Der große blanke Hebel, mit dessen Hilfe in den Bau der Lokomotive

Bewegung gebracht, oder durch den er wiederum still gesetzt werden kann,

liegt dem Führer bequem zur Hand. Durch Bewegung des Reglers öffnet er

mittels einer bis in die Wölbung des Doms laufenden Stange dort einen

Schieber oder ein Ventil, die nun den Dampf durch die Einströmungsrohre

zu den Schieberkästen und damit zu den Zylindern gelangen lassen.

Solange der Regler geschlossen ist, werden die Abschlußstücke im Dom

durch den einseitigen Druck des Dampfs sehr kräftig gegen ihre Lager

gepreßt. Die Überwindung des vollen Drucks auf den langen Schieber oder

das große Ventil würde jedesmal bei Öffnung des Reglers eine recht

bedeutende Kraftanstrengung nötig machen. Dieser Hebel soll jedoch

möglichst leicht zu bewegen sein, damit er seinen wichtigen Einfluß auf

den gesamten Gang der Maschine rasch und ohne Hindernis zu üben vermag.

Aus diesem Grund ist die Reglerstange an dem Hauptschieber oder an dem

Hauptventil im Dom so angelenkt, daß, bevor diese selbst bewegt werden,

eine kleine Öffnung im Dampfweg freigemacht wird. Der Dampf kann nun

schon in geringer Menge auf die andere Seite des Abschlusses

überströmen, und das genügt, um den bisher einseitigen Druck stark zu

vermindern. Durch die beim Öffnen des Reglers so zuerst eintretende

Eröffnung eines schmalen Durchgangswegs für den Dampf wird zugleich auch

ein sanftes Ingangsetzen der Maschine herbeigeführt.

[Abbildung:

Hanomag

202. _Führerstand einer Güterzug-Lokomotive_

1. Reglerhebel, 2. Wasserstandglas hinter Schutzschirm,

3. Kesselprobierhähne, 4. Feuer-Kipptür, 5. Hahn zum Spritzschlauch,

6. Hahn für Preßluftsandstreuer, 7. Schmierpumpe für Brems-Luftpumpe,

8. Handrad zur Steuerungsspindel, 9. Führer-Bremsventil,

10. Zylinder-Ventilzug, 11. Schmiergefäße für hintere

Feuerkastenführung, 12. Dampfstrahlpumpe auf der Führerseite,

13. Pfeifenzug, 14. Ventil der Dampfmaschine zum Antrieb der

Brems-Luftpumpe, 15. Dampfstrahlpumpe auf der Heizerseite,

16. Dampfstutzen, 17. Ventil zur Dampfheizung, 18. Zug für Hilfsbläser

und Rauchverbrennung, 19. Zug für Rauchkammerspritzhahn, 20. Ventil

der Dampfmaschine zum Antrieb der Speisewasser-Pumpe,

21. Überhitzerklappenzug, 22. Schmierpumpe für Speisewasserpumpe,

23. Schmierpumpe für Zylinder und Schieber, 24. Aschkastenklappenzüge,

25. Druckmesser für Hauptluftbehälter der Bremse, 26. Druckmesser für

Bremshauptleitung, 27. Elektrischer Überhitzungsmesser,

28. Druckmesser für Schieberkasten, 29. Druckmesser für Dampfkessel,

30. Druckmesser für Dampfheizung, 31. Druckmesser für

Speisewasserpumpe, 32. Druckmesser für Bremsluftpumpe. Ganz unten

Öffnung für die Tenderkupplung]

Die beiden von einander unabhängigen Vorrichtungen, die zur Füllung des

Kessels mit Wasser immer bereit stehen, sind in ihrer Bauart sehr

verschieden. Wo kein Vorwärmer vorhanden ist, wird für gewöhnlich der

Dampfstrahlapparat benutzt. Er ist so geformt, daß ein sehr scharfer

Dampfstrahl über das enge Ende eines Rohrs streicht, die in diesem

enthaltene Luft mitreißt, so eine Luftverdünnung erzeugt und dadurch das

Wasser im Tender zum Nachströmen zwingt. Der aus einer engen Düse

strömende Dampf muß hierbei stark genug sein, die Kesselspannung zu

überwinden, aus der er selbst stammt, und gegen ihren Druck Wasser in

den Raum hineinzuwerfen. Dies wird durch plötzliche Verengung des

Düsenrohrs erreicht, die dem Dampf eine unwiderstehliche Beschleunigung

verleiht. Zugleich führt er durch seine Mischung mit dem Wasser eine

gewisse Vorwärmung herbei. Die zweite Speiseeinrichtung ist eine

Kolbenpumpe, die durch eine eigene kleine Dampfmaschine betrieben wird.

