für die Begleiter. Die Fahrzeuge sind mit allen

nötigen Vorrichtungen, wie Druckluftbremse und Heizleitung versehen,

damit sie auch in Schnellzüge eingestellt werden können. Güter, die

durch Wärmeeinwirkung leicht verderben können, werden in

Wärmeschutzwagen befördert. Es kommen hierfür insbesondere Versendungen

von Bier, Milch, feinem Obst und anderen Eßwaren in Betracht. Zwei- und

dreifach verschalte Dächer halten die Sonnenstrahlung ab. Wände und

Böden sind gleichfalls doppelt ausgeführt, und die Zwischenräume der

Verschalungen mit Stoffen wie Kieselgur oder Torfstreu ausgefüllt,

welche die Wärme schlecht leiten. Besondere Behälter gestatten das

Einlegen von Eis. Bayern besitzt allein 2000 Bierwagen solcher Art.

Damit auch der Frost keine schädliche Wirkung ausüben kann, sind die

Wagen zum großen Teil mit Heizvorrichtungen für Kohlefeuerung versehen.

[Abbildung:

Erbaut von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg

236. _Gerätewagen eines Hilfszugs_]

Fischwagen enthalten große Wasserbehälter aus Metall, die durch

Scheidewände in mehrere Abteilungen zerlegt sind, damit nicht die ganze

Wassermasse auf einmal ins Schwanken geraten und schädliche Schläge

ausführen kann. Die Fischbehälter haben oft einen Inhalt von 20

Kubikmetern. Eine meist durch Benzinmotor angetriebene Pumpe sorgt

dafür, daß das Wasser sich in ständigem Umlauf befindet und mit frischer

Luft durchsetzt wird.

Zur Versendung von Kleinvieh ist eine große Zahl bedeckter Wagen mit

einem zweiten Boden in halber Höhe versehen. Zwei weitere Böden können

rasch durch bereit gehaltene Bretter hergestellt werden, so daß Gänse

oder anderes Geflügel in großer Zahl darin untergebracht werden können.

Wenn die Tiere über längere Strecken befördert werden müssen, werden

Wagen verwendet, die ein Betreten des Innern zur Vornahme der Fütterung

und Tränkung gestatten.

Eine besondere Art vollkommen geschlossener Eisenbahnfahrzeuge stellen

die Kesselwagen dar. In ihnen werden Flüssigkeiten befördert. Die

Kesselwagen haben große Bedeutung für das chemische Gewerbe. Petroleum,

Benzin, Treiböl, Teer, Teeröl, Terpentin können in ihnen bequem versandt

werden. In Wüstengegenden werden sie auch vielfach zur Beförderung von

Wasser verwendet. Auch die bei der Beleuchtung der Personenwagen

erwähnten Gaswagen sind betrieblich dieser Gattung zuzurechnen. Das

Füllen erfolgt durch einen oben aufgesetzten Dom, die Entleerung durch

ein Bodenventil. Damit dicke Flüssigkeiten, wie z. B. Teer, rascher

auslaufen, sind Heizvorrichtungen angebracht. Säuren werden sehr

geschwind durch Einlassen von Druckluft hinausgeschafft, Spiritus durch

Pumpen ausgesaugt. Damit die Dämpfe, die sich aus den Flüssigkeiten

häufig bilden, die Kesselwagen nicht sprengen können, sind

Sicherheitsventile vorgesehen. Zur Verhinderung von Schlägen durch

ungehemmte Bewegungen des Inhalts werden Querwände eingebaut.

Säuren, die imstande sind, Metallwände anzufressen, werden in großen

Steintöpfen befördert. Diese stellt man mit Hilfe hölzerner Gerüste sehr

fest und unverrückbar auf. Kalk und Salz reisen in Fahrzeugen, die im

allgemeinen wie offene gebaut, aber durch Klappdeckel zu verschließen

sind.

Auf jedem größeren Bahnhof werden ständig Hilfszüge in Bereitschaft

gehalten, die bei einem Unfall stets sofort abfahren können und die zu

raschen Hilfeleistungen notwendigen Vorkehrungen enthalten. Die

wichtigsten Teile dieser Hilfszüge sind der Arzt- und der Gerätewagen.

Der erste enthält einen kleinen Operationsraum, sowie eine Apotheke und

Lagerstätten, in dem anderen sind Ketten, Winden, Beile,

Schraubenschlüssel und viel anderes Werkzeug sowie eine kleine

Feldschmiede untergebracht. Zur Herrichtung der Hilfszüge werden

ausschließlich bedeckte Güterwagen verwendet.

Teils zum Güter-, teils zum Personenwagenpark gehören die Packwagen. Sie

dienen vor allem zur Unterbringung des Gepäcks der Reisenden, enthalten

aber außerdem noch den Dienstraum für den Zugführer. Der Fußboden ist

hier so hoch gelegt, daß der Zugführer von seinem Arbeitsplatz, der aus

Polstersessel und Tisch besteht, den ganzen Zug und die Strecke durch

die Seitenfenster eines besonderen Aufbaus überschauen kann.

Der weitaus größte Teil des Güterwagenparks der deutschen Bahnen besteht

aus offenen Wagen. In ihnen werden alle Güter versendet, die gegen

Witterungseinflüsse, gegen Regen und Staub nicht sehr empfindlich sind.

Ein gewisser Schutz kann den so beförderten Waren auch dadurch gewährt

werden, daß man sie mit Plandecken einhüllt. Die Eisenbahnverwaltungen

halten diese Decken in großer Zahl vorrätig.

Betrieblich sind offene Wagen sehr viel bequemer als bedeckte, denn man

kann sie von oben her beladen, indem man schwere Laststücke durch Kräne

einbringt, Erz, Kohle, Sand oder Getreide durch Schüttrinnen. Bedeckte

Wagen lassen nur Beladung von der Seite her zu, weshalb bei ihnen am

häufigsten das Einkarren des Guts stattfindet, das eigentlich keine

neuzeitliche Förderungsart mehr ist.

[Abbildung:

Erbaut von Gebr. Gastell in Mainz-Mombach

Die Welt auf Schienen Eine Darstellung der Einrichtungen und des Betriebs auf den Eisenbahnen des Fernverkehrs, Nebst einer Geschichte der Eisenbahn · 第 31 / 60 段