La Roche. Nun, die Gesandtschaft--

Karl. Er erhält sie! Er erhält die Hand des Fräuleins!

La Roche. Sie kann ihn nicht leiden.

Karl. Sie wird nachgeben.

La Roche. Die Gesandtschaft mit sammt dem Mädchen! Nein, beim

Teufel! Das kann nicht sein! Das darf nicht sein!--Wie? Was?

Dieser Heuchler, dieser niederträchtige Bube sollte einen Preis

hinwegschnappen, der nur der Lohn des Verdienstes ist.--Nein, so

wahr ich lebe! Das dürfen wir nicht zugeben, wir, die wir ihn kennen.

Das ist gegen unser Gewissen, wir wären seine Mitschuldigen, wenn

wir das duldeten!

Karl. Gleich, auf der Stelle will ich die Großmutter aufsuchen.--

Ich will ihr die Augen öffnen wegen des Gedichts--

La Roche. Wegen des Gedichts--von dem Gedicht ist hier auch die

Rede--Bei der alten Mama mag er sich damit in Gunst setzen; aber

meinen Sie, daß der Minister sich nach so einer Kleinigkeit bestimmen

lasse--Nein, Herr! Dieses Memoire ist's, das so vortrefflich sein

soll, und das er irgendwo muß herbeigehext haben--denn gemacht hat

er's nicht, nun und nimmer, darauf schwör' ich--aber seine ganze

Hexerei sind seine Kniffe! Und mit seinen eignen Waffen müssen wir

ihn schlagen. Auf dem geraden Wege ging's nicht--so müssen wir

einen krummen versuchen. Halt, da fällt mir ein--Ja, das wird gehen

--Nur fort,--fort, daß man uns nicht beisammen findet.

Karl. Aber keine Unbesonnenheit, Herr La Roche! Bedenken Sie, was

auf dem Spiele steht!

La Roche. Meine Ehre steht auf dem Spiele, junger Herr, und die

liegt mir nicht weniger am Herzen, als euch die Liebe--Fort! Hinein!

Sie sollen weiter von mir hören.

Achter Auftritt.

La Roche allein.

Laß sehen--Er suchte von jeher die schwachen Seiten seiner Obern

auszuspüren, um sich ihnen nothwendig zu machen. Noch diesen Morgen

hatte er's mit dem Kammerdiener--Der Kerl ist ein Plauderer--Es

wollte etwas von einem galanten Abenteuer des Ministers verlauten--

Er habe Zimmer besprochen in der Vorstadt.--Ich glaube kein Wort

davon; aber man könnte versuchen--Doch still! Da kömmt er!

Neunter Auftritt.

La Roche und Selicour.

Selicour (ohne ihn zu bemerken). Alles geht nach Wunsch, und doch

bin ich nicht ganz ohne Sorgen--Noch hab' ich weder die Stelle, noch

die Braut, und da ist Sohn und Vater, die mir auf den Dienst lauern

und mir jeden Augenblick beides wegfischen können--Wenn ich sie

entfernen könnte--Aber wie? Dem Minister ist nicht beizukommen--

Diese Leute, die ihren geraden Weg gehen, brauchen Niemand--man kann

sie nicht in seine Gewalt bekommen--Ja, wenn er etwas zu vertuschen

hätte--wenn ich ihm eine Schwäche ablauern könnte, die mich ihm

unentbehrlich machte!

La Roche (für sich). Recht so! Der läuft mir in die Hände!

Selicour. Ach, sieh da! Herr La Roche!

Der Parasit, oder, die Kunst sein Glück zu machen Ein Lustspiel nach dem Franzoesischen [des Picard] · 第 58 / 64 题