Wenn der Dampfzufluß zu dieser durch einen Griff im Führerstand eröffnet

ist, drückt die Pumpe Wasser aus dem Tender in den Kessel, bis sie

wieder abgestellt wird.

Den richtigen Augenblick zum An- und Abstellen der Speisevorrichtungen

erkennt der Heizer gewöhnlich am Wasserstandglas. Es ist dies ein Rohr,

das zwischen zwei aus dem Kesselinnern herausragende hohle Stutzen

gesetzt ist. In dem Rohr steht nach dem Gesetz der zusammenhängenden

Röhren das Wasser stets genau so hoch wie im Kessel. Oben und unten sind

am Wasserstandrohr Marken angebracht, die den höchsten und den

niedrigsten zulässigen Wasserstand bezeichnen. Wird zuviel Wasser in den

Kessel gedrückt, so ist für die Dampfentwicklung kein Raum mehr, das

Feuer kann die große Wassermenge auch nicht mehr genügend durchwärmen.

Die Dampfspannung müßte also stark sinken. Ferner kann das sprudelnde

Wasser durch den Dom in die Zylinder dringen, wo es bei bewegten Kolben

sehr schädlich zu wirken vermag, da Wasser bekanntlich nicht

zusammendrückbar ist. Es wird schließlich durch das Blasrohr zum

Schornstein hinausgeworfen; die Maschine spuckt, wie der Fachmann sagt.

Bei zu niedrigem Wasserstand ist ein Teil der Heizrohre in Gefahr,

durchzubrennen, weil sie nicht mehr durch verdampfendes Wasser gekühlt

werden. In einem solchen Fall würde eine äußerst gefährliche

Dampfentladung eintreten. Der Wasserstand darf niemals tiefer sinken als

10 Zentimeter über der Feuerkistendecke.

Es bedeutet eine sehr beachtenswerte Leistung der Glastechnik, daß es

gelungen ist, aus diesem Stoff Röhren herzustellen, die imstande sind,

einen Druck von 14-16 Atmosphären und dazu starke Wärmeschwankungen

auszuhalten. Wenngleich man den Wasserstandsgläsern heute derartige

Pressungen ohne weiteres zutrauen darf, so kommt es doch immerhin nicht

allzu selten vor, daß infolge der Sprödigkeit, die jedem Glas durch

seine Natur nun einmal innewohnt, ein Springen des Schaurohrs erfolgt.

Um zu vermeiden, daß in einem solchen Fall große Dampfmengen aus den nun

freigegebenen recht geräumigen Querschnitten ausströmen, sind die

Anschlußstutzen so eingerichtet, daß sie sich in einem solchen

Augenblick sofort selbst abdichten. Der Druck in ihnen ist ja jetzt nur

noch einseitig, und das wird benutzt, um eine Abschlußvorrichtung in

Tätigkeit zu setzen. Damit die Mannschaft gegen die mit großer Gewalt

abgeschleuderten Glassplitter geschützt ist, muß das Wasserstandglas

stets mit einem Schutzmantel umgeben sein, der entweder aus dicken

Glasscheiben oder aus einem gut durchsichtigen Drahtnetz besteht.

