Narbonne. Sie sind so gütig, liebe Mutter, sie zu empfangen--Ich
will dieses jetzt auf der Stelle absenden--(Leise zu Selicour.)
Gewinnen Sie die Einwilligung meiner Tochter, und mit Freuden erwähle
ich Sie zum Sohn--Noch einmal! Das Werk ist vortrefflich, und ich
gäbe viel darum, es gemacht zu haben. (Ab.)
Selicour (zu Karl). Nun, genießen Sie Ihres Triumphs, Herr Firmin!--
(Zu Charlotten.) Unser junger Freund weiß die Complimente ganz gut
aufzunehmen.
Charlotte. Nach den hübschen Sachen, die ich von ihm gesehen, hätte
ich nicht geglaubt, daß er nöthig haben würde, sich mit fremden
Federn zu schmücken.
Selicour. Bloße Gefälligkeit, mein Fräulein!--Aber die Gesellschaft
wartet--
Firmin (zu seinem Sohn). Nun, du hast ja ganz gewaltiges Lob
eingeerntet! (Selicour gibt Charlotten seinen Arm.)
Karl. Ja, ich hab' Ursache, mich zu rühmen.
Mad. Belmont (zu Selicour). Recht, recht! Führen Sie Charlotten--
Es kleidet ihn doch alles. Er ist ein scharmanter Mann! (Sie nimmt
Firmins Arm.)
Selicour (auf Firmin zeigend). Diesem Herrn, nicht mir, gebührt das
Lob--ich weiß in der That nicht, wie ich mir's zueignen darf--Alles,
was ich bin, was ich gelte, ist ja sein Verdienst. (Gehen ab.)
Sechster Auftritt.
Karl allein zurückbleibend.
Meine Unruhe würde mich verrathen.--Ich muß mich erst fassen, eh'
ich ihnen folgen kann. Habe ich wirklich die Geduld gehabt, dies
alles zu ertragen?--Ein schöner Triumph, den ich davon trug.--Aus
Spott machten sie mir das Compliment. Es ist offenbar, daß sie ihn,
und nicht mich für den Verfasser halten. Ich bin ihr Narr, und der
Schelm hat allein die Ehre.
Siebenter Auftritt.
Karl. La Roche.
La Roche. Siehe da, Herr Firmin!--So ganz allein--Es geht alles
nach Wunsch vermuthlich.
Karl. O ganz vortrefflich!
La Roche. Ich habe auch gute Hoffnung.
Karl. Selicour steht in größerm Ansehen, als jemals.
La Roche. Sieh doch! Was Sie sagen!
Karl. Es gibt keinen fähigern Kopf, keinen bravern Biedermann.
La Roche. Ist's möglich? Aber dieser wichtige Aufsatz, den der
Minister ihm aufgetragen, und dem er so ganz und gar nicht gewachsen
ist.
Karl. Der Aufsaß ist fertig.
La Roche. Gehen Sie doch!
Karl. Er ist fertig, sag' ich Ihnen.
La Roche. Sie spotten meiner! Es ist nicht möglich.
Karl. Ein Meisterstück an Styl und Inhalt!
La Roche. Es ist nicht möglich, sag' ich Ihnen!
Karl. Ich sage Ihnen, es ist!--Der Aufsatz ist gelesen, bewundert
und wird jetzt eben abgeschickt.
La Roche. So muß er einen Teufel in seinem Solde haben, der für ihn
arbeitet.
Karl. Und diese Gesandtschaftsstelle!