Infolge des im Kessel stets vorhandenen Schlamms und Kesselsteins kann

es vorkommen, daß die Stutzen des Wasserstandrohrs verstopft werden. Die

Erkennung der Höhe des Wasserspiegels im Kessel ist jedoch so wichtig,

daß sie in jedem Augenblick unbedingt gesichert sein muß. Kann doch ein

Irrtum hierüber ein Zerspringen des Kessels herbeiführen. Aus diesem

Grund sind für die Erkennung der Wasserhöhe zwei von einander

unabhängige Vorrichtungen auf jeder Lokomotive vorhanden. Die zweite

besteht aus drei Hähnen, die in schräger Linie untereinander am Kessel

angebracht sind. Wenn der Verdacht besteht, daß das Wasserstandglas

nicht richtig zeigt, so kann die Mannschaft sich durch Öffnen eines oder

des andern dieser drei Hähne davon überzeugen, bis zu welcher Höhe der

Kessel noch mit Wasser gefüllt ist. Entquillt dem obersten Hahn beim

Öffnen Wasser, so ist zuviel davon im Kessel, läßt der untere Hahn beim

Aufdrehen Dampf ausströmen, so ist es höchste Zeit, wieder zu speisen.

Unter dem Ende der drei Hähne ist eine Tropfröhre angebracht, aus der

das beim Proben abfließende Wasser oder der niedergeschlagene Dampf

durch eine kleine Rohrleitung ins Freie abgeführt werden.

[Abbildung: 203. _Sicherheits-Ventil_

Mittels des langen Hebels kann das Ventil vom Führerstand aus

angelüftet werden]

Eine Gefahr für den Kessel entsteht auch, wenn der Dampfdruck darin zu

hoch steigt. Da dies trotz aller Aufmerksamkeit immerhin einmal

eintreten kann, so ist eine Einrichtung vorgesehen, die in solchen

Fällen selbsttätig den Kesseldruck am weiteren Steigen verhindert.

Zwischen Dom und Führerhaus ist, gleichfalls auf dem Rundkessel, das

Sicherheitsventil aufgebaut. Es ist ein recht geräumiger Rohrstutzen,

der für gewöhnlich durch einen unter dem Druck sehr starker Federn

stehenden Ventilkolben abgeschlossen ist. Der allzu hoch steigende

Dampfdruck aber überwindet schließlich die Federkraft und schlägt das

Ventil auf. Der Dampf kann nunmehr in den freien Luftraum entweichen,

wodurch eine Entspannung im Kessel eintritt. Beim Versagen der

Selbsttätigkeit kann das Ventil durch Hochschieben eines in den

Führerstand ragenden Hebels auch durch die Mannschaft angelüftet werden.

Sollte der Kesseldruck einmal so hoch gestiegen sein, daß trotz

kräftigen Abblasens des Sicherheitsventils keine genügende Erleichterung

im Kessel eintritt, so muß der Heizer das Feuer sofort herausreißen.

Ablöschen ist durchaus verboten, weil die dann in der fast ganz

geschlossenen Feuerkiste sich bildenden Dampfmassen zersprengend wirken

könnten.

[Abbildung: 204. _Dampfpfeife_]

Der Heizer soll das Feuer stets so regeln, daß ein Abblasen durch das

Sicherheitsventil nicht eintritt. Zugleich aber ist es auch seine

Pflicht, die Dampfspannung immer so hoch zu halten, daß die Maschine in

jedem Augenblick das leisten kann, was von ihr verlangt wird. Die größte

Anstrengung der Lokomotive bedeutet das Anfahren. Wenn also z. B. ein

Schnellzug auf dem Bahnhof hält, so wird der Heizer dafür sorgen, daß

zum Losbringen des Zugs möglichst viel Lokomotivkraft zur Verfügung ist.

Er facht das Feuer darum so an, daß es im vorausbestimmten Augenblick

der Abfahrt gerade den höchsten zulässigen Dampfdruck herbeiführt. Nun

kommt es aber manchmal vor, daß der Zug nicht zur verabredeten Zeit

abgelassen werden kann. Alsdann ist es unmöglich, das Feuer sogleich

wieder zu dämpfen, und in solchen Fällen wird es sich am häufigsten

ereignen, daß dichte Dampfwolken mit sehr starkem Zischen dem

Sicherheitsventil entströmen. Jeder aufmerksame Fahrgast wird einen

solchen Vorgang gewiß schon einmal beobachtet haben.

Aus dem Kessel müssen im Bereich des Führerstands sehr viele

Dampf-Leitungen nach außen geführt werden. Um nun den unter so

außerordentlich hohem Druck stehenden stählernen Leib nicht allzu oft

durch Anbohrungen schwächen zu müssen, setzt man hoch oben auf die

Wölbung ein Anschlußstück, das an eine einzige Kesselöffnung geschraubt

ist, selbst aber durch mehrfache Anbohrungen viele Wege für den Dampf

freigibt. Eine große Zahl von Arbeits- und Meßeinrichtungen sind an

diesen Dampfstutzen angeschlossen.

Unter anderem nimmt auch hier die Leitung ihren Anfang, die jeden für

Personenbeförderung bestimmten Zug während der kalten Jahreszeit mit

Heizdampf versorgt. Die Dampfmenge, die in die Heizleitung gelassen

wird, kann schon im Führerstand der Außenwärme einigermaßen angepaßt

werden. Die genauere Einstellung findet in jedem einzelnen Wagen statt.

Das Ziehen an einem bestimmten Hebel im Führerstand bewirkt, daß ein

Wasserstrahl in die unteren Teile der Rauchkammer hineinspritzt. Von

Zeit zu Zeit muß dieser Hebelzug geöffnet werden, damit die glühenden

Kohleteilchen, die von der Feuerung her in die Rauchkammer

hineingerissen werden, die sogenannte Lösche, berieselt und die

Rauchkammerwandungen vor allzu großer Erhitzung behütet werden.

Eine kurze Schlauchleitung, die leicht beweglich in der Nähe des

Heizerstandorts am Kessel angebracht ist, ermöglicht, durch eine Öffnung

im Boden den Aschkasten auszuspritzen und auch von Zeit zu Zeit die

Kohlen auf dem Tender zu nässen, falls der Kohlestaub die Mannschaft zu

stark belästigt.

Zwei Griffe dicht über dem Boden des Führerstands gestatten, die vordere

und hintere Öffnung des Aschkastens nach Belieben zu verschließen. Wenn

die Lokomotive ihre Fahrtrichtung ändert, müssen die Klappen jedesmal

verstellt werden, weil man immer diejenige Seite des Aschkastens

offenhält, die beim Fahren vorn liegt, also möglichst viel Frischluft

der Feuerung zuführen kann.

Für die Unterhaltung des regelmäßigen Gangs der Lokomotive spielt ferner

eine Vorrichtung eine bedeutende Rolle, die bei oberflächlicher

Betrachtung leicht nur als äußere Zutat erscheint. Hinter dem Dampfdom

wölbt sich auf dem Rücken des Rundkessels stets noch eine zweite

Erhöhung empor, die zu nichts anderem als zur Unterbringung von

Streusand dient. Dieser Stoff scheint so gar nicht zur Lokomotive zu

passen, und doch wird er ihr ein wackerer Helfer in Nöten.

Wenn die Maschine ihre stärkste Kraft hergeben muß, beim Anfahren, tritt

am leichtesten eine gefürchtete Erscheinung ein: das Schleudern der

Räder. Der träge Zug will aus der Ruhe durchaus nicht in die Bewegung

übergehen, und die in solchen Augenblicken über ihr Reibungsgewicht

hinaus belastete Lokomotive muß sehen, daß ihre Räder sich zwar drehen,

daß sie aber selbst nicht vom Fleck kommt. Dieses Drehen der Räder auf

der Stelle oder Schleudern, wobei durch die starke Erhitzung der

Schienenköpfe wahre Funkengarben hervorschießen, ist für Gleis wie Räder

gleich schädlich, da es die Laufflächen beider aus der Form bringt. Man

kann nun nicht, um dennoch loszukommen, das Reibungsgewicht der Maschine

plötzlich erhöhen, wohl aber ist man imstande, den Grad der Reibung

zwischen Schienen und Rädern zu verstärken. Wenn der Führer ein

Schleudern der Räder beobachtet, so setzt er den Sandstreuer in

Tätigkeit. Feine scharfe Körnchen fallen nun vor die Räder, und mit

ihrer Hilfe faßt die Maschine sofort an.

Es ist klar, daß dies nur geschehen kann, wenn der Sand wirklich

unmittelbar an die Radkränze herangeworfen wird. Daher genügt es nicht,

daß von dem Sandkasten auf dem Kessel nur ein einfaches Abfallrohr bis

zu den Schienen hinunterführt. Der Sand muß vielmehr kräftig

hinausgeschleudert und gegen die Räder geblasen werden. Dies geschieht

meistens durch Anwendung von Preßluft, die dem Hauptluftbehälter für die

Bremse entnommen wird. Ein mit erheblicher Kraft ausgeschleuderter

Sandstrahl läuft auch nicht Gefahr, durch jeden Windzug verweht zu

werden, so daß er statt _auf_ die Schienen neben diese fällt.

Das Schleudern der Räder tritt besonders häufig ein, wenn die Schienen

feucht sind. Dann sinkt der Reibungswert zwischen ihnen und den Rädern

unter das gewöhnliche Maß. Aber auch Laubfall kann die gleiche Wirkung

üben oder eine klebrige Schicht, die von kriechenden Tieren über die

Schienen gezogen ist. Heuschreckenschwärme, wenn sie in großen Massen

die Geleise bedecken und von den Rädern der Maschine zermalmt werden,

machen die Schienen gleichfalls schlüpfrig. In dem schon erwähnten

Giovi-Tunnel sind es die in der feuchten Finsternis zu Tausenden

lebenden Schnecken, welche beim Befahren der im Tunnel ansteigenden

Strecke oft die Räder zum Schleudern bringen.

Maschine und Triebwerk sind bei stundenlangen Fahrten für jeden

helfenden Zugriff unzugänglich. Kolben, Schieber, Achslager,

Kurbelzapfen, die Gleitbahn für die Kreuzköpfe und viele andere reibende

Teile müssen aber unausgesetzt mit Schmierstoff versorgt werden. Da es

nicht möglich ist, an Ort und Stelle genügende Mengen hiervon

aufzuhäufen, so geschieht auch diese Versorgung, wie ja so unendlich

viel anderes, vom Führerstand aus. An einer geeigneten Stelle des

Triebwerks ist ein Antriebshebel angelenkt, der eine kleine im

Führerstand aufgestellte Pumpe in Tätigkeit setzt. Mit ihrer Hilfe

werden durch dünne Kupferrohre, die am Rundkessel entlang bis nach vorn

geleitet sind, ständig kleine Ölbäche zu den Maschinenteilen gedrückt,

die der Gefahr einer Erhitzung ausgesetzt sind. Der Heizer kann am

Beginn jeder Ölleitung beobachten, in welchem Grad diese von der Pumpe

versorgt wird, und er kann regelnd in die verschiedenen Ölzuflüsse

eingreifen.

Meist werden auch die Spurkränze der Lokomotivräder geschmiert, damit

ihre Reibung bei seitlichem Anlaufen gegen die Schienenköpfe gemindert

wird. Das Reibungsgewicht ruht ja auf den Laufkränzen. Die Seitenreibung

kann die Zugkraft nur mindern, sie aber nicht erhöhen. Die Schmierung

der Spurkränze geschieht dadurch, daß gefettete Polster an einer Stelle

gegen die Hohlkehle des Kranzes gepreßt werden. Man läßt auch zum

gleichen Zweck das mit Öl durchsetzte Wasser, welches sich in den

Abdampfleitungen niederschlägt, auf den Spurkranz tropfen.

Um weithin hörbare Signale abgeben zu können, bedient sich der Führer

der Dampfpfeife. Der Ton, den diese abgibt, richtet sich nach Größe und

Form der Luftmasse, die nach Öffnen des Pfeifenzugs von dem nun

ausströmenden Dampf in Schwingung versetzt werden kann. Die Stärke des

Tons ist abhängig von dem Inhalt der Pfeifenglocke, welche die

schwingende Luft birgt; die Höhe des Tons wird durch die Länge der

Glocke beeinflußt. Ein schriller Ton entsteht bei Benutzung von Pfeifen

mit kleinen niedrigen Glocken; solche mit großen und langen Glocken

geben einen tiefen Ton.

Bei Zügen für Personenbeförderung wird bei uns die Pfeife heute nur noch

selten benutzt. Früher war das Abgeben eines Pfeifensignals bei

jedesmaligem Anfahren der Lokomotive vorgeschrieben. Man hat das

inzwischen als unnötiges Lärmmachen erkannt. Nur bei der Einfahrt in

Tunnel pflegt regelmäßig gepfiffen zu werden, um Beamte, die vielleicht

gerade in der engen Tunnelröhre beschäftigt sind, möglichst frühzeitig

vom Herannahen des Zugs in Kenntnis zu setzen. Im Ausland pflegen noch

heute zwei begegnende Züge einander durch Pfeifensignale zu begrüßen,

was betrieblich vollkommen überflüssig ist. In Amerika werden an Stelle

der Pfeifen größtenteils kleine Läutewerke benutzt, oft nur ganz

einfache Glocken, die durch Zug an einem Strick vom Führerstand her in

Bewegung gesetzt werden können. Unentbehrlich aber sind die

Pfeifensignale bei den Güterzügen, wo sie die Bremser zur Bedienung der

Hemmvorrichtungen aufrufen. Durch verschiedene Folge kurzer und langer

Pfeifentöne können verschiedene Maßnahmen an den Bremsen befohlen

werden.

[Abbildung:

Bauart Latowski

205. _Dampf-Läutewerk_

für Nebenbahn-Lokomotiven

206. _Schnitt durch das Dampf-Läutewerk_

Bauart Latowski; der zum Anheben des Ventil-Kolbens in den kleinen

Innenzylinder strömende Dampf wird durch einen äußeren Dampfmantel

warmgehalten]

Lokomotiven für Nebenbahnen pflegen noch eine besondere

Signal-Einrichtung mit sich zu führen. Bei solchen Strecken sind ja die

Überwege zum größten Teil nicht bewacht, und es ist daher notwendig, das

Herannahen eines Zugs möglichst deutlich kenntlich zu machen. Zu diesem

Zweck ist auf dem Kessel eine große Glocke aufgestellt, gegen die mit

Dampfes Hilfe ein starker Klöppel geschlagen wird. Die kleine

Dampfmaschine, die hier zum Antrieb benutzt wird, ist sehr sinnreich und

einfach hergestellt. Sobald der Führer das Ventil zum Läutewerk geöffnet

hat, strömt der Dampf gegen einen Kolben in diesem. Er hebt ihn in die

Höhe und damit zugleich den Klöppel. Jetzt aber, nachdem der Kolben

emporgegangen, ist der kleine Zylinder innerhalb der Glockenschale nicht

mehr geschlossen, der Dampf strömt frei ab, er kann keine Druckwirkung

mehr üben, und Kolben und Klöppel fallen herunter, wobei der Schlag

gegen die Glockenschale bewirkt wird. Nun drückt der Dampf wieder gegen

den Kolben, und so wiederholt sich das Spiel stets von neuem wie bei dem

klappernden Deckel eines Teekessels.

Der Führer erhält den Befehl, das Läutewerk durch Öffnen eines Ventils

anzustellen, durch große, mit einem ~L~ versehene Tafeln zur Seite der

Strecke. Diese ~L~-Tafeln sind ein Ausrüstungsgegenstand, der für

„Bimmelbahnen“ kennzeichnend ist.

Damit der Führer stets imstande ist, die Druckverhältnisse in allen

Teilen des gewaltigen Lokomotivkörpers zu beobachten und seine

Maßnahmen danach einzurichten, ist in seinem engen Haus eine Reihe von

Zifferblättern angebracht, auf denen unter dem Einfluß zahlreicher

Vorgänge in der Maschine Zeiger bewegt werden.

Die wichtigste Vorrichtung dieser Art ist der Druckmesser, welcher die

Pressung im Lokomotivkessel anzeigt. Durch die Zahl, die den zulässigen

Höchstdruck angibt, ist ein roter Strich gezogen. Sobald der Zeiger

diesen Strich überschreitet, schlägt das Sicherheitsventil auf und

verhütet weitere Drucksteigerung. Eine zweite Meßvorrichtung zeigt den

Dampfdruck im Schieberkasten an, wodurch der Führer darüber aufgeklärt

wird, ob nicht etwa bei dem Weg vom Kessel zum Zylinder der Dampf eine

unzulässige Drosselung an irgendeiner Stelle erfahren hat.

Weiter werden die Luftpressungen im Bremshauptbehälter und in der durch

den Zug gehenden Bremsleitung selbst gemessen. Desgleichen kann

jederzeit auf einem Zifferblatt der Dampfdruck in der ja so wichtigen

Zuleitung zur Speisewasserpumpe festgestellt werden. In das Rohr,

welches den Heizdampf zu den Wagen überführt, ist ein weiterer

Druckmesser eingeschaltet. Die elektrische Anzeige-Vorrichtung für den

Grad der Überhitzung wurde bereits erwähnt.

Die Gebilde, welche man heute mit dem Wort „Dampf-Lokomotive“

bezeichnet, sind gewiß nicht alle gleicher Gattung. Diese große Familie

besitzt vielmehr Mitglieder äußerst verschiedener Arten, deren Aussehen,

Leistungsfähigkeit und Arbeitsgebiete sehr stark voneinander abweichen.

Die Riesenmaschine vor dem Schnellzug ist eine Lokomotive, das kleine

puffende eiserne Tier auf dem Bauplatz ist es gleichfalls. Damit man nun

leichter die Fähigkeiten der einzelnen Lokomotive kurz und schlagend

benennen kann, ist eine Gliederung notwendig gewesen. Man hat

Bezeichnungen eingeführt, welche die Grenzen der Benutzungsmöglichkeit

in einfacher Weise angeben. Von dem früher üblichen Brauch, jede

Maschine mit einem Namen zu versehen und gleichartige dadurch zu

kennzeichnen, daß man ihnen Namen von leicht erkennbarer

Zusammengehörigkeit beilegte, wird neuerdings abgesehen; dafür ist die

Familie längst zu vielköpfig geworden. Man bezeichnet die Lokomotiven

heute in sehr geschickter Weise durch Buchstaben und Zahlen.

Die Maschinen gliedern sich zunächst in Lokomotiven mit Schlepptender

und solche, die keinen besonderen Tender besitzen; diese heißen

Tender-Lokomotiven, abgekürzt ~T~. Die drei Hauptgruppen, Schnellzug-,

Personenzug-, Güterzug-Lokomotiven, werden durch die Buchstaben ~S~,

~P~, ~G~ gekennzeichnet. ~V~ bedeutet, daß auf der Lokomotive

Verbund-Wirkung angewendet wird, ~H~, daß sie mit Heißdampf-Erzeugung

versehen ist. Eine Zusammenstellung solcher Buchstaben ergibt schon eine

ganz brauchbare Kennzeichnung. So bedeutet ~G H T~, daß es sich um eine

Güterzug-Tender-Lokomotive mit Dampfüberhitzung handelt.

Am allerwichtigsten ist es aber für die Betriebsleiter auf

der Eisenbahn, die Achs-Anordnung jeder Lokomotive aus ihrer

Bezeichnung entnehmen zu können. Hieraus ist ja am besten auf ihre

Leistungsfähigkeit zu schließen, sowohl was die Zugkraft wie auch was

die Beweglichkeit in Krümmungen betrifft. Bis vor wenigen Jahren war es

üblich, die Achsanordnung durch einen Bruch anzugeben, in dessen Zähler

man die Zahl der gekuppelten Achsen, in dessen Nenner man die Gesamtzahl

der Achsen setzte. 3/5 bedeutete also eine Maschine mit fünf Achsen, von

denen drei gekuppelt sind. Hieraus konnte man jedoch noch nicht die Lage

der Achsgruppen zueinander erkennen. Aus diesem Grund ist neuerdings

eine Reihung von Zahlen und Buchstaben eingeführt, die erschöpfendes

über die Achsen aussagt.

Die Welt auf Schienen Eine Darstellung der Einrichtungen und des Betriebs auf den Eisenbahnen des Fernverkehrs, Nebst einer Geschichte der Eisenbahn · 第 26 / 60